311
War die Rest ein liebes Geschöpf, dem wahrhaftig heimliche Herzensqualen erspart bleiben konnten.
Fred Richter rauchte immer stärker und zog die Stirn immer mehr in Falten.
Plötzlich klingelte es.
Er bekam ordentlich Herzklopfen: ein Patient. So würdig als möglich setzte er sich zurecht und begann die medizinische Zeitschrift zu studieren.
„Bitte schön", sagte das Dienstmädchen und öffnete die Tür.
Kurt Unruh trat ein.
„'n Tag, Fred."
„Ach, Tu — Servus, Servus."
Ter Assessor legte den Paletot ab und setzte sich. Fred Richter deutete schweigend auf die Zigarrenkiste. Eine Minute später rauchten die beiden, ohne ein Wort zu wechseln, mit ungeheurer Wichtigkeit.
„Wie geht's?" fragte der Assessor dann.
„Tanke. Schlecht."
' (Fortsetzung folgt.)
Vermischte».
* Das Reichsgesundheits amt und das Kaffeetrinken. Das Reichsgesundheitsamt, dessen Aufgabe in erster Linie es ist, durch neue wissenschaftliche Untersuchungen die hygienische Wissenschaft zu fördern, verschmäht es in dankenswerter Weise nicht, von Zeit zu Zeit durch populäre Veröffentlichungen über wichtige Fragen der Gesundheitspflege aufklärend auf die Bevölkerung zu wirken. So hat es soeben eine gemeinfaßliche Darstellung über den Kaffee erscheinen lassen. Es ist von großem Interesse zu erfahren, daß er die Auffassung äußerer Eindrücke und die gewohnheitsmäßige Verarbeitung derselben erleichtert. Die Steigerung der Geschwindigkeit und Sicherheit in der Aufnahme und Verarbeitung geistiger Vorgänge unter Kaffeegebrauch macht sich besonders bei bestehender geistiger Ermüdung bemerkbar. Der wirksame Stoff des Kaffees, das Coffein, ist bekanntlich ein Arzneimittel, in größeren Mengen genossen sogar ein Gift. Die größte Einzelgabe desselben nach dem deutschen Arzneibuch ist 1/2 Gramm, die größte Tagesgabe iy2 Gramm. Da in einer mit 15 Gramm Kaffee bereiteten Tasse Kaffee sich ein Zehntel Gramm Coffein ftndet, so ergiebt sich daraus, daß ein Höchstverbrauch von 15 Tassen Kaffee für den Tag zulässig wäre. Allerdings darf der Kaffee, da er nicht als Heilmittel, sondern als Genußmittel verwendet wird, nicht in denselben Mengen wie ein Arzneimittel genossen werden. Der Kaffee eignet sich nicht zum Genüsse für nervöse und herzkranke Personen. In den breiten Massen der Bevölkerung ist der Kaffee nicht als Anregungsmittel im Gebrauch; hier spielt er vielmehr in sehr verdünntem Aufguß überwiegend die Rolle eines Vermittlers für die Aufnahme von Wasser in schmackhafter Form und von Nährstoffen. Bon diesem Gesichtspunkte aus ist die Gewohnheit, den Kaffee mit Milch oder Sahne zu versetzen oder mit Zucker zu versüßen, zweckmäßig. Der Kaffee ermöglicht auch die Aufnahme der zur Ernährung notwendigen Mengen trockener Kost und ist fiir Arbeiter, namentlich solche, die in der Hitze beschäftigt sind, das vorzüglichste Durstlöschungsmittel. O. B.
LrteVrrrisches.
„Neues Land" (2 Bände, in Lieferungen zu 50Pfg.) aus der Feder des treuen Begleiters Nansens, des Kapitäns Sverdrup, ein Werk über die neue großartige Reife der „Fram" ist bekanntlich zurzeit im Erscheinen begriffen. Wir haben schon Gelegenheit gehabt, auf die Anziehungskraft, welche dieses Werk ausübt, hinzuweisen. Tas Fortschreiten der Lieferungsausgabe,, von welcher wir nun 11 Hefte in Händen haben, kann unser gutes Urteil nur verstärken. Daß die Resultate, welche die Expedition Sverdrups in ihrer unermüdlichen Tatkraft und ihrem unverdrossenen Forschungseifer heimgebracht hat, ganz außerordentlich waren, beweist aufs schlagendste die Anerkennung Kapitän Sverdrups, die er nicht nur seitens seiner Landsleute, sondern kürzlich auch seitens der hervorragendsten geographischen Gesellschaften, darunter der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, gefunden hat, indem ihm diese Vereine die höchsten Auszeichnunaen verliehen haben.
