Zeiten. Von der Königin von Saba, von Kleoparra, von Messalina und Sabina Poppäa bis zur Pompadour und der Kaiserin Maria Theresia sind uns die Einzelheiten über ihre Toilettenkünste überkommen. Von den fürstlichen Frauen unserer Zeit ist freilich ivenig bekannt, sei es, daß ihre Toilettenzimmer besser bewacht oder die meisten doch recht unschuldigen Geheimnisse besser bewahrt werden, sei es, daß die Schönheitsmittel nicht mehr so seltsamer Natur sind, daß sie die Neugierde des großen Publikums erregen. Die folgenden Angaben dürften also gewiß allgemeines Interesse finden:

Tie jugendschöne Königin Wilhelmina von Holland be­vorzugt unter allen Toilettenmitteln ganz besonders Par­füms, und unter diesen die echte Eau be Cologne. Jeden Morgen ivird eine halbe Literflasche in ihr Schlafzimmer gebracht und in ihrer Gegenwart entkorkt. Sie atmet prüfend den Tust ein, versucht die Stärke über der Flamme einer kleinen silbernen Lampe und gießt den Inhalt der Flasche in ihr Bad. In diesem Bade bleibt die junge Königin genau sieben Minuten. Eine Kammerfrau ist damit beauftragt, ihrer hohen Herrin unter keiner Bedingung zil gestatten, länger als die voin Arzt-e vorgeschriebene Zeit im Bade zu verweilen. Verläßt sie es, so tritt sie unter eine Tusche, unter deren eiskalten Strahlen sie eine volle Minute ausharrt, um sich dann von ihrer zweiten Kammerfrau, einer alten Holländerin, mit einem groben Handtuch tüchtig abreiben zu lassen. Königin Wilhelmina hat einen außerordentlich zarten Teint, auf den sie mit Recht stolz ist und den sie sich mit Zuhilfenahme aller hygienischen Mittel bewahren möchte. Merkwürdigerweise gebraucht die Königin von Holland weder Seife und Puder noch Cremes irgend welcher Art. Durch frische Luft, kaltes Wasser und eine leichte Massage glaubt sie ihren Teint ab­zuhärten und dadurch zu konservieren, ohne weitere künst­liche Mittel zu benutzen.

Interessant sind die kleinen Indiskretionen, die aus dem Toilettenzimmer der Kaiserin Alexandra von Ruß­land in die Außenwelt gedrungen sind. Tie Zarin liebt die Parfüms ganz außerordentlich und gebraucht jährlich ganz enorme Mengen der verschiedensten und kostbarsten Wohl­gerüche. Sie benutzt Parfüms aber nur so lange, wie sie noch frisch sind und ihr stärkstes Aroma ausströmen. Alle diese kostbaren Flüssigkeiten läßt sich die Kaiserin aus Frank­reich kommen. Ihr Budget für Seifen und Parfümerien beträgt pro Jahr über 40 000 Mk. Ein Wunder der Technik und des guten Geschmacks ist ihr herrlicher Toilettentisch, der aus dem kostbarsten Malachit besteht, dessen zart hell­grüne Farbe mit den dunkelgrünen Bandschattierungen kon­trastieren. Die Füße des Tisches stellen Löwenklauen dar, die aus feinst ziseliertem Silber bestehen, die Krallen aus rund geschliffenen Smaragden. Der Tisch steht auf einem aus zartgrüner Seide gewebten Teppich. Auf diesem Tische, der aus Aladdins Wunderreich zu stammen scheint, steht eine Batterie funkelnder Krystallflaschen von allen Formen und Größen in silbernen Behältern. Das Lieblingsparfüm der Kaiserin ist Veilchen. In Grasse an der Riviera sind Hunderte von Frauen und Kindern beschäftigt, um eine besondere Sorte von großblumigen Veilchen zu züchten, in stand zu halten und während der Blütezeit zu pflücken. Aber nur am Nachmittag zwischen 5 und 7 Uhr darf das geschehen, weil um diese Zeit nach der Annahme der Zarin die Veilchen den süßesten Wohlgeruch haben. Jede einzelne der großen Flaschen diesesOdeur de Violette" wird sofort nach ihrem Eintreffen in Petersburg in das chemische Labo­ratorium des Hofapothekers gesandt, wo die Qualität genau untersucht und registriert wird. Aber die Zarin begnügt sich nicht ganz mit ihremOdeur de Violette", sie verfügt noch über ein ganzes Register anderer Parfüms. Sie liebt sie so sehr, daß sie alle ihre Zimmer und selbst die Vor­zimmer ihres Palastes jeden Tag mit Essenzen von Jvn- quillen, Tuberosen, Flieder, Jasmin, Narzissen und iveißen Veilchen besprengen läßt, sodaß es nicht selten vorgekommen ist, daß mancher, durch den starken Wohlgeruch ohnmächtig geworden,an die frische Luft gebracht" werden müßte. Von Seifen braucht die Herrscherin nur zwei verschiedene Sorten, die speziell für sie angefertigt werden. Deren Zusammensetzung ist aber einStaatsgeheimnis", unb wer

möchte das Rezept auskundschaften, wenn ihm dafür die Eisfelder Sibiriens winken?

