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„Allerdings. Was werden wir nun damit niachen?" fragte Mrs. Tuckitt, sich aus einen Felsen niederlassend.
„Wir verteilen es unter die ältesten Tvrformen. Mit zehn Schilling für jeder», können wir zehn Menschen be- glücken."
„Ich wollte, solch ein Goldstück vermöchte auch mich glücklich zu machen", sagte Mrs. Tuckit mit einem Seufzer.
Maureen aber hörte kaum aus sie — ihr Blick starrte die lange, Helle Straße entlang, an deren Ende die Brücke lag. Jetzt endlich bewegte sich das Paar heimwärts, und bald erschien es nur noch als ein einziger kleiner Punkt in der Ferne. Was mochte diesen verhaßten Lovell nach Bally-- bay geführt haben? Worüber konnte er und Nita sich zwei endlos lange Stunden unterhalten haben?
„Abenteuer werden wir wohl heute keines mehr erleben", murmelte Mrs. Tuckitt. „Nicht einmal eine verirrte Kuh ist weit und breit zu sehen. Haben Sie eigentlich schon einmal irgend etwas erlebt, das ins Reich der Abenteuer gehört? Erzählen Sie mir etwas, es sitzt sich hier so himmlisch schön, und zur Rückkehr ist es noch zu früh."
Maureen schilderte nun, wie sie sich einmal in Australien als halberwachsenes Mädchen von ihrem Baier die Erlaubnis abgerungen habe, auf einem etwas wilden Pferde allein nach einer ziemlich entfernt gelegenen Farm zu Bekannten zu reiten. Tas Pferd aber habe gescheut, sie ab- geworfen und anstatt heimzukehreu, sei es in entgegen-» gefetzter Richtung fortgelaufen, sodaß ihr Baier sie bei der befreundeten Familie vermutet und nicht nach ihr gesucht habe. Am anderen Tage erst seien eine Menge Boten aus- gescheckt worden, die sie dann auch endlich nach zwanzig qualvollen Stunden halb verdurstet und halb tot vor Angst aufgefunden und zu ihrem verzweifelten Baler gebracht haben.
„Tas war aber auch das einzige, wirkliche Abenteuer, das ich erlebt habe", schloß Maureen. „Wie schön und friedlich See und Bucht da unter uns liegen, wie in tiefem Schlaf — das heißt das Meer schlummert nur, einen wirk- lrchen Schlaf kennt cs ja nicht, aber der See, der befindet sich jetzt ganz im Lande der Träume. Es isst wohl Zeit, daß wir uns auf den Heimweg begeben und seinem Beispiele folgen."
„Still", rief Mrs. Tuckitt gebieterisch, „still!"
„Was giebts? Fürchten Sie, ich könnte den See aufwecken?" rief Maureen mit jugendfrohem Lachen.
»Seien Sie ruhig, setzen Sie sich!" bat ihre Gefährtin angstlech, endem sie Maureens Arm umklammerte. „Ich höre Stemmen, horchen Sie — sehen Sie, dort neben dem Baum im Hohlweg! Sehen Sie nicht die zwei Gestalten — Nvei Männer, die geradewegs auf uns zukommen?"
„Doch, ich sehe sie, einen Manee und einen Knaben, sie haben einen Hund bei sich, Geister sinds also nicht. Was meinen Sie, was wir tun sollen? Fortlaufen können wir nicht, das wäre zu feige."
Es ist auch viel zu spät dazu. Am besten ists, wir kriechen unter einen Felsen und rühren uns nicht. Ich bin überzeugt, daß nichts gutes die beiden zu dieser nachtschlafenden Zeit hierher führt."
„Tas gleiche könnten sie auch von uns denken", erwiderte Maureen.
Mrs. Tuckitt aber kroch bereits auf allen Bieren hinter einen der größten Felsen. Hoch aufgerichtet, nur mit Mühe einen Lachanfall bekämpfend, folgte ihr Maureen.
Irgend eine Art Waffe haben Sie wohl nicht bei sich?" flüsterte ihre Gefährtin mit zuckenden Lippen,
„Nein", antwortete das junge Mädchen, sich neben Mrs. Tuckit niederkauernd, „nichts als eine kräftige Hutnadel. Sie ängstigen sich doch hoffentlich nicht ernstlich, meine liebe Mrs. Tuckitt? Mir ist so behaglich zu Mut, als spielten wir Berstecken."
Ein Schauder war Mrs. Tuckitts einzige Antwort.
14. Kapitel.
Was die Lauscherinnen hörten.
Mrs. Tuckitt trug ein schweres, schwarzes Seidenkleid, ihre jugendliche Gefährtin Dagegen war ganz in Weiß gekleidet und folglich bedeutend leichter zu entdeckten. Trotzdem klopfte das Herz der kleinen Frau so laut, daß sie die Näher und näher kommenden Schritte der zwei Männer kaum zu hören vermochte. Plötzlich verstummten die Tritte, und Maureen wagte es, vorsichtig mit einem Auge aus ihrem Bersteck hervorzulugen. Tie beiden Männer standen
jetzt an der niedrigen Felsenmauer, ungefähr zwanzig Fug von ihnen entfernt, und Mrs. Tuckitt zuckte heftig zusammen, als plötzlich eine laute, rauhe Stimme fragte: „Ta wären wir ja, was willst Tu von mir?"
