Ausgabe 
25.9.1903
 
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das Leiden -cht auf nervösem Boden entstanden war. ®itt Erfolg suchte geradezu seinesgleichen. Der taubstumme Knabe Prosper erhielt zunächst das Gehör und verstand die barbarische Landessprache. Später noch mit der Gabe der Rede beschenkt, verstand und sprach er nur Lateinisch. Das Heer der Nervenleiden galt bisher als die Begleit- und Folgeerscheinung des heutigen aufs heftigste gesteiger­ten Kampfes um das Dasein. Die Fülle und die schreckliche Gestaltung der von Einhard mitgeteilten Krankheitsfälle wirft diese Ansicht über den Haufen. Das Gesetz des steten Ausgleichs tritt hierbei klar zu tage. Alle auf die Gesund­heit und Lebensdauer übermäßig einwirkenden Verhält­nisse werden durch gegenteilige günstige Bedingungen im Schach gehalten. Das heutige hochentwickelte Kulturleben stellt unendlich größere Ansprüche an die Spannkraft des Körpers und seiner Nerven. Dafür hat der in die Schranken geforderte Geist weitgehende vorbeugende Schutzmaßregeln und Heilmittel gefunden. Im Naturzustande ist der Mensch dagegen den eigenen Gebrechen und der Unbill der Natur hilflos preisgegeben."

Vevinisehtes.

* Frauenkongresfe stehen eine ganze Reihe bevor. Den Anfang macht vom 23. bis 25. d. M. der Deutsch-Evan­gelische Frauenbund in Bonn. Es folgt vom. 27. bis SO. ds. in Köln die Generalversammlung des Allgemeinen Deut­schen Frauenvereins. Zu gleicher Zeit, vom 27. d. M. bis 1. Oktober, tagt in Hamburg-Altona der Verband Fort­schrittlicher Frauenvereiue und im Anschluß daran der Deutsche Verein für Frauenstimmrecht. Vom 9. bis 12. Oktober soll in Bromberg ein Ostdeutscher Frauentag ab­gehalten werden, auf dem namentlich die Armen- und Waiseupflege sowie das Fortbildungsschulwesen für Mädchen zur Verhandlung kommen.

* Acht Gebote für den Raucher. Ueber die Re­habilitierung des Tabaks schreibt Dr. Caze in der Revue: Man wird ungestraft rauchen können, wenn man folgende acht Gebote beachtet: 1. Man nehme nur milde Zigarren. 2. Man rauche nur gute Zigarren. 8. Man rauche niemals die letzte Hälfte einer Zigarre oder das Ende einer Ziga­rette. 4. Geht die Zigarre oder Zigarette aus, so stecke man sie nicht wieder an. 5. Man setze sich nicht in Wolken von Tabakrauch. 6. Man kaue nicht das Ende einer Zi­garre. 7. -Man brauche eine mit Baumwolle gefütterte Zigarren- oder Zigarettenspitze. Das Nikotin wird sich an das Futter setzen und nur in kleinen Mengen dem Raucher zugeführt werden. 8. Man rauche zu Hause nur Pfeifen mit langem Rohr und besonders den -Nargileh. Das ist der Kodex nach den letzten Errungenschaften der Wissen­schaft, die den Tabak rehabilitiert."

Von einem modernen Simson meldet der Phila­delphia Demokrat: Unter den Zwischendeckspassagieren des Dampfers Friesland, denen das Landen in den Vereinigten Staaten gestattet wurde, befand sich ein russischer Simson, gegen den selbst die bedeutendsten amerikanischen Kraftmenschen die reinsten Waisenknaben sind. Der Russe, ein nur 5 Fuß 5 Zoll großer junger Mann aus Baku, Peter Holsow mit Namen, knickte auf dem Dampfer dicke Eisenstäbe wie Strohhalme, zerriß einen Zoll dicke Ketten, als ob sie Bind­faden wären, und zerbrach einen starken, schweren Stuhl, wie ein Mann eine Pappschachtel zerreißen würde. Ihn einen weitern Beweis seiner Körperstärke zu liefern, ließ er sich die rechte Hand auf den Rücken binden und überwältigte mit der linken fünf handfeste, herkulisch gebaute Zwischendeckler, die mit Aufwand aller Kräfte Holsow zu Fall zu bringen suchten. Bald nachdem der Mann gelandet war, hörte ein Showman von der Kraft Holsows und eilte sofort nach dem Einwander- nngshause, um den Russen zu engagieren, Als er den kleinen Holsow sah, glaubte er, daß man ihm einen Bären aufgebunden; der Russe nahm jedoch auf ein diesbezügliches Gesuch den wohlbeleibten Showman sanft am Kragerk'und hob ihn mit derselben Leichtigkeit empor, wie ein Kind eine Puppe empor- heben würde. Der überraschte Showman bot dem Rusten 500 Dollars für die Woche und erhöhte die Summe nach und nach auf 2000 Dollars. Allein Holsow ließ sich nicht erweichen,

indem er erklärte, daß er als Oberaufseher des großen Röhren­systems in der Oelgegend von Baku sich Geld genug erworben habe, um fein ganzes Leben bei seinen einzigen Verwandten in der Welt im Ruhestand verbringen zu könne«.

