nicht gerade glimpflich mit mir um in seinem Zorn, das darfst Tu mir glauben. Und zudem hat er mich um meine schöne Stelle gebracht. Tasür soll er mir jetzt büßen. Mit Genuß würde ich ihm das Fleisch von den Knochen reißen, wenn ich die Gelegenheit dazu fände."
„Wie willst Tu aber die Sache angreifen, mein Junge?"
„Auf ihn zu schießen, ist mir zu gefährlich, wie wär's! aber mit einem Unglücksfall, zum Beispiel mit der Post-« kutsche in einer dunklen, stürmischen Nacht, das hätte durchs aus nichts Ausfallendes."
„Und was würde dann aus den anderen Leuten im Wagen?"
„Ach was, das find doch nur Engländer, die sollen sehen, wie sie sich aus der Patsche ziehen. Am nächsten Dienstag fährt eine Nachtpost nach Shule; vor zwölf Uhr ist kein Mondschein, und am Scanlanselsen gcht's scharf um die Ecke. Wenn ich ein festes Seil über die Straße spanne, so bürge ich dafür, daß der Wagen einen famosen Purzelbaum macht."
„Nein, bei Gott", rief Jim mit großem Pathos, „so ernst war's denn doch nicht gemeint! Ans Leben will ich Terence nicht, denn «er hat mir wissentlich niemals etwas zu Leide getan. Er ist ein ruhiger, gutmütiger Bursch, und ehe Jrcdy ein Auge auf ihn geworfen hatte, waren wir die besten Freunde. Und nun auch noch vollends eine ganze Kutsche voll Menschen dabei ums Leben bringen, nein, beim Himmel, dabei will ich meine Hand nicht im Spiel haben."
„Na, wenn Tu also gar so zimperlich bist", höhnte der Zwerg, „so kann ich ja einen Felsklotz auf ihn werfen. Ueber der Beraniastraße liegen viele große, schwere Steine aufeinander gehäuft, Terence geht jede Woche einmal da Vorbei auf den Pachthof, und zwar immer allein und spät abends, da ist die Sache leicht auszuführen. ,Tod durch Unglücksfall' wird dann einfach in der Zeitung stehen." Ein häßliches, schrilles Lachen begleitete seine Worte. „Und wenn alles vorüber ist, dann komme ich hierher und hole mir mein Geld, und Tu kannst Judy trösten. So sehr zu Herzen nehmen wird sie Terences Verlust wohl nicht, daß sie in ein Kloster geht. Was würdest Tu dann tun, mein Jungchen?"
„Da ist keine Gefahr. Komm her, Crab, du dummer Kerl", rief er seinem Hund zu. „Was zum Teufel, machst du denn da?"
Crab, der schon eine zeitlang unruhig herumgeschnüffelt hatte, entdeckte plötzlich die beiden Horcherinnen und begann wütend zu bellen.
„Er scheint irgend etwas gefunden zu haben; wahrscheinlich einen Igel."
„Bleiben Sie ganz ruhig", flüsterte Maureen, sich plötzlich aufrichtend. Rasch schlug sie ihren Kleiderrock über den Kopf, sodaß er ihr Gesicht verbarg, sprang aus dem Versteck hervor und lief geradewegs auf die beiden Verschwörer zu.
„Was ist das? O heilige Maria!" heulte ängstlich der Zwerg. „Tvnner und Blitz, es kommt!" brüllte er heiser vor Entsetzen, und lief, so rasch ihn seine kleinen Beine tragen konnten, den Hügel hinunter. Einen kurzen Augenblick bot sein Helfershelfer mutig der Erscheinung Trotz, als aber Maureen mit drohender Gebärde auf ihn zuschritt, ergriff auch er das Hasenpanier.
(Fortsetzung folgt.)
Schnupftabakdosen.
Von Fred Hood.
(Nachdruck verboten.)
Frankreich kann sich rühmen, die ersten Tabakschnupfer in die Welt gesetzt zu haben. Warum gerade Frankreich? Die Franzosen sind doch sonst die personifizierte Grazie, aber das Schnupfen ist gewiß keine graziöse Gewohnheit, mag es dem Schnupfer auch noch so viel Behagen bereiten. Indessen ist es so; man begann in Frankreich unter Ludwig XIII. zu schnupfen, und die damalige Zeit war doch gerade eine besonders galante. In der Tat fühlten sich die Kavaliere ganz glücklich, einen neuen Gegenstand entdeckt zu haben, welcher so viel Gelegenheit gach Luxus und Eleganz zu zeigen. Schnupfen kann natürlich jeder Bauer. Wer wie man schnupft, darauf kommt es an.
