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Nu«, Sir, ich habe etwas gehört. Und es hat
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Der Teil des Gerichtshofes, der sonst nur von den Beamten eingenommen wurde, enthielt bei dieser Gelegenheit noch eine größere Zahl Neugieriger, die von dem offenen Geheimnis des romantischen Interesses, das mit den,. Falle verbunden war, herbeigezogen worden waren. Einige stattliche Frauen von Handelsleuten des Orts zwischen die Mitglieder des stärkeren Geschlechts ein- geschoben, liehen der Szene ihre Gegenwart. Ein Sum- men und em Gemurmel ging von einem Ende zum andern durch die Vicht gedrängte Versammlung, als die Geschwornen der Reihe nach eintraten und Platz auf den vom Alter geschwärzten eichenen Sitzen nahmen, die schon zu Karls I. Zeit alt waren, und vereidigt und vom Coroner feierlich ermahnt wurden. 1 1
Nach der im Gerichtshof durch diese Vorgänge ein- getretenen Ruhe, erhob sich ein lautes Geräusch von Stimmen, als die Geschworenen wieder hintereinander hinansgingen, um die Leiche in Augenschein zu nehmen. Die Polizeidiener, die an eine solche Aufregung in ihrer Stadt nicht gewöhnt waren, schrieen sich heiser im Eifer jedermann zum Schweigen zu bringen, außer sich selbst'
Als die Geschwornen zurückgekehrt waren, fing der die Aufmerksamkeit fesselnde Teil des Verfahrens an. rf. Der zuerst herbeigezogene Zeuge war ein Knabe, Charles Walle tt, der die Leiche gefunden hatte. Seine Aussage nahm nur wenige Minuten in Anspruch und bestand nur in dem Berichte, den er am vorigen Abende Mi Gasthofe zur „Glocke" erstattet hatte. Er hatte den Körper an der Straße liegend gesehen, hatte den Mann angerufen und ihn befühlt; da er aber keine Bewegung an ihm entdecken, noch eine Antwort erhalten konnte, so hatte er geschlossen, daß der Mann tot wäre, und wtte in aller Eile gerannt, Nachricht von seiner Entdeckung zu geben.
~ Der zweite Zeuge war der Geheimpolizist Hemming. Er gestand das offene Geheimnis zu, daß er ein geheimer Nachforschungsagent wäre, und sich in Stroan in Geschäften befände. Er war der erste gewesen, der nach Malletts Entdeckung zu der Leiche gelangt war, und einer von denen, die den Verstorbenen als Jem Stickels, den Fischer, identifiziert hatten. Der Mann war tot, als er ihn fand- aber er war noch ganz warm.
„Welche Zeit war es, als Sie die Leiche zum ersten Male gesehen haben?" fragte der Coroner.
„Ich hörte es halb neun Uhr von der Glocke der Sankt Martlnskirche schlagen, als ich ungefähr halbwegs von der Stroanbrücke und dem Platze war, wo wir die Leiche fanden."
o "War irgend etwas in der Stellung, in der die Leiche, lag, oder irgend eine andere Tatsache vorhanden, die Sie in den Stand setzt, sich eine Meinung über die Todesursache zu bilden?"
, , "Nicht das geringste, Sir", aiitwortete Hemming, der pine Nussage mit der klaren Stimme und dem zuversicht- lichen Wesen des alten Polizeimanns abgab, der das Ge- sühl hat, daß der Gerichtshof sein eigentlicher Schau- vw er sicher ist, gehört zu werden und zu verdienen, gehört zu werden. 0
. Y Vie Leiche mit dem Gesicht nach, unten, in euter, Lage, daß der Mann vielleicht zu betrunken
Mwesen sein konnte, um aufstehen zu können, und im Grase und Schlamme erstickt sein mag?"
„ V,(£r, wie ich gesagt habe, Sir, mit dem Gesicht Uchch unten. Sein Mund war aber nicht dicht am Boden. Ich halte es nicht für möglich, daß er erstickt sein kann Auch waren seine Kleider um den Hals ganz lose."
„Dann haben Sie sich keine Meinung über die Todesursache gebildet?"
michauseiiie Folgerung gebracht, auf die ich sonst nicht gefallen fein wurde. Mit Ihrer Erlaubnis- Sir, möchte ch nach dem jetzigen Stande der Sache lieber noch nicht W"«, worin diese Folgerung besteht. Sie beruht auf nichtch das ich an der Leiche gesehen habe."
. Lüstern entstand jetzt im Saale. Die Leute "L Menge blickten einander an, und gaben sich zu verstehen, daß es nicht viel Wissenswertes geben möchte, das der Londoner Schlaukopf nicht wüßte. Auch waren alle für Hemmmg eingenommen, weil er so sprach- daß ihn jeder verstehen konnte, eine Fertigkeit, in welcher der nicht berufsmäßige Zeuge so kläglich versagt.
