831
und zum drittenmal, tut's nicht I — Ein Maler, der für feine Kunst lebt, sollte überhaupt nicht heiraten — das ist meine Meinung, und gar ein Ehebund zwischen Maler und Malerin erscheint mir als der barste Blödsinn. Nun, «in en Mann kenne ich wenigstens, dem das nicht passieren ttnrb er heißt Everett Hamor, Ihnen zu dienen meine Damen und Herren", fügte er mit komischer Verbeugung hinzu.
Jeanne und Nannic lachten herzlich, sie waren stets sein dankbarstes Publikum. Guenn schwang ihr schweres Ruder, als wäre es leicht wie eine Feder; nach rechts, nach links folgte ihre schlanke Gestalt den kräftigen Bewegungen: „Ah mon oieu, que la Vie est amöre!" sang sie dabei, frisch und fröhlich wie ein Waldvöglein im Frühling.
„Jeanne!" rief sie dann plötzlich der phlegmatischen kleinen Strickerin zu, „manchmal bist Du wirklich so dumm wie Viktoria! Hör' doch auf mit dem ewigen Stricken, wach auf, fei lustig!"
„Non le roi Arthur n'est pas mort!" sang Nannic;
>,der König Arthur ist nicht tot, er kommt wieder, wieder!" Guenn sah so glückliche aus, als sei nach ihrer Meinung der schöne Heldenronig bereits wiedergekehrt mit reichen Ehren, Freude und Friede im Gefolge. Die schönsten seiner Gaben aber bringt er für sie — seine erwählte treue Magd. _
« ; (Fortsetzung folgt.)
Krlegserkeönisse aus dem Zekdzuge 1870/71.
Am 14. Oktober hielt im hiesigen Kriegerverein der Bezirksvorsitzende, Herr Bruchhäuser, einen Vortrag über seine Kriegserlebnisse im Feldzuge 1870/71, aus dem wir hier folgendes wiedergeben:
Der Vortragende hat den Feldzug als Feldwebel in der 7. Kompagnie des Gießener Regiments mitgemacht. Bei dem Ausbruche des Krieges stand er bereits in feinem 12. Dienstjahre, hatte also auch schon an dem Feldzuge im Jahre 1866 teilgenommen. Die Beförderungsverhältnisse waren damals noch, sehr ungünstig. Obwohl der Vor- tragende stets seine Pflichten treu erfüllt hatte, konnte er doch erst, Anfang 1870 zum Sergeanten und bei dem Aus- marsche in den Krieg zum Feldwebel befördert werden.
Am 16. Juli 1870 wurde die Mobilmachung befohlen. Tie Führung der 7. Kompagnie übernahm Oberleutnant Äißner, vor dessen Hause aus dem Lindenplatz damals auch die Appells stattfanden. Am 23. Juli bezog das Regi- nrent in den umliegenden Dörfern Quartiere, um die Stadt Meßen für die durchmarschierenden Truppen frei zu lassen. Tie 7. Kompagnie lag in Münchholzhausen. Am 24. Juli war die Mobilmachung beendet, und am Nachmittage dieses Tages fand ein Generalappell auf dem Heßler und die Besichtigung durch, den Oberst Kraus statt. Dort wurden auch zum ersten Male die Packpferde, die das Gepäck der Offiziere,und Feldwebel tragen sollten, erprobt. Die 7. Kompagnie hatte ein schwaches Schimmelchen erhalten. Als es mit Packkörben hüben und drüben beladen war, stellte es sich breit auf alle Viere und war nicht von der Stelle zu bringen. Mit einem Fuhrwerk mußte dann das Gepäck zur Bahn befördert werden.
Am 25. Juli, morgens gegen 8 Uhr, fuhr das 2. Ba- taillon von Meßen ab. Am Bahnhofe wurden noch von den Ungehörigen und Freunden den ausmarschierenden Truppen Erfrischungen und Lebensmittel überreicht. Die Fahrt ging E Lahntal hinab und dann rheinauswärts bis Mosbach. Ueberall wurden die Truppen stürmisch begrüßt. In Klein- Wrnternheim wurde übernachtet und für die Weiterbeför- derung des Gepäckes ein Karren requiriert. Am 26. ging der Marsch nach Alzey und am folgenden Tage nach Mörstadt, wo dre Kompagnie bis zum 1. August verblieb. Hier wur- den an dre Kompagnie die Erkennungsmarken ausgegeben. Am 2. August trat das Regiment den Vormarsch an, und Sar grng es quer durch die bayrische Pfalz nach Swar- .rckeil zu. Bei Ober-Bexbach kam Herr von Bockum-Dolos, ern angesehener Meßener Bürger, zum Regiments, um fernen Sohn, der rn der 7. Kompagnie diente, noch einmal wrederzuseheg. Er verblieb die Nacht bei den Soldaten in den Quartreren und nahm am andern Morgen von feinem eofine hef6etoegt Abschied. „Meinen Karl sehe ich nicht wieder", waren sernL letzten Morte. .Aber seine Be.fichcht-
ungen trafen nicht ein, denn wohlbehalten kehrte der Sohn aus dem Feldzuge zurück. — Als das Regiment am 9. August nach Spiesen marschierte, brach auf der Straße der Gepäckkarren der 7. Kompagnie zusammen. In Neunkirchen wurde rasch ein neuer Wagen requiriert, der aber für das Schimmelchen viel zu groß war. Bald gab es jedoch bessere Pserde. Als man nach. Frankreich kam, blieb eines Tages das Schimmelchen in einem Stalle stehen, und zwei stolze Pferde traten an seine Stelle. Als die .Kompagnie später aus dem Feldzuge zurückkam, hatte sie statt eines Pack- pferdes ein flottes zweispänniges Fuhrwerk.