Man denke sich eine mit Edelsteinen oder feinen Miniaturen geschmückte Dose aus kostbarem Stoff in der wohl
gepflegten schlanken Hand eines seinen Kavaliers oder gar in der Hand einer schönen Dame! Oh, es kam sehr darauf an, mit welcher Manier man die Dose öffnete, sie einem Herrn oder einer Dame der feinen Gesellschaft anbot, und in welcher Weise man die Prise dem schmucken Döschen entnahm, um sie mit spitzen Fingern an die aristokratische Nase zu bringen. Es gab berühmte Schnupfer, die die Sache so fein machten, daß sie allgemein bewundert und nachgeahmt wurden. Mit solcher Wichtigkeit wurde das Schnupfen behandelt. Herr von Larochefoucauld war berühmt wegen seiner Grazie, mit der er seine Dose in der Hand zu drehen pflegte bezw. in die Tasche gleiten ließ, und die Schauspieler gaben sich alle Mühe, ihm diese Manier nachzuahmen. Die Schnupftabakdose gehörte zu den umerläßlichen Attributen des feinen Mannes, und reizenden Frauen erschien sie ebenso unentbehrlich wie der Fächer. Viele Damen benutzten die Dose allerdings nur, um ihre schönen Hände zu zeigen. Wer auch in England hatte unter der Regierung der guten Königin Wna das Schnupfen unter den vornehmen Damen eine nicht minder große Verbreitung gefunden. Die elegante Weltdame zog mitten in der Predigt ihre Dose hervor, bot ungeniert ihren Bekannten beiderlei Geschlechts von ihrem besten brasilianischen Schnupftabak an und forderte den Kirchendiener auf, eine Prise zu nehmen, während sie ihr Geldstück auf den Sammelteller legte.
Der berühmte englische Essayist Steele erzählt, daß einmal eine Schöne seines Bekanntenkreises durch den Gebrauch der Schnupftabakdose in eine peinliche Verlegenheit geriet. Eines Tages hatte sie zufällig Besuch von einem Wbeter, als noch andere Bekannte vorsprachen. Unter dem Vorwand, einen Gegenstand, über den sie gerade sprachen, aus ihrem Boudoir holen zu wollen, begab sie sich auf einen Augenblick dahin. In demselben Moment hörte man, zum höchsten Erstaunen der Besucher und zum Entsetzen der nicht wenig verlegenen Dame das heftige Niesen eines Mannes im Boudoir.
Es ist unglaublich, welch ein Luxus damals, und zwar nicht nur in England und Frankreich, sondern auch in Deutschland mit den Schnupftabakdosen getrieben wurde. Fast in allen Museen der Großstädte begegnet man derartigen kostbaren Dosen von historischem Interesse, und während der Pariser Weltausstellung konnte man in dem unvergeßlichen Petit Palais eine gunze Sammlung merkwürdiger Dosen von unschätzbarem Werte sehen. Viele dieser Dosen waren von auserlesener Schönheit und kunstvoller Arbeit, zum Teil mit prächtigen Diamanten von schönstem Wasser, feingeschnittenen Kameen und wertvollen Miniaturen geschmückt, sodaß die ängstliche Sorgfalt, mit welcher sie von den Sammlern behütet wurden, vollkommen gerechtfertigt erschien. Bei Besichtigung dieser Dosen konnte man nur im Zweifel sein, ob das Material den Kunstwert überstiege oder umgekehrt.
Das Berliner Kunstgewerbe-Museum besitzt eine sehr reiche Sammlung von Dosen aus Achat, Jaspis, Muscheln usw. in Metallfassung, welche aus dem 18. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts stammen. Sie bilden zum Teil ein Vermächtnis des Fräulein von Uttenhoven, aus deren Besitz eine große Zahl wertvoller Gegenstände an das Kunstgewerbe-Mufeum gelangt sind. Zwei etwa um das Jahr 1750 gefertigte Dosen zeigen eine überaus reich und kostbare Dekoration des Deckels. Sie sind von Achat und mit figürlichen Darstellungen in Reliefmosaik aus Perlmutter geschmückt. Tie einzelnen Perlmuttteilchen sind so kunstgerecht ausgeschnitten, daß ihre Färbung gerade dem betreffenden Stück des kleinen höchst korrekt gearbeiteten Bildes entsprechen, sei es nun ein Frauengewand, ein entblößter Arm oder Fuß oder sonst eine Partie des farbenreichen Reliefs. Eine große runde Tose von 15 Zentimetern Durchmesser ist von Meisterhand mit einer idealen Landschaft in Lackmalerei geschmückt. Eine andere kleinere runde Dose zeigt ein aus 40 verschiedenen geschnittenen Steinen gebildetes Ornament in Goldfassung, welche ein kleines Fruchtstück umschließen. Tie Arbeit ist von Christian Neuber während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgeführt, und es sind nur Edel- und Halbedelsteine aus dem Kurfürstentum Sachsen verwendet. Ta- neben finden wir eine Sammlung von goldenen und silbernen Tosen mit reichem Reliefschmuck, Jagdbilder, myto- logische Szenen usw. darstellend. Sehr schön sind auch zwei aus sehr kostbarer Perlmutter gearbeitete Tosen mit teil-


