Redaktion: SuQiift Götz.— StotaticnSbruct rind Verlag der Drühl'säfen IlnivcrsikiiiL-Duch- nnd lLIciiidrnüeren R. Lanae. ließen.
»immer". Nur eine Schwäche teilt sie mit so vielen andern Angehörigen des zarten Geschlechts: sie schwärmt für Lektüre jeglicher Art, und selbst der „Geschäftsfreund",
ihrer Kleinheit müßten natürlich gleich mehrere genommen werden, alle zusammen wurden an einer Schnur um den Hals gebunden, und das diente zugleich zur „Zierde". Daß sie aber mit dieser Art Tabakdosen nicht recht zufrieden waren, zeigte sich, als die „Europäer" kamen. Bei diesen sahen sie manches, was ihnen zur besseren Lösung der Tabakdosenfrage dienen konnte. Ta waren es besonders die Patronenhülsen, die von den Europäern weg. geworfen, von den Matengo aber mit Gier aufgegriffen wurden. Eine solche weggeworfene Patronenhülse kann unter den Matengo Ursache zum Streit werden. Jetzt tragen die „glücklicheren" Matengo statt der Käferleichen vier bis fünf Patronenhülsen um den Hals, in denen ihre Vorräte von Schnupftabak aufgespeichert sind.
Literarrsches.
August Strindberg: Schwedische Schick- sale und Abenteuer. Aus dem Schwedischen von Einil Schering, 2. Abt. Band 3 der deutschen Gesamtausgabe von Strindbergs Schriften. Leipzig, Herrn. Seemann Nächst Daß Strindberg eingehend Studien über die Geschehnisse seines Vaterlandes gemacht hat, davon haben seine beiden großen Dramen „Gustav Wasa" und „Gustav Adolf" Zeugnis abgelegt. Als Frucht seiner Beschäftigung mit schwedischer Historie und Kulturgeschichte dürfen aber auch die vorliegenden Siovellen gelten, die aus dem Anfang der achtziger Jahre stammen und uns den Dichter als Meister in der Erzählungskunst zeigen. Weitab liegen die Zeiten, in die der Leser geführt wird, aber mit plastischer Deutlichkeit zaubert Strindberg die einzelnen Gestalten aus dem Dämmerlicht hervor, und keine der Novellen legt man aus der Hand, ohne von ihrem Inhalt lebhaft ergriffen zu sein.
Hugo Salus: Novellen desLyrikers. —- Verlag von Egon Fleischel u. Co., Berlin W. 35. — Preis 2 Mk. — Zum erstenmale tritt Hugo Salus, der bekannte Prager feinsinnige Lyriker, mit einem Novellenbande hervor, zum erstenmale strebt er nach der Sprache, die nicht durch Blumengärten und feierlich rauschende Haine, sondern» zwischen Kornfeldern und Kartoffeläckern dahinführt. Aber ein Zwiespalt füllt hierbei seine Seele, der Novellist ringt mit dem Lyriker. Und überall taucht der Erzähler seine kleinen und großen Handlungen in Glanz und Schimmer, gibt in Prosa aufgelöste Rhythmen und hebt die Welt seiner Menschen über das Alltägliche hinaus. Als Lyriker erzählt Salus, mag er nun eine leuchtende Pleinair-Studie geben, die am Strande von Westerland spielt, mag er in einem Stückchen Selbstbiographie ein Bild aus dem Stadtleben Prags zeichnen nnd dabei an einem äußerlich schlichten Vorgang ein Stück intimer Psychologie aufdecken, mag er die Sehnsucht und Freude über Italien in einer kleinen Novelle aussprechen oder in einer fabulösen Geschichte aus der Landsknechtsgeit von tollem Rausche und überschäumender Lust berichten. Stets sind es mehr Blicke und Gebärden, mehr Worte und Töne, mehr Farben und For- nien, die Salus festhält, mehr Ideen und Bilder als reich bewegte Handlung, als reicher Fluß des äußerlichen Geschehens. Ueberall aber — mögen die Novellen frohere oder ernste Töne anschlagen — bietet er den Genuß einer künstlerisch durch gearbeiteten, vornehmen Sprache, überall durchdringt seine Darstellung Wärme und Leben.
Preisrätsel.*)
Nachdruck verboten.
Kohle, Kanuen, Goldmünze, Schelle, Nockeinfassnng, Preiselbeeren
Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung.
*) Lösungen sind mit Aufschrift: „Preist Ütsel-Lösuna" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gtetzenek Familienblütter" einzusenden.
