Samstag den 26. Septemöer.
1903.
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(Nachdruck verboten.)
Igs Wmädihen in her Vretagne.
Von B. W. H o w a r d.
(Fortsetzung.)
Douglas, der den Mädchen zunächst gesessen hatte, erläuterte ihm, um was es sich handelte:
„Die Mädchen glauben eine sonderbare Aehnlichke.it bei Dir entdeckt zu haben."
„Ja, Monsieur hat dasselbe Gesicht", begann Nona schüchtern und doch voll Eifer, „wie das auf dem großen Bild in der Kirche, wo alle Kinder um unfern Heiland versammelt sind und er die Kleinen in seine Arme nimmt. —"
Hamor errötete unwillig, warf sein Skizzenbuch beiseite, stand auf und kehrte der Versammlung den Rücken zu.
Staunton, der die Ursache seines Verdrusses verstand, sagte mit ungewöhnlicher Herzlichkeit: „Laß gut sein, Hamor, wir wissen schon, daß Du an diesem Vergleich nicht Gefallen findest. —“
„Das weiß der liebe Himmel! Man sollte mich wirklich damit verschonen, ich bekomme es nur allzu oft zu hören."
„Monsieur Hamor!" erscholl hier Meurices kräftige Stimme, „sehen Sie nicht dort die Inseln? Backbord mit dem Steuer, wenn ich bitten darf."
„Oui Patronerwiderte Hamor mit wiedergewonnenem Frohsinn. Dann fuhren sie an mehreren jäh vorspringenden Felsgruppen vorüber, den Vorposten der Lannions, die drohend aus den Wogen emporragten.
„Tas sind böse Gäste, wenn sie einem unverhofft begegnen", erklärte Meurice; die haben schon in manch wackeres Boot einen Leck gebohrt, und viel dazu beigetragen, den Friedhof auf dem Loch zu füllen."
9hm kam der Leuchtturm von Pensret in Sicht, das Fort auf der Cigogne, die Fischerhütten von St. Nicholas und die kunstlose Kapelle des Loch. Es waren keine mächtigen Formen, keine malerischen Bilder, die das Auge fesselten. Tie Eigenart der Lannions bestand in öden weiten Sandstrichen und ärmlichem Graswuchs, die, obgleich einförmig miteinander abwechselnd, dem Auge doch die wunderbarste Farbenpracht zu offenbaren vermochten. Aus Purpur, Gold und leuchtendem Grün schien dort die ganze Atmosphäre zusammengesetzt, ein hehrer Glanz, eine Majestät der Schönheit lag über diesen stillen Eilanden ausgebreitet, wie sie das Auge nie geschaut. Tie gänzliche Abgeschlossenheit von der Welt verlieh den Inseln etwas Unberührtes. Unentweihtes, man fühlte sich auf unbeflecktem, jungfräulichem Boden. Die kühle,' frische Seeluft schien dort alles Böse, Verderbte hinwegzuwehen; gehörten doch auch die Lannions nicht zum Festland, sondern in das un- beschränkte Reich des großen allmächtigen Ozeans. Kein
Wunder, wenn der See hier eifersüchtig über ihr Eigentum wachte! Welches Recht hat die armselige, menschliche Kreatur gegenüber der Gewalt der Elemente?
Das Boot ging am Loch vor Anker, freilich etwas weit draußen, denn die Ebbe war soeben eingetreten. Uebev die schlüpfrigen, mit Seetang bedeckten Felsblöcke mußten sich die jungen Leute ihren Weg bahnen. „Nun sehen Sie, wie einförmig die Inseln sind, habe ich Ihnen nicht recht berichtet, flach, öde, so ist das Ganze", bemerkte Meurice in seiner phlegmatischen Weise.
„Ja, ja, es mag einförmig genug sein", gab Hamor zerstreut zur Antwort, aber dabei strahlte sein ganzes Gesicht, und seine Augen leuchteten vor innerster Befriedigung, entdeckten sie doch mit künstlerischem Scharfblick ringsumher Farbeneffekte, die ihm zu einer Quelle der reinsten Freude werden mußten. Ta hörte er hinter sich einen leisen Aufschrei; sich umschauend, sah er, daß die kleine Helene, die sich vergeblich bemüht hatte, mit ihren Füßchen die beschwerlichen Sprünge der andern nachzumachen, aus-, geglitten und gefallen war. Im nächsten Augenblick schon war er bei ihr, nahm die zitternde Kleine in seine Arme und trug sie sicher ans trockene Land. Meurice schaute, ihm von seinem Boot aus wohlgefällig nach: „Der Bursche hat doch Herz", murmelte er, „die andern waren nähev bei dem Kinde."
Ter steile Weg führte an des Pfarrers einzigem Stückchen Gartenland vorbei, in dem ein paar Suppenkräuter und kümmerliche Salatköpfe ein elendes Dasein fristeten. Hamor eilte leichtfüßig mit dem Professor um die kleine Kapelle herum, blieb aber auf der andern Seite, sprachlos vor Erstaunen, stehen.
9. Kapitel.
Thymert stand an der Tür seiner Kapelle, die hohe Gestalt stolz aufgerichtet, das dunkle Haupt entblößt. Er verhob soeben ein altes Gewehr, es ohne Ziel über die Wogen richtend. Ein Blitz, ein Knall, er senkte die Waffe und erblickte erst jetzt die Fremden. Mit warmem Lächeln trat er heran, sie zu begrüßen.
„Ist das ein Kriegssignal, Herr Pfarrer?" fragte Hw- mor, die dargebotene Hand des Geistlichen herzlich schüttelnd. „Wir sind nur Pilgrime, keine Seeräuber."
„Sie sind mir hochwillkommene Gäste", erwiderte Thymert mit der Huld eines Fürsten. „Ich rief soeben meine Pfarrkinder zur Messe", erläuterte er dann einfach, „unsere Kapelle hat keine Glocke. Manchmal kommen sie unpünktlich, ich muß nochmals feuern."
Mit ernster Miene lud er und feuerte ab, dann stand er still beobachtend am Ufer, bis er einige Boote von den entfernteren Inseln abstotzen sah. „Da sind sie, bald werden sie landen", rief er zufrieden. Dann mit seinem strahlenden Lächeln zu den Fremden gewandt: „Die Herren sind wohl so freundlich, der Messe beizuwohnen und dann bei mir zu frühstücken?" Es klang mehr wie die Verkündigung seines Herrscherwillens, als wie eine Einladung. „Es wrrd mit


