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„Inwiefern?" fragte ich. „Es lenkt bte Aufmerksamkeit des Publikums auf Dich, uud ich sollte denken, in einem viel höheren Grade, als ratsam oder mit Deiner Sicherheit verträglich ist."
„Mein lieber Bunny, da bist Du gerade auf den, Holzweg. Wenn mau Verbrechen begehen und leidliche Aussicht haben will, unentdeckt zu bleiben, so muß man einfach nebenher eine andere Beschäftigung, eine offenkundige Beschäftigung treiben, — je mehr sie einen vor die Oeffeutlichkeit bringt, umso besser. Der Grundgedanke liegt auf der Hand. Mr. Peace, frommen Angedenkens, ging dem Verdacht dadurch aus dem Wege, daß er sich eine gewisse Berühmtheit als Violinspieler und Tierbändiger erwarb, und es ist meine feste Ueberzeugung, daß Zack, der Aufschlitzer, in Wahrheit eine hervorragende öffentliche Persönlichkeit war, deren Reden vielleicht in denselben Zeitungen standen, die seine Untaten berichteten. Spiel' irgend eine auffallende Rolle, und Du wirst nie in Verdacht geraten, daß dahinter noch eine zweite von ebensolcher Bedeutung steckt. Deshalb dringe ich so darauf, daß Du den Journalismus kultivierst und Deinen Namen unter Deine Artikel setzest, und das ist der einzige Grund, weshalb ich meine Schlaghölzer noch nicht zum Heizen meines Zimmers verwandt habe."
Trotzdem war keiner mehr bei der Sache, oder eifriger darauf bedacht, seiner Partei zum Siege zu verhelfen, wenn er einmal spielte, sodaß es ein wahres Vergnügen für m.ch war, ihn zu allen seinen Wettkämpfen zu begleiten, jeden Ball zu beobachten, den er machte, oder plauder 10 neben ihm im Pavillon zu sitzen, wenn er ruhte. Tort hättet ihr uns auch am zweiten Montag des Juli während des ersten „Dranseins" der Liebhaber gegen die Berufsspieler nebeneinander können sitzen sehen. Mir waren sichtbar, aber nicht zu hören, denn Rafsles hatte beim Auslosen der Plätze eine Niete gezogen, und war für einen Teilnehmer, dem so wenig am Spiele lag, ungewöhnlich verdrießlich darüber. War er mir gegenüber nur schweigsam, so war er gegen solche Teilnehmer, die wissen wollten, wie es gekommen sei, oder die ihm etwa gar ihr Bedauern über sein Pech aussprachen, geradezu grob, während er mit tief ins Gesicht gezogenem Strohhut und einer Zigarette zwischen den Lippen, die sich bei jeder solchen Annäherung häßlich verzogen, neben mir saß. Deshalb war ich umsomehr überrascht, als sich ein junger Mensch vom Typus „Gigerl" zwischen uns zwängte und trotz der Freiheit, die er sich damit genommen hatte, vollkommen höflich empfangen wurde. Ich kannte ihn nicht einmal vom Sehen, und Rafsles stellte uns auch nicht vor, aber ihre Unterhaltung lieferte gleichzeitig den Beweis einer sehr oberflächlichen Bekannt-' schäft und einer Ungeniertheit des jungen Mannes, die mich verblüfften. Meine Betroffenheit erreichte aber durch die Bereitwilligkeit ihren Höhepunkt, womit Rafsles dem jungen Manne folgte, als ihm dieser mitteilte, sein Vater habe den Wunsch geäußert, Raffkes kenuen zu lernen.
„Er ist auf der Damentribüne. Wollen Sie jetzt gleich mitgehen?"
„Mit dem größten Vergnügen", antwortete Rafsles. „Heb mir meinen Platz auf, Bunny".
Und damit waren sie gegangen.
„Tas war der junge Crowley", sagte eine Stimme hinter mir, „war voriges Jahr einer von den Cricket- spielern von Harrow."
„Ja, ich entsinne mich seiner, der schlechteste von der ganzen Gesellschaft."
„War aber scharf dahinter. Sein Examen hat er erst gemacht, als er zwanzig alt war. Sein Alter bestand darauf."
Tas Spiel .langweilte mich, denn ich war nur gekommen, um Rafsles spielen zu sehen. Bald fing ich an, mich nach seiner Rückkehr zu sehnen, und endlich sah ich ihn, wie er mir von weitem zuwinkte.
„Ich möchte Dich dem alten Amersteth vorstellen", flüsterte er mir zu, als ich ihn erreicht hatte. „Nächsten Monat wird der junge Crowley mündig, und zur Feier dieses Ereignisses wollen sie eine Cricketwoche veranstalten. Auch wir sind eingeladen, am Spiele teilzunehmen."
„Aber!" rief ich aus, „ich verstehe ja gar nichts davon."
„Schweig stille", antwortete Rafsles. „Ueberlaß das mir. Ich habe das Blaue vom Himmel heruntergelogen",
fügte er hinzu, als wir am Fuße der Treppe angelangtwaren, „und ich verlasse mich darauf, daß Tu mich nicht verrätst." ,, , .
