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(Fortsetzung folgt.)
Ane ganze Horde stolzer Wüstenkönige ist in diesem -st über Berlin hereingebrochen: glücklicherweise ae-
Vermischter
von Inns' A. R.
eine
>rer-
^kaudereien aus der KaiserstadL.
(Nachdruck verboten.)
Löwen nnb kein Ende. — Kater Lampe, eines Sozialisten Ko- mödie. — Vom verschwundenen Karlheinz.
Oberverwaltungsgericht hat
sorge für die Artisteusippe |tt » UCIl
Produkten en in diesem Reiche jeder Ausführende mehr oder weniger sein Leben in Gefahr brächte, was ja auch durch Trapezsturze Schleifenfahrten mit Entgleisungen rc. oft genug bewresen worden ist. Meister Julius Seeth hat also dce Erlaubnis erhalten, sich auch in Berlin von seinen Äiwen ausfressen zu lassen, wenn sie einmal Appetit < ’ Zn verspüren sollten. Und die 2b Bestien wurden das . vielleicht Mit einer gewissen Wonne besorgen, wenn | Fritz
dazu kommen zu lassen, mit einer J
Herbst über Berlin hereingebrochen; glücklicherweise ge- I Gendarm als recht erbärmliche Wind- und Wetterfahne nreßen sie keine andere „Freiheit" als die, in der sie dressiert | seine Mätzchen gemacht hat> geht schließlich die Geschichte sind, und dre ist bekanntermaßen nicht wett her. So lange I aus wie das Hornberger Schießen oder der Dresdener dergleichen Schaustellungen in der I Parteitag, wo man allerdings den Kater Lampe, der dort Rerchshauptstadt mcht gelitten, nicht aus Gründen der Sicher-I Ede Bernstein hieß, nicht einmal als Hasenpfeffer ge» Bett für die Zuschauer, sondern wegen der damit ver- schmort hat.
fltr die Vorführenden. Diese Ver- I Ter merkwürdige Hasenpfefferduft weht durchs „Ber- fpr,,3“n2.i}'L,fror ö^i Jahren von einem englischen „Domp- I liner Theater". Jener Stätte, von der aus unlängst lenr", tote tnan auf gut Deutsch einen Löwenbändiger zu I der Altheidelberger Prinz Karlheinz, Harry Walden, „r^cvlr!1 angefochten worden und mit Erfolg durch I als abhanden gekontmen gemeldet werden mußte. Der butew siegreichen Ausgang geführt. Das I brave Mime leidet an der Moholsucht, nebenbei ist ihm Oberverwaltungsgericht hat entschieden, daß diese brave Für- | auch wohl sein in den weitesten Backstschkreisen florierender sorge für die Artisteusippe deplaciert sei, da bei den meisten l Ruhm ein bischen zu Kopfe gestiegen. Er soll geduldig
„goldenen Jugend" nicht.
Ter Löwe des Tages ist natürlich Bebel, der wilde Mann von Dresden, auf den die Berliner, soweit sie zur allein seligmachenden Sozialdemokratie gehören, höllisch stolz sind. Da er auf dem Parteitag dekretiert hat, daß es eckne Schande sei, für bürgerliche Blätter zu schreiben, kann es eigentlich Münder nehmen, in diesen Tagen die Komödie eines Sozis auf einem gut bürgerlichen Theater zur Aufführung gebracht zu sehen. Aber vielleicht verbietet er später auch das noch. Dieser „Kater Lampe" des Herrn Emil Rosenow ist, eine schnurrige Geschichte, die _ an gute Szenen aus Hauptmanns „W e b e r n" und desselben Autors „Biberpelz" erinnert, ohne freilich das große Vorbild auch, nur annähernd zu erreichen. Der Kater eines buckligen Spielzeugschnitzergesellen muß auf Anstiften eines reichen Spielwarensabrikanten allerlei Ver- solgungen erleiden, wird beschlagnahmt, eingesperrt, und schließlich, um die Kosten zu sparen, geschlachtet, gebraten und als „Hasenpfeffer" vom Gendarmen und Briefträger in der Wohnung des Gemeindedieners verspeist. Tie Geschichte kommt endlich an den Tag, als der Gesell seinen Kater wieder haben tvill, uüd nachdem der ,,schneidige" Gendarm als recht erbärmliche Wind- und Wetterfahne
* Menschen als „Versuchskaninchen". In Washington wurden unter der Leitung von Dr. Harvey W. Wiley, dein ersten Chemiker der Ackerbanabteilung,
, ;e gestiegen. Er soll geduldig in das Sanatorium gehen, das lhm die Aerzte verordnen, und uns von seinen beiden Leiden befreit, dereinst in einer , „ , , anderen Komödie zeigen, daß er etwas kann; dann soll
Metster Jülius Seeth hat also I ihm der Bären, der seinetwegen durch die Presse geht> m—v’ ■--- I und seinem Verteidiger Oskar Blumenthal sogar die Ge- i auf I schmacklosigkeit verziehen werden, das in trostloser laug- das I jähriger Festungshaft überkommene Leiden unseres lieben . ,. ...... , Fritz Reuter als analogen Fall herangezogen zu haben,
es durch eine Fahrlässigkeit I Genug von diesem Theaterlöwen, der bei dieser r--—1
1 M*en' „ ^ber er ist ein Mann I schmachtenden, braun-, blond- und schwarzzöpfig
.. erstaunlichen Ruhe und Sicherheit, der I innen insofern etwas enttäuscht hat, als dabet sein wahrer
ote gelben Katzen in geradezu mustergiltiger Weise dressiert I Name an den Tag gekommen ist und sie nun wissen, daß r f u s S ch u m a it u einen Sturm j Harry Walden eigentlich Heinrich Schreier heißt. Wäre es , entfesselt, wenn er die gefährlichen Raubtiere I nicht hundertntal schöner gewesen, wenn er sich
vorIÖt• Was Schumann hat, leistet sich bruck aus als wahrer Erbprinz entpnppt hätte?