Auflösung der Pyramide in vor. Nr. r l E I b e I Bein
Birne
Birken
den der Hausherr zur ruhigeru Durchsicht in seine Privatwohnung nntznnehmen pflegt, wird von Minna sorgfältig durchgesehen — der „schönen Moden wegen", wie sie kürzlich schämig erklärte, als sie gesragt wurde, was sie denn eigentlich mit dem nur Fachinteressen dienenden Matt wolle. Minna aber wollte doch noch mehr, sie hatte etwas ganz besonderes entdeckt, eine Empfehlung unserer Hutklischees. Und als eines Sonntagabends der gastlich bewirtete Marsjünger noch vor dem Zapfenstreiche von ihr verabschiedet war, da vertauschte sie den Kochlöffel' mit der Feder, setzte sich an den Küchentisch und schrieb uns folgenden gefühlvollen, stilistisch wie orthographisch gleich schönen Brief: „Lieber Herr, da ich das Blatt ihres Geschäftsfreundes lesen wollte fand ich den auch ihre Anzeigen in Hüten, und nun bitte ich sie schicken sie mir den Hut Nr. 138 zu dem Preise von 3 Mark. Geehrter Herr ich wollte mir erst mal einen Schicken lassen, und wenn er mir gefällt so wollen noch mehre durch mich ihren werten Sendungen folgsam sein. Nun bitte ich sie, wenn irgend möglich ' ist daß ich den Hut noch bis auf nächsten Sonntag bekommen denn ich wollte verreisen. Schicken sie bitte Postnachnahme wodurch sie auch den Betrag erhalten. Ardresse An Fräulein Minna . . . Adr. Herrn . . . in . . ." Leider konnten wir den Wunsch der Briefschreiberin nicht erfüllen, da ein Hut kl i sch e e als Kopfputz schlechterdings reicht zu verwenden ist, und so hat die holde Küchenfee, die jetzt sicherlich nicht gut auf uns zu sprechen ist, ohne unsere „werte Sendung" reisen müssen.
* Neber den Verbrauch von Schnupftabak bei den Matengo inOstafrika berichtet im „Heidenkiud" P. Haeflinger: Wenn zwei Matengo sich begegnen, so lautet meistens das zweite Wort: Nirutuli lrhona (gib mir Tabak)! Ohne Schnupftabak kann der Matengo nun einmal nicht leben. Ist er als Träger auf dem Wege, so stellt er hier und da seine Last ab mit dem Bemerken: „Nun muß ich eins schnupfen, damit ich neue Kräfte schöpfe". Ist er auf dem Felde, so legt er seine Hacke weg, um mit Schnupftabak neue Lebensgeister zu wecken. Ten Tabak nennt er seine Nahrung^. Darum schnupft denn auch alles, Männer und Weiber, klein und groß; selbst Kinder, die noch von der Mutter auf dem Rücken getragen wurden, sah ich mit der „Schnupftabaksdose" um den Hals. An Schnupftabak ist nun allerdings kein Mangel, denn der Tabak wächst hier leicht auf den Feldern, und wohl jeder Matengo hat auch eine Parzelle mit Tabak bepflanzt. Allerdings mutz der Europäer, der ihn rauchen will, ziemlich starke Nerven haben. Tie Schnupftabakbereitung ist sehr einfach: Ist der Tabak reif geworden, so werden die Blätter abgeschnitten, kommen dann in einen hölzernen Mörser und werden mit einer hölzernen Mörserkeule von etwa 2 Meter Länge gestoßen. Tie gestoßenen Tabakblätter werden dann in einem Topf aus Ton etiva fünf Tage lang liegen gelassen, damit sich der Saft absetzen kann. Dann werden die Blätter auf einer Matte zum Trocknen ausgebreitet. Ist das geschehen, so werden zwei Bastfeile kreuzweise auf den Boden des Mörsers gelegt, und die getrockneten Blätter werden nun mit der Keule hineingestampft und hineingepreßt. Dadurch entsteht nun ein harter Klumpen in Kegelform von etwa 12 Zentimeter Höhe und 10 Zentimeter Durchmesser. Da auf dem Boden zwei MrUeile gelegt wurden, so läßt sich der Klumpen nun leicht herausziehen, und gelangt in dieser Form, nachdem er an der Luft noch Weiter getrocknet ist, zum Verkauf oder eigenen Verbrauch. Zu diesem Zwecke wird ein Stückchen davon abgeschnitten, auf einem Stein zerrieben, und der Schnupftabak ist fertig. Um ihm aber ein besseres Aroma zu geben, mischen die Matengo oft noch Ingredienzien dazu: Kräuter aus dem Walde, be- Erders aber das abgesallene Ende der Bananenblüten.
. tzteres nehmen sie, verbrennen es auf einer Scherbe eines zerbvvchencn Topfes zu Asche und mischen dieselbe dann nrit dem Schnupftabak. Nun sind aber unsere Schwarzen in der Kultur noch nicht soweit vorgeschritten, daß sie schon Schnupftabakdosen nach, europäischer Art verfertigen könnten. Früher behalfen sie sich in anderer Weise. Sie rissen Käsern von der Größe eines Fingerhutes einfach den Kopf ab, weideten sie aus, trockueten sie an der Sonne, und die Tabakdose war fertige Wegen