In seinem Auge funkelte etwas, was ich bei andern Gelegenheiten schon häufig dort gesehen hatte, was aber in dieser gesunden Umgebung darin zu finden, mich überraschte, und ich folgte seiner bunten Jacke mit sehr bestimmten Besorgnissen und Vermutungen durch das große Blumenbeet von Hüten, das auf der Damentribüne blühte.
Lord Amersteth war ein schöner alter Herr mit einem kurzen Schnurrbart und Doppelkinn. Er empfing mich mit trockner Höflichkeit, der man indessen sehr deutlich anmerkte, daß ich nur als das unvermeidliche Anhängsel des unschätzbaren Rasfles, auf den ich sehr ärgerlich war, als ich meine Verbeugung machte, mit in den Kauf genommen wurde. „ , f n
„Ich habe mir die Freiheit genommen", hob Lord Amersteth an, „einen der ersten Herrenspieler von England zu einem ländlichen Cricket zu uns zu bitten. Er war so freundlich, mir zu antworten, daß er ferne Einladung sehr gern annehmen würde, wenn er nicht mit Ihnen einen kleinen Ausflug zum Fischen verabredet hatte, Mr. . . . Mr. . . ." und endlich gelang es Lord Amersteth, sich meines Namens zu entsinnen.
Tas war natürlich das erste Wort, das ich von diesem Ausflug zum Fischen hörte, allein ich beeilte mich, zu erwidern, daß dieser leicht aufgeschoben werden könne, worauf mir Rafsles einen billigenden Blick durch seine Augenwimpern zuwarf, während sich Lord Amersteth achselzuckend verbeugte.
„Sehr liebenswürdig von Ihnen", sagte er dabei, „aber, wie ich höre, spielen Sie ebenfalls Cricket."
„Ja, als er auf der Schule war, hat er gespielt", fiel Rafsles mit niederträchtiger Raschheit ein.
„Ein regelrechter Cricketspieler war ich eigentlich nicht", stammelte ich. c „ ,,
„Gehörten Sie zu den Elf?" fragte Lord Amersteth.
„Nein, das nicht", antwortete ich.
„Aber es fehlte nicht viel daran, so wäre er ausgenommen worden", erklärte Rafsles zu meinem Schrecken.
„Nun ja, ein jeder kann ja auch nicht ein regelrechter Spieler sein", entgegnete Lord Amersteth mit einem schlauen Blinzeln. „Mein Sohn Crowley hat sich auch nur noch so eben in die Elf von Harrow hineingeschmuggelt, und er will auch spielen. Wenn Not an den Mann geht, nehme ich selbst noch ein Schlagholz in die Hand. Sie werden also nicht der einzige Stümper sein, und es würde mich sehr freuen, wenn Sie kommen und uns helfen »vollem Vor dem Frühstück und nach dem Diner finden Sie huch Gelegenheit zum Fischen, wenn Ihnen das Vergnügen macht."
'„Sehr schmeichelhaft", begann ich als Einleitung zu einer entschlossenen Absage, allein Rafsles sah mich nut großen Augen an, sodaß ich schwächlich zögerie und ver-, loren war.wäre gemacht", antwortete Lord Amersteth mit einem Anflug von Verdruß. „Es soll ein kleines Fest zur Feier der Mündigkeitserklärung meines Sohnes geben, wissen Sie. Wir spielen gegen den „Freien Waldklub", du „Dorsetshire Gentlemen" uud wahrscheinlich noch gegen den einen oder anderen örtlichen Verein. Aber Mr. Rafsles kann Ihnen alles nähere mitteilen, und mein Sohn wird an Sie schreiben. Da — schon wieder ein Wicket! Nun sind sie alle heraus! Also ich rechne auf Sie beide." Mit einem leichten Nicken erhob sich Lord Amersteth und verließ die Tribüne. , „
Auch Rafsles stand auf, aber ich hielt ihn am Aermel fest.
„Was hast Du denn eigentlich vor?" flüsterte ich wütend. „Ich bin nie und nirgends bei den Elfen gewesen und habe keinen Schimmer von Cricket. Ich werde absagen.
„Das wirst Du gefälligst bleiben lassen", erwiderte er. „Zu spielen brauchst Du nicht, aber mitkommen mußt TU. Wenn Du mich nach halb Sieben erwarten willst, werde ich Dir die Gründe erklären."
Diese Gründe zu erraten, wurde mir jedoch nicht schwer, und zu meiner Beschämung mutz ich gestehen, daß sie Mich weit weniger empörten, als die Aussicht, daß ich mich am dem Cricketseld öffentlich lächerlich machen sollte. Bei diesem Gedanken schnürte sich mir die Kehle zusammen, was Iw bei der Vorstellung, daß es sich um ein Verbrechen hanoie, nicht mehr tat, und ich schlenderte in nichts weniger ai»