Die Reise Kapitän Sverdrups zeitigte aber nicht nur hochbedeutsame Resultate für die Wissenschaft, indem sie ein bis dahin ganz unbekanntes Gebiet von etwa 360 000 Quadratkilometer, d. h. fast 25mal größer als das Königreich Sachsen, entdeckte und durchforschte, nein, die Tat selbst ist wie die Nansens vorbildlich für andere Polarreiseu. Freilich: gehören dazu Männer, die mit den Gefahren des Eises und der Polarnacht aus langjähriger Erfahrung so innig vertraut sind wie Kapitän Sverdrup, um trotz aller Hindernisse die Expedition, reich mit Schätzen beladen, der Heimat wieder zuzuführen. Zur Beurteilung der Schwierigkeiten, die in arktischen Gebieten den Menschen auf allen Seiten umgeben, genügt es, auf die traurigen Erfahrungen hinzuweisen, welche die englische Südpolarexpedition zu machen hatte und von welcher leider auch die deutsche Expedition nicht ganz frei geblieben ist. Sverdrup ist es — wenngleich auch nicht ohne Opfer an Menschenleben — geglückt, aller Gefahren Herr zu werden und einer vierjährigen Eiseshaft zu entrinnen.
Magisches Quadrat.
(Nachdruck verboten.)
1. Pflanzenteil.
2. Musikstück.
3. Charakterzug.
4. Vorname.
In die Felder vorstehenden Quadrates sind die Buchstaben ÄÄÄ EE, H, II, LL, MM, R, 8, TT derart zu fetzen, daß die wagerechten Reihen gleichlautend sind mit den senkrechten und Wörter von der beigefügten Bedeutnng bilden.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Akrostichons in vor. Nr.: a. Elle, Aß, Lias, Ast, Ran, Hering, b. Cetlc, »aß, Elias, Mast, Iran, Ehering — Chemie.
Die Mode der Kleinen und Allerkleinsten. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnitt- Manufaktur Dresden-N. — Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmuster, buch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich.
Welche Mutter suchte nicht ihren Stolz darin, ihre Lieblinge so hübsch und adrett wie möglich anzuziehen, und befonders jetzt, wo der Sommer-Sonnenschein die Kleinen wieder von Neuem ins Freie lockt, giebt die Kindergarderobe mancher Mutter zu denken.
Bei aller Zierlichkert müssen ja doch die praktischen Eigenschaften obenan stehen, was die Auswahl immer bis zu einem gewissen Grade beschränkt. Nun, wer nicht gar zu anspruchsvoll ist, dem bietet die derzeitige Kindermode eine reiche Fülle von praktischen und dabei reizenden Dingen für Kinder jeden Alters. Da sind zunächst die Allerkleinsten. Sobald sie aus dem Steckkissen undWickek- rückchen herausgewachsen sind, brauchen sie schon eine ganze Reihe von Garderobestücken, vom winzigen Lederschuh bis zum Häubchen oder Mützchen. Einfach in Form und Material sind sie ja, diese kleinen Sächelchen, und doch bleiben auch sie nicht ganz unberührt von der Mode. Der Schnitt der Kleidchen ist nach wie vor die cm ein Kollerchen gesetzte Hüngerform, welche für Mädchen meist eingereiht, für die Bübchen jedoch in 3 Quetschfalten geordnet wird. Hierfür bringt die Mode ganz reizende bunte Besatzstreifen in türkischen Mustern, in Zusammenstellung mit kräftig rotem Sch weizerkattun, was zu dem, nee ist dazu in Anwendung kommenden weißen Pique oder Nessel ganz reizend aussieht. Für praktische Zwecke nimmt man auch gern naturgraues Leinen oder modefarbigen Pique und garniert es auf dieselbe Weise.
Als Ueberkleider wählt man neuerdings gern em Pelerinchen aus molligem, weißen Wollstoff, dessen Kapuze mit rosa oder hellblauer leichter Seide gefüttert ist. Wer es sich leisten kann, füttert wohl auch die ganze Pelerine in ähnlicher Weise. Die weißen Flanelljäckchen und kleinen Sackpaletots bleiben noch immer sehr beliebt, und bieten besonders die Flanelljäckchen mit ihren languettierten Rändern lieben Tanten willkommene Gelegenheit zu reizenden Handarbeiten, ebenso wie die Hängerkleidchen, bei denen die türkischen Borden mit buntem Garn über Kanevas gestickt werden können. Wenn die kleinen Buben lausen können, zieht man ihnen statt der Hängerkleidchen sogen.


