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ruhiger Stimmung auf dem Platze umher, während Rasfles im Pavillon verschwand. Mein Aerger verminderte sich auch nicht, als ich ein Zusammentreffen zwischen dem jungen Crowley und seinem Vater beobachtete, der achselzuckend stehen blieb und sich herabbeugte, um dem jungen Mann eine Mitteilung zu machen, die diesen augenscheinlich sehr verblüffte und verstimmte. Mag sein, daß es nur verletztes Selbstbewußtsein war, aber ich hätte darauf schwören mögen, daß der Verdruß lediglich durch die Unmöglichkeit hervor­gerufen wurde, den großen Rafsles Mm Kommen zu be­wegen, ohne seinen unbedeutenden Freund mit in den Kauf zll nehmen.

Gleich darauf wurde geläutet, und ich kletterte auf den Pavillon, um Rafsles spielen zu sehen. Von dort konnte man alle Feinheiten genau erkennen, und wenn jemals ein Spieler voll davon war, so war es A. I. Rasfles an diesem Tage, dessen sich die Cricketwelt noch sehr wohl entsinnt. Man brauchte nicht selbst Cricketspieler zu sein, um die haarscharfe Genauigkeit, womit er dem Spieler den Ball einschänkte", die prachtvolle Leichtigkeit jeoer Bewegung und die endlose Abwechslung in der Art seines Angriffs zu bewundern. Man empfand nicht bloß die Befriedigung über eine Schaustellung athletischer Gewandtheit, sondern es war ein geistiger Genuß, und zwar einer, der in meinen Augen eine besondere Bedeutung hatte. Ich erkannte die Verwandtschaft zwischen den beiden Dingen", erkannte sie in dieses Nachmittags unermüdlichem Kampfe gegen die Blüte der berufsmäßigen Cricketspieler. Was ich aber am meisten bewunderte und wessen ich mich am lebhaftesten enrsinne, das war die Verbindung von Geschicklichkeit und Schlauheit, von Geduld und raschem Handeln, von Kopf­arbeit, die das Ganze zu einer vollendeten Künstleistung machten. Das war alles so charakteristisch für den andern Rafsles, den ich ebenfalls kannte.

Heute war ich in der Stimmung zum Schlagen", sagte er mir später in der Droschke.Mit einem tüchtigen Ein- schank hätte ich großartiges leisten können, aber es ging auch so nicht übel. Ich war giftig, denn nichts ärgert mich mehr, als meines Cricketspieles wegen eingeladen zu werden, als ob ich selbst ein Cricketspieler wäre."

Aber warum in aller Welt hast Du denn die Ein« ladung angenommen?"

Um sie zu bestrafen, und es wird uns höllisch knapp gehen, Bunny, noch ehe die Saison vorüber ist."

Aha!" antwortete ichIch dachte mir, daß es das sei!"

Natürlich ist es das! Wie es scheint, haben sie für die Woche ganz, großartiges vor Bälle, Diners, eine vornehme Gesellschaft im Hause und allgemeine Lustigkeit und offenbar wird das Haus ganz voll Diamanten sein, massenhafte Diamanten! Im allgemeinen würde mich nichts dazu bringen, meine Stellung als Gast zu mißbrauchen; das habe ich noch nie getan, Bunny! Aber in diesem Falle sind wir angenommen worden wie Lohnbediente oder wie die Musik und, beim Himmel, wir wollen unfern Zoll erheben! Laß uns irgendwo ruhig dinieren und die Sache besprechen."

(Fortsetzung folgt.)

Der Rcichsdepmationshauptschlutz

vonr 25. Februar 1803.

(Stachdruck verboten.)

Ungerne erinnern sich die Völker an ihre Niederlagen auf dem Schlachtfeld oder in der Politik, wie sie auch höchst ungern ihre Nationalfehler eingestehen. Gerade in Deutsch­land scheint man allzu sehr jetzt sich der Siege zu freuen und in den Festreden wird immer und immer wieder der Ton angeschlagen:wie haben wir's heute so herrlich weit gebracht!" Dem ist aber gegenüberzuhalten, daß es nicht immer so bleiben ivird, daß es anders kommen kann und einmal anders gewesen ist. Aus dem Unglück kann man nur lernen, und auch Deutschland hat schwere Zeiten durch­gemacht. ^Bor 100 Jahren war unser Volk gesunken, wenn auch nicht so sehr wie zu Zeiten des 30jährigen Krieges. Dieser Tiefstand im Denken und Fühlen der Nation ist be­zeichnet durch den Reichsdeputationshauptschluß, dessen 100. Wiederkehr wir am 25. Februar feiern. Mit diesem schwer­fällig gebildeten Wort werden wir an die ebenso schwer­fällige Einrichttmg des alten römischen Reiches deutscher Nation erinnert.