Dies war der Hauptpunkt der Aussage Hemminqs: die wenigen weiteren Fragen, die ihm gestellt wurden brachten nur unwichtige Antworten hervor. Jeder Zeuge SJfeßte Jtc^' P116 _ zwei unbedeutende Fragen von Mitgliedern der Jury gefallen lassen, die alle wünschten, einer Aussage noch etn größeres Gewicht zu erteilen, als der, der sie machte, beabsichtigt hatte.
Der dritte aufgerufene Zeuge war Lukas Mann, bei dem der verstorbene Jem zur Zeit seines Todes gewohnt hatte.
■ feste eidlich das Zeugnis ab, daß Stickels von zwei Mannern in der Zeit zwischen ein viertel und ein halb Sieben nach Hause gebracht worden sei. Stickelsi der, als er ankam, in einern habbetäubten Zustande war, kam innerhalb einiger Minnteii wieder zum Bewußtsein und habe ihm eine Geschichte erzählt, wie es gekommen sei, daß er betäubt wurde. Es habe dann geschienen, als ob er wieder ganz wohl wäre. Er hätte am Feiler eine Tasse Tee getrunken, und die Absicht ausgedrückt, diese Nacht noch nach Stroan zu gehen. Dann hätte es an die Tur geklopft. Stickels selbst hätte aufgemacht, und nach einem Gespräch mit zivei Damen, die gekommen wären, ihn zu besuchen, wäre er plötzlich znr Hintertür hinaus- gegangen. Das Nächste, was Mann Von ihm gehört, wäre hätte e^ mnn ihn tot auf der Straße gefunden
, Die nächsten zwei Zeugen ivaren die Leute, die Jem Stickels hinter dem „Blauen Löwen" nach dem Zusammentreffen mit Clifford vom Erdboden aufgehobeii hatten. Beide sagten aus, dar; der Mann, als sie ihn aufhoben, bewußtlos gewesen wäre, daß er sich aber fast uninittelbar darauf erholt Hütte, so daß sie ihn nicht in die Hütte, wo er wohnte, zu tragen, sondern nur beim Geheil etwas zu stutzen brauchten, weil er klagte, sich „ein bißchen"- schwindelig zu fühlen. Sie fagten, daß es geschienen hatte, als ob er ganz wieder er selbst gewesen wäre, ehe sie ihn noch in der Hütte verließen.
Es entstand ein Gesumm der Aufregung im Gerichtshof, als jetzt Miß Bostal gerufen wurde.
Mit den weiblichen Zeugen fing das wirkliche Interesse der Untersuchung erst an. Genug war für die Schwätzer in Stroan ruchbar gewordeii, um zu merken, daß der Streit zwischen dem Gentleman Clifford King und dem Fischer Jem Stickels wegen Nell Claris ausgebrochen war; und jedermann wußte, daß Miß Bostal die Partei Jems ergriffen, und sich auf diese Weise auffällig in den Vordergrund dieser romantischen Geschichte gebracht hatte. Obschon Jem Stickels nicht den besten Charakter besessen hatte, so war es doch natürlich, daß sich nach seinem plötzlichen und geheimnisvollen Tode ein starker Umschlag im Volksgefühl zu seinen Gunsten vollzog.
„Armer Kerl!" — so sagte man zueinander. „Es ist klar, er muß! das Mädchen schrecklich geliebt und gewiß muß sie ihn auch etwas dazu ermutigt haben, damit er sich erkühnen konnte, sich als ihren Galan aufzuspielen."
Der weibliche Teil der Bevölkerung war wegen ihres unzweifelhaften Anspruchs auf Schönheit sehr gegen Nell eingenommen; und dieses Gefühl war zweifellos mehr die Mrkung törichter Eifersucht als eine auf ihr Betragen festgegründete Meinung.
Der männliche Teil anderseits, obgleich weniger boshaft als, die Frauen, war doch! nicht zu lebhafter Teilnahme für das Mädchen geneigt, das immer eine ausgesprochene Gleichgiltigkeit gegen die ihr von ihm entgegengebrachten Aufmerksamkeiten zur Schau getragen hatte. Es gab an diesem Sage manchen jungen Mann in dem gedrängt vollen Gerichtshöfe, der heimlich für seine verwundete Eitelkeit eine lindernde Salbe in dem Gedanken fant», daß das Mädchen, das ihm nicht so viel als einen Blick gewährt hatte, zwischen zwei Liebhabern ins Unglück geraten war, von denen man auf den einen nicht eben stolz ein konnte, während der andere sich unzweifelhaft in eine gefährliche Lage gebracht hatte.
Im ganzen war es daher Miß Bostal eher als Nell, )ie die Sympathie der Feuerprobe davontrug.
Als die kleine, dünne Dame mit dem zusammen- !gedrückten Gesicht, und dem gebleichten Haar in den Zeugenstand trat, und die Bibel mit ernster und würdevoller Ehrfurcht küßte, da gab es wenig oder kein Gelächter über ihren alten Anzug, der fünfundzwanzig Jahre zu-


