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sie im Alten Testament steht. Simson war der unglückliche Held und eine gewisse Delila die Heldin."

Dabei sah er mich so bedeutungsvoll an, daß ich über seine Meinung auch nicht einen Augenblick im Zweifel sein konnte.

Also hat die schöne Australierin die Delila gespielt?" sagte ich.

Auf eine sehr harmlose und unschuldige Art."

Sie hat ihm das Geheimnis seiner Sendung abgelockt?"

Ja, ich habe ihn gezwungen, sich aller Mittel zu be­dienen, worüber er verfügte, um einen Eindruck auf die junge Dame zu machen, und dies war sein letzter großer Schlag, wie ich das gehofft hatte. Er hat Amy die Perle sogar gezeigt."

Also Amy! Hub sie hatte nichts eiligeres zu tun, als Dir alles wiederzuerzählen?"

Keineswegs! Wie kommst Du auf den Gedanken? Es hat mich die größte Mühe gekostet, es aus ihr herauszu­bringen."

Sein Don hätte mich warnen sollen, allein ich hatte nicht Takt genug, darauf zu achten. Nun sah ich endlich, was hinter seiner wütenden Hofmacherei steckte, schüttelte den Kopf und drohte ihm mit dem Finger, durch das Licht, das mir aufgegangen war, blind für seine gerunzelte Stirn.

Schlauer Wurm!" sagte ich.Jetzt durchschaue ich alles! Wie dumm bin ich gewesen!"

Weißt Du gewiß, ob Du es nicht noch immer bist?"

Nein, jetzt sehe ich, was mir die ganze Woche ein unlösliches Rätsel war. Was Du an der kleinen Person fandest, war mir einfach unbegreiflich, und ich dachte nicht im Traume daran, daß diese Hofmacherei ein Teil des Planes sei."

Also das glaubst Du und weiter nichts?"

O Du Pfiffikus! Natürlich glaube ich das!"

Du wußtest nicht, daß sie die Tochter eines reichen Squatters ist?"

Es gibt Dutzende von reichen Frauen, die Dich morgen am Tage heiraten würden."

Und kommt es Dir gar nicht in den Sinn, daß ich einen Strich machen, ein neues, reines Dasein beginnen und bis an mein Ende glücklich leben möchte im Busche?"

Mit der näselnden Stimme immer im Ohre? Ganz gewiß nicht!"

Bunny!" rief er so wütend, daß ich mich auf einen Schlag gefaßt machte, aber es erfolgte nichts weiter.

Glaubst Du, daß Du glücklicy werden könntest?" Ivar ich zu fragen kühn genug.

Tas weiß Gott!" antwortete er, und damit verließ er mich, während ich zurückblieb und Zeit hatte, über seinen Blick, seinen Ton und mehr als je über die unzulängliche Ursache dieser Aufregung nachzudenken.

;®on allen verbrecherischen Taten, die ich Raffles habe ausführen sehen, war diejenige, welche er am Dienstag zwischen ein und zwei Uhr morgens an Bord des Norddeutschen LloyddampfersSachsen" vollbrachte, während dieser im Hafen von Genua vor Anker lag, gleich­zeitig die feinste und die schwerste.

Nicht die geringste Schwierigkeit kam dabei vor, an alles war im voraus gedacht, und alles verlief so, wie er mich versichert hatte, daß es verlaufen müsse. Unten war niemand im Wege, auf Deck hielten sich nur die Schiffs­jungen aus, und aus der Kommandobrücke war kein Mensch. Es war fünfundzwanzig Minuten nach Eins, als Raffles vollständig entkleidet, ein mit Watte verstopftes Glas­fläschchen Wischen den Zähnen und einem kleinen Schrauben­zieher hinter dem Ohr, mit den Füßen voran durch den Ventilator über seinem Bett kletterte, und es war neunzehn Minuten vor Zwei, als er zurückkehrte. Der Kopf erschien zuerst, das Glasfläschchen hielt er noch zwischen den Zähnen, aber die Watte war jetzt fest eingedrückt, um das Klappern der Perle zu verhindern, die wie eine große graue Bohne darin lag. Er hatte Schrauben ausgezogen und wieder ein- gedrcht, er hatte H.'s Ventilator losgemacht und wieder so befestigt, wie er ihn gefunden hatte, und wie er den seinen sofort ebenfalls wieder befestigte. Zu H.'s Betäubung hatte es genügt, ihm die getränkte Watte zunächst auf den Schnurrbart zu legen und dann zwischen die geöffneten Lippen zu drücken, und hierauf war ihm der Eindringling zweimal über die Beine gestiegen, ohne dem Bewußtlosen einen Ton zu entlocken.

