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rühmend, heißhungrig dem Sipeifesaal zueilten. Nita, die aus ihre Schwester gelehnt hinunter sah, atmete kurz und schwer, denn sie konnte nur sieben Zurückkehrende zählen, sieben durchnäßte, zerzauste Menschen. Wo aber waren die beiden andern? Wo Greville, wo Mrs. Tuckitt? Wie ein Wirbelwind stürmte sie die Treppe hinunter mitten in die Gesellschaft hinein und auf eine Mrs. Perry zu, die sich soeben behaglich vor einem Teller dampfender Suppe nieder- gelassen hatte und sofort begann:

Ach, meine liebe Lady Fanshawe, es tut mir leid, daß 'wir nicht imuf die beiden warten konnten."

Wie, Sie haben Sie doch nicht auf der Insel zurück- gelassen?"

Doch. Schon begann die See wieder unruhig zu werden, und da konnten wir wirklich nicht länger mehr zögern. Ihr Mann und Mrs. Tuckitt streiften nach dem Gabelfrühstück auf der Insel umher, und nachdem wir alle zusammen die Mönchszellen und alles andere Sehens- würdige besichtigt hatten, gingen die beiden noch zum Fischen oder suchten Wogeleier. Ich muß sagen, es war ein rechter Unsinn, denn man hatte uns geraten, bei Zeiten abzusahren, da der Wind plötzlich umgeschlagen war, und das Meer wieder unruhig zu werden begann. Und in der Tat, es war eine schreckliche Fahrt; jeden Augenblick glaubte ich, das Schiss werde in den Wellen begraben. Sie taten wohl daran, zu Hause zu bleiben, Lady Fanshawe, und Sie auch, Mr. Lovell", fuhr sie, dem jungen Mainn zu­nickend, fort, der sich astr den Tisch gesetzt hatte, um der Erzählerin zuzuhören.

,Lch liebe solch' abenteuerliche Fahrten nicht", aitt-4 wartete Nita kühl.

Nehmen Sie sich die Sache nur nicht zu Herzen, Lady Fanshawe", sagte Kapitän Willis, dem ihr blasses Gesicht und ihre erregt funkelnden Augen ausftelen.Sie verdienen Ihr Milleid wirklich nicht. Ich wette, was Sie wollen, daß die beiden so vergnügt sind wie ein Fisch im Wasser und ganz befriedigt von ihrem Aufenthalt."

Nita antwortete nichts, sondern stand, einen raschen Blick aus ihre Schwester werfend, hastig von ihrem Platze auf und kehrte in höchster Erregung in ihr Zimmer zurück. Maureen folgte ihr fast aus dem Fuße, kam aber trotzdem einen Augenblick zu spät die Tür war schon verschlossen und verriegelt.

17. Kapitel.

Das leere Nest.

Anstatt sich zu beruhigen, steigerte sich der Sturm von Stunde zu Stunde. An ein Fischen, selbst auf den Seen, war nicht zu denken, keines der vorhandenen Schiffe, mit Ausnahme der Rettungsboote, hätte den wild erregten Wellen der Bucht standgehallen, und was waren die im Vergleich zu den bergehoch sich auftürmenden Wogen des gewaltigen atlantischen Ozeans.

Lady Fanshawe aber weigerte sich eigensinnig, das Wetter zu beobachten, und fuhr fort, sich in den unver- nünstigsten Reden und Vermutungen zu ergehen, während der schlaue Lovell die Gemütsstimmung der schönen Frau dazu benutzte, seine Fallstricke um sie zu Wersen, indem er sie mtt prächtigen Blumen und teilnehmenden Worten über­schüttete. Maureen tat ihr möglichstes, Ntta zu beruhigen und zu zerstreuen. Sie forderte sie auf, mit ihr an den Strand zu gehen und das herrliche Schauspiel der sturm­gepeitschten Wogen zu betrachten, allein Nita schlug auch das rundweg ab, da sie den Sturm hasse und überhaupt jetzt lieber einige Zett ganz allein ungestört bleiben wolle.

So ging Maureen, in einen warmen roten Mantel gehüllt. Mein ans Ufer und sog mtt Hochgenuß die kräftige, salzige Luft ein. Vom Sturm zerrissene schwarze Wolken trieben gleich schattenhaften Gespenstern am Himmel hin, und trüb und grämlich senkte sich die blasse Sonne endlich in die brausende See. Mit Einbruch der Dämmerung erst kehrte Maureen ins Hotel zurück, um Nita zu berichten, daß der Sturm schlimmer wüte, denn je. Etwas hastig öfftrete sie, die Tür des gemeinschastllchen Wohnzimmers, das noch im Halbdunkel lag und nur vom Kaminfeuer Matt erleuchtet wurde. Ticht davor, am Fuße eines Ruhe­bettes, halb im Licht und halb im Schatten, saß Nita, ihr zartes Gesicht mtt einem Pfauenfächer vor der Glut schützend.

