Ausgabe 
27.5.1903
 
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während

Tfc^ctt ift.

Die altbekannte Matrosenbluse wird auch in diesem Jahr nichts von ihrer Beliebtheit einbüßen, und Knaben und Mädchen werden sich gleichmäßig an ihrer luftigen Be­quemlichkeit freuen, welche die Bewegungsfreiheit in keiner Weise hemmt. Unser Modell Nr. 627 zeigt ein Bübchen in einem derartigen Matrosenanzug, zu dessen Herstell­ung gestreifter Flanell verwendet wurde.

Wenn die Mädchen größer werden, verändert sich die Form der Matrosenkragen nicht viel, nur die Blusen läßt man nicht mehr so ganz lose ringsum hängen, wie es charakteristisch für die Matrosenblusen ist. Dean hält sie vielmehr in der Art wie die Blusen Erwachsener, indem man sie nur in der vorderen Mitte, blusig Überhängen läßt, ' sie seitlich und hinten straff in den Gürtel genom-

russische Kittel an, ivelche genau auf gleiche Weise mit tür­kischen Borden besetzt werden. Diese Kittel sind mitsamt her Halbärmel aus einem Stück geschnitten und werden um den Äeib mit einer roten Schnur zusammengehalten. Der Schlitz wird entweder in der vorderen Mitte oder links­seitig eingeschnitten, und gleichfalls mit gestickter Borde Verziert.

Dis kleinen Mädchen behalten die Hängerkleidchen bei, welche bereits die verschiedensten Garnituren gestatten, wie z. B. Volants um den unteren Rand und das Kollerteil, Berthen und verzierte Kollerchen auch breite Spitzenkragen in den mannigfaltigsten Ausführungen. Ueberhaupt wird mit dem zunehmenden Alter, besonders der kleinen Mäd­chen die Variationsfähigkeit ihrer Kleidchen eine immer größere. Sobald aus dem, entweder durch einen Gürtel zusammengehalteneu oder lose fallenden Hängercheu ein, aus Bluse und Röckchen bestehendes Kleidchen wird, ist der Einfluß der Mode immer deutlicher zu spüren. So werden z. B. die Röckchen mit einem oder mehreren Serpentine­volants geziert, oder man ordnet sie in Falten (Plissse- salten oder Tollfalten), was besonders zu Matrosenblus- chen reizend aussieht. Auch die einfachen, serpentineförmig fallenden Röckchen, ebenso wie die eingereihten Röckchen sind sehr beliebt imb werden vorzugsweise zu einfachen Blusenkleidern getragen. Schließlich sollen auch die, in Sonnenplissees gebrannten Röckchen nicht unerwähnt bleiben,

obwohl dieselben nur für ganz elegante Kleidchen und dünne Wvll- oder Seidenstoffe verwendbar sind. Man sieht auch manchmal für größere Mädchen die Röcke mit einer Hüftpasse gearbeitet, doch würden wir diese Form weniger empfehlen, da sie zu wenig kindlich 'ist.

Unter den Blusentaillen ist es besonders die einfach glatte, russische Bluse mit seitlichem Schluß, welche als Neuheit gilt. Der seitliche Schluß wird mit einem Besatz­streifen aus türkischen Borden oder abstechendem Besatzstoff markiert und setzt sich auch am Röckchen fort, wo er gleich­falls den Schluß ändeutet, wie aus Modell Nr. 5000 zu

Modell No. 5000.

Modell No. 566.

Modell No. 627.

men werden. Einen derartigen ganz besonders kleidsamen Anzug veranschaulicht Modell Nr. 566. Dasselbe besteht aus dunkelblauem Voile. Das Röckchen ist, wie ersicht­lich, ringsum in breite Tollfalten geordnet und mit dunkel­blauen Tafftblenden besetzt. Die Blusenteile der Taille sind in Gruppen von Fältchen gesteppt. Der breite zackige Matrosenkragen besteht aus weißem Spitzenstoff und ist am Rande gleichfalls mit Blenden aus dunkelblauer Tafft- seide verziert, welche ihm einen originellen und wirksamen Slbschluß geben. Schärpe von dunkelblauer Seide.

Zuin Schluß noch einiges über die Jacken und Mäntel. Wie bei den Großen, so herrscht auch bei den Kleinen all­gemein die Sackform vor. Ist sie doch das denkbar be­quemste und praktischste, und außerdem für jedes Alter Äeidsam. Jacken und Mäntel sind gleichmäßig in Saccoform gehalten und mit Schulterpelerinen und Geishaformen .ausgestattet. Ja diese Geisha- oder Stehbrustformen sind wie eine Uniformierung in dieser Saison aufgetreten und auch die Kindersachen sind nicht davon verschont geblieben, sodaß wir auch hier immer dasselbe sehen. Geishaformen mit und ohne Schulterpelerinen, ab und zu in eine Stola- fot mumgewandelt, in mehr oder minder eleganter Aus­führung, aber im großen und ganzen immer dasselbe.

Wie aus allem vorausgehenden ersichtlich ist, sind die Formen der Kinderkleider trotz aller Vielseitigkeit doch recht einfache geblieben, so recht dazu geeignet, im Hause ange­fertigt zu werden, was ja von Alters her, da wo man

rechnen mußte, immer der beliebteste Weg der Beschaffung für Kindergarderobe war.

Bietet dies doch außer der Gewähr für Haltbarkeit noch kleine Vorteile wie sie in der Verwendung von Stoffresten, Verwertung getragener Kleidungsstücke Erwachsener liegen. Man braucht ja so wenig Material für Kinderkleidchen, und jedes Stückchen Seide, jedes Endchen Stickerei läßt sich aufs Beste verwenden. Auch die Hauptschwierigkeit, der korrekte Zuschnitt, ist vollständig verschwunden, seitdem spezielle Institute (wie die Internationale Schnittmanu­faktur, Dresden) sicher passende Schnitte in reicher Auswahl bieten.

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Redaktion: Augnst Götz. Rotationsdruck und L erlog der Brübl'schen Universitäts-Puck- und C teindruckcrei (Putsch Erben) in Gießen.