Freitag den 23. Januar
Nr. 12
1903
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(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Roman von B. M. Croker.
Autorisierte Uebersetzung ans dem Englischen von Alwin« Bischer.
(Fori'"""ng.)
Trckz hnüs Kapitel.
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Tie Sonntagabende waren gewöhnlich der Unterhaltung Wer die Ereignisse der vergangenen Woche gewidmet. Mit Plaudern, Halma spielen oder Rätsel aufgebnbeschäftigt, pflegten sich die meisten Bewohner d s Hotels, in Grupp.n geteilt, auf der Veranda zu versammeln.
Ein elegantes Cape auf dem Arm, stand Ladh Fanshawe nn Begleitung ihr.s Verehrers, des neuen Ankömmlings, auf der ins Freie führenden Treppe und ließ ihren Blick suchend über die Gesellschaft gleiten. Bald entdeckte sie auch ihren Gatten in einem Kreis von Bekannten, die voll atemloser Spannung der Erzählung einer Geistergcschichte lauschten. Er saß neben Mcs. Tuckitt, und sein Gesicht drückte vollkommenes Behagen aus. Plötzlich sah er aus, seine Augen begegneten denen Nitas und da er sah, daß sie im Begriff war, die Veranda zu verlassen, wahrscheinlich, um Lovell die Umgebung d s Hotels zu zeigen, nickte er ihr freundlich lächelnd zu. Lady Fanhawe aber wandte sich erregt von ihm ab. Ihr Gesicht war blaß, ai s ihren Augen blitzte ein eigentümlich s Feuer, und ihre hübschen Lippen waren fest zufammengepreßt, a s sie, Mr. Lovell die warme Hülle einhändigte und ihm ein Zeichen machte, sie über ihre Schultern zu legen, ein Amt, d. s er mit einer Miene zärtlicher Fürsorge und dr Geschicklichkeit,ein s in solchen Tiensten geübten Mann s ausführte. Hierauf stiegen sie die Stufen vollends hinab und schlenderten der Brücke zu, wo sie, über die Brustwehr gebeugt, w hl zwei Stunden in vertraulichem Geplauder verbrachten. Nur zwei Personen hatten des Verschwinden des Paares bemerkt: Mr. Foulcher und Miß T'Arcy, die anderen Bekannten waren zu sehr in die von einer hübschen, schwarzäugigen Tame mit großer Lebendigkeit borgetragene Spukgeschichte vertieft, die sich in dieser von Geistern ganz besonders heim- gesuchten Gegend zugetragen haben sollte.
„Glauben Sie wirklich an Geister?" rief Mrs. Tuckitt mit spöttischem Lächeln.
„Sie mögen nun spotten, soviel Sie wollen", fiel ihr Mr. Foulcher ins Wort, „bei den grünen Felsen ist cs jedenfalls nicht ganz geheuer. Und wenn ich auch damit nicht die Erscheinung irgend eims Totengerippes meine, so möchte ich mich doch nicht dafür verbürgen, daß dort nicht plötzlich ein böser Geist auftaucht und Sie umbringt oder doch wenigstens durchprügelt."
„Ach was, Unsinn!" widersprach ihm Maureen. „Können Sie mir auch nur einen Menschen nennen, der eine derartige Erfahrung gemacht hätte?" r ,
„Tote erzähl.« keine G. schichten", war ferne bedeutungsvolle Antwort. .
„Oder vielmehr, sie lügen nicht, meinen Sie wohl? Ich glaube nicht an Geister, obwohl ich zugebe, daß ich mir recht gern Schauergeschichten erzählen lasse", fügte sie, zu der etwas zigeunerhaft aussehenden Tame gewandt, freundlich hinzu.
„Nun, wollen Sie Ihren Ausspruch durch die Tat beweisen?" fragte Mr. Foulcher, sich mit herausfordernder Miene in seinem Stuhl aufrichtend.
„Natürlich, wenn es möglich ist. Wo haust Ihr Geists
„Sie kennen doch den Hügel mit den grünen Felsen? Ich ließ mein Operngl s dort liegen, und lvenn Sie mir dieses vor halb zwölf ihr hier einhändigen, so gebe ich Ihnen fünf Pfund für Ähre Armen hier."
„Gut, ich nehme Ihre Herausforderung an, um zehn Uhr werde ich hier Weggehen, ds gibt einen herrlichen ^pCL§tBTQClTl9.//
„Und ich begleite Sie", rief Mrs. Tuckitt. „Sie werden nickcks dagegen einzuwenden haben, Mr. Foulcher, denn selbst vor 'zwei Frauen weicht der Geist nicht zurück, und ich tue es für den halben Preis oder auch umsonst, denn solch Keine Abenteuer machen mir den größten Spaß."
Unter allgemeinem Gelächter und vielen Ermahnungen machten sich die zwei Tomen um zehn Uhr auf den Weg. Tie grünen Felsen mochten etwa eine Meile entfernt sein, und um dahin zu gelangen, mußten die beiden die Brücke überschreiten, wo sich Nita und ihr Begleiter noch immer in eifrigstem Gespräch befanden, und zwar waren diese so gänzlich davon hingenommen, daß sie die Vorübergehenden nicht einmal bemerkten. „T..s ist wohl ein guter Bekannter Ihrer Schwester?" fragte M.s. Tuckitt.
„Ja."
„Ein sehr guter Bekannter?" fuhr sie in schärferem Tone fort.
„Nein, nicht gerade."
„Er kannte nämlich eine Kusine von mir, auch eine sehr hübsche, junge Frau, und die Art, wie er mit ihr verkehrte, war nicht gerade nach meinem Geschmack. Allein bei Ihrer Schwester ist ja keine G fahr, sie. scheint nur tieferer Regungen überhaupt nicht säh.g zu sein."
„Außer der Eifersucht", sagte Maureen zu sich selbst.
Lebhast plaudernd hatten sie die grünen Felsen erreicht.
„Welch eine entzückende Aussicht! Ein Plätzchen wie geschaffen für ein LiebcsUärchen!" rief Mrs. Tuckitt, indem sie von der gresbewachsenen, durch hohe bemooste Felsstücke umrahmten Keinen Hochebene aus llmschau hielt.
„Und hier liegt ja auch Mr. Fvulchers Opernglas", verkündete Maureen. „Tie fünf Pfimd waren leicht verdient."


