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gewesen war, an rapide Telegraphieren gewöhnt. Er hatte auch Zeitungsartikel telegraphisch ausgenommen, und obwohl der Beamte in Newyork die Telegramme mit rasender Geschwindigkeit absandte, so war doch Edison int stände, sich vollkommen zu behaupten. Er konnte 54 Worte in der Minute schreiben, während die Durchschnittsge­schwindigkeit für Morse-Telegraphisten nur 45 Worte in -der Minute betrug. Edison merkte jedoch bald, daß eine Jntrigue gegen ihn im Werke sei, doch verriet er dies mit keiner Miene. Während des Telegraphierens nahm «r Gelegenheit, zum größten Staunen der Telegraphisten mehrere Bleistifte zu schärfen. Es dauerte nicht lange, so begann der Telegraphist in Newyork seine Worte zusam­menzuziehen, um Edison zu verwirren; aber auch dieses Manöver brachte ihn nicht aus der Fassung.

Nun stieg Edison rapide zur Höhe. Sein einfaches, anspruchsloses Wesen machte chn sehr beliebt; auch hatte er in Boston jede Gelegenheit, nach Herzenslust zu studieren. Die öffentliche Bostoner Bibliothek stand ihm offen, und er verschlang alle wissenschaftlichen Werke, die er erlangen konnte, mit wahrem Heißhunger. In Boston richtete sich Edison ein kleines Laboratorium ein und begann, Verbesserungen an verschiedenen telegraphischen Vorrichtungen zu machen. Seine erste Erfindung war hier eine Maschine zum Zählen der Stimmen im Parlament und bet den Wahlen. Bekanntlich ist Edison mit dieser Erfin­dung bis heute noch nicht durchgedrungen. Er beschloß von jener Zeit an, nie wieder eine Erfindung aus den Markt zu bringen, bevor das Erfordernis für dieselbe erwiesen sei. Er war damit beschäftigt, automatische Tele- graphen-Jnstrumente zu konstruieren, und kam als Erster auf den Gedanken, mehr als eine Nachricht durch eine einzige Telegraphenleitung zu senden. Die Ausführung desselben ist das Duplex- und Quadruplex-TeleMaphen- shstem, dessen Einführung den Kulturstaaten viele Millionen erspart hat.

Edison war jedoch ein unruhiger Geist. Er war noch nicht ein Jahr in Boston, da zog ihn schon die Sehnsucht nach Newyork; erhoffte dort ein weiteres Tätigkeitsgebiet zu finden. Es wurde chm jedoch in Newyork sehr schwer, eine Stellung zu erlangen, und er befand sich bald wieder in großer Bedrängnis. Wieder kam ihm eut glücklicher Zufall zu Hilfe. Am 24. September des Jahres 1869 Wng er die Wall-Street entlang und kam an dem Bureau einer Telegraphen-Gesellschaft vorbei, welche Berichte au die Börsenmakler in Newyork zu versenden pflegte. Die Berichte waren auffällig erweise plötzlich ausgeblieben, die Makler wurden in hohem Grade beunruhigt, entsandten Boten nach dem Bureau der Gesellschaft, und schließlich entstand eine kleine Volksansammlung vor dem Bureau, welche Edison nicht entgehen konnte. Er erfuhr, daß etwas an den automatischen Instrumenten in Unordnung sei, und daß dieser äußere Anlaß den Effektenmarkt geradezu gefährden könne. Edison bat den Direktor, die Instrumente besichtigen zu können. Es gelang ihm, sofort die Sache wieder in Ordnung zu bringen, und er zeigte sich so außer­ordentlich vertraut mit den automatischen Vorrichtungen und bewies zugleich eine so gründliche Kenntnis der Geschäfte dieser Gesellschaft, daß er sofort mit einem Mo­natsgehalt von 1200 Mark engagiert wurde.

Er blieb, mehrere Jahre bei der Gold and Stock Company. Während der ganzen Zeit aber hörte er nie auf zu experimentieren und zu erfinden. Seine reichlichen Geldmittel setzten ihn in den Stand- sich viele Instrumente und Vorrichtungen zu kaufen, und sich ein größeres Labo­ratorium einzurichten.,

Er erfand eine ganze Anzahl wertvoller Vorricht­ungen zu Telegraphen-Jnstrumenten und seine Gesellschaft beschloß, diese Erfindungen anzukaufen. Die Direktoren sprachen eines Tages bei Edison vor und fragten ihn, was er für seine verschiedenen Erfindungen und elektrischen In­strumente nehmen würde.. Edison hatte keinen Begriff von dem Wert dieser Patente und sagte, daß er sie für ein paar tausend Dollar gern verkaufen wolle. Da er jedoch nicht wußte, was seine Gesellschaft zu zahlen beabsichtige, so vat er, ihm ein Anerbieten zu machen.

