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mit der Zeit zur Grmwlige aller Mädchengymnasien aus- bilden wird. .
Mit der Entwickelung dieser Seite des Fraueustudiums hat eigentlich die Frage des akademischm Frauenstudiums nicht gleichen Schritt gehalten. Mit Ausnahme Badens, das bekanntlich 1891 mit der Zulassung der Frauen zum Uni- versitätsstudium, zunächst in der mathematisch-naturwissen- schaftlichen Faknltät Heidelbergs, den Anfang machte, sind die Frauen in Deutschland noch nirgends zur eigentlichen Immatrikulation zugelassen, auch dann nicht, wenn fte eine abgeschlossene Gymnasialbildung nachweisen. Sie gelten als Hörerinnen und bedürfen in der Regel zur Zulassung, die sich überdies nicht auf alle Fakultäten erstreckt, noch einer besonderen behördlichen Genehmigung. In verschiedenen Bundesstaaten ist die letztere, unter Voraussetzung der Beibringung der erforderlichen Zeugnisse, generell erteilt. Daneben ist indessen überall noch die Einwilligung der einzelnen Dozenten zum Besuche der Vorlesungen seitens der Frauen erforderlich. Wenn auch, abgesehen von den theologischen Fakultäten, die meisten Hochschullehrer diese Einwilligung erteilt haben, so sind doch noch gar,manche Kollegin auch in den neuesten Vorlesungsverzeichnissen, zumeist in den medizinischen Fakultäten, aber auch in den juristischen und philosophischen, mit dem Stern versehen, welcher den Ausschluß der Frauen bedeutet. Unter diesen Umständen sind die Zahlen, welche hinsichtlich der auf den deutschen Universitäten stndierenden Frauen festgestellt sind, von doppeltem Interesse. Im Winter-Semester 1900/01 war diese Zahl 1029, im Winter-Semester 1902/03 1271. Die Steigerung ist demnach nicht allzu bedeutend.
Von den sogenannten akademischen Berufen kommen in Deutschland zurzeit für Frauen nur das höhere Lehrfach und der ärztliche Beruf in Betracht. Der letztere wurde den Frauen eigentlich erst 1899 durch den Bundesratsbe- schluß eröffnet, welcher die Anrechnung der Semester, die die Frauen als Hospitantinnen an den Universitäten verbringen, als Studiensemester verfügte. Daneben steht ihnen die Pharmazie und Zahnheilknnde frei.
Gemeinnütziges.
M o d efeh ler in der Klein kin d er pfle g e betitelt sich ein bemerkenswerter Aufsatz in dem neuesten Heft der Krankenpflege, in welchem Dr. O. Hoffmann gewisse in weiten Kreisen eingewurzelte Gewohnheiten und Gebräuche geißelt. Während man allgemein bei der Kleidung und Wohnung darauf zu achten sich gewöhnt hat, daß unter Erhaltung der erforderlichen Wärme doch möglichst freie Lüftung vorhanden ist, huldigt man heutzutage der Unsitte, die Kinderwagen und Körbe, welche Kindern im ersten Lebensjahre als Bettstatt zu dienen, pflegen, mit lnft- und wasserdichten Stoffen, z. B. Wachsleinwand, aus- znkleiden. Damit wird nach unten und nach den Seiten jede Verdunstung ausgeschlossen, was für den kindlichen Körper doppelt nachteilig ist, da gerade er sich durch rege Hauttätigkeit auszeichnet. Ist nun noch in dem Wahne, daß das Kind ja vor Erkältung geschützt werden müsse, ein dicker Schleier über das Kind gezogen, oder sind die Vorhänge am Wagen oder Korbe geschlossen, so kann man sich ungefähr vorstellen, in welcher ungesunden Atmosphäre das kleine Wesen gehalten wird. Kinderwagen und Kinderkörbe müssen, um die Hautverdunstung nicht zu beeinträchtigen, mit für Luft leicht durchlässigen, gut waschbaren Stoffen cmsgeschlagen werden, die öfters zu ivcch- seln sind und jedenfalls bei Beschmutzungen erneuert werden können. Die Vorhänge sollen nicht etwa, wie die Mode es verlangt, grelle Farben zeigen, hellblau oder lila, hellgrün oder hellrot gehaltene Stoffe blenden bei darauf fallender Sonne das zarte, lichtempfindliche Kinderauge. Am zweckmäßigsten sind unstreitig stumpfgraue oder stumpsbraune Farbentöne. Weiterhin verlangt Hoffmann einen anderen Zuschnitt für die, sogenannten Steckkissen, in denen die Kinder leider meist unnötig fest, ein» gezwängt liegen. Da, wo das oberste Band zu liegen kommt, also unterhalb der Achselhöhle des Säuglings, muß ein etwa handbreites Stück den bisherigen schmalen Schnitt behalten, und dieses Stück muß durch zwei oben handbreit von einander befindliche Bänderpaare so um den oberen Teil des kindlichen Rumpfes zu liegen kommen.
