Ausgabe 
28.1.1903
 
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Wirtschafterin rennen zu lernen, die Geld hatte und so gut zu ihm paßte.

Er kam an den Röhrbrunnen, an dem zwei schwatzende Frauen standen. An die wandte er sich um Auskunft, wo Ehlers wohnte.

Ehlers?" erwiderte die eine.Was wull'n Se den?"

Ich ha gehert, hätte äne Wärtschafter'n, die gerne heirate wulle."

Tie wull'n Se wull gar heirate?"

Jo, ich bän Se nämlich Wüttmann."

Se wer'n doch nich die ale, schwarze Hexe heirate", riefen beide Frauen.

Hexe?" rief Christian entsetzt.

Freilich äs's äne Hexe. Han Se das nich gewußt? Tie brucht Sie gurt mol scharf anzugucken, do sin Se ver­hext. Ihre Mutter hat auch schune gehext. Wenn das Hexen nicht wäre, un alle Lite sich vor ihr fürchten, wär fe doch nich Wärtschafter'n den ölen, giz'gen Ehlers, «unst hätte se doch geheirat't, denn sie hat ja schenes Geld."

Christian überlief es eiskalt. Er dankte für das Geld, er wollte keine Hexe zur Frau haben.

Ach, wie gut war es, daß er die beiden Frauen ge-i troffen hatte, er wäre ja sonst der unglücklichste Mensch auf der Erde geworden.

To wißte ich äne andere Frau für Sie", erklärte die zweite,gehn Se mol Hermine Buschen, die wäll auch gern tvädder heirate."

Wie vlt äs se?"

Fusz'g."

T as würde Passe. Hat se auch ®>?"

No, reich äs se gerade nich, aber auch nich arm. Se hat ä Hischen mät ä grüßen Garten un anderthalb Morgen Land. Ihr Mann war Schuster un äs vor zwei Johr'n gestorben. Se muß wädder ä Mann habe, der Gorten äs verwildert un drängt nich mehr väle in, un ums Land bekimmert sich auch kei Mensch. Früher hatten Buschens egal d'n schönsten Solat un Kuhl."

Jv, io", machte Christian befriedigt.

Wer zwei Kinger hat se", sagte die Erste,ä Mächen vun zwanz'g un ä Jungen vun zehn Jahren."

Tas schadt't ntscht", entgegnete Christian,die kenn' feste mät ahnpacke."

Er ließ sich beschreiben, wo die Buschen wohnte und machte sich aus den Weg zu ihr. Er musterte das Haus. Es gefiel ihm nicht zu klein, auch nicht zu groß.

Er grng ins Haus und klopfte an der ersten Tür an. herein", ertönte es drin. Er trat ein. Am Fenster saß ein junges hübsches Mädchen und nähte.

Guten Tag", sagte er,wohnt denn hier die Frau Duschen?"

Jo, das äs mine Mutter."

Aes so do?"

Se äs üben."

Wull'n Se se mol rufe?"

Was füll se denn?"

Sehn Se, ich bän Wättmann, ich Wuhne in Udorf, ich wäll Ihre Mutter heirate."

Tas Mädchen musterte ihn kritisch und sagte:Nehmen Se Platz, ich will mine Mutter rufe."

Sie lies die Treppe hinauf und sagte:Mutter, ungen äs ä Kerl, der Dich heirate wäll."

Mächeu, Tu bist verrickt", rief die Buschen erstaunt, wußte sie doch gar nichts von einem Verehrer.Nei, nei, gek mol nunger."

Tie Buschen eilte in die Stube. Da saß Christian auf dem Platze, den vorhin Emilie innegehabt hatte. Er brachte seinen Spruch an, daß er wieder heiraten wolle, und daß die Leute ihm gesagt hätten, sie passe zu ihm. Tabei sah er sie verliebt an, sie gefiel ihm. Und er gefiel der Buschen. Aber sie zeigte es ihm nicht sofort. Sie sagte: Ja, das ginge doch nicht so schnell, das wollte überlegt sein.