* Beim technischen Examen. Professor:Was stellen Sie sich unter einer Kettenbrücke vor?" Kandidat: Wasser!"

Literarisches.

Zwischen Rhein und Donnersberg", kulturgeschichtl. Roman aus der Franzosenzeit 18081814, von Heinrich Bechtolsheimer. Zirka 320 Seiten, Preis broschiert 3 Mark, in elegantem Leinenbandl 4 Mark. Verlagsbuchhandlung von Emil Roth in Gießen. Der als Schriftsteller bereits rühmlichst bekannte Herr Verfasser bietet im Vorstehenden sein erstes größeres Werk, dem jahrelange Studien sowie eine ge­naue Kenntnis rheinhefsischen nnb rheinpfälzischen Volks­lebens zu Grunde liegen. Der von hohem sittlichen Ernst getragene Roman wird zu dem Besten zählen, was seit langer Zeit erschienen ist. In einem Milieu, das dichterisch noch nicht verwertet worden ist, führt uns das Buch in das heutige Rheinhessen und zwar in die Südwestecke dieser Provinz, in die Nähe von Kreuznach, in das fruchtbare Hügelland, auf das der' Donnersberg herniederschaut. Die Erzählung setzt ein mit dem Jahre 1808 und zeigt uns die Lage der Rheinländer unter der Herrschaft Napoleons. Wir* werden in das Dorf Degenheim geführt und sehen die Landbevölkerung bei Arbeit und harmloser Freude. Kirchweihtanz, Weinlese, Streiche der Dorfjugend, Birnen­schälen re. treten vor uns hin in lebendiger, vielfach humo­ristischer Schilderung. Die Charakteristik der einzelnen Figuren ist vorzüglich; sehr wertvoll sind die unzähligen Schilderungen von Volkssitte und Gebrauch, von Glauben und Aberglauben rc. Alles in allem: ein schön geschriebenes wertvolles Buch, das die größte Verbreitung in vollstem Maße verdient und besonders für Volksbibliotheken wert­voll sein wird.

Die Bewohner des Mars geben den Stoff zu einem interessanten Aussatz aus der Feder eines Astro­nomen, der in der neuesten Nummer des Moden- und Fa­milienblattsMode und Haus", Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35, enthalten ist. Außerdem findet man in diesem Blatte alles was die Hauswirtschaft und die Familie betrifft. Da werden uns in zahlreichen Abbildungen Moden-Genrebilder für Erwachsene wie für Kinder vor­geführt, Haus-, Gesellschasts- und Straßenkostüme, ferner Wäsche, Handarbeiten, .Kindererziebung, ärztliche und juri- sttsche Ratschläge, geistige Unterhaltung, Aktuelles aus der Zett wie aus dem Leben der Frau. Schon die Anzahl der Beilagen gewährt einen Begriff von dein Reichtum des Blattes. Da sehen wir die illustrierte Belletristische Beilage, ein farbiges Moden- resp. Handarbeiten-Kolorit, Illustrierte Kinderwelt", die RomanbeilageAus besten Federn",Humor"Aerztkicher Ratgeber", eine Musikbeilage und viele andere noch. Ganz speziell machen wir aus den jeder Nummer beiliegenden Schnitt­bogen aufmerksam.Mode und Haus" kostet pro Quartal! 1 Mk., mit Moden- resp. Handarbeiten-Kolorits 1, 25 Mk.

Buchstabenrätsel.

(Nachdruck verboten.)

1.

Mit k geht's in die Lüste, Der Jugend wird'« gefallen.

Mit f geht's in die Erde Und dienet einst uns allen.

2.

Mit a sei es dir gut, Dann blüht auch froh dein Mut, Und wirst mit niemand tauschen. Mit ü halt es dir fern.

Mit o besuchst du's gern, Des Künstlers Spiel zu lauschen. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Tauschrätsels in vor. Nr.r Hand. Rest, Born, Korb, Eis, Wette, Grab, Feder, Berg, Zelt, Mai^

Bann Herbstbeginn.

Redaktion: August Götr. Rotationsdruck und Berlaa der Brübl'schen UniversttätS-Buck - und Cteindruckerei. R. Lange, Güßen.