„Na, weißt Du, Joey, unter den vielen Leuten aus dem Torfplatz konnte ich kein ruhiges Wort mit Dir sprechen, die Mädels umschwärmten Tich ja wie die Fliegen den Honig, und da ich keine Horcher haben will, so sagte ich Tir, Tu solltest zu den grünen Felsen kommen, wo uns so leicht niemand stört."
„Tas ist schon wahr, denn nach zehn Uhr besinnt sich jeder, hierherzukommen, und bei Gott, mir war's vorhin, als sähe ich etwas Weißes."
„Ach, schäme Dich, wer glaubt noch an diese Altweiber- geschichten?"
„O, viele Leute; es ist eine bekannte Sache, daß schon mehr als einer hier ins Gras beißen mußte. Toch setze Tich jetzt und sprich schnell, was Tu von mir willst."
„Ja, ja, nur Geduld", antwortete der andere, sich heftig räuspernd. „Kennst Tu den Kuffcher Terence?"
„Dumme Frage!" erwiderte Joey ärgerlich.
„Und Judy Flood von Caher hast Tu doch auch schon gesehen? Tie hat nämlich zweitausend Pfund Heiratsgut; schön ist sie freilich nicht, und die erste Jugend hat sie auch schon hinter sich."
„Allerdings, aber zweitausend Pfund sind ein hübsches Sümmchen. Was ist's mit ihr?" fragte der Mann mit der rauhen Stimme.
„Sie ist ganz vernarrt in den Burschen Terence, der aber will nichts von ihr wissen, obwohl sie ihre Kleider in Cork kauft und singen und Harmonika spielen kann."
„Tie dumme Gans! Er guckt ja überhaupt kein Frauenzimmer an und geht ganz in seinen Gäulen auf. Uebrigcns ist sie wohl nicht die einzige, die gerne mit Terence anbändeln möchte, denn er ist ein hübscher Kerl."
„Tas ist's ja eben, und deshalb möchte ich seine schöne Fratze aus dem Weg schaffen. So lauge er in der Gegend ist, gönnt Judy Flood mir keinen Blick, bin ich ihn aber los, so habe ich freie Bahn."
„Wie willst Tu das aber machen? Er denkt nicht ans Fortgehen, und bei der Post weiß man wohl, daß er der beste Kutscher weit und Breit ist; deshalb bezahlt man ihn auch so gut. Ter sitzt so fest auf seinem Posten, wie der Cashelfelsen. Und da er niemals einen Tropfen Schnaps oder derartiges über die Lippen bringt, so kann man ihn auch in dieser Hinsicht nicht so leicht in Ungelegenheiten Bringen. Was hast Tu also für einen Plan?"
Zum zweitenmale guckte Maureen ängstlich um die Ecke des Felsens, und nun konnte sie die beiden, im Mondlicht sich scharf abhebenden Gestalten deutlich sehen: einen großen, kräftig gebauten Mann im Sonntagsanzug und einen stämmigen Zwerg, dessen breitschultriger, schwerer Oberkörper auf zwei schmächtigen, krummen Beinen ruhte.
„Mein Plan ist folgender", sagte der Größere. „Ich gebe Tir zehn Pfund bar in die Hand, wenn Tu mir Terence lebendig oder tot ans der Gegend schaffst."
„Zehn Pfund?" wiederholte der Zwerg mit höhnischem Lachen. „Zehn Pfund für das Risiko, mich von ihm umbringen oder mich im Corker Gefängnis aufhängen zu lassen? Zehn lumpige Pfunds
„Nun, dann meinetwegen fünfzehn."
„Und das soll im Verhältnis stehen zu den zweitausend, die Tu bekommst? Ta mußt Du schon tiefer in den Beutel greifen, mein Alterchen."
„Tu bist so ein gewandter Kerl, Joey, und schlau wie ein Fuchs. Tu bringst es leicht fertig, ihn Bei Seite zu schaffen."
„Schweig mit Deinen Schmeichelreden. Hältst Tu mich für ein Frauenzimmer? Schöne Worte sind Billig."
„Na, dann also zwanzig Pfund, aBer auch nicht einen Heller mehr."
„Zwei Pfund Angeld und fünf Flaschen Whisky."
„Meinetwegen."
„ABgemacht", rief der Zwerg, indem er seinem Gegen- üBer zur Bekräftigung des Handels die Hand entgegenstreckte und sagte: „Ich haBe auch noch eine eigene kleine Abrechnung mit dem hübschen Mr. Terence zu machen. Ich war doch einmal Stallbursche Bei ihm, und da hat er mich mit Schimpf und Schande davongejagt, weil ich einen kleinen Rappen etwas mehr prügelte, als nötig war. Tas Vieh verlor daBei das rechte Äuge, er aber ging auch


