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denn als ich jetzt daran dachte, fiel mir ein, daß mir die Haltung des alten Herrn bekannt und etwas zu jugendlich für sein scheinbares Mer vorgekommen war, und jetzt, als ich mir seinen Bart im Lichte dieser fürchterlichen Ent­hüllung wieder vorstellte, erschien er mir unecht. Ich schaute mich auf dem Verdeck um, aber der alte Mann war nicht zu erblicken.

Das ist ja gerade das schlimmste", sagte Raffles.Ich sah ihn schon vor zwanzig Minuten in die Kajüte des Kapitäns gehen." '

Aber was mag ihn hierhergeführt haben?" rief ich kläglich.Könnte es nicht ein zufälliges Zusammentreffen sein daß er hinter einem andern her wäre?"

Diesmal schwerlich", antwortete Raffles kopfschüttelnd.

Du glaubst also, daß er hinter Dir her sei?" Das fürchte ich schon seit ein paar Wochen." Und doch stehst Du hier?"

Was soll ich denn tun? Schwimmen möchte ich nicht eher, als bis es unbedingt nötig ist, aber ich sänge an, zu wünschen, ich hätte Deinen Rat befolgt, Bunny, und das Schiff in Genua verlassen, obgleich ich nicht im ge­ringsten bezweifeln, daß Mackenzie Hafen und Bahnhof bis zum letzten Augenblick scharf bewacht hat. Das ist auch der Grund, weshalb er das Schiff nur mit knapper Not noch erreichte."

Dabei nahnr er sich eine Zigarette und bot mir die Dose an, aber ich schüttelte ärgerlich den Kopf.

Ich verstehe es noch immer nicht", sagte ich.Warum sollte er hinter Dir her sein? Wegen eines Kleinods, das, soweit er wußte, vollkommen in Sicherheit war, kann er doch diese weite Reise nicht gemacht haben. Wie erklärst Du Dir die Sache?"

Einfach so, daß er mir schon seit längerer Zeit auf der Spur ist, wahrscheinlich seit ihm im vorigen November Freund Crawshey durch die Finger geschlüpft ist. Auch an anderen Anzeichen fehlt es nicht, sodaß mir dieses in Wahr­heit nicht unerwartet kommt. Allein es kann sich lediglich um Verdacht handeln. Ich werde fordern, daß er mir irgend etwas beweist, und daß er die Perle bei mir findet! Wie ich mir die Sache erkläre, Bunny? Ich weiß so genau, wie er hierher gekommen ist, als ob ich selbst in seiner schottischen Haut steckte, und ich weiß auch, was er zunächst tun wird. Er hat ermittelt, daß ich ins Ausland gereist war, und hat sich nach einem Beweggrund umgesehen. Sodann hat er etwas von Herrn v. H. und seiner Sendung gehört, und da hatte er seinen Beweggrund fix und fertig. Ein furcht­bares Glück mich bei einem frischen Unternehmen ab- zusassen, aber es wird ihm nicht gelingen, Bunny, er wird das ganze Schiff und uns alle durchsuchen, wenn der Verlust bekannt wird, aber er wird nichts finden. Da winkt der Kapitän den Knirps in seine Kajüte; jetzt wird gleich die Butter im Feuer liegen."

Aber es gab keine Aufregung, keine Unruhe, keine Durch­suchung der Reisenden; kein Flüstern über das, was vor­gefallen war, ging von Mund zu Mund. Statt allgemeiner Erregung herrschte ein schwüler Friede, und ich sah deutlich, daß Raffles durch diese Nichterfüllung seiner Voraussage im höchsten Grade beunruhigt war. In dem Schweigen nach einem solchen Verlust lag "was unheimlich drohendes, und dieses Schweigen dauerte stundenlang, während deren Mackenzie nicht wieder zum Vorschein kam. Aber zur Früh­stückszeit hatte er sein Versteck verlasseni er war in unserer Kabine gewesen! Ich hatte mein Buch auf Riffles Bett liegen lassen, und als ich es mir nach dem Frühstück holte, berührte ich die Decke. Sie war warm, als ob vor kurzem Fleisch und Blut darauf geruht hätten. Instinktiv sprang ich nach dem Ventilator, öffnete ihn und sah, daß der gegenüberliegende rasch zugeschnappt wurde.

Alles in Ordnung", sagte Raffles, den ich aufgesucht hatte.Er mag die Perle finden, wenn er kann."

Hast Du sie über Bord geworfen?"

Das ist eine Frage, die zu beantworten ich mich nicht herablassen werde."

Bei diesen Worten drehte er fick» auf dem Absatz um, und später sah ich wiederholt, wie er seinen letzten Nach­mittag mit der unvermeidlichen Miß Werner nach Kräften auszunutzen sich bemühte. Ich entsinne mich, daß sie frisch und nett aussah, in einem einfachen braunen Kattunkleid, das ihren Teint sehr hübsch hervorhob und das sehr ge­schmackvoll mit Rot ausgeputzt war. An diesem Nachmittag bewunderte ich sie wirklich, denn ihre Augen waren in der

Tat schön, ebenso ihre weißen Zähne, und sie hatte, mir elbst zum Trotze, vorher niemals so mein unverhohlenes Wohlgefallen erregt. Denn ich ging wieder und wieder an ihnen vorbei, weil ich Raffles sagen wollte, ich wisse, daß Äefahr im Anzuge sei, aber er schenkte mir keinen Blick, odaß ich es schließlich aufgab. Erst in der Kajüte des Kapitäns sah ich ihn wieder.

