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ist annehmbar, daß ein Mann wie Raffles, mit seiner Weltkenntnis und seinen Erfahrungen über die Frauen (eine Seite seines Wesens, die ich absichtlich unberührt gelassen habe, da sie einen besonderen Band verdient), ist es glaubliche frage ich, daß solch ein Mann tagelang etwas anderes als Unsinn mit einem oberflächlichen Schulmädchen schwatzen konnte? Daß die junge Dame in mancher Hinsicht anziehend war, habe ich> wie ich glaube, schon zugegeben. Ihre Augen mögen wirklich schön gewesen sein, und die Form ihres kleinen braunen Gesichtchens war ganz reizend, soweit bloße Aeußerlichkeiten reizend sein können. Allein ihr Auftreten war freier als mir gefiel, und dabei besaß sie eine beneidens­werte Gesundheit, Feuer und Lebenslust. Melleicht habe ich keine Gelegenheit, Aeußerungen der jungen Dame auszu­zeichnen (sie würden das auch kaum vertragen), und deshalb bestrebe ich mich umsomehr, nicht ungerecht gegen sie zu sein. Daß ich ein Borurteil gegen sie hatte, gebe ich zu. Ich ärgerte mich über ihren Erfolg bei Raffles, von dem ich infolgedessen weniger und weniger sah. Das eingestehen zu müssen, ist peinliche aber in mir nagte etwas, was eine verzweifelte Aehnlichreit mit Eifersucht hatte.

Auch nach anderswo herrschte Gfersucht, nackte, un­gezügelte, würdelose Eifersucht. Hauptmann v. H. drehte seinen Schnurrbart wie die Zwillingstürme des Kölner Doms empor, zerrte seine weißen Manschetten über seine Ringe und starrte mich unverschämt durch sein randloses Augenglas an. Wir hätten einander trösten sollen, aber wir wechselten nie ein Wort. Der Hauptmann hatte eine mörde­rische Narbe aus einer Wange, eine Universitätserinnerung und ich mußte immer denken, welche Genugtuung es für ihn gewesen wäre, wenn er Raffles hätte ähnlich zeichnen können. Nicht als ob Herr v. H. nicht auch dann und wann seine Gelegenheit bei der jungen Dame gehabt hätte. Raffles ließ ihm mehrmals täglich den Vortritt, um nachher das boshafte Vergnügen zu haben, ihn verabschieden zu lassen, gerade wenn er anfing,warm zu werden". Das waren Raffles' Worte, als ich ihm heuchlerische Borwürfe über fein anstößiges Betragen gegen einen deutschen Offizier auf einem deutschen Schiffe machte.

Du wirst unbeliebt an Bord werden."

Nur bei Herrn v. H."

Aber ist das weise, wenn er der Mann ist, dem wir blauen Dunst vormachen müssen?"

Das weiseste, was ich jemals getan habe. Mich mit ihm anzufreunden, wäre das allertörichste das gewöhn­liche Verfahren." z

Das tröstete und ermutigte mich, sodaß ich säst zu­frieden war, denn ich hatte gefürchtet, daß Raffles die Hauptsache vernachlässige, und ich konnte mich nicht ent­halten, ihm das zu sagen. Schon waren wir nahe bei Gibraltar, und seit wir den Solent verlassen hatten, war nicht ein Wort über seine Lippen gekommen.

Zeit die Hülle und Fiille, Bunny", sagte er, lächelnd den Kopf schüttelnd.Ehe wir Genua erreichen, können wir nichts tun, und dort werden wir erst Sonntag abend ein» treffen. Die Reise ist noch jung und wir gleichfalls, also laß uns genießen, solange wir können."

Während dieser Unterredung, die nach dem Diner aus dem Promenadedeck stattfand, sah sich Raffles aufmerksam um, und als er die letzten Worts- aesprochen hatte, verließ er mich auf eine Weise, die aus - eine bestimmte Absicht schließen ließ. Dagegen zog ich mich in den Rauchsalon zurück, um in einer Ecke zu rauchen, zu lesen und v. H. zu beobachten, der sehr bald erschien, sich verdrießlich in eine andere setzte und Bier trank.

Im Hochsommer hat das Rote Meer wenig verlockendes für Reisende, sodaß dieSachsen" sehr schwach besetzt war, allein auf dem Promenadedeck lagen nur wenige Kabinen, und das hatten wir benutzt, um meinen Wunsch, Raffles Kajüte zu teilen, glaubhaft erscheinen zu lassen. Unten hätte ich eine, für mich allein bekommen können, aber ich mußte oben sein. Raffles hatte darauf bestanden, daß ich das verlangen solle. Auf diese Weise kamen wir zusammen, ohne für mich erkennbaren Zweck.

Am Sonntag nachmittag lag ich schlafend in meiner Koje, der unteren, als Raffles, der in Hemdärmeln auf dem Sofa saß, die Borhänge schüttelte.

Grollt Achilles in seinem Zelt?"

Was soll ich denn sonst tun?" fragte ich gähnend und mich streckend, aber ich bemerkte die gute Laune in seinem Tone und bemühte mich, sie zu fördern.

Ich habe etwas anderes zu tun gefunden."

O, das kann ich mir wohl denken."

Du mißverstehst mich. Der Knirps schneidet seine Pfeifen heute nachmittag, weil er im Rohre sitzt; ich habe andere Fische zu braten."

(Fortsetzung folgt.)

Orientalische Glasperlen.

Von M. Koßak.

(Nachdruck verboten.)

Die Kunst, Glasperlen zu fabrizieren, ist eine uralte. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben die Frauen der ältesten Kulturvölker solche zum Ersatz für echte Steine getragen; die künstlichen Edelsteine und Perlen, von denen antike Schriftsteller zuweilen erzählen, waren in Wahrheit nichts als Glasperlen. Eine von ehrwürdigstem Alter, die zum Halsschmuck der Königin Hatasu, der Gemahlin des Königs Tuthmosis III. von Aegypten gehörte, wurde zu Theben durch den Kapitän Honey ans Licht des Tages gefördert. Wie die Hieroglypheninschrist auf der sehr großen Perle zeigt, wurde dieselbe etwa 1500 Jahre vor Christi Geburt verfertigt. Was uns an dieser Perle, wie einigen anderen ägyptischen, die einer etwas späteren Zeit entstammen, be­sonders interessiert, das ist ihre große Aehnlichkeit mit den heutigen ivrientalischen Perlen. Dies erscheint um so selt­samer, als dieser Zweig des Kunstgewerbes im Wandel der Jahrhunderte in allen orientalischen Ländern völlig in Verfall geriet und erst im frühen Mittelalter wieder durch Einführung italienischer Ware neu belebt wurde. So erzählt uns der bekannte Reisende Marco Polo, daß die Glasmacher Maui und Dominica Miotti aus Murano in Baßora künstliche Achate, Granaten, Amethyste und dergl. mehr zu hohem Preise verkauft haben. Diese Fabrikate, welche sämtlich durchlocht waren und den NamenMarga- ritae", auf deutschPerlen" führten, wurden in Kleinasien und der Türkei bald nachgemacht; durch allerhand Aender- ungen bei ihrer Herstellung gewannen sie in nicht allzu langer Zeit das Aussehen der antiken ägyptischen Perlen. Gegenwärtig bilden diese orientalischen Perlen wieder einen sehr beliebten Exportartikel nach Europa. Die Damen tragen sie bei uns in Gestalt von Schmuck- und Uhrketten. Allerdings stammen keineswegs alle Perlen, die bei uns unter der Bezeichnungorientalische Perlen" gehen, aus dem Orient; ein großer Teil derselben ist sogar in deutschen Fabriken angefertigt und sieht der echten Ware recht un­ähnlich. Was man uachgeahmt hatte, sind im wesentlichen die Muster. Unter den echten unterscheidet man hauptsächlich drei Sorten: die von bunten Fäden, Punkten und Orna­menten durchzogenen, die einfarbigen und diejenigen, bei welchen der Glasfluß mit Rosenblättern, Rosenholz und Rosenöl vermischt ist. , ...

Bevor von den einzelnen Sorten die Rede ist, möge noch mit kurzen Worten die Herstellung der Glasperlen im allgemeinen beschrieben werden. Man verfertigt fte aus feinen, dünnen Glasröhrchen, indem man dieselben zer­schneidet und die einzelnen Stücke abrundet. Damit dies letztere möglich ist, müssen die Perlen durch Schmelzen erweicht werden, wobei man jedoch Sorge zu tragen hat, daß die Löcher nicht zuschmelzen. Zu diesem Zweck werden die Perlen mit Kohlen- und Tonpulver zusammen in eine Trommel geschüttet, die man, wie dies auch beim Kaffee­brennen üblich ist, im Feuer dreht. Nachdem bte Perlen abgerundet sind, schüttet man sie auf Eisenblech, auf dem sie erkalten müssen. Da noch viel von dem Pulver an ihnen haftet, so tut man sie in ein Sieb und schüttelt fte darin so lange, bis sie sauber sind. Um die guten von den mißratenen zu sondern, werden sie auf eine schüfe Ebene gebracht, woraus die runden abrollen und die anderen liegen bleiben. Nunmehr müssen die Perlen geschliffen werden. Dies läßt sich sehr einfach bewirken, indem man fte tu einen mit feinem Sande gefüllten Sack bringt und diesen tüchtig schüttelt. Das gleiche Prinzip wird für das po­lieren angewendet, nur füllt man in diesem Falle den Sack mit Kleie. Von der letzteren sondert man die Perlen durch Absiebeu.

Zum Färben des Glases, aus welchem die Perlen er­zeugt werden, benutzt man vorwiegend Metalloxyde unt daneben Selenite und Selenate. Grünes Glas erhält mai durch Chromoxyd, Eisenoxyd und Uranoxyd, rotes imrct