Montag den 26. Januar.

1903. Nr. 14.

(Nachdruck verboten.)

Eine verhängnisvolle Fahrt.

Roman von B. M. Croker.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Bischer.

(Fortsetzung.)

16. Kapitel.

Durch Stürme sestgebannt.

Ter August und halbe September waren vorüber; in Battybay aber hatte der Fremdenverkehr noch keineswegs nachgelassen. Mr. Lovcll entpuppte sich unverhohlen als «n gewöhnlicher Luftkurgast, der in steter Gesellschaft Lady Hanfhawes zwar manche Bootfahrt unternahm, aber noch nie eine Angel ausgeworfen hatte. Sir Greville und Mrs. Tuckitt bildeten ebenfalls ein fast unzertrennliches Paar, und niemand betrieb die Kunst des Fischens mit mehr Ausdauer, als diese beiden. In vollen Zügen genossen sie den herrlichen Sport und brachten manch prächtige Lachsforelle mit nach Hause. So blich Maurern meist sich helbst überlassen. Sie las, ritt oder durchstreifte unermüdlich die Umgegend bis hoch hinauf in die Berge, oder sie wanderte den Ufern der Seen oder der kleinen, sandigen Buchten entlang, Wo die braunen Seehunde sich sonnten.

Es Hütte immer für ein großes Unternehmen gegolten, feinen Ausflug nach den Skelligs zu machen zwei weit ab von der irländischen Mste gelegene, einsame FUselch die einst die Zufluchtsstätte frommer Männer gewesen waren, setzt aber den Seevögeln als beliebter Aufenthalts­ort dienten. W war eine tüchtige Tagestour dorthin, und die Ruderer haften besonders an der Stelle, wo das Boot Sie geschützte Bucht verläßt und gegen die Wogen des atlantischen Özkans ankämpfen muß, ein hartes Stück Arbeit W bestehen. Maureen hafte die Fahrt schon am Anfang H-res Auftnthaftes mit einer fröhlichen Gesellschaft beim herrlichsten Wefter unternommen, Und ihre Verwandten beabsichtigten nun das gleiche zu tun. Sir Greville und seine Gatttn, Mrs. Tuckitt und noch sechs weitere Bewohner des Hotels mieteten ein Schiff, ließen es reichlich mtt Lebens- Mitteln versehen und gaben den Befehl, am nächsten Morgen UM fünf Uhr geweckt zu werden. Als Lady Fanfhawe indes UM fünf Uhr zum Fenster hinaussah und die Bucht ihr nicht ganz spiegelglatt erschien, schwand ihr Mut. All die Schauergeschichten, die sie über schwieriges Landen auf den Fu seln und über das manchmal wochenlange Festgebanntsein Bort durch Sturm und Unwetter gehört hatte, sielen ihr fein, sodaß sie sich trotz Sir Grevilles eifrigstem Zureden picht zuur Mitgehen enffchließen konnte, sondern fröstelnd in ihr Bett zurücklroch.

Tu wirst es bitter bereuen, daß Tu nicht mitkommst, Mist wirklich,Mn wundervoller Ausflug", sagte Sir Gre^

Ville beim Weggehen ziemlich ärgerlich über seine so wenig unternehmungslustige Gattin

In bester Laune fuhr die aus neun Personen bestehend« Gesellschaft fort. Nach Sonnenuntergang wurden sie zurück» erwartet, allein während des Nachmittags erhob sich ein bedenklicher Wind, der sich immer mehr steigerte, und als um zehn Uhr abends noch nichts vom Schiffe -yu sehen war, sprach der Wftt die Vermutung aus, daß bie Gesellschaft jedenfalls aus den Skeliggs übernachten werde.

Ich kann aber wirklich nicht einsehen, warum sie nicht zurückkommen", entgegnete Lady Fanfhawe in gereiztem Tone.

Wenn die gnädige Frau die Skelligs kennen und sehen würde, wie der atlantische Ozean sie umtost und umbraust, als wolle er sie verschlingen, so würden Sie wohl -be­greifen, daß ein Schiff bet einem solchen Sturme unmöglich von dort abfahren kann."

Mer morgen ftüh werben sie doch sicher kommend

Tas hängt ganz vom Wetter ab, gnädige Frau. Wenn es' besser wird, natürlich, ist es aber schlechter"

Was bann?" fragte sie heftig.

Aengstigen brauchen Sie sich durchaus nicht, gnädig» Frau, die Herrschaften worden sich gewiß ganz behaglich fühlen. Es ist eine lustige Gesellschaft, Nachtquartiere giebt es dort auch und einfache Köst; Mrs. Tuckift hat ein Karten-! spiel mitgenommen, Kapitän Willis sein Banjo, da vergeht ihnen gewiß die Zeit ganz angenehm."

Ohne daß der Mann es ahnte, wirkte feine Rede auf die schöne Frau, wie der Funken in einem Pulverfaß, Als' Lady Fanfhawe ihre Schwester dann gleich daraus zu sich in ihr Zimmer kommen ließ, begann sie sogleich in größter Erregung:Dieses Robinsonspielen erwachsener Menschen auf einer öden Fusel ist doch wahrhaftig zu albern und kindisch, beim bas Wefter benützen sie natürlich nur als Vorwand."

,Ms- ist entsetzlich stürmisch, Nita. Höre nur, wie es tobt. Ich weiß gewiß, daß Tu unter diesen Umständen auch ruhig dort bleiben würbest."

Gott sei Tank, daß ich nicht mftgegangen bin! Ich hafte natürlich wieder einmal recht. Eines aber kann ich Tir sagen, wenn Greville morgen um zwölf Uhr nicht zurück ist, so werde ich sehr böse sein."

Auf die Elemente oder auf ihn?"

Auf ihn natürlich", antwortete sie ärgerlich.

Tu darfst überzeugt sein, daß er sobald als möglich kommt; niemand bleibt zu seinem .Vergnügen länger als einen Tag auf den Skelligs."

Horch!" ries sie aufspringend.Ich glaube, sie smd eben gekommen. Hörst Tu das Trampeln und Sprechen unten? Wie gift, daß wir noch nicht zu Bett sind!"

Maureen hatte während des Sprechens die Wr ge­öffnet und lief Nun zum Treppenabsatz, wohin ihr Lady Fanfhawe hastig folgt». Ja, es waren in der Tat die Reifenden, die lebhaft sprechend und ihre Heldentaten