Die hessischen Truppen waren dem 9. Armeekorps unter dem General von Manstein zugeteilt. Die hessische Division wurde von Prinz Ludwrg von Hessen, dem späteren Großherzog Ludwig IV., befehligt, und die 49. Infanterie- Brigade, der das Gießener Regiment angehörte, von Generalmajor von Wittich. Am 10. August erreichte das Regiment St. Johann, und am folgenden Tage sollte es die Grenze überschreiten. In Saarbrücken marschierte die 49. Infanterie-Brigade an dem König von Preußen vorbei, der sich, anerkennend über ihre gute Haltung aussprach. Gleich nach dem Ueberschreiten der Grenze kam man an das Schlachtfeld von Spichern und dann nach Forbach. Ueberall sah man Zeichen des hartnäckigen Kampfes. Nahe bei Forbach, links vom Waldesrande, standen einige Soldaten bet einem gefallenen Hauptmann. Es war Hauptmann von Manstein, der Sohn des kommandierenden Generals. General von Manstein ritt herzu, stieg vom Pferde, küßte die Leiche seines Sohnes und weiter ging es, neuer: Kämpfen entgegen.
In Forbach wurden alle Gebäude nach verborgenen Franzosen untersucht und u. a. auch eine französische Regimentskapelle aus einem Keller hervorgeholt. Da der Feind sich nach Metz zurückgezogen hatte, so wurde der Vormarsch dorthin angetreten.
Am 13. August kam das Regiment über Herny, wo ein Feldgottesdienst abgehalten wurde und am folgenden Tage bezog es in Remilly Quartiere.
Am Nachmittag dieses Tages wurden die Franzosen östlich von Metz bei Colombey-Nouilly von Teilen der Ersten deutschen Armee angegriffen und geschlagen.
Am Morgen des 15. lud das Regiment zum ersten Male die Gewehre, da der Feind jetzt in b#r Nähe war. Bei Mercy le Haut traf man aus Schützengraben, die aber von den Franzosen schon verlassen waren. Die Truppen rückten daher wieder nach Süden ab und das 2. Bataillon erreichte spät in der Nacht Orny, wo es Quartier beziehen sollte. Sie Einwohner hielten sich verborgen und hatten die Häuser zum größten Teil verriegelt; erst als man begann, die Türe:: einzuschlagen, kamen sie hervor. Nack) dem anstrengenden Marsche waren die Soldaten meistens sehr ermüdet, daß sie gar nicht abkochten, sondern sich sofort zum Schlafen niederlegten. Am Morgen des 16. August waren die Truppen gerade mit dem Abkochen beschäftigt, als sie allarmiert wurden und die Kochgeschirre wieder ausschütten mußten. Der Marsch ging zunächst westlich nach Corny an der Mosel. Hier kam man an etwa 100 gefangenen Franzosen vorbei, die aber recht siegesgewiß waren. „Wir sind zioar gefangen, aber unsere Armee wird heute noch siegen", riefen sie den Deutschen zu. Bei Corny erhielt Prinz Ludwig von dem Prinzen Friedrich Karl die Mitteilung, daß das 3. Armeekorps bei Mars la Tour in einem heftigen Kampfe mit Franzosen stehe und den Befehl, zur Unterstützung dieses Korps vorznrücken. Es wurden daher bei Corny die Tornister abgelegt, und nach dem Ueberschreiten der Mosel ging es im Laufschritt, teils im Marsch nach Gorze. Am Eingang der Stadt hing an einer Kette ein Franzose. Er war aufgehängt worden, weil er angeblich aus einem Hanse auf durchmarschierende deutsche Truppen geschossen hatte, was allerdings von seinen Angehörigen später bestritten wurde. Das Gießener Regiment wandte sich rechts von Gorze dem Walde zu, in dem aber nur mühsam vorwärts gegangen werden konnte, da er nur von wenigen schmaken Wegen durchschnitten war und viel Unterholz hatte. Es entwickelte sich ein Gefecht mit dem Feinde, dem aber dir hrrein- brechende Dunkelheit bald ein Ende machte. Ehrend der Nacht biwakierte das Regiment im Walde. Um ihren Durst zu löschen, leckten sogar manche Soldaten die Tropfen von den Blättern ab. Am folgenden Morgen hielt der General von Wittich eine Ansprache und teilte mit, daß die hessischen Truppen^ obwohl sie erst, spät in die Schlacht eingre.ifen.


