Arettag den 23. Hktoöer.

1903.

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(Nachdruck verboten.)

IsS UsHemSdßtii in der Brckpe.

Mon B. W. H o iv a r d. .

(Fortsetzung.)

Denken Sie, Sie wären ein Fischer" begann sie mit Nachdruck;Sie schlafen in Ihrer Hütte am Strande des Kap Raz. Um Mitternacht hören Sie ein Klopfen! Eie stehen auf öffnen die Tür. Es ist niemand draußen. Sie gehen hinunter ans Wasser. Dort liegt ein fremdes Boot, kein Mensch ist darin zu sehen, es ist aber so schwer geladen, daß es kaum schwimmen kann. Sie ergreifen das Ruder und meinen das Fahrzeug kaum vom Platze zu bringen, aber trotzdem kommen Sie damit in einer einzigen Stunde weiter, als sonst in einer ganzen Nacht. Sie fühlen Todeskälte, Sie hören Klagen und Seufzen, Zähneknirschen und Küochengerassel, und immer schwerer wird das Boot, immer schwerer von all den Seelen."

Von Seelen, Seelen, Seelen", wiederholte Nannie.

Das wäre für mich ein wenig ratsames Geschäft", be­merkte Hamor nachdenklichErstens brauche ich nachts ziemlich viel Schlaf, zweitens kann ich aus Deiner Be­schreibung kein Motiv zu einem Mlde entnehmen. Ich will mir's daher reiflich überlegen, ehe ich ein Fischer am Raz werde. Die Malerei hat zwar auch ihre Schattenseiten; aber im Großen und Ganzen", er sprach langsam, da er gerade bei einer schwierigen Stelle war,zum Zeitvertreib Seelen spazieren zu fahren," er vergaß das Ende seiner Rede und versank gänzlich in die Arbeit.

Nannte, der des Malers zerstreutes Wesen aufmerksam beobachtet hatte, brach in ein unbändiges Gelächter aus, be­sann sich aber schnell und nahm wieder seine gewöhnliche feierliche Miene an.

Was gibt's?" fragte Hamor plötzlich; aufblickend.Bon was sprachen wir doch? Ach ja, von den Seelen. Nun Guenn, was macht denn die Seelen gar so schwer?"

"Wirklich? Was meinst Du z. B, das diejenige Seele getan hat, die am allerschwersten wiegt?"

Sie hat ihren Freund betrogen", entgegnete Guenn ohne Zögern, verächtlich die Lippen kräuselnd.

Ihren Freund? Wenn'si nun aber eine Freundin war?"

Meme Hose", sagte Guenn.freund oder Freundin, das bleibt sich ganz Meich; es ist die größte Sünde."

Was ist die nächstgrvßte?"

Für ein Mädchen? Sich dreimal zu verloben ohne zu heiraten."

Hamor lachte herzlich.

i 'Wenn ein Mädchen das tut, muß es dafür in der Hölle brennen", fuhr Guenn mit unerschütterlicher lieber- zeugung fort

Das scheint mir auch eine sehr gerechte Strafe; txB glaube aber nicht, daß man bet mir daheim Derne Ansicht -eilt. Unsere Mädchen wissen gewiß nichts davon."

Es wäre Lesser, Sie wüßten's", meinte Guenn.Sagen! Sie es Ihnen lieber." r ...

Das werde ich sicherlich, tun", versprach Hamor ernst« ^^Dte Arbeit glückte ihm, das Wetter wär überaus günstig, bald konnte er die Sitzungen mit Guenn aus der Insel beginnen. Vergnügt pfiff er vor sich hin. Es war wirklich unterhaltend, hier auf dem alten Boot zu malen und dabet ihren naiven Anschauungen über Sünde und Vergeltung zu lauschen. Sie hegte so ehrenhafte Gesinnungen, so reine,- unschuldige Gedanken ein jedes Mädchen hätte stolz darauf sein dürfen. Und wie hübsch sie sich zu benehmen wußte, wie hilfreich sie ihm war! Er war in diesem Augen­blick wirklich sehr wohlgesinnt und wünschte ihr eine Freuds zu machen. r r ras

Guenn", sagte er freundlich,wenn Du Dich verlobst und ich bin fest überzeugt, Du wirst diesen Schritt nur einmal tun werde ich Dir ein schönes Hochzeitsgeschenk

Das

schicken."

Oh!" rief die kleine Jeanne voller Entzücken. Guenn blickte ihn unverwandt an, auf ihr Ruder gelehnt.

Und Dir auch, Jeanne", fügte Hamor hinzu.

Oh!" rief Jeanne abermals.

Ihr müßt mir aber natürlich sagen, was Ihr gern möchtet und wer der glückliche Bräutigam ist."

Natürlich", pflichtete Jeanne bei.

Auch ob Ihr lieber etwas für den Haushalt oder für Eure Kleidung möchtet, zum Beispiel das Hochzeitskleid?"-

Guenn, möchtest Du nicht gern Dein Hochzeitskleid voN Monsieur haben?" fragte Jeanne und suchte ihre Freundin durch einen Ellbogenstoß zum Reden zu bringen.

O.O hat noch Zeit, Monsieur", murmelte Guenn. Es kostete ihr Mühe, ihren Schmerz zu verbergen; dabei nahm ihr Gesicht einen düsteren Ausdruck an.

Was für eine seltsame Gemütsart", dachte Hamor, geradezu unberechenbar. Man hätte wirklich meinen; können, sie würde bei solcher Veranlassung eher etwas huld­

voller sein. , , , . ,

Nun also, macht das ganz wre's Euch beliebt", sagte er gleichmütig;wenn dann die frohe Zeit da ist, schreibt Ihr mir einen Brief, und ich sende Euch, was Ihr wollt. ' Jeanne wird ihren Schatz und ihr Hochzeitskleid be­kommen", sagte Nannte in prophetischem Tone,Guentt aber trägt Saint Divys Zeichen." .

Wer in aller Welt ist denn das, und was ist sein Zeichen?" \

Saint Divy, der Sohn von Sainte Nonne", erklärte Nannte und deutete auf eine blaue Wer zwischen der« Augenbrauen, die auf seiner Schwester Stirn ebenso deutq sich hervortrat wie aus der seinen.Das ist ein frühen ) Tod", fuhr er halb singend fort.