Ausgabe 
28.11.1903
 
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Mannes, gehalten wurve. Sie war ganz allein im Hause; zwei Leute, die bei ihr dienten, hüteten die ihr gehörigen Viehherden, die sich jahraus jahrein auf entfernteren Weide­plätzen tummelten. Zu ihrem Schutze hatte sie nur zwei mächtige Hunde und ihren sicher treffenden Revolver. Außer mir waren an dem bewußten Abend nach zwei Mexikaner in dem Gasthof abgestiegen, deren Pferde dieselbe Verpfleaung erhielten wie das meinige.

Nachdem ich mich während des Abendbrots und noch darüber hinaus mit der sehr energisch ausschauenden Dame unterhalten hatte, begab ich mich zu Bett und fiel sogleich in erquickenden Schlummer. Am nächsten Morgen, als kaum der Tag zu grauen begann, wurde ich durch großen Skandal auf dem Hose munter gemacht. Neugierig verließ ich mein Lager und steckte den Kopf zum Fenster hinaus. Da sah ich die beiden Mexikaner, die schon zu Pferde saßen und offen­bar die Absicht hatten, stzch mit französischem Abschied zu drücken und so der Begleichung ihrer Rechnung aus dem Wege zu gehen. Sie hatten jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn der Ausführung ihres Planes stellten sich alsbald Hindernisse entgegen, an die sie wohl nicht gedacht hatten. Dicht mn der Eingangs­worte pflanzten sich nämlich sofort die beiden großen Hunde auf, laut bellend und dadurch ihre Herrin aus- merksam machend. Es dauerte auch keine Minute, so er- chien diese, den Sechslüufer in der Hand, auf der Schwelle des Hauses und nahm Kenntnis von der Lage. Die Mexi­kaner, ebenfalls mit Schußwaffen versehen, schienen nicht übel Lust zu haben, die Hunde zu erschießen und dann das Weite zu suchen. Als die Wirtin dies bemerkte, rief sie ihnen in drohendem Ton zu:Wer mir einen meiner Wächter erschießt, ist auf der Stelle ein Kind des Todes; ihr wißt, daß meine Kugeln stets ihr Ziel erreichen. Augen­blicklich steckt die Revolver ein und zahlt Logis- und Futter­geld, eher kommt ihr nickt vom Hofe!"

Und siehe da! das energische Auftreten der Frau, verbunden mit der an den Tag gelegten Furchtlosigkeit, wirkte Wunder. Die Schußwaffen verschwanden im Gür­tel und die Hände fuhren nach den Taschen, um, mit je einem Dollar versehen, daraus aufzutauchen, den sie, frei­lich mit knirschenden Zähnen, im übrigen aber mit einer wahren Armensündermiene der resoluten Besitzerin einhän­digten. Diese ließ einen Pfiff ertönen, die Hunde zogen sich von dem belagerten Dor zurück, und die spitzbübischen Mexikaner räumten das Feld.

Mehrere Jahre hielt ich mich in einem großen kalifor­nischen Minen-Bezirk auf. Etwa 1000 Schritte von meiner Bretterbude entfernt wohnte eine Frau mit ihrem Mann in einem ganz bequem eingerichteten großen Tunnel. Sie stammte aus den Südstaaten, wo ihre Eltern reiche Plan­tagen besessen hatten, deren Vermögen aber nach dem Bürgerkriege durch die Sklavenbefreiung völlig verloren gegangen war. Die Eltern starben bald nachher, und ihr einziges Kind, die erwähnte Tochter, wandte sich, nur über geringe Mittel verfügend, nach jenem kalifornischen Minen- Kamp, wo sie sofort eine große Anzahl vonClaims" ausnahm. Sie hatte sich inzwischen mit einem Manne ver­heiratet, den sie übrigens mehr als Sklaven denn als Gatten betrachtete, denn zu sagen hatte er absolut nichts. Ten größten Teil ihrer Minen hatte sie verpachtet, andere betrieb sie selbst durch angenommene Leute ,während einige auch zeitweise brach lagen. Tie letzteren Minen machten der Besitzerin oft große Kopfschmerzen, denn sie bemerkte wiederholt, daß fremde.Leute in ihrem Eigentum arbei­teten. Sie war, mit einem Revolver bewaffnet, beständig unterwegs zwischen ihren Minen, um solche Frevler ein­mal auf der Tat zu ertappen. Lange wollte ihr dies nicht gelingen, bis sie eines Mittags drei Männer emsig in einer ihrer Minen beschäftigt fand. Furchtlos trat sie heran und forderte, die gespannte Waffe in der Hand, die Lente auf, ihren Grund und Boden zu verlassen. Tie drei Leute schienen durchaus nicht gewillt zu sein, der Aufforderung nachzukommen, sondern setzten ihre Arbeit gemächlich fort. Da ein nochmaliger Befehl ebensowenig respektiert wurde, so machte die Frau weiter kein Feder­lesens, sondern knallte einen der Leute einfach nieder. Der Schuß hatte die gewünschte Wirkung; die beiden anderen Männer packten den anscheinend nicht schwer verwundeten Kollegen unter die Arme und zogen mit ihm von bannen,

Ergäirzrrngsriitsel

Nachdruck verboten.

offenbar keine Lust verspürend, mit der energischen Damtz noch weiter anzubmden.

(Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nur Schwarz-Weiß°Rot.

Vermischtes.

* lieber das junge Mädchen in China weiß ein französisches Blatt recht hübsch zu plaudern: Tie chine­sische Frau beginnt schon bei ihrer Geburt zu leiden. Wenn man den Tod des Vaters oder eines Sohnes ausnimmt, gibt es für eine chinesische Familie nichts Traurigeres als die Geburt einer Tochter. Ein Mensch, der nur Töchter hat, gilt in China als unglücklich und wird geradezu verachtet. Selbst in den wohlhabendsten und höchstgestellten Familien wächst das junge Mädchen bis zu seinem dreizehnten Jahre das ist das Beginn des Heiratsalters ohne jede höhere Erziehung heran. Im dreizehnten Jahre erst legt die Chinesin Fraueukleider an; bis dahin hat sie sich ebenso gekleidet wie die Knaben und auch ihr Haar ebenso ge­flochten. Jetzt aber ist sie erwachsen, und die Mutter macht sie mit den Geheimnissen der Kochkunst bekannt und bringt ihr die sehr strengen und sehr verwickelten Vorschriften der chinesischen Anstandslehre bei. Trotz der strengen Sitten­gesetze ist aber in China manches schicklich, was eine euro­päische Dame nicht tun dürfte, ohne Anstoß zu erregen. So darf z. B. die junge Chinesin ungestört die Pfeife rauchen. Daß die chinesische Frau in strenger Abgeschlossenheit lebt, ist bekannt. Eine junge Chinesin darf nicht einmal ihre Brüder sehen. Ten Gatten lernt sie erst am Tage der Hochzeit kennen. Wenn Verlobung gefeiert werden soll, gehen die Eltern des Bräutigams zu den Eltern der Braut und geben der letzteren einen Ring für den Ringfinger jeder Hand und für jeden Arm ein Armband; dann schmücken sie ihr die Stirn mit einem Tiadem aus Eisvogelfedern. Der Bräutigam bekommt keinen Ring, und bald nach der Hochzeit legt auch die junge Braut ihre Ringe für immer weg. Im Mittelstand erhält die Braut als Geschenk ihr Hochzerts- kleid mit der Perlenkrone, acht Krüge Wein oder Reisschnaps, zweihundert Brötchen, acht Schelle und acht Gänse. Tie Gans besonders gilt allgemein als Sinnbild der Ehe. Tre Gänse und die Lämmer werden rot angestrichen. Am Hoch­zeitstage wird alles, was die Braut als Mitgift bringt, feierlich zum Bräutigam geschickt, und wenn alles da ist, überschreitet die Braut die Schwelle. Ihre Mutter legt ihr bei dieser Zeremonie ein Stück Seide als Schleier um den Kopf, sodaß der rotseidene Schleier das ganze Gesicht be­deckt. Tann führt man die Braut zur Schwelle des Hauses, in dem sie nunmehr wohnen soll, und bringt sie zrim Bräu­tigam. Nun werden vor den auf einem Tische stehenc^n Götzenbildern Parfums augezündet, und die jungen Ehe­leute werfen sich zahllose Male zu Boden. Man gibt ihnen darauf als Sinnbild des Friedens einen Fichtenzapfen und als Sinnbild des Glückcs einen Schemel in die Hand, woraus der Bräutigam den roten Schleier vom Gesicht der Braut nimmt. Tie Neuvermählten grüßen sich feierlich und trinken aus zwei kleinen silbernen Kelchen. Und das ist alles die Hochzeit ist zu Eiide! , ,

*Ich klage den König an!" Emer der be­kanntesten Rechtsanwälte Portugals hat kemen Ge­ringeren als den König vor den höchsten G«ichtvhof d.I Reiches geladen unter der schweren offen licheu Anklage der König verschwende in persönlichen Ausgaben nictjt weniger als den vierten Teil der Staatseinnahmen und habe in diesem einen Jahre sogar fürAusflüge zu wer Geld verausgabt. DieseAnklage" ist durch em reiches Aktenmaterial belegt.

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An Stelle der Punkte sind passende Buchstaben zii setze», w daß bekannte Hauptwörter ent,leben. Tie .emgeiugteu B chslabeii müssen im Zusammenhang gelesen em Sprichwort ergebe .

Redaktion: August Göb. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen llniversitäts-Bucki- und Steindruckerci. R. Lange, Gießen.