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ToMoj üöer Oorkij'sYachtasyl«.

-^droivoje Wremja" schildert einen Besuchs Bet Leo Tolstoi. M fand Tolstoj zwar etwas müde.

aufmerksamer Begleiter sorgte für sie. Das Gefühl trost­loser Verlassenhett, welches sich jetzt ihrer bemächtigte, war bitterer noch, als die Eifersucht zuvor; selbst der goldene Sonnenschein draußen vermehrte das Bewußt­sein ihrer Einsamkeit, machte ihr trauriges Los noch schwerer. Der Schmerz und der harte Kampf nach ihres Bruders Tode erschienen ihr leichter zu ertragen, als die grausame Gegenwart. Da saß ganz in ihrer Nähe der Mann, der ihrem Herzen alles war, welchen sie mehr liebte als sich selbst, und welcher sie auch geliebt und es ihr mit tausend zärtlichen Worten gesagt hatte. Und nun hatte er kein Wort, keinen Blick für sie! Ihr schwindelte, die Gedanken vergingen ihr. Ach,- wenn ihr Vergehen groß war, riesengroß, die Qual, welche sie jetzt erlitt, war größer, sie glich alles aus!

Die Kinder wurden abgerufen, um einigen Bekannten der Mutter vorgestellt zu werden. Jane schlich sich aus dem Zelt, der heiteren Versammlung den Rücken kehrend; zum Sterben müde und elend, lreß sie sich auf eine einsame Bank nieder, halb im Gebüsch verborgen. Wie lange sie dort gesessen, wußte sie nicht. Die Sonne war im Westen gesunken, der Himmel erglänzte im herrlichsten Abendrot hinter den Birken, als Lilly Thorntons Stimme sie aus ihrer Bewußtlosigkeit erweckte.

Miß Gratton, Miß Gratton, wir haben Sie überall gesucht kommen Sie schnell Mama ist sehr böse! Es ist schon ganz spät!"

Sind die Preise schon alle ausgeteilt?" ftagte Jane, sich mühsam erhebend, und mit großen, trüben Augen um sich sehend.

O wie lange schon! Tante Alice hat ein Armband gewonnen. Aber kommen Sie rasch, Mama fährt mit un- serm Wagen."

So schnell es ihre steif gewordenen Glieder gestatteten, folgte Jane dem Kinde nach der Stelle, wo die Herrschaften rhre Wagen erwarteten.

Einige hatten den Platz schon verlassen, und die Fußgänger versperrten beinahe die Zugänge.

Sir Harry half Miß Durham, sich in den Mantel zu hüllen, Mrs. Thornton stand dabei, stolz und hochmütig wie immer, und doch konnte ein genauer Beobachter be­merken, daß sie angenehm berührt und zufrieden war mit den Fortschritten zwischen ihrer Schwester und Sir Harry.

Sie haben sich ungemein vergessen, Miß Gratton", sagte sie kalt, als Jane in ihre Nähe kam.Ich bin wohl kaum verpflichtet, auf Sie zu warten."

Zu jeder andern Zeit würde der Don und die Art des Verweises Jane tief verletzt haben; denn es war das erstemal, daß Mrs. Thornton genötigt war, sie an ihre Abhängigkeit zu erinnern. Momentan verstand sie das Gesagte kaum; sie sah starr auf die schöne, blonde Frau, als ob sie diese vorher nie gesehen hätte, dann sich ermannend, stotterte sie eine Entschuldigung, die aber von Mrs. Thornton nicht beachtet wurde. Die Kinder kletterten in den Wagen, nach einer stolzen Handbewegung von Mrs. Thornton folgte Jane. Inzwischen hatte Sir Harry Alrce in den kleinen Jagdwagen geholfen und die Pelz­decke sorglich über sie gebreitet. Er tat es zögernd, als ob ihm diese Beschäftigung eine angenehme wäre. Nun trat er heran, half Mrs. Thornton in den Wagen steigen, und wechselte fröhlich und lachend einige Worte mit ihr.

Tragen Sre Sorge für Alice!" rief sie dem sich Ent­fernenden nach

Vertrauen Sie mir. Sie dürfen unbesorgt sein", ant­wortete er, auf den Jagdwagen springend und die Zügel ergreifend. a

»Ist es nicht eigentümlich", ftagte Mrs. Thornton tachend, als der Landauer im Portal von Thornton-Halk hrelt,daß dre Pferde mit dem kleinen Wagen so viel längere Zeit brauchen als die meinigen, die doch eine vtel schwerere Last hatten? Finden Sie das nicht auch?" . ", nicht so sehr eigentümlich, denke ich", ant­

wortete an e mit trübem Lächeln, und Mrs. Thornton lachte vergnügt. '

Fortsetzung folgt.

aber doch ganz rüstig. Das Gespräch befaßte sich haupt­sächlich mit dem Werke Maxim Gorkijs:Das Nachtasyl". Tolstoj sagte:Auch ich habe mich mit dem Moskauer Viertel Chitrofko" eingehend beschäftigt, wo die Menschen leben, die Gorkij imNachtasyl" schildert. Ich tat dies während der Moskauer Volkszählung. Damals hatte ich unter den Einwohnern von Chitrofko viele Freunde. Es ist ungerecht, wenn man behauptet, daß dre Barfüßler grausam seien. Tas rst gar nicht wahr. Unrecht hat auch Gorkij, wenn er diesen ihren Zug hervorhebt. Gewiß gibt es auch unter ihnen erboste, tückische Leute, aber der Grundzug des Bar­füßlers besteht nicht darin. Bei den meisten fand ich ein seelisches Gleichgewicht und Gutmütigkeit.

