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„Ich wäre entschieden der Meinung, daß passiver Widerstand geleistet werden könnte."
Q u i d q u i d delirant reges, plecturrtur Achivt („Wie .immer die Könige (gemeint sind Agamemnon und Achilles) rasen, die Achäer müssen es büßen"), d. h. das wahnwitzige Benehmen der Fürsten müssen die Böller büßen. Zu diesem Citat aus Hora- (Epistele) fügte der Präsident Graf Ballestrem im Reichstage am 20. Januar 1903 hinzu, daß heute umgekehrt „Könige und Minister" für die Leidenschaften der Menge die Buße zu zahlen haben.
Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln. Das vom preußischen Minister von Manteuffel in der zweiten Kcwnner am 2. Januar 1851 gebrauchte Wort findet sich nach Bückmann's „Geflügelten Worten" schon bei Börne, der von dem französischen Minister Salvandy. sagt, daß er „in Schlafrock und Pantoffel" die Rückkehr Heinrichs V. (des Grasen von Chambord) auf den französischen Thron abwarte.
Von einem srüheren Minister des Innern im preußischen Abgeordnetenhause, Grasen von Schwerin, stammt im parlamentarischen Sprachgebrauch das Wort Sch Werins - t a g, eine der Erledigung von Anträgen aus der Mitte der Versammlung und von Petitionen außerhalb des Hauses geividmete Sitzung. ? *
Selbst die Knochen ernes poinmersch en Gr e- nadiers möchte ich nicht dafür opfern. Als die Opposition die Einmischung des deutschen Reiches in die orientalischen Wirren zur Zeit des ersten Bulgarenfürsten (Ale-ander von Battenberg) verlangte, wies der Reichskanzler dies mit den Worten zurück, daß ihm selbst die Knochew eines pommerschen Grenadiers dafür zu schade wären.
Aus dem studentischen Leben sind zwei Bezeichnungen herübergenommen: Wilde, d. h. solche Mitglieder, dis keiner Fraktion angehören, und Senrorenkonveut, d. h. der aus den Vertretern der Fraktionen gebildete Ausschuß, dec über die Zahl der Vertreter jeder Fraktion in den Kommissionen, sowie über Fragen der Geschästsord- nung und anderes entscheidet.
Setzen wir Deutschland sozusagen in den Sattel, rejten wird es schon können, ein geflügeltes Wort Bismarcks vom 22. März 1874.
Vae victis („Wehe den Besiegten"). Dieses Wort wird aus den gallischen Brennus zurückgeführt, der auf dem römischen Forum stand und sein Schwert in die das Gold abwägende Wagschale warf. Dasselbe Wort zitierte, der württembergische Minister Varnbüler in prophetischem Srnne kurz vor dem Ausbruch des preußisch-östreichischen Krieges tni Jahre 1866.
W e n n ich d i e o b e r e n Götter nicht erreichen kann, werde ich die Hölle in Bewegung setzen. (Flectere si nequeo Superos, Acheronta movebo.) Dissen Vers aus Vergils Aenöide zitierte Bismarck auf lateinisch in der Konfliktszeit im preußischen Abgeordnetenhause am 21. Januar 1864.
„Wir laufen niemand nach", eilt Wort des Reichskanzlers Bismarck, der damit sagen wollte, daß Deutschland sich um die Freundschaft einer fremden Machst (weder Englands noch Rußlands )zu bemühen nicht nötig habe, sondern lediglich seine eigenen Interessen im Auge habe.
Der Zeitungsschreiber ist ein Mensch, der seinen Beruf verfehlt hat. Diese Aeußerung wird zwar Bismarck zugeschrieben, ist aber in dieser Fassung nicht richtig. Vielmehr sagte er zu einer Deputation aus der Insel Rügen am 10. November 1862, also in der so- genaunten Könfliktszeit: „Die Regierung würde alles aufbieten, eine Verständigung mit dem Abgeordnetenhause herbeizuführen, aber die oppositionelle Presse wirke diesem Streben zu sehr entgegen, indem sie ptnt großen Teil in Händen von Juden und Unzufriedenen, ihren Beruf verfehlt habender Leute, sich befinde." „Die Presse", sagte Minister Miquel bei entern Festmahle in Berlin, „kann natürlich es niemandem recht ntachen, aber wahr bleibt es doch, daß sie das größte Bildungsmittel der Gegenwart geworden ist. Als ein Mann, der seit mehr als 40 Jahren das politische Leben beurteilt, glaube ich sagen zu dürfen, daß in diesem Zeitraum die deutsche Presse ungeheure
Fortschritte gemacht hat, nicht nur tm Inhalt, in der Form, dem Stil, sondern auch in der gegenseitigen Duldsamkeit und Achtung der Meinung anderer."