Sie ken'n sich nach mir erkundige", sprach er.Sie ken'n jedes in Udorf frage, ob ich mine Sache nich zu­sammenhalte. Ich trinke nich und rauche nich. Ich, ha ä tzus und vier Morgen Land, und in d'r Sparkasse ha ich tausend Mark. Wenn Se mol 'nus kumme wull'n, wäll ich Sie's Sparkassenbuch wise. Oder ich kann'S auch ämol

mätbränge. In mi Hüse tvuhnt Rike mät ihr'n Mann«. Tie ha ich nämlich als Kind ahngenummen un ba ihr'S Hus verschräbben. Wer's Land un's Geld füll se nrch erbe, weil si nich gut mät mir äs. Tas ken'n Ihre Kinger erbe. 'S Land kann de Rike mät ihr'n Manne jo Witter- bearbeite, aber se missen mir Pacht zahw. Wenn ich da Sie ziehe, ken'n mer scheue lebe. Se Han doch'» Hus un d'n Gorten un auch noch Land."

Jo, das ha ich", erwiderte die Buschen,aber ich ha auch finfhunnert Mark Schulden. Wenn Se su väl Geld hergebe wull'n, daß ich meine Schulden bezahle kann, no, do ließe sich jo dräbber spreche."

Jv, das Geld kann ich hergebe, das äs jo nich weg­geschmissen. Un ä Mann kennten Se gut beuche, denn d'r Gorten is nich in Ordnung."

J-o, dränget gor nich mehr väle in."

So schwatzten sie hin und her und verabredeten sich, noch in derselben Woche das Aufgebot zu bestellen.

Schobers erschraken doch, als sie sahen, daß Christian Ernst machte. Sie versuchten, durch Schmeicheln und heuch­lerisches Gutsein ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Wer er blieb fest. Er ließ vom Gemeindeschrerber einen Pachtvertrag aussertigen, den sie unterschreiben mußten, und ließ sie nicht im Zweifel darüber, daß sie nichts von ihm «erben würden.

In Altendorf arbeitete er fast noch mehr als in Udorf, und seine Frau und seine Tochter halfen ihm. Es ging alles wie am Schnürchen.

Minen war zwar die Arbeit und die Knickerigkeit manchmal zu arg, aber gegen ihren Mann äußerte sie nichts davon. Scharwerken und Sparen lag einmal in seiner Natur, und wer kann gegen seine Mrtur? Aber ihrer Kundschaft gegenüber schüttete sie ihr Herz aus. Frei­lich konnte sie nicht umhin, Christian zu loben, aber sie beklagte sich doch auch bitter über ihn. sagte sie, alles was wohr äs. Ich ha ä hibschen, guten und sleiß'gen Mann. An d'n Kingern hat er si Narren gefressen un hat ä Testament gemacht, daß se alles vun ihn erben. TaS Stückchen in Udorf krait kei Pfennig. Aber aiz'g LS, giz'g, sag ich Sie, das äs 'was Arges. Nv, uh bän aber ganz .stille, denn warum, 's kemmt ja doch emol mi Kingern zu gute."

Christian traf, aW er schon Jahr und Dag mit Mine« verheiratet war, seinen früheren Freund, den Seiler Märtz. Gut, daß ich Dich treffe", sagte er,ich ha ä Hihnchen mät Dir zu ruppen. Du willst mi Freund si und hast mich äne Hexe geschickt, daß de mech nochtern uslache kunnt'st? Fär sulche Frindschaft danke ich. No, aber d'r liebe Gott hat's gut gemacht un hat mich laßt äne Prachtsftau kriege un gute Kinger, daß ich 'mol in Frieden sterbe kann."

Schachaufgabe.

Von A. Burmeister in Tschernigow. (Nachdruck verboten.)

Weiß. (8+*)

Weiß zieht an und setzt mit dem dritte« Zuge matt, (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung deS Akrostichons in vor. Nr.:

Harm, Lhering, Decke, Wellt, Ilia», Gabd Hedwig.

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Redaktion: Turt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfltäis-Buch- und Eteindruckcrci (Pietsch Erben) in Gieße«.