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Itdje Bereinigung von Banin und Fluß verleiht dieser Natur ihren eigenen idyllischen Reiz, und ob man im schattigen Kurgarten sitzt, in den parkartigen Anlagen lustwandelt, in der großen, gedeckten Wandelhalle promeniert oder sich von der Malbergbahn, der ersten Zahnradbahn Deutschlands, zur Höhe emporziehen läßt, überall genießt man einen Ausblick auf die grünen, sandigen Wasser der Lahn. In der Wandelbahn ertönt hin und wieder ein leises Hüsteln und Stöhnen, und man versteht die hier in allen Kultursprachen angebrachte Verordnung: „Das Aerztekolle- gium und die Kurkommission ersuchen dringend im Interesse der Kranken die Damen, die Kleider nicht schleppen zu lassen", und diese Verordnung verdient, überall beachtet zu werden, auch an jenen Orten, an denen die Gesunden hasten und arbeiten.
Ein schwerfälliger Wagen, der überfüllt ist, als ob er einem Berliner Sonntags-Vorortzug angehörte, führt mit der Malbergbahn in einer Gesamtsteignng von 300 Meter Höhe empor zum Malberg. Die Auffahrt läßt an Unbequemlichkeit wenig zu wünschen übrig, allein sie bietet ein sehr abwechslungsreiches Panorama, in dem wir aufsteigend die Lahn in ihrem malerischen Lauf, Bad Eins in seiner schönen Buntheit, freundliche Täler und waldige Höhen bewundern können, und oben ans der Höhe erweitert sich dieses liebliche Schauspiel; wir blicken über Wald und Tal hin zu jenen zierlichen Ortschaften, die, umgeben vom Zauber einer friedlichen Natur, weltabseits gebettet liegen.
Ems ist ein ruhiges, geräuschloses Bad geworden, allem ein Heilbad, zu dem Tausende ans aller Herren Ländern tvallfahrten, um Genesung und Erholung zu suchen. Die Zahl seiner Kurgäste steigt von Jahr zu Jahr; doch diese Steigerung hat dem entzückenden Lahnbäde seine Solidität nicht genommen, und diese prägt sich vor allen Dingen in angenehmer Weise in den soliden Preisverhältnissen aus.
In seinem Aeußeren ist Ems so schmuck, in seinen Anlagen so wohlgepflegt, in seinen Einrichtungen so adrett und so komfortabel, daß es auch heute noch jeden Tag Kaiser und Könige würdig beherbergen könnte.
A l f r e d H o l z b v ck (im Berl. Lok.-Anz.)
Bon der Saiüinlung „Berühmte Kunststätten", die seit Jahren im Verlage von E. As- Seemann in Leipzig veröffentlicht werden, sind unlängst wieder drei interessante Bände erschienen: Nr. 20: Florenz (Preis 4 Mk.), Nr. 21: Kairo (Preis 4 Mk.) und Nr. 22: Augsburg (Preis 3 Mk.). Adolf Philippi hat mit großer Sicherheit und Freiheit den gewaltigen Florenz-Stoff bezwungen. In 17 Kapiteln, die von 222 eingestreuten Abbildungen belebt sind, gibt er die kulturhistorischen Grundbedingungen des Florentiner Lebens, die Geschichte des Gemeinwesens, die! Darstellung der Baugesinnung, kennzeichnet die Blüte der Bildhauerkunst und Malerei, die künstlerischen Individualitäten, die sich schöpferisch an der Gestaltung der Florentiner Kunst — auch der Poesie — betätigen und macht so das bunte Gewirr der Kunsteindrücke, das in Florenz den Besucher von allen Seiten umdrängt, verständlich und genießbar. Dabei hat er sich bemüht, so einfach und schlicht als möglich zu schreiben, um den Laien nicht durch allzu viele Fachausdrücke zu ermüden. — Das Buch über die Hauptstadt Egyptens hat Franz Pascha geschrieben. Nirgends mehr als in Kairo ist der Erklärer und Führer durch Vie fremdartige Kunstwelt nötig und willkommen. Nirgends mehr als dort bedarf der Fremde der Entscheidung, Belehrung und ilebersicht, ivill er nicht verständnislos und ohne Nutzen die seltsame Stadt wieder verlassen. Franz Pascha unterrichtet mit eindringendster Sachkenntnis in acht Kapiteln über die Bautätigkeit der Araber, der Fati- miden, Ejubiden unb Mameluken, die Denkmäler aus der Zeit der türkischen Herrschaft, die Profanbauten des Islam und die Stätten der Verstorbenen, d. h. der Mameluken- und Kalifengräber. Seine Schilderung ist von mehr als hundert Abbildungen unterstützt. Einen Anhang bildet die Ehrung durch die Altertümer des egyptischen Museums "oi' &■ W. von Bissing, die jetzt in dem neu eröffneten ..infeuin sichtbar gemacht worden sind. Anch hier wird dem Kunst;rennd wertvolle Belehrung und Vertiefung der fremdartigen Eindrücke zuteil iverden, sodaß er ein geistiges!