* Aus der guten alten Zeit. Ein Leser unseres. Blattes schickt uns ein Exemplar des Frankfurter Journals vom 15. April 1848 zu, indem er uns auf folgenden amüsanten Aufruf aufmerksam macht: Ausruf an die Barbiere. Auch wir haben unsere Zeit begriffen und wissen, was wahre, unbeschränkte Freiheit ist. Wir stimmen dem in der gestrigen Zeitung enthaltenen Aufruf an sämtliche Fischer, betreffend die Einschränkung der verderblichen Wirksamkeit der Dampfschiffe, sowie dem Vorschläge der kölner Gewerbleute zur Unterdrückung des bevorstehenden Jahrmarktes, von ganzem Herzen bei. Auch wir wollen gegen eine Beeinträchtigung unseres Gewerbes Beschwerde führen und Schutz erlangen. Es ist nämlich in den letzten Jahren der verderbliche Mißbrauch eingerissen, daß viele Menschen sich selbst rasieren und gar den Bart ganz, wie ihn die wilde unzivilisierte Natur hervorbringt, wachsen und stehen lassen. Abgesehen davon, daß ein solcher Anblick schon alles gebildete Schönheitsgefühl verletzt; schon dis Gefahr- daß dieser Unfug, falls er allgemein würde, uns das Terrain unserer Wirksamkeit gänzlich entziehen würde, zwingt nns, dahin zu wirken: 1. daß Keiner mehr den Bart wachsen lassen oder sich selbst rasieren darf; 2. daß Derjenige, der Eines von beiden wagt, die doppelte Taxe zahlen muß. Wer zur Durchführung dieser Maßregel mitwirken will, möge sich am 14. l. M. bei.dem Weinwirte Kertell in Köln einfinden. Das provisorische Komitee.
Literarisches.
— Für und wider die Reformkleidung.. Sonderdruck aus der Illustrierten Zeitung. Verlag von I. I. Weber tht Leipzig, Preis 50 Pfg. — „Reformkleidung"- dies Schlag- und Losungswort vernimmt man heute ist allen Kreisen der Gesellschaft. Geist und Gemüt der Frauen- wie der Männerwelt wird in gleicher Weise durch die nette Mode angeregt ober abgestoßen. Was ist es nun mit der Reformkleidung? Ist sie schön oder häßlich, zweckmäßig oder zweckwidrig, wird sie sich das Feld erkämpfen oder spurlos wieder verschwiuden? Jedenfalls hat die Illustriertes Zeitung, die jede Strömung, jedes Ereignis des Tages auf politischem, sozialem, künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet mit dem Griffel der Klio bucht, Veranlassung genommen, eine Umfrage bei kompetenten Persönlichkeiten zu veranstalten und deren Aeußerungen über die Resorm- kleidung zum Ausdruck zu bringen. Diese in der „Illustrierten" enthaltenen Aeußerungen sind nun hier in einer Sonderausgabe vereinigt und fesseln den Leser durch Sachkenntnis, geistvolle Diktton und prickelnden Mtz. Otto Bi er bäum warnt: „Befreit ihr die donna mobile von der körperlichen Schnürbrust, so legt ihr auch keine stilistische an!" Luey Griebel (Eva Treu) zweifelt nicht, daß ist drei Jahren die Hälfte aller Damen, in fünf Jahren sämtliche Dienstmädchen ihr Reformkleid haben werden. Börries Frhr. v. Münchhlausen rät: „Ueberlassest wir die Reformversuche einmal den Frauen! Sie werden immerzu „reformieren" und immer elegant dabei aus- sehen!" Hermione v. Prenschen präzisiert dierFagei dahin: „Grauwollenes Resormkleid a la Büßerkutte — abscheulich, buntschillernde Empire-Schlangenhaut — dem Hörselberg selber entnommen!"
Ergänzungsrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Wie---— au —, T---e, —m--, Li---, Na--,
Er — e, T--er.
Statt der Striche sind passende Buchstaben zu setzen, so daß Hauptwörter entstehen, die in anderer Reihenfolge bedeuten: Teil des Gesichts, Raubtier, Baum, Beleuchtungsgegenstand, Teil der weiblichen Kleidung, Haustier, schmackhafter Vogel, weiblicher Vorname. Sind die richtige» Wörter gefunden, so müssen die eingefügten Buchstaben im Zusammenhang gelesen ein bekanntes Sprichwort ergeben.
(Auflösung in nächster Nummer?
Auflösung des Telegraphenrätsels in vor. Nr.: Rosenmonät. (Robert, Strom, Motto, Ann«, Topf.)
Redakuonr August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brtihl'schen Universitäts-Bucki- und Steindruckerei (Pietsch Ctt u) in Gießen.


