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auf den menschlichen Körper wirkt, und die „Giftgesellschaft", wie die willigen Opfer in den Vereinigten Staaten genannt werden, lebt noch vergnügt, obgleich die Mitglieder soviel Borsäure verzehrt haben sollen, daß man einen mäßig großen Turm daraus bauen könnte. Am nächsten 1. Oktober wird dieselbe Abteilung die Wirkung von Nahrung, die mit Salicyl säur e versetzt ist, erproben, was wahrscheinlich mehr auf die Nerven wirken wird als der ZusaH von Borsäure. Nach einigen Monaten mit einer entsprechenden Beköstigung werden sie dann zu rauchen anfangen. Tr. Wileh möchte die Wirkung des Tabgks auf das Nervensystem experimentell untersuchen, und er hat.seine „Giftgesellschaft" gefragt, ob sie sich zu diesem Versirch hergeben will; alle Mitglieder haben, da sie Raucher sind, auch gern zugestimmt und warten nur darauf, daß die Drsuche beginnen, Heber bekommt ein einträgliches tzonöpar und hat weiter nichts zu tun, als herumzülungern und (Zigarren, Zigaretten und Pfeifen zu rauchen. Die ersten. Versuche werden mit reinem, in den Vereinigten Staaten gezogenen Tabak gemacht werden, und zwar mit Kentuckytabak. Dieser Staat produziert jährlich 314 000 000 Pfund des feinsten Blattes, mehr als doppelt soviel wie jeder andere Staat. Darauf folgen Versuche mit Tabak aus Nord- karolina, Virginia, Ohio, Tenessee, Wisconsin rc. Die Wirkungen dieser verschiedenen Tabaksarten werden sorgfältig untersucht und registriert werden. Man hofft so zu einer Lösung der lange umstrittenen Frage, ob und inwieweit der Tabak der Gesundheit schädlich ist, zu kommen. Die „Giftgesellschaft" wird zuerst Tabak in kleinen Mengen erhalten ; diese werden allmählich vergrößert, bis sie schließlich mehrere Pfund des Krautes monatlich rauchen. Sind die Wirkungen des reinen Tabaks gründlich erprobt, so werden die jungen Leute, wenn sie noch kräftig genug sind, verfälschten Tabak, starken Tabak und selbst wohlriechend gemachte Zigarren in Manila-Fasson rauchen. Diese Versuche sollen nur an Gewohnheitsrauchern vorgenommen werden; da Wileys Abteilung nur Raucher enthalt, braucht er sich nicht nach anderen Leuten umzusehen, obgleich sicherlich Hunderte bei so angenehmen und leichten Bedingungen „die Wissenschaft fördern" würden. Der Körperzustand der Raucher wird täglich untersucht und eingetragen werden, wobei der Herztätigkeit, der Atmung und der Verdauung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird; nach zwei oder drei Wochen regelmäßigen Rauchens wird den „Versuchskaninchen" der Tabak entzogen und die Wirkungen des plötzlichen Einhaltens erprobt werden. Wenn nach einigen Tagen alle feststellbaren Wirkungen des Tabaks auf den Körper vorüber sind, beginnt das Rauchen von neuem, zuerst zwei Pfeifen, ein paar Zigarren oder ein halbes Dutzend Zigaretten täglich; die Ration wird allmählich vermehrt werden, bis der Höhepunkt wieder erreicht ist. Da Dr. Wiley Nichtraucher ist, nimmt er an diesen Versuchen nicht teil. Tie allgemeine Meinung der Mediziner ist gegenwärtig, daß das Zigarttenrauchen die schädlichste Form ist, in der Tabak gebraucht wird, während die Pfeife am gesündesten ist. Ob Wileys Versuche die Meinung bestätigen, muß abgewartet werden.
* Eine ame rikanische Heiratsinsel. Eine Vorsteherin des Einwanderungsdepots auf der Elli-Insel, Newhork, besitzt einen Ring, der bis jetzt bei der Eheschließung von annähernd 70000 Paaren als Ehering gedient hat. Tauserche von Mädchen kommen jährliche ohne die zur Einwanderung nötigen Geldmittel zu besitzen, in Newhork an. In d er Regel smd sie herübergekommen, weil ihr Geliebter sie zu kommen aufgefovdert hat. Diesen Mädchen bleibt weiter nichts übrig, als sich sofort zur Heirat zu entschließen oder wieder nach Europa zurückgeschickt zu werden. Die jungen Leute, die sie herbeigerufen habcht, sind in der Regel au der Landungsbrücke und erwarten dort die Ankunft des Schiffes. Sie werden hereingerufen, und die Trauung findet ohne viele Umstände auf dem Bureau statt. Jährlich werden dort etwa 6000 Ehen geschlossen, zu denen die Vorsteherin stets ihren Ring herleiht.