daß es diesem sich gut anschmiegt, ohne zu drücken. Dann aber muß sich sowohl das vordere wie das hintere Blatt des lAeckkissens erheblich verbreitern, so daß es für den imteren Teil des Rcimpses und für die Beine des Kindes einen weiten, warmen Beutel bildet, in welchem das Kleine seine instinktiven Muskelübungen mit den Bvin- chen fast ungehindert ausführen kann. Dieser Beutel wird an beiden Seiten durch Küöpfe oder Minder so gut geschlossen, daß die Füßchen nicht seitwärts hindurch- schlüpfen. Damit aber das Kind nicht etwa aus dem ganzen Kissen herausrutscht, was bei der schlangenartigen Beweglichkeit des Kindeskörpers leicht geschehen könnte, kann man den oberen fester anliegenden Teil des Steckkissens durch Bänder — die nötigenfalls Gummizeug erhalten — an das Kleidchen des Kindes befestigen.
Lrievarisches.
— Der Zauberknoten. Kulturroman von William Barry. Aus dem Englischen übertragen von Johanna Szelinska. Mit Bildern von A. Baworowski. München 1903, Allgemeine Verlagsgesellschaft in. b. H. Preis brosch. Mk. 4, geb. Mk. 5. — Vorliegendes Werk ist kein oberflächlicher Unterhaltungsroman, sondern em scharsgeprägtes Bild menschlichen Ringens; daß die Guten sehr oft schuldlos leiden müssen für die Sünden anderer, ist der Grundton des Werkes, der Kern, um den der Verfasser wie um einen kostbaren Edelstein eine goldene Einfassung von feinen, psychologischen Beobachtungen geschlungen hat. Einen großen Reiz des Buches bilden die entzückenden landschaftlichen Schilderungen und die Bilder vom Tun und Treiben des interessanten, so wenig bekannten irischen Volkes. Der Name des Verfassers, ein in England und auf dem Kontinent wohlbekannter Gelehrter, bürgt allem schon für den Wert des Buches, das besonders auch dem Kulturpsychologen unschätzbares Material bieten dürfte.
— Die Frauen des Orients in der Geschichte, in der Dichtung und im Leben. Von A. Freih. v. Schweiger- Lerchenfeld. Mit ea. 350 Textabbildungen, 11 farbigen und 14 schwarzen Vollbildern. In 25 Lieferungen a 1 Wart. Bisher 5 Lieferungen erschienen. A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig. — Man kann sagen, daß, m diesem prachtvoll ausgestatteten Werke dem , Leser eine große Ueberraschung bereitet wird. Es ist eine so gut wie unbekannte Welt, die sich in diesen musterhaften Schild r- ungen des Frauenlebens unter den Arabern m der heidnischen Vorzeit, unter dem ProphetenMohammed und m. der Kulturepoche des omnejadischen und abbassidischen Cha- lifats vor unserem geistigen Blicke entrollt. Nur ent gründlicher Kenner der orientalischen Quellenliteratur konnte aus jenem reichen Borne schöpfen, der m nichtorientalistischen Kreisen völlig unbekannt ist. Und wie mühelos wird es, dank der Schilderungskraft des Verfassers, dem Leser gemacht, sich in dieses fremdartige, farbenschillernde, durch einen fabelhaften Luxus l^eim- ^eickmete Milieu einzuleben. Bei solchem Reichtume des Gebotenen liegt es nahe, den folgenden Lieferungen des in jeder Beziehung lobenswerten Werkes mit gesteigertem Interesse entgegenzusehen. . -
Worträtsel.
(Nachdruck verboten.)
Die Ersten brauchen nicht zu sorgen, Sie stört die Hast des Tages nicht. Im zweiten Paar sind sie geborgen In das kein Schmerz, kein Leiden bricht. Doch steht nach Gold der Sinn der Letzten, So nennt man oft sie wüst und wild. Sind diese Letzten in den Letzten, So ist der Golddurst gleich gestillt.
Das Ganze wird nicht viel beachtet, Es ist ein schlichter Handwerksmanu, Den man, wenn man cs recht betrachtet, Nur auf der See entbehre« kann.
(Auflösung in nächster Nniumer )
Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.: Hundstage. (Huhn, Nase, Stande, Hasen, Tanne, Tag, Etage.)
Redaktion! August Götz.— Notatiouslrnck und 8 irlog ter 8 r i l I 'ick.cn 11 trnf «c » 11:1 kirl n.ccic.. Sh. ■’ <