^.Eichauch Busch; denn die beiden Konkurrenten sind '
eifersüchtig auf einander wie Nibelungen-Königinnen. Bei Busch aber ist's holde Weiblichkeit, die die riesigen vier- bemtgen Gesellen zu allerlei schönen Kunststücken ermuntert was wiederum die Wintergarten-Direktton nicht etwa abgehalten hat, sischs gleichfalls eine „Dompteuse" zu enga- greren. die als „sensationelle Löwennummer" auf dem Pro- I Versuche 'angestellt, wie die'BörfäE^^M^swff'W
die Außenwelt betraf, so stellte er unbefangene Fragen i gramm paradiert. Damit ist aber Berlin als Löweuarube mit dem Fremtut eines Kindes. Als man zufällig auf einen I immer noch nicht erschöpft. In der Arena des Fooloaü Zeitungsbericht zu sprechen kam, holte Thymert unbeküm- scheu Gartens", den der Berliner aus SparsamkeitÄründe mert das letzte Exemplar des Tageblatts von Quimper einfach „Zoo" nennt, ist seit kurzem eine ^Sr hier- hervor, das m feine Hande gelangt war, und stimmte schule eingerichtet, in der ein erfolgreicher Wärter 2s
®elac^ter feiner @afte ein, al8 sich heraus- I Löwen, einen Leopard, einen Bären und eine Hyäne auasi daß die Zeitung bereits sechs Wochen alt sei. I als feine Familie vorführt und seine Erfolge lmtt ckeuqnis .... "Mem Freund Movot bringt mir ab und zu die Tages- des Direktors Dr. Heck allein Ser beinahe zärtlichen U- blatter aber eigentlich interessieren sie mich nicht sehr. Handlung verdankt, die er den nicht ganz ungefähr ichen Ich habe vielerlei zu tun und m memen Mußestunden ziehe Herrschaften immer hat angedeihen lassen? ' 1 ‘
W) oft eine gute Bootfahrt allem andern vor. Wenn ich I Von den Saisonlöwen, die das Parkett beherrschen Zett zum Lesen habe, nehme ich meinen Virgil zur, Hand, ist noch nicht viel zu melden. Sie tragen noch ffnm r
außer dem llemen Erec hier, betnahe mem einziger spitze Schuhe mit einer leisen Neigung nach oben die Gesayrte. , I Bügelfalte im Beinlleid ist allerdings um eine Viertelwend-
.. s ’ .lhagte emer der jungen Leute, den I ung nach rechts oder links verlegt worden und die Steh-
dies Einitedlerleben interessierte. I kragen sind, wo es noch möglich war, um ein weiteres
"®.l£ ha^ Famtlte tn Penfret, und kommt nur, I Zentimeter gewachsen. Aber der Paletot sieht noch immer wenn , ich sie brauche, Sonntags fast immer, ab und zu I einem Bärenfell zum Verwechseln ähnlich und die Beulen- auch in der Woche, ich rufe sie durch zwei Flintenschüsse I pest hat such aus den sommerlichen Strobbüten auf die herbei; für gewohnltchbesorgt Erec die Küche, er macht I winterlichen Filze übertragen. Vor allem ist die liebe Fn-
‘-tefeuuB.esssÄ I setzte aber gleich in tiefster Beschämung hinzu: „die Crepes verbrenne ich freilich sehr oft."
Tie Gäste lachten, Thymert mit ihnen. „Laß gut sein, Erec", meinte er begütigend zu dem Kleinen, „mir ists auch nicht besser ergangen, als mir noch mein alter recteur von Beüzec das Latein eintrichterte. Was habe ich da nicht ausgestanden, und wie dankbar bin ich jetzt dem braven Mann für seine Mühe. Ich war ein guter Schiffsjunge, denn meine Angehörigen waren alle Seeleute, aber die Bücher waren meine Verzweiflung. Erec ist auch ein guter Schiffchunge und dabei viel eifriger bei seinen Büchern."


