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Empfinden enres ganzen Menschen ist es vor allem, was uns in Gorkis Schriften bezaubert und unwillkürlich fortreißt. ______________
M a x.i m Gorki, Zigeuner und ä n d e r e G e - s ch i ch t e n. Umschlagzeichnung von Heinrich Zille. Geheftet Mk. 1.—, Verlag von Albert Langen in München. (Kl. Bibl. Nr. 61.) Maxim Gorki ist heute in Deutschland vielleicht populärer als irgend ein anderer Dichter. Da wird dies neue Bändchen von ihm, das in der kleinen Bibliothek Langen erscheint, vielen eine willkommene Gabe sein. Es enthält meist Geschichten aus dem Darstellungskreise, die Gorkis eigentlichste Domäne bildet, aus der Gesellschaft der Armen und Elenden, die außerhalb des Gesetzes stehen. Aber nicht deprimierend wirken die Schicksale dieser Leute, die vogelfrei, aber auch in anderem Sinne frei sind, weil sie sich vor nichts zu fürchten haben, nichts zu verlieren haben. Auf dem düsteren Erdreich ihres Lebens erwächst diesen Menschen ihre schlichte, ergebene Philosophie, die fern von allem asketischen Nazarenertum liegt und etwas unsagbar Tröstendes für jeden hat, der sich sorgt und müht und quält im Kampfe des Lebens. Und erhebend wirken die prächtigen Naturbilder, die Gorki vor uns ausrollt, mag er nun die Pracht und den Glanz des südlichen Meeres, die einsam sich reckende Fruchtbarkeit der Steppe oder eine neblige Nacht auf der Wolga, einen trüben nordischen Herbstabend schildern. Die Ueber- setzung von Korfiz Holm ist ersten Ranges.
EineiGorki-Nummer, wieMühne und Brettl (Harmonie-Verlag 35, Redaktion Dr. Leo Wulff) diesmal herausbringt, muß schon wegen des Namens Gorki interessieren. Mit zahlreichen Bildern von russischen und deutschen Darstellern Gorkischer Gestalten geschmückt, bringt das Heft einen Lebenslauf Maxim Gorkis von Stephanie Goldenring. An diesen schließt sich ein Artikel „Gorkis Gegner", worauf ein volkslieoartiges Gedicht „Die Fee" von Maxim Gorki folgt. Ein eigenartiges Porträt schmückt den Umschlag der Nuumrer.
Vermischter.
* Anna Rothes Nachfolgerin. Die psychologische Gesellschaft in Berlin hatte vorgestern einen interessanten Abend. Professor D e s s o i r sprach über seine Beobachtungen au dein bekannten spiritistischen Medium E u s a p i a Palladino. Frau Palladino komrnt aus der Umgegend von Neapel, sie kann weder lesen noch schreiben, ist aber hochintelligent und von einer Schlauheit und Menschenkenntnis, mit der sie selbst Gebildete zu übertölpeln weiß. Sie ist jetzt 48 Fahre alt und treibt ihr spiritistisches Handwerk seit mehr als 20 Jahren. Interessant ist, daß sie über Zweck und- Wesen mit von ihr hervorge- rufenen spiritistischen Erscheinungen rundweg jede Auskunft verweigert; wahrscheinlich ist sie auch nicht imstande, eine vernünftige Erklärung darüber abzugeben. Professor Dessoir war von einem befreundeten Arzte in München, bei dem sich das Medium im März dieses Jahres aufhielt, gebeten worden, hinzukommen, um Beobachtungen auznstellen. Eusapia Palladino zeigt ihre Wunder immer unter bestimmten, sich gleich bleibenden Bedingungen. Sie beginnt — ber Hellem Licht — mit Bewegungen des T is ch e s, an dem sie und die Teilnehmer sitzen; dann wird das Zimmer verdunkelt und, während ihre Hände angeblich gehalten und anch die Miße kontrolliert werden, lvird es nun im Zimmer „lebendig". Der Vorhang, vor dem sie sitzt, flattert hin und her, Objekte, die dahinter stehen, werden auf den Tisch geworfen, Mandoline, Harmonika und Zither werden zum Erklingen gebracht, die Nachbarn berührt, gezwickt, geschüttelt usw. Die Erklärung, ans die Professor D. alsdann einging, bezog sich natürlich nur auf die Erscheinungen, die er selbst beobachtet hat. Sie ruhte auf der Voraussetzung, daß zunächst versucht werden muß, jene Vorkommnisse auf mechanische und begreifliche Weise zu erklären. Das wird dadurch nahegelegt, daß nachweislich Eusapia Palladino trotz der vorhergegangenen Kleiderunter- snchnng einmal einen Blumenzweig eingeschmuggelt hatte und zu Berührungen benutzte, vielleicht also auch andere Hils-sgegenstände an sich verborgen haben mochte. Es gelang dem Vortragenden auch zweimal, für einen Augenblick das wirkende Etwas zu sehen: etwas Schwarzes, Stabartiges,