Ihn hatten sie zuerst dorthin gerufen, lächelnd war er dem Rufe gefolgt und lächelnd fand ich ihn, als auch ich herbeigeholt wurde. Die Kajüte war geräumig, wie sich das ür eine Kapitänskajüte schickte. Mackenzie saß auf dem Sofa, sein falscher Bart lag vor ihm auf dem glänzend '.rotierten Mahagonitische aber der Kapitän hatte einen Re­volver vor sich liegen, und als ich eintrat, schloß der erste Offizier, der mich gerufen hatte, die Tür und stellte sich mit dem Rücken dagegen. Der schnurrbartdrehende Herr H. machte die Gesellschaft vollzählig.

Raffles begrüßte mich.

Der Spaß ist wirklich zu gut!" rief er.Du entsinnst Dich doch der Perle, von der Du so begeistert warst, Bunny, des Geschenks eines Monarchen, der Perle, für die kein Preis hoch genug ist? Wie es scheint, war sie unserem kleinen Freund hier anvertraut worden. Er sollte sie dem Empfänger bringen, und der arme kleine Kerl hat sie ver­loren. Wir sind Engländer, ergo haben wir sie genommen."

Aber ich weiß, daß Sie sie haben", fiel Mackenzie ein, seinem Barte zunickend.

Diese loyale und patriotische Stimme wirst Du wohl kennen", sagte Raffles.Mann, das ist unser alter Freund Mackenzie von Scotland Dard und Schottland selbst", schloß er, Mackenzies Sprechweise und schottische Aussprache aus­gezeichnet nachahmend. ,

Genug!" rief der Kapitän.Wollen Sie sich trettotlltg einer Durchsuchung unterwerfen, oder soll ich Gewalt an­wend en?"

Tun Sie, was Ihnen gefallt", erwiderte Raffles,aber es wird Ihnen nichts schaden, wenn Sie uns zunächst ge­statten, uns zu erklären. Sie klagen uns an, wir seien heute in den ersten Morgenstunden in Hauptmann v. H.'s Kabine eingebrochen und hätten diese verwünschte Perle daraus entwandt. Ich kann Ihnen aber beweisen, daß ich die ganze Nacht in meiner Koje gewesen bin, und ich zweifle nicht daran, daß mein Freund das ebenfalls beweisen kann."

Ganz entschieden kann ich das", antwortete ich ent­rüstet.Das können die Schiffsjungen bezeugen!"

(Schluß folgt.)

Zur Geschichte H Anliquitätenschwmdcls.

Bon E. Osten.

(Nachdruck verboten.)

Das himmlische Reich, welches sich einer so uralten Kultur erfreut, genießt den Ruhm, schon ziemlich früh nut der Fälschung von Antiquitäten begonnen zu haben. Jedenfalls sind derartige Fälschungen, tote titele wohl an­nehmen werden, keineswegs eine Errungenschaft der jüngsten Kultur. Zwei chinesische Künstler, Tsaui-Kvng (1522 bis 1572) und Tschiau (1567 bis 1619) sollen sich bereits in der Imitation antiken Porzellans außerordentlich hervorgetan haben. Letzterer sand, nach Marryat, ein großes Ver­gnügen darin, seine imitierten Waren zu besonders eifah- renen Antiquitätensammlern zu bringen, deren Leiden­schaft für seltene Gegenstände ihm gut bekannt war; er hatte das Bestreben, möglichst die tüchtigsten Kenner zu düpieren, und es soll ihm nicht selten gegluckt sein.

Es ist nicht bekannt, daß in anderen Landern der Antiquitätenschwindel schon so früh betrieben tvuM wie in China. In England sollen erst im 17. und 18. Jahr­hundert zahlreiche Fälschungen °us dem AntiquiLatenmarkt entdeckt worden sein. Alte englische Bucher erzählen titd von derartigen Betrügereien. Die Fälschungen betrafen namentlich Gemälde, Stiche und Bronzen. Horace Walch,le erzählt von einem vlämischen Maler John Pieters, der um das Jahr 1727 in England starb. Er wurde von Sir Godfrey Kneller damit beauftragt, die Draperien auf dessen Gemälden zu malen; seine Hauptbeschäftigung ab r bestand in dem Ausbessern von Zeichnungen und alten Gemälden. Er verstand sich ausgezeichnet darauf, Rubens zu kopieren, und gab sogar mehrere Stahlstiche, welche er gewaschen hatte, für Originalzeichnungen jenes Meisters a»s

Ein anderer Sünder war Pope, welcher ein von smelltt