Als Gorkij bei mir war, riet ich ihm, besonders diesen Zug der Barfüßler in seinem neuen Drama hervorzuheben. Er sollte zeigen, daß die Barfüßler von keiner falschen Furcht beseelt sind, daß sie sich nicht im Wgrund befinden und daß sie leicht Menschen werden könnten, wenn sie es wollten. Ich kenne eine Erzählung, welche folgendes schildert:Ein­mal wanderte ein Knabe und fiel in einen Schacht hinein, in den: nach Erz gegraben wird. Es gelang ihm aber, sich festzuklammern, und er blieb die ganze Nacht hängend über der Tiefe. Als es zu dämmern begann, schwanden all­mählich die Kräfte des Knaben. Plötzlich bemerkte er einen Vorübergehenden. Er rief um Hilse. Der Wanderer näherte näherte sich ihm und frag: Warum schreist Du, spring' dock) hinunter. Du hast doch Boden unter Dir, etwa einen halben Meter." Wenn man über Gorkijs Barfüßler spricht, kommt mir immer diese Erzählung in oen Sinn. Wenn ein Barfüßler in den Abgrund füllt, so verliert er nie seine Geistesgegenwart. Ihm ist jede falsche Scham unbekannt, er ist sich stets bewußt, daß unter seinen Füßen nicht eben tief sich Boden befindet." Der Interviewer machte den Ein­wand, es sei doch möglich, daß feit der Zeit, da Tolstoj die Barfüßler studierte, ihr Typus, wenn nicht in den Grundzügen, so doch in den Einzelheiten sich verändert habe und daß die poetische Darstellung dieser Typen, wie wir sie bei Gorkij sehen, zu den traurigsten Ergebnissen führen könne.Wie stellen Sie sich denn das Barfüßler- tum vor? Ist es denn nicht ein instinktives Streben nach ausgelassenem Leben, und ist es denn mögliche das Bar- füßlertum durch Wohltätigkeit zu bekämpfen?" Tolstoj dachte eine Weile nach und sagte lächelnd:Ich kannte einen solchen Barfüßler. Einen Sekondelieutenant Namens I., ein kleiner, rühriger Herr, der einem Sperling ähnlich war. Er war ein intelligenter Vertreter des Volkes aus dem Chitrofko-Viertel, liebte über ernste Gegenstände zu sprechen und verbotene Gedichte mit Pathos zu deklamieren. Als ich diesen intelligenten Proletarier kennen lernte, schlug ich ihm vor, meine Manuskripte abzuschreiben. Er widmete sich eifrig der Arbeit, wurde solid, sparte etwas Geld und kaufte sich sogar eine goldene Uhr. Eines Tages verlegte er sich aufs Saufen, verschwand aus meinem Hause und . . . befand sich abermals in Chitrofko. Später brachte mir ein Barfüßler einen Brief von I., der seinen Jammer schilderte. Ich befteite ihn diesmal aus seinem Elend, und in der Folge noch öfter. Er wurde immer wieder rück­fällig. In diesem Menschen lebte der Trieb zur Vagabon- dage, und er war weder durch Güte noch durch Strenge zu retten?"Mit welchen Mitteln kann man denn das Barfüßlerwesen ausrotten?" fragte der Interviewer Tolstoj, erzählte ihm von einigen Moskauer Wvhltätigkeitsgesell- schaften, wie zum Beispieldas Asyl für jugendliche Bar­füßler", und äußerte dabei sein Befürchten, daß derartige Asyle, troh der menschenfreundlichen Ziele, der Gesellschaft dennoch Schaden anrichten könnten.Selbstverständlich!" antwortete Tolstoj,dies ist eine zweischneidige Frage. Einerseits Mitteid mit den Kindern. Wie soll man ein un­schuldiges Kind diesem Jammer nicht entreißen? Anderer­seits, ist beim dieses Verfahren keine Aufmunterung für die Barfüßler? Der Barfüßler dentt sich wohl dabei ganz logisch,, es genüge, wenn er selbst sich wohl fühle, um seine Frau und Kinder wird sich schon die Gesellschaft kümmern. Darum fühlt sich der Barsüßler in Chitrofko so wohl und will seine Lebensart nicht ändern."DasNachtasyl" ge­fällt mir gar nicht", sagte Tolstoj,ich glaube, daß für ein Drama eine dramatische Situation notwendig ist. In Gorkijs Stück fehlt sie aber." Dann sagte Tolstoj weiter! Ueberhaupt verstehe ich! unser modernes Theater nicht."

Jetzt ist Leo Tolstoj mit seinen Memoiren sehr be­schäftigt.