Würden Sie mit 160000 Mark zufrieden sein?" fragte chn der Präsident der Gesellschaft. Edison antwortete so- glerchJa!", äußerst überrascht durch das glänzende An­

erbieten, und kaum! glaubend, daß er recht gehört Hütts. Es gelang ihm jedoch, sein Erstaunen zu verbergen. Man wurde handelseins, und Edison empfing einen Chek auf 160 000 Mark.

Er war nie in seinem Leben auf einer Bank gewesen^ und als er seinen Check präsentierte, wollte der Kassierer ihn ohne Legitimation nicht bezahlen. Da Edison schwer­hörig war, so verstand er nicht, was zu ihm gesagt wurde und verließ das Fenster des Kassierers mit dem Gefühl, daß er düpiert worden fei. Er saß mit dem zerknitterten Check in der Hand auf den Steinstufen der Bank. Er sagte später, er würde den Check für 50 Dollars fort gegeben; haben, wenn nur jemand ihm soviel an geboten hätte.. Einer seiner Freunde sah ihn und fragte, was es gäbe. Edison erklärte ihm, daß der Check nicht gut sei und die Zahlung verweigert worden wäre.

Der Freund erkannte das Hindernis, und da er in der Bank bekannt war, so begleitete er Edison hinein und legitimierte ihn. Die 160000 Mark wurden nun dem Er­finder eingehändigt.

Wer lange Jahre die schwersten Entbehrungen durch­zumachen hat, und sich plötzlich im Besitz einer Summe von 160000 Mark befindet, der ist gewiß geneigt, sich ein angenehmes Leben zu bereiten, und wenigstens einen großen Teil seines Geldes für Vergnügungen auszugeben. Edison verwendete sein Geld zum Bau telegraphischer In­strumente und erhielt große Aufträge von Gesellschaften, die ihm ein schönes Vermögen einbrachten. Er wurde jetzt von der Western Union and Gold Stock Company engagiert, die ihm alle seine Erfindungen auf telegraphischem Ge­biete ab kaufte.

Edison entwickelte zu dieser Zeit eilte enorme Arbeits­kraft, che-lche absolut aller Verhaltungsmaßregeln spottete, welche Aerzte geistigen Arbeiter» zu geben pflegen. Er konnte 24 bis 30 Stunden unmiterbrochen hintereinander beschäftigt sein, ohne zu ruhen, ja er soll diese Frist sogar auf 50 Stunden ausgedehnt haben. Das tat seiner kräftigen Natur keinen Schaden, nur folgten so langen Ar- beitsperioden ebenso lange Schlafperioden. Immerhin war es wichtig, daß er eine begonnene wertvolle Arbeit nicht zu unterbrechen brauchte, sondern sie bis zu einem bestimm­ten Ziele durchführen konnte, bevor er sein Laboratorium verlassen mußte.

Edisons hervorragende Erfindungen sind aller Well bekannt, aber sie waren, als die Kunde von ihnen in der Welt verbreitet wurde, zum teil so überraschend, daß man nicht einmal an ihre Möglichkeit glauben wollle. Allerdings wurde ihre Tragweite, wie z. B die des Phono­graphen, zum teil überschätzt. Mer sie bekundeten doch meist eine so außerordenllich feine Beobachtung und eine so ungewöhnliche Frische des erfinderischen Geistes, daß selbst die gelehretsten Köpfe wie vor einem Rätsel standen. Die Bedeutung der meisten Patente, welche Edison erlangte ' und diese zählen nach Hunderten weiß allerdings! nur der Fachmann zu schätzen.

Edison ist eine imposante Erscheinung, stark und kräftig gebaut. Seine Erfindungen beschäftigen noch un­ausgesetzt die technische Welt, obwohl er doch nicht mehr so rastlos wie früher arbeiten darf. Seine Gesundheit ist nicht mehr so robust, daß er sich die Ruhe nach Belieben versagen kann; vielmehr gehorcht er jetzt dem Veto seiner Aerzte. Sein im vorigen Jahre erfundener Akkumulator beweist aber, daß Edison noch keineswegs geneigt ist, auf den Lorbeer» auszuruhen.

Akrostichon.

(Nachdruck verböte«.)

Arm, Hering, Ecke, Elle, LiaS, Abel.

AuS jedem Wort ist durch Voransetzung eines passenden Buchstaben- ein neues Wort zu bilden. Die hierzu verwendeten Buchstaben müffen im Zusammenhang eine« bekannten Vornamen ergeben.

(Auflösung in niichster Rümmer.)

Auflösung des Anagramms in vor. Nr.r

a. Trave, Sense, Ornat, Abel, Reiz, Launen, Reime, Emil, Selma.

b. Vater, Effen, Notor, Elba, Eier, Ulanen, Eimer, Leim, Amfri. Venezuela.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlas der Brübl'lchen Univrrsttäts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.