Nr. LS
Montag den 23. Februar.
1903
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HVWM TTIj MU
(Nachdruck verboten.)
Ein Einbrecher aus Passion.
Won E. W. Hornung.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen voll F. Mangold.
(Fortsetzung.)
Dabei ließen wir es auch, als ivir uns in Piccadilly mit einem Händedruck trennten. Raffles forderte mich an diesem Abend nicht auf, ihn in seine Wohnung zu begleiten. Es sei seine Regel, sagte er, sich ordentlich auszuschlafen, wenn er am nächsten Tage Crickett oder — ein anderes Spiel vorhabe, und in seinen letzten Morten kam derselbe Grundsätze zum Ausdruck.
„Vergiß nicht, Bunny, nur ein Glas heute abend, höchstens zwei, wenn Dir Dein Leben etwas wert ist — und das meine."
Meines unterwürfigen Gehorsams inib der schlaflosen Nacht, die er zur Folge hatte und die kein Ende nehmen wollte, bis sich! zuletzt die Dächer der gegenüberliegenden Häuser am blaugrauen Londoner Worgenhimmel abzeichneten, entsinne ich mich bis auf den heutigen Tag. Ter Gedanke, ob ich wohl noch einen anderen Morgen erleben werde, quälte micch und ich machte mir die schwer- fieit Vorwürfe wegen der kleinen Unternehmung, zu der ich mich von meinem Eigensinne hatte verleiten lassen.
Zwischen acht und neun Uhr abends bezogen wir unfern Posten in denk Garten, der an den Ruben "Rosent- halls grenzte. Das zu diesem gehörige Haus war geschlossen, denn der Wüstling hatte durch seine lärmenden Orgien die Nachbarn vertrieben und dadurch viel dazu beigetragen, sich in unsere Hände zu liefern. Bor jeder Ueberraschung von dieser Seite sicher, waren Ivir imstande, unser Haus durch eine Mauer gedeckt, zu beobachten, die gerade hoch genug war, daß man hinüber sehen konnte, wobei uns ein ziemlich- breiter Streifen Gebüsch in jedem der beiden Gärten weitern Schutz gewährte. So verschanzt, hatten wir eine Stunde auf der Lauer gestanden, und ein paar erleuchtete Erkerfenster betrachtet, über deren Vorhänge beständig unbestimmte Schatten huschten, und das Ausziehen von Korken, das Klingen von Gläsern und ein allmählig lauter werdendes Gewirr rauher Stimmen gehört. Unser Glück schien uns verlassen zu haben: der Besitzer der roten Diamanten speiste zu Hause und dehnte sein Mahl ganz ungebührlich lange aus. Ich meinte, er habe Gäste zum Diner, Raffles war anderer Ansicht und hatte recht, wie sich bald herausstellte. Jetzt knirschten Räder im Kies des Fahrwegs, und ein zweispänniger Wagen fuhr an der Treppe vor. Gleich darauf verließen die Leute das Speisezimmer, ihre lauten Stimmen verhallten, ertönten aber sehr bald vom Hausflur her.
Ehe ich fortfahre, ist es notwendig, unsere Stellung
vollkommen klar zu machen. Wir standen hinter der Mauer an der Seite des Hauses und nur wenige Fuß von den Fenstern des Speisezimmers entfernt. Rechts von uns sprang eine Ecke des Hauses diagonal in den Hintern Rasenplatz vor, links konnten wir an der andern Ecke vorbei eben itod)! die untersten Stufen der Freitreppe und den wartenden Wagen erkennen. Wir sahen Rosenthal! heraustreten — wir sahen vor allem andern das Funkeln seiner Diamanten. Dann kam der Preisboxer, hierauf eine Dame mit Haaren, die einem Badeschwämme glichen, endlich noch eine, und damit war die Gesellschaft vollzählig beisammen.
Raffles bückte sich und zog auch mich in großer Aufregung nieder.
„Die Damen gehen mit ihnen!" flüsterte er. „DE ist herrlich!"
„Ties ist noch besser!"
„Tie Gardenia!" hatte der Millionär geschrien.
„Und das ist das beste von allem", sagte Raffles, indem er sich aufrichtete, als die Hufe und Räder im Kiese knirschten und der Wagen in scharfem Trabe durchs' Tor davon rasselte.
„Was nun?" flüsterte ich, vor Aufregung zitternd.
„Sie werden anfräumen. Ja, da kommen ihre Schatten. Die Fenster des Salons öffnen sich nach dem Rasenplatze. — Bunny, dies ist der psychologische Augenblick! Wo ist die Maske?"
Mit einer Hand, deren Zittern ich nicht zu verbergen vermochte, zog ich sie hervor, und als er keine Bemerkung iiber das machte, was ihm unmöglich entgehen! konnte, wäre ich für Raffles in den Tod gegangen. Seine eigenen Hände waren fest und kühl, als er mir zuerstz meine Maske und sich dann seine eigene Vorband.
„Bei Gott, alter Junge", flüsterte er lustig, „Du siehst aus, Ivie der größte Hallunke, der mir je zu Gesicht gekommen ist! Diese Masken allein bringen jeden Nigger (ms der Fassung, wenn wir einem begegnen sollten, aber ich bin froh, daß ich Dich daran erinnert habe. Dich nicht zu rasteren. Wenn das Schlimmste zum Schlimmsten kommt, kannst Du für einen Menschen aus Whitechapel gelten, und vergiß ja nicht, Dialekt zu sprechen. Falls Tu dessen nicht sicher bist, bleib eigensinnig wie ein Maultier stumm, und überlaß das Reden mir, aber wenn uns unsere Sterne gnädig sind, wird das alles nicht erforderlich sein. So, bist Tu bereit?"
„Vollständig."
„Hast Tu den Knebel?"
„Ja."
„Das Schießeisen?"
„Ja."
„Dann los dafür!"
In einem Augenblick waren wir über die Mauer, im nächsten auf dem Rasenplatz hinter dem