Verhältnis zu den Dokumenten der uralten 'Kultur gewinnt. — Augsburg endlich, die Stadt der Fugger, Welser und Peiltingers, die Geburtsstätte der Künstlerfamilie Holbein, Burkmaiers, der Lieblingsanfenthalt Maximilians, des letzten Ritters, hat in Berthold Riehl einen berufenen Lobredner und Schilderen erhalten. Das Buch erzählt, wie heute Augsburgs reiche Denkmale von Kunst und Geschichte der Stadt berichten, es geht daher auch durchaus von dem Studium der Kunstwerke aus, berücksichtigt aber auch möglichst eingehend die vorhandenen Schriftquellen. Mehr als 900 Jahre ziehen da an uns vorüber, und noch heute predigen Stxaßen, Gassen und Gäßchen, Monumental- und Profanbauten, Dore unb Brunnen von dem einst so blühenden Handel und lebendigen Kunstsinn ihrer Bürger.
Litevavisches.
— Die deutschen Volksststurme und Landschaften. Von Prof. Dr. O. Weise. Mit 26 Abbildungen im Text unb auf Tafeln. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich - gemeinverstäublicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 16. Bändchen. 2. Auflage.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 128 S. Preis geb. 1.25 Mk. Der Verfasser führt uns in der Arbeit die deutschen Volksstämme und Landschaften nach ihren charakteristischen Eigentümlichkeiten vor Augen. Nach einer Einleitung, in welcher von der Bildung und Verbreitung der deutschen Bolksstämme gesprochen wird, behandelt er in fünf Abschnitten die Sachsen, Franken (zu denen ja auch die Hessen gehören), Bayern, Alemannen unb Thüringer nach ihren durch die Natur der Wohnsitze bedingten Charaktereigenschaften unb den hiermit int Zusammenhänge stehenden Leistungen auf den Gebieten der Wissenschaft, KUnst, Technik, Gewerbetätigkeit, Politik und bergt. Dabei werden überall die hervorragenden Männer erwähnt und kurz und treffend charakterisiert. Die fünf Abschnitte des zweiten Teils enthalten Ergänzungen zu den Ausführungen des ersten, wobei bas Landschaftliche bett Einteilungsgrund bilbet: es werden nacheinander behandelt das nördliche, westliche, südliche, östliche Deutschland und zum Schluß das Herz Deutschlands, indem namentlich auf die Beziehungen der Bewohner zu den Nachbargebieteu Bedacht genommen wird. Das Buch enthält eiije Fülle von Anregungen in fesselnder Form. Der reiche Inhalt läßt sich in einer kurzen Besprechung auch nicht annähernd anbeuteu. Dazu kommen noch gute Abbildungen von Landschaften, Städten, Baudenkmälern und volkstümlichen Kunstwerken. Das Buch ist warm zu eimpfehlen.
Johanna Titus, Allerlei Getränke. 310 erprobte Rezepte zur Bereitung von Bowlen, Kaltschalen, Limonaden, Punschen, Likören usw. Leipzig, Verlag von Engen Dvietmeher, Preis 1.50 Mk. Den feuchtfröhlichen Gemütern widmet Johanna Titus ihre jüngste Gabe. Der Anti-Alkoholiker erzittere deshalb nicht, auch seiner hat die Verfasserin gedacht, denn in ihrem Büchlein „Allerlei Getränke", eine Anleitung zur Bereitung; von Bowlen, Kaltschalen, Likören usw., dürfte unter den 310 Rezepten nahezu jeder Geschmack feine Rechnung finden. Aber die Fülle tuts nicht allein: Der Hauptgrund, warum sich die Titus'schen Rezept-Sammlungen einer stetig zunehmenden Beliebtheit unter den Hausfrauen und Köchinnen erfreuen, liegt darin, daß die Herausgeberin nicht aus dickleibigen Kochbüchern sorgsam abschreibt, sondern nur bietet, was sie selbst eingehend erprobte und auf Grund dieser Prüfung wirklich empfehlen kann. Des weiteren sind die in ähnlichen Werken oft vermißten Angaben über das Quantum, welches für eine bestimmte Anzahl von Personen benötigt wird, und die Rücksichtnahme auf bescheidene Verhältnisse von großem Werte.
Gleichung.
(Nachdruck verboten.)
(u—b) + (c—d) + (e—^f) — x.
a symbolischer Schmuck, b. schmackhafter Fisch, c Kampfe, d altes Maß. e kleines Raubtier, f Jahreszeit, x männlicher Vorname.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Krebsrätsels in vor. Nr.:
Leben — Nebel.
Redaktion: August Eötz. — Nctalicnsdruck und Verlag der Vrstbl'schen Universtäls-Vuck- und Eteindruckerci. R. Lange, Gießen.


