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„eifer Goldauflage, au» der ersten Hälfte )e3 18. Jahrhundert» stammend.
Eine besondere Sammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums bilden chinesische Porzellanfläschchen für Schnupftabak, aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Sie sind teils einfarbig glasiert, teils mit sehr feinen Mustern in lebhaften Tönen geschmückt. Tie figürlichen Miniaturmalereien auf diesen Fläschchen sind von überraschender Naturwahrheit. Namentlich fielen mir in dieser Hinsicht einige mit krähenden Hähnen und anderen Vögeln bemalte Tabakfläschchen auf. Viele dieser Fläschchen besitzen auch scharf hervortretende Reliefs, welche ganz merkwürdig verschlungene Tier- und Pflanzenmotive, überhaupt eine überaus reiche Fülle von Schmuck auf geringer Fläche zeigen. Tie Formen der Fläschchen sind an sich außerordentlich mannigfach, ja man begegnet hier allen Formen, welche jetzt wi 'der für die Riechfläschchen unserer modernen Damen Inwendung finden. Diese Sammlung muß einen außerordentlichen historischen und künstlerischen Wert besitzen.
Eine große Anzahl kostbarer Schnupftabakdosen waren auf der Stuart-Ausstellung in London zu sehen, für welche die Eigentümer die kostbaren Stücke hergegeben hatten. Eine ckberne Dose gehörte einst dem Marquis von Montrose; man sagt, daß die Tose der letzte Gegenstand gewesen, den er in der Hand hielt, bevor er den Galgen bestieg (21. Mai 1650). Eine Eichendose war in Silber montiert und zeigte eine Darstellung Karls II., der sich in einer Eiche verborgen hat, während die Soldaten nach ihm suchen. Und das Holz zu dieser Dose wurde eben jener Eiche entnommen.
Die Guelph-AuSstellung enthielt ebenfalls eine große Anzahl interessanter und schöner Tosen. Einige derselben zeigten auserlesene kleine Miniaturen von Cosway. Hier war die goldene Dose zu sehen, welche Byron dem (Sbmuitb Kean schenkte, sowie GarrickS Lieblingsdose mit einem Porträt seines Bruder Peter. Ein anderes vielerwähntes Exemplar war eine Tose mit einem Bilde des „Hell Fire Club" (HöUenfeuer-Klub), welcher vor der Vereinigung von Großbritannien und Irland in Dublin bestand, und zu /essen Mitgliedern mehrere bekannte Persönlichkeiten gehörten. Mehrere Schnupftabakdosen stammten von Monarchen. Eine derselben, welche von der Prinzessin Amalie, der Tochter Georgs III., dem General Fitzroy, verehrt worden war, enthielt eine Locke ihres Haares. Drei oder vier andere Dosen gehörten ursprünglich Georg IV., darunter üne, welche er Walther Scott zum Geschenk machte. Ein rüderes merkwürdiges, von dem Herzog von Cambridge dergeliehenes Exemplar aus Blutstein zeigte auf dem Deckel nnen Hund mit Augen und Zähnen von Diamanten und 'iner Zunge aus Karneol.
Von -Friedrich dem Großen wird folgende Geschichte wzählt: Ter große König war über den Grafen Schwerin ms irgend einem Grunde ungehalten. Jedenfalls schenkte )er König dem Grafen eine Schnupftabakdose, auf deren Innenseite der Kopf eines Affen gemalt war. Am nächsten Tage zog der Graf die Dose bei Tische hervor, und zeigte w der Herzogin von Braunschweig. „Welch ein ausge- unchnetes Porträt Seiner Majestät!" bemerkte die Herzogin. Ler König sah etwas betroffen umher. „Ist es nicht ein schönes Porträt?" sagte die Dame, die Dose ihrem Nachbar reichend. „Außerordentlich gut", war die Entgegnung, und die Dose begann die Runde um den Tisch zu nachen. Da befahl der König, ihm die Dose zu reichen. Wie verblüfft war er über, als er sah, daß der schlaue Graf »en Affenkopf entfernt und denselben durch ein Porträt »es Königs ersetzt hatte, um diesem eine Lektion zu geben.