* Mit dem ersten Zeichen der Furcht bei Krudern beschäftigt sich Dr. Hirschlaff in einem soeben erschienenen Werk. Es finden sich darin folgende Stellen: Darwin und Preyer stehen auf dem Standpunkte, daß die Furcht den Kleinen angeboren oder ererbt sei und daß infolgedessen schon Furchtäußerungen in den ersten Lebens
tagen zu beobachten sind. So bemerkte Darwin, daß sein Knabe im Alter von zwei Jahren beim Besuche eines Zoologischen Gartens Furcht zeigte beim Anblick großer eingesperrter Tiere. Preyer konstatierte, daß sein Kind bereits von der siebenten Woche an bei jedem Geräusch zusammenfuhr. Dre Furcht vor dem Meere, vor dem Unbekannten, vor dem Fallen und vor allem vor den Tieren hält auch Preyer für erblich, weil sie auftritt, bevor das Kind in dieser Beziehung Erfahrungen gesammelt hat. Interessant ist auch eine Tabelle, die uns Aufschluß giebt darüber, in welchem Alter das Maximum dieser Furcht liegt. Bei Knaben liegt es zwischen dem 4. und 7., bet Mädchen zwischen dem 15. und 18. Lebensjahre. Die Furcht vor Gewittern scheint besonders beim weiblichen Geschlecht entwickelt zu sein. —
* Durch die Blume. Als der Schulrat F. zur Revision einer Landschule kam, deren Lehrer nicht gerade als besonders tüchtig galt, ließ er — so erzählt man der „Tgl. Rundschau" — zum Beginn der Prüfung singen r „Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis umhüllet".. Ter Lehrer, der hierin nicht ohne Grund eine Stichelei sah, beschloß, sich zu rächen. Als die Revision, die über Erwarten befriedigt hatte, beendet war und der Lehrer mit irgend einer Liederstrophe schließen sollte, ließ er anstimmen aus dem Abendlied „Ter lreben Sonne Licht und Pracht hat nun den Laus vollendet" die 6. Strophe, die beginnt: „Ihr Höllengeister packet euch, ihr habt hier nichts zu schaffen." Beim Hinausgehen aber sagte der Schulrat zu einem Begleiter: „Sehen Sie, wie ich verstanden bin!"
Literarisches.
— „Max Hesse'sVolks-Bücher ei" (jede Nr. 20 Pf,). Soeben erschienen nachstehende neue Nummern: 61— 62. Rosegger, Der Höllbart gehört zu den besten Schöpfungen des Dichters. — 68. Gerstäüer, Ausgewählte Erzählungen VII. Die Moderatoren. Erzählung aus TexaS. — 64. Stifter. Die Narrenburg. Aus den trefflichen „Studien". — 65. Ludwig, Das Märchen vom toten Kinde. Aus einem alten Schulmeisterleben. Diese prächtigen Erzählungen Otto Ludwigs fehlen in den meisten Ausgaben seiner Werke. — 66—68. Melchior Meyr, Erzählungen aus d. Ries I.: Ludwig und Annemarie. Ende gut, alles gut. Mit die besten Dorfgeschichten, die je geschrieben wurden. — 69. Gaudy, Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneideraesellen. — 70. Goethe, Die Leiden des jungen Werther. — Diese neue Volks-Bücherei will die Meisterwerke der schönen Literatur aller Zeiten bringen, hierbei aber besonderes Gewicht auf die Auswahl guter Unterhaltungs-Schriften legen. Die Ausstattung der Bändchen ist sowohl inbezug auf das Format (Oktav), als eine so gediegene, wie man sie bisher bei so billigen Ausgaben nicht gewohnt war. Wir wünschen dieser wirklichen Volks-Bücherei, die regelmäßig weiter erscheinen wird, weiteste Verbreitung!
Preisrätsel.*)
F ü l l r ä t s e l.
(Nachdruck verboten.)
1. Heilmittel
2. Metall
8. altnordischer Gott
4. Instrument
5. vielbesungener altschottischer König
6. Teil der Hand f
In die Felder vorstehenden Quadrates find die Buchstaben aaaaaaa. bb, dd, ee, f, gg, ii, k, 1111, mmm, nnnn, rr, s, nu, z derart em zutragen, daß di- wagerechten Reihen Wörter von der b- gefügten Bedeu- tung bilden, während die beiden durch fchwarze Felder bezeichneten Diagonalreihen ein Gebirge und eine Hauptstadt in Europa bezeichnen.
*) Lösungen find mit Aufschrift: „PreiSrStsel'Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gisßpneik gamilitttfclÄiitt" einzusenden.
Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.r 1. Schaukel, Schaufel. — 2. Lage, Lüg-, Loge.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und S erlog der Brübl'schen UuiversttSts.Buck.- und Cteindruckerei. R. Lange. Guben.