das in dem einen Falle freilich auch die Spitze des Stiefels gewesen sein kann. Denn die Kontrolle, die Frau Palladino ausschließlich erlaubte, nämlich die Sicherung durch Fassen und Berührung seitens des Nachbarn, ist ganz unzureichend und unzuverlässig. Sie hat fraglos, wie Dessoir des näheren erläuterte, mehrere Micks, durch die sie wenigstens eine Hand und einen Fuß freimacht, ohne daß die Nachbarn; für gewöhnlich es bemerken können. Einmal hatte sie auch eine Schnur benutzt, um die Zither heranzuziehen. Stets bringt sie leise imb möglichst unbemerkt die Gegenstände, dicht an sich oder umgekehrt sich an die Gegenstände heran, und beginnt erst dann, sie durch angeblich unbekannte Kraft zu bewegen. Trotzdem bleiben einige Erscheinungen übrig, deren Zustandekommen noch nicht aufgeklärt werden konnte. Da aber nachgewiesen wurde, daß Frau Palladino systematischen Betrug übt, so würde die Annahme unbekannter, von ihr ausgehender Kräfte oder gar von „Geistern" nur daun erlaubt sein, wenn jene vorderhand nicht aufgeklärten Erscheinungen unter zwingenden Bedingungen sich ereignet hätten. Das war aber nicht der Fall. Vielmehr versagte jene „Kraft" jedesmal, wenn strenge Vorsichtsmaßregeln getroffen waren.
* Weinende Tiere. Man hat bemerkt, daß manche Tiere wirklich Tränen vergießen. Die Tiere, die am leichtesten weinen, sind die W-iederkäner. Alle Jäger wissen, daß der Hirsch und das Reh weinen können. Es wird aber auch behauptet, daß der Bär Tränen vergießt, wenn er fühlt, daß die letzte Stunde sich nähert. Nicht weniger gefühlvoll ist die Giraffe, die mit „Münen in den Augen" den Jäger anblickt, der sie verwundet hat. Ein englischer Reisender erzählt voll einer Antilope, die er lange Zeit! verfolgt hatte. Der Schaum stand ihr vor dem Manl, und der in Strömen hervorbrechende Schweiß hatte ihrer grauen Haut eine bläuliche Farbe gegeben. Mänen strömten aus ihren großen schwarzen Augen, und es war unverkennbar, daß das Tier seine letzte Stunde nahen fühlte. Der Hund weint leicht, ebenso manche Affen. Daß der Elefant leicht in Tränen ausbricht, dürfte bekannt sein. Er weint, wenn er verwundet ist oder wenn er seinen Verfolgern nicht mehr entfliehen kann. Auch ton einigen tut Wasser lebenden Säugetieren wird behauptet, daß sie weinen. So soll der Delphin in seiner Todesstunde reichliche Tränen vergießen. Man darf aber nicht so weit gehen und annehmen, daß diese Tränen von einer seelischen Bewegung herrühren oder der Furcht vor dem Tode zuzuschreiben sind. Sie sind nichts weiter, als eine Verbindung zwischen den verwundeten oder angestrengten Körperteilen und den Tränendrüfen, die bei vielen Tieren stark entwickelt sind.
Schachaufgabe.
Von B. Prikrhl in Prag. (Nachdruck verboten.)
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ff h
a b c d
abcdef g h
Weiß. (4 + 4)
Weiß zieht an nnd setzt mit dem vierten Zuge matt. (Auflösung in nächster Nummer.)
8
7
6
5
4
3
2
1
Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.: Mieder, Gaul, Taube, Emma, Licht, Nase, Erle, Tiger. Der Glaube macht selig.
RedakUou: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Bri'ibl'schen llniverfltätö-Vuch. und Ctcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