Auch Carmen Sylva, die Königin von Rumänien, hat ihre Toilettengeheimnisse, von denen einiges bekannt ge­worden ist. So ist die Königin außerordentlich stolz auf ihr prachtvolles weißes Haar und tut alles, was zu seiner Verschönerung und Erhaltung dienen kann. Von auffallen­der Zartheit ist noch der Teint der königlichen Dichterin trotz ihres Alters. Ihre von keiner Runzel entstellte Haut auf Hals und Wangen erhält sie durch ein geheimnisvolles Wasser, das aus Kräutern, welche in einem Walde von be­sonders dazu angestellten Frauen für sie gesammelt werden, hergestellt ist. Die Kräuterfrauen, so erzählt man sich, sind sozusagenvereidigt", denn bei strengster Strafe ist ihnen verboten, die Stelle zu verraten, wo die Wunder­blumen wachsen, aus deren Blättern das Verjüngungselixir bereitet wird. Beim Pflücken wird der Wald von Soldaten umstellt, sodaß kein Unberufener den geheimnisvollen Ort entdecken kann. Die in der Chemie wohl erfahrene Königin soll das Rezept zu diesem Elixir selbst zusammengestellt haben. .

Ihre Schwiegertochter, die Kronprinzessin von Ru­mänien, eine Nichte König Eduards VII. von England, gebraucht für ihren Teint Rosenwasser, das in Leipzig ans dem feinsten Oel der Rosen von Schiras destilliert wird. Tie Kronprinzessin begnügt sich mit zwei Parfüms, denen sie vor allen anderen den Vorzug gießt; es sind dies eine Triple Essence de Jasmine und ein überaus kostbares Par­füm: weißer Heliotrop-.

Tie Mutter Alfons XIII., die frühere Königin-Regentin von Spanien, hat sich auch betreffs ihrer Parfüms als spanische Patriotin gezeigt. Beim Ausbruch des für Spa­nien so unselig verlaufenen Krieges gebrauchte die Königin ausschließlich die Essenz einer überaus seltenen Orchideen­gattung, die nur auf den damals noch spanischen Philippi­nen vorkommt. Gegenwärtig benutzt die Königin nur noch Eau d'Espagne, das eigens für sie in Madrid fabriziert wird. Tie Seife, welche sie gebraucht, wird gleichfalls in Spanien hergestellt und übertrifft an Zartheit und Parfüm alle fran­zösischen Seifen. Ihrem Wasch- und Badewasser setzt sie stets einige Tropfen einer eigenartigen Mischung zu, deren Haupt­bestandteile Rosenwasser und ein Extrakt von Kokosnüssen sind. ______________

Liisrarssches.

Gottestal. Preisgekrönter Roman von An t on S ch o t t. Herausgegeben von der Deutschen Literatur-Ge­sellschaft. Mit Buchschmuck von Ph. Schumacher. München 1903, Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H. Pre'.s brosch. Mk. 4., geb. Mk. 5. Der RomanGottestal", dem bei dem bekannten Preisausschreiben derDeutschen Literatur-Gesellschaft" der zweite Preis zuerkännt worden ist, will nicht nur ein spannend und schön geschriebener Unterhaltungsroman sein, sondern auch vielfach Anregung geben zum Nachdenken über am grellsten hervortretende Mißstände des jetzigen sozialen Lebens, und er will auch den Schlüssel zur Lösung mannigfacher Schwierigkeiten in die Hand drücken. Eine Glashütte, im Walde versteckt, ift der Ort, wo sich eine Handlung entwickelt, deren letzte Folgerung weit über unsere Tage und Zeiten hinausreichft und deren Verwirklichung kommenden Geschlechtern Vor­behalten sein wird. In gleichmäßigem Gange schreitet die Zeit über das stille Waldtal dahin, und unter ihren Tritten weben die Menschen am eigenen und am Geschicke anderer, befreunden und befehden sich und streben und hasten nach einem Wahne, den sie Glück nennen. Sehr gute Illustrationen vervollständigen den künstlerischen Wert des hübsch ausgestatteten Buches.

Zahlenrätsel.

(Nachdruck verboten.i 123456789 heiße Zeit.

12 13 Vogel. 1 7 5 9 3 Wild.

3 7 5 9 Gesichtsteil. 6 7 3 3 9 Vaum.

5 6 7 2 4 9 Pfianzensorm. 6 7 8 Zeitbestimmung.

9 6 7 8 9 Teil des Hauses.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Gleichklangrätsels in vor. Nr.: Der Stift das Stift.

Redaktion: August Götz. NoMtionedriick und Verlag der Vrüll'schcn lluiversitäts-Vuch- und Cteiudruckcrei. R. Lange, Gießen.