Nun hatten wir den Preis eine Perle so groß als eine Haselnuß mit einem blassen rosa Schimmer, wie der Fingernagel einer Dame, ein Beutestück aus den Zeiten der Flibustier, jetzt das Geschenk eines europäischen Mon­archen für den König eines Kannibalen-Eilands. Als alles wieder in Ordnung war, schwelgten wir in ihrer Schönheit und tranken uns in Whisky und Sodawasser zu, die wir uns für diese große Stunde vorher besorgt hatten. Aber der Augenblick war größer, reicher an Triumph, als wir ihn uns in unseren ausschweifendsten Träumen vorgestellt hatten. Alles, was wir jetzt noch zu tun hatten, war, das Kleinod zu verbergen (Raffles hatte es aus der Fassung gebrochen und diese an Ort und Stelle zurückgelassen), sodaß wir die sorgfältigste Durchsuchung nicht zu fürchten brauchten und es doch in Neapel mit an Land nehmen konnten, und damit war Raffles beschäftigt, als ich mich zu Bett legte. Ich hätte am liebsten sofort noch in der Nacht in Genua das Schiff verlassen, um mit der Beute zu entfliehen, aber Raffles wollte davon nichts hören und wußte eine Menge triftiger Gründe für seine Weigerung vorzubringen.

Im ganzen glaube ich nicht, daß etwas entdeckt oder geargwöhnt wurde, bevor wir die Anker lichteten, aber sicher bin ich dessen nicht. Daß ein Mensch, der im Schlafe chloro­formiert worden war, hinterher keine verräterische Nach­wirkung verspürt oder keinen verdächtigen Geruch wahr- genommen haben sollte, ist schwer zu glauben. Aber trotz­dem erschien H. mit der Mütze über den Augen und hoch ausgedrehtem Schnurrbart, als ob ihm nichts zugestoßen sei. Um zehn Uhr waren wir in Genua fertig, der letzt« Obstverkäufer war mit Eimern voll Wasser vertrieben wor­den und ruderte fluchend in seinem Boot von dannen, und der letzte Reisende war an Bord gekommen, ein umständ­licher Graubart, der das große Schiff warten ließ, während er mit seinem Bootsmann um eine halbe Lire feilschte. Aber endlich setzten wir uns in Bewegung, der kleine Schlepp­dampfer wurde entlassen, wir kamen am Leuchtturm vorbei, und Raffles und ich standen, unser Spiegelbild in dem blaugrünen, flüssigen, geaderten Marmor betrachtend, der die Seiten des Schiffes wieder bespülte, an der Brüstung.

Herr v. H. war bei Miß Werner wieder an der Reihe, denn es gehörte zu unserem Plane, daß er den ganzen Tag bei ihr bleiben sollte, damit die unvermeidliche Stunde hinausgeschoben werde, und obgleich die junge Dame gelang­weilt aussah und unaufhörlich nach uns hinschaute, schien der deutsche Offizier gewillt, seine Gelegenheit gründlich auszunützen. Aber Raffles war verstimmt und beunruhigt, sodaß er gar nicht das Aussehen eines Mannes hatte, bem eben ein großartiges Unternehmen geglückt ist, und ich konnte mir das nur dadurch erklären, daß ich annahm, die bevorstehende Trennung in Neapel bedrücke sein Gemüt. Auch sprechen wollte er nicht mit mir, aber ebensowenig mich gehen lassen.

Bleib, wo Du bist, Bunny. Ich muß Dir einige Mit­teilungen machen. Kannst Du schwimmen?"

Ein wenig."

Zehn Meilen?" .

Zehn?" antwortete ich, laut auflachend.Noch nicht eine. Aber warum fragst Du?"

Wir werden während des größten Teiles des Tages innerhalb zehn Meilen von der Küste sein."

Woraus in aller Welt willst Du denn hinaus?"

O nichts, aber ich werde es mit dem Schwimmen ver­suchen, wenn das schlimmste zum schlimmen kommt. Unter Wasser kannst Du wohl gar nicht schwimmen?"

Diese Frage ließ ich unbeantwortet; ich hörte sie kaum, aber kalter Schweiß brach mir aus allen Poren.

Warum soll denn das schlimmste zum schlimmen kom­men?" flüsterte ich.Wir sind doch nicht ertappt, tote?"

Nein Y*

Warum redest Du denn so, als ob wir's seien?"

Weil tote vielleicht ertappt werden; ein alter Feind von uns ist an Bord."

Ein alter Feind?"

Mackenzie!"

Was?"

Der Mann mit dem Bart, der zuletzt an Bord kam/' Bist Du Deiner Sache sicher?"

Sicher! Es tat mir nur zu leid, als ich sah, daß Du ihn nicht erkanntest."

Nun preßte ich mein Taschentuch gegen das Gesicht,