Nr. 31
Freitag den 27. Februar.
1903.
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(Nachdruck verboten.)
Ein Einbrecher aus Passion.
Bon E. W. Hornung.
Autorisierte Uebersetzung aus deig Englischen von F. Mangold.
(Fortsetzung.)
„Mir kommt es doch wie ein recht gemeiner Diebstahl vor", konnte ich zu erwidern nicht unterlassen, und diesem, meinem einzigen Einwand, stimmte Raffkes sofort zu.
„Ist es auch, Bunny, ist es auch", sagte er, „aber das tarnt ich nicht ändern. Wir geraten wieder ganz erbärmlich in die Klemme, und das macht allen Bedenket: ein Ende. Außerdem verdienen es diese Leute, und sie können es ertragen. Und bilde Dir ja nicht ein, daß es eine einfache Geschichte werden wird. Nichts wird leichter sein, als irgend etwas in die Finger zu kriegen, aber nichts schwieriger, als jeden Verdacht abzulenken, und den müssen wir doch unbedingt vermeiden. Vielleicht erreichen wir zunächst weiter nichts, als daß wir eine genaue Kenntnis der Ortsgelegenheit mit fortnehmen. Wer weiß? Zedensalls haben wir noch Wochen vor uns, während deren wir die Sache überlegen können."
Mit diesen Wochen will ich den Leser nicht weiter langweilen, und mich auf die Bemerkung beschränken, daß das „Ueberlegen" ganz allein von Rafsles besorgt wurde, der es nicht immer für der Mühe wert hielt, mir seine Gedanken mitzuteilen, allein diese Zurückhaltung ärgerte mich jetzt nicht mehr, denn ich fing an, sie als eine notwendige Bedingung dieser kleinen Unternehmungen anzusehen. Nach unserem letzten Abenteuer dieser Art, insbesondere nach seiner schließlichen Lösung, war mein Bertrauen in Rafsles zu fest, als daß es dttrch einen kleinen Mangel an Offenheit seinerseits, die ich noch immer mehr dem Instinkt des Verbrechers, als überlegter Absicht des Mannes zuzuschreiben geneigt bin, hätte erschüttert werden können.
Montag, den 10. August, wurden wir in Milchester Abbey, Dorset, erwartet, und vom Anfang des Monats an durchstreiften wir tatsächlich diese Grafschaft mit Angelruten in der Hand. Dabei ginget: wir von der Ansicht aus, daß es uns förderlich sein könne, wenn wir uns in der Gegend einen gewissen Ruf als Fischer verschafften und gleichzeitig im Hinblick auf spätere und reiflicher durchdachte Unternehmungen im Falle einer ungünstigen Woche einige Kenntnis der Gegend aneigneten. Einen zweiten Hintergedanken behielt Rafsles für sich, bis wir an Ort und Stelle angelangt waren. Dann brachte er eines Tages einen Cricketball zum Vorschein, und von da an verbrachte er manche Sttmde damit, mir die Anfangsgründe des Spiels beizubringen. Wenn ich auch niemals ein Cricketspieler war, so war ich am Ende dieser Woche näher daran, einer zu werden, als jemals sonst in meinem Leben.
Zwischenfälle begannen zeitig am Montag. Wir waren an einer trostlosen kleinen Eisenbahnstation ein paar Meilen von Milchester ausgestiegen und hatten in einem Fuhrmannswirtshaus vor einem plötzlich ausgebrochenen Witter Schutz gesucht.
Ein geschmacklos gekleideter Mann mit frischer Gesichtsfarbe saß trinkend in der Stttbe, und ich hätte schwören mögen, daß Rafsles bei seinem Anblick auf der Stelle zurück- ßchr und trotz des Regens darauf bestand, wieder nach dem Bahnhof zu gehen, allein er versicherte mich, es sei nur der Geruch nach abgestmrdenem Bier gewesen, was ihn veranlaßt habe, Reißaus zu nehmen, allein das erklärte seine nachdenkliche und niedergeschlagene Stimmung und seine umwölkte Stirn nicht.
Milchester Abbey ist ein großes viereckiges, von einem reich bewaldeten Gelände umgebenes Gebäude, worin drei Reihen altmodischer Fenster glänzten, die sämtlich erleuchtet zu sein schienen, als wir gerade zur rechten Zeit anlangten, daß wir uns noch zum Diner ankleiden konnten. Der Wagen war unter, ich weiß nicht mehr, wie viel Triumphbogen, die noch im Bau begriffen waren, hindurch, und an Zelten, Flaggenmasten und einem feucht aussehenden Cricketfeld vorbeigerasselt, auf dem Rafsles für seinen Ruhm kämpfen sollte. Aber die hauptsächlichsten Zeichen, daß ein Fest gefeiert werde, waren im Hause zu bemerken, wo wir eine große Gesellschaft fattden, zu der mehr reiche, vornehme und angesehene Leute gehörten, als ich jemals in einem Zimmer versammelt gesehen hatte. Ich gestehe, daß ich mich ganz überivältigt fühlte. Unser Borhaben und die Rolle, die ich selbst spiele:: sollte, vereinigten sich, mich der gesellschaftlichen Gewandtheit zu berauben, worauf ich manchmal stolz gewesen war, und ich habe noch eine beschämende Erinnerung an die Erleichterung, die ich empfand-, als das Diner endlich -gemeldet wurde.
Meine Tischdame war viel weniger großartig, als es hätte der Fall sein können, sodaß ich bald mein Glück in dieser Hinsicht zu preisen begann. Miß Melhuish war nur das Pfarrertöchterlein, und sie war nur eingeladen worden, um die Zahl der Tischgäste zu einer geraden abzurnnden. Bon beiden Tatsachen setzte sie mich i.n Kenntnis, noch ehe uns die Suppe erreicht hatte, und ihre weitere Unterhaltung zeichnete sich durch dieselbe Offenherzigkeit aus. Sie verriet eine fast an Manie grenzende Neigung, mich über meine Umgebung aufzuklären, sodaß ich weiter nichts zu tun hatte, als zuzuhören, zu nicken und dankbar zu sein. Als ich gestand, daß ich nur wenige dec Anwesenden kenne, selbst von Ansehen, begann meine gesprächige Nachbarin, sie mir zu nennen, wobei sie an meiner Linken anfing und mir gewissenhaft die ganze Tafelrunde bis zu dem rechts von ihr sitzenden Herrn vorstellte. Das dauerte geraume Zeit und interessierte mich wirklich, allein von dem, was dann weiter kam, war mir vieles gleichgiltig, bis mich Miß Melhuish, augenscheinlich »m meine Aufmerksamkeit wieder zu