Nachdem Maureens Augen sich etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatten, entdeckte sie noch eine zweite Gestatt auf dem Sofa, und zwar die eines Mannes der ja, sie täuschte sich nicht her bei ihrem Eintritt die Hand

ihrer Schwester gehalten hatte. Oder sollte ihre allzu leb-. Phantasie ihr etwas vorgegaukelt haben? Jedenfalls aber konnten ihre Ohren sie nicht betrogen haben, denn beim Ein­tritt ins Zimmer hatte sie Mta sagen hören:Ich will ihm noch einen Tag Frist geben. Still!"

Schlecht war Mta nicht- o nein, nur schwach und haltlos!. Mer wie konnte sie sich herablassen, diesem Mr. Lovell chre Sorge um Greville anzuvertrauen? Maureens junge/ unerfahrene Seele befand sich in großer Aufregung, und ihr Herzt schlug hefttg, als sie mit zitternden Fingern ihren Mantel aufknöpfte.

Na, hier bist Tu ja endlich!" rief Mta in erfreutem Tone, als sei ihr die Unterbrechung willkommen.Wie ist das Wetter jetzt?"

Schlimmer denn je", antwortete Maureen, wobei ihr zornfimkelnder Blick nicht auf Nita, sondern auf deren Ge­fährten gerichtet war.

Ich saß hier im Dunkeln mit abscheulichen Köpft schmerzen behaftet", erklärte Lady Fanshawe,bis sich Mr. Lovell meiner erbarmte und mir ein Mittel brachte, das bereits Wunder gewirtt hat."

Warum hast Tu denn kein Licht? Wo sind die Lampen und Streichhölzer?" fragte Maureen in scharfem Tone.

Gestatten Sie, daß ich Ihnen helfe", fiel Lovell ein, indem er auf dem Tisch neben sich herumtastete.So sind Sie also nicht vom Sturme fortgeblafen worden, gnädiges Fräulein?"

Ich bin überhaupt nicht so leicht fortzublasen", ant­wortete sie ernst.

Wissen Sie denn noch nicht", sagte Lady Fanshawe, daß Maureen sich überhaupt vor nichts fiirchtet, weder zu Wasser, noch zu Land außer vielleicht vor jungen Herren."

Wie kannst Du solchen Unsinn schwatzenf Maureen, indem sie ein Licht anzündete und ihre Schwerer prüfend betrachtete. Ja, Nita sah verwirrt, auffallend ver­wirrt aus; ihre Wangen brannten, sie schien sogar vor kurzem geweint zu haben.

Mr. Lovell weiß sehr gut, daß Du scherzest", sagte Maureen, Nitas Verehrer scharf ansehend.Vor ihm zum Beispiel fürchte ich mich nicht im geringsten."

O nein, in der Tat, die Sache liegt umgekehrt. Ich habe einen Höllenrespekt vor Miß T7Arcy. Wenn Sie die Stirne runzelt, so zittere ich tote Espenlaub."

Tas freut mich, zu hören", antwortete sie kühl.Wenn Sie mein Mißfallen erregen, so werden Sie schon sehen, was Sie zu erwarten haben."

Mr. Lovell betrachtete sie nachlässig. Es war ein schönes Blld, wie sie da vor ihm stand mtt geröteten Wangen, den scharlachroten Mantel noch über den Schultern und ein Licht in der Hand. Tie ganze Seele des Mädchens schien in ihren dunkeln, wundervollen Augen zu liegen, in denen Bertram Lovell indes eine ernste Herausforde­rung und eine deutliche Drohung las. Diese Entdeckung schmeichelte ihm ungeheuer, aber er zwang sich, seine Freuds darüber nicht merken zu lassen. Welche Kühnheit von einem Mädchen ihres Mters, sich mit ihm in einen Kampf zu wagen! dachte er. Ws er eben antworten wollte, ertönte zum erftenmale die Dischglocke, was von Lady Fanshawe, die voll Unbehagen dem immer gereizter werdenden Ge­spräch der beiden gefolgt war, mit Freuden begrüßt wurde. Sich sofort erhebend, sagte sie:Ich gehe nun, mich um- zukleiderr."

Lovell sprang auf, ihr die Tür zu öffnen, und flüsterte ihr dabei in leisem, zärtlichem Ton ins Ohr:Denken Sie daran!" Allein Maureen, die dicht hinter ihm stand, hatte die Worte aufgefangen. Eine kurze Pause der Ueberkegung folgte, dann sagte sie, Lovell mit strenger Miene ansehend: Tas waren Wnig Karls letzte Worte, ehe er seinen Kopf verlor. Ich hoffe, Sie denken nicht, daß meine Schwester in Gefahr ist, den ihrigen zu verlieren?"

Daraufhin verließ sie das Zimmer, ohne eine Erwide­rung abzuwarten, die indes auch gar nicht erfolgte, da Mr. Lovell viel zu sehr überrascht war, nm eine Antwort zu finden. Während er so dastand und ihr nachsah, wie sie in stolzer Haltung den Gang entlang ging, murmelte er endlich leise vor sich hin:Boshafter, Keiner Teufel!"

Am Abend fiel Lady Fanshawes neuerwachte Heiterkett allgemein auf. Ihre Augen funkelten und ihre Wangen glühten ntemafe hatte man sie hübscher und lustiger gesehen. Voll Eiftr Beteiligte sie sich an den Gesellschafts-i