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts durchzogen Kriegsgürme die D-ett. Die Franzo,en rampfcen zu guiuier Zett unter Napoteon Bonaparte in Italien uuo inner Mo- reau in Deutichland. In beiden ^ettzugen blieben die Franzosen Sieger und tu einem jchunpiiicyen Fcieoen zu Lüneottte (1801; mußten Kaiser uuo Reich in die Abtretung des linken Rheinufers willigen; die deutschen Fürsten, welche dort Besitzungen hatten, sollten in Deutch)lauo entschädigt werden. Sesterreich verlor außerdem iwu) Toscana.

Die Cnischädiguugsirage sollte durch eine Deputation geregelt weroeu. »solche Deputationen, die Reithsaugelegen- yeiten berieten, traten öfters in viegensburg zufanuuen. Dort also sollte die Sache, die doch eine inneroeucsche An­gelegenheit war, geregelt werden. kam aber auoers; am 4. Juni 1802 vereinigten sich Frankreich uuo Rußland in einer besonderen Konvention in Paris, uno bestimmten selb- ständig die Entschädigungen. Die beul jd.) en Für gen hatten nun nichts Angelegentlicheres zu tun, als sich um die fe/unft der beiden großen Spender zu bewerben, die hier deutsches Land Wie ein herrenloses Gut verteilten. Die Fürsten stürzten sich, wie Heinrich von Trecschke sagt,wie das Geschmeiß hungriger Fliegen auf die blutigen Wunden des Vaterlands". Oesterreich wollte von einer allgemeinen Säkularisation der geistlichen Güter nichts wissen, wenigstens die drei geistlichen Kurstaaten sollten erhalten bieiben; aber Preußen uno Bayern traten ihm h-erm entgegen und er­reichten auch ihren Zweck. Am 18. August 1802 trat zu Regensburg die Deputation zusammen, um über die Ent- schäoigungsfrage zu verhandeln. Eigentlich war dies über­flüssig, da die Aiigelegeiiheit schon von Frankreich und Rußland geregelt war; aber die Abmachungen wurden der Deputationzur Nachachtung" vorgelegt. Abermals wieder­holte sich das unwürdige Verhalten dec Fürsten. Viele von ihnen hatten schon von dem ihnen zugedachten Gebiete Besitz ergriffen. Die Deputation nahm mir geringe Veränderungen bet ursprünglichen Festsetzungen vor uno fällte am 23. November 1802 ihre Entscheidung; den sogenanntenersten Reichsdepiitattonshauptschluß". Nun aber geschah etwas Un­erwartetes, Franz II. machte von feinem höchsten Kaiser- rechte Gebrauch und versagte dem Beschluß seine Geneh­migung.

Kurz darauf schloß der Kaiser mit Frankreich in Paris einen Vertrag, der sich auf die Entschädigung des Hauses Oesterreich bezog. Inzwischen setzte die Deputation ihre traurigen Beratungen fort, die endlich am 25. Februar in vierter Redaktion angenommen und vom Kaiser bestätigt wurden.

Es ist der ziveite Reichsdeputatioiishaupischluß, der tief in die damaligen deutschen Verhältnisse ein griff, der über 100 Staatengebilde, die wegen ihrer Kleinheit sich nie haben recht entwickeln können, einfach von der Landkarte ver­schwinden ließ. Es waren dies vor allem die geistlichen Staaten, die bis auf drei konfisziert wurden. Es blieb der Kurfürst von Mainz mit der Würde des Erzkanzlers; er erhielt statt Mainz Regensburg, Wetzlar und Aschaffenburg; ferner blieb noch der Hoch- und Deutschmeister in Mergent­heim und der Großprior des Malteserordens in Heiters­heim. Die 18 Reichsstädte verschwanden bis auf 6 und end­lich wurden auf einmal alle Reichsdörfer eingezogen. Es ist ohne Jiiteresse, alle Konfiskationen und Gebietsaus­wechselungen zu verfolgen. Damals wurden die meisten Reichsgrafen und Freiherrn mediatisiert; viele kamen hierbei um ihr ganzes Hab und Gut.

Das beste Geschäft bei dem betrügerischen Handel machte Baden, das relativ 8 Quadratmeilen abtrat und fast 60 dafür erhielt. Danach kommt Württemberg, es verlor 7 Quadratmeilen und erhielt deren 29; Hess en-Darm- stadt verlor 40 und gewann 103; Bayern 200, es bekam nur 290. Preußen dagegen gab 48 Quadratmeilen ab und erhielt 230. Dementsprechend waren auch die Einkünfte aus den neuerworbenen Ländern größer. Selbst Fürsten wurden in Deutschland entschädigt, die gar keine Ansprüche an das Reich hatten. Der Großherzog von Toscana erhielt außer dem Knrhut Salzburg und Berchtesgaden, der Herzog von Modena den Breisgau, Oranien-Nassau Fulda zugewiesen.

Selten hat die Welt einen solch ungeheueren Nechtsbruch erlebt; Selbstsucht und Habgier der mächtigen deutschen Fürsten haben ihn veranlaßt. 108 Fürsten wurden durch einen Federstrich ihrer Länder beraubt und das in einer Zeit, wo man das Land eines Fürsten noch als ein persön-