Tie Jones-Kollektion im Albert- und Viktoria-Museum n London ist nach Mitteilungen von A W. Jarvis in English Jllustrated Magazine besonders reich an Tabak- tojen von seltener Schönheit und großem Werte. Eine nnzige, von Blaremberghe gemalte Dose ist auf 30 000 Warr geschätzt worden, und viele andere sind fast ebenso iel wert. Mehrere der in die Deckel eingelassenen Minia- nreil sind von Petitot. Eine Dose, welche fiüher im besitz Demidoffs war, zeigt Miniaturb-ilder Marie Antoi- rettes und der ganzen Familie Louis XVI. Neben der- u6ett befindet sich die goldmontierte Schnupftabakdose
des Sir Thomas Lawrence, welche aus Vesuvlava gefertigt ist. Ein phantastisches Exemplar besteht aus Amethyst und stellt ein liegendes Lamm dar. Die Ohren sind aus Rubin und die Augen aus Diamanten scheinen tatsächlich Feuer zu sprühen. Unter den Schildpattdosen befindet sich eine, welche Louis XVI. dem Marschall Vauban geschenkt haben soll. Eine andere, von der man annimmt, daß sie der unglücklichen Marie Antoinette gehörte, wurde der Familie des Gebers von dem Prinzen von Conde ge- schenkt.
Die Schnupftabakdosen-Sammlung des Britischen Museums ist nicht groß, doch sehr interessant. Im asiatischen Saal befindet sich, wie in Berlin, eine Anzahl zierlicher kleiner Porzellanflaschen, in denen die Chinesen ihren Schnupftabak aufbewahrten. Doch existiert im Britischen Museum auch eine kleine Sammlung chinesischer Schnupftabakdosen aus Glas. Da sind einige geschickte Imitationen von Onyx, Chalcedon, Türkis rc. und eine hübsche, kleine Dose, reich mit imitierten Steinen besetzt. In einem anderen Saale findet man eine Anzahl merkwürdiger alter Schnupftabakdosen aus Horn und Schildpatt mit Reliefbüsten verschiedener Monarchen. Das Britische Museum besitzt auch eine emaillierte goldene Schnupftabakdose, in welcher die Königin Charlotte ihre geliebte Mischung von spanischem oder Straßburger Schnupftabak aufbewahrte, und zu welchem sie stets ein wenig grünen Tee hinzuzufügen pflegte. Eine andere Tose war aus Lumachelli ofct „Feuermarmor" gefertigt, welcher ein faszinierendes Farbenspiel besitzt. Der Teckel dieser Dose sowie derjenige zweier oder dreier anderer Dosen, ist mit reizenden Kameen geschmückt. Die beiden Schnupftabakdosen Napoleons werden am meisten bewundert. Eine derselben wurde Frau Damer vom Kaiser geschenkt, als Dank für eine Büste des Charles James Fox, welche die Dame mit eigener Hand für Napoleon meißelte. Ein Miniaturbild Napoleons, welches den Deckel schmückt, ist von prächtigen Diamanten umgeben. Die zweite Dose, welche der Kaiser von dem Papst Pius VI. erhielt, zeigt aus dem Deckel eine prächtige antike Kamee. Beim Tode Napoleons fand man in der Dose ein Stück Papier, welches die folgenden Worte trug: „L'empereur Napoleon a Lady Holland temoignage de satisfaction et d'estime." Als Lord Charlisle von dem Vermächtnis hörte, beging er die Taktlosigkeit, seinem Gefühl gegen den toten Kaiser in einigen Versen Luft zu machen, welche mit den Worten begannen: „Lady, weisen Sie das Geschenk zurück, es ist mit Blut befleckt." Diese Verse amüsierten Byron höchlichst, und er parodierte dieselben. Lady Holland aber legte großen Wert auf dieses Zeichen dankbarer Erinnerung des Kaisers an ihre ihm während seiner Gefangenschaft auf St. Helena bewiesene Güte. Bei ihrem Tode vermachte sie die Dose dem Museum.
Die Mode des Schnupfens hat in unserer Zeit zwar nicht abgenommen, aber sie ist in vornehmen Kreisen nicht mehr besonders beliebt, und darum wird auch auf die Ausstattung des Schmuckes der Tabakdose nicht mehr das nötige Gewicht gelegt. Vielleicht ist es aber doch angebracht, darauf hinzuweisen, daß man auf die Ausstattung wohlfeiler Zigarren- und Zigarettenbehälter eine ziemlich große Sorgfalt verwendet; es ist deshalb nicht einleuchtend, warum man nicht auch der Tabakdose des einfachen Mannes etwas gefälligen Schmuck verleihen sollte. Selbst die silbernen Tabakdosen, denen man hin und wieder begegnet, zeugen im allgemeinen von einem recht barbarischen Geschmack. Verständige Gold- und Silberschmiede sollten sich der Sache einmal bemächtigen, und die alten schönen Muster in den Museen studieren.
Kapselrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Reitpferd, Verdienst, Morgenandacht, Aufreibung, Ligroin, RatbauS.
Es ist der Name eines deutschen Dichters zu finden, dessen einzelne Silben in vorstehenden Wörtern versteckt sind, ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'scheu UniversitätS-Bvch- und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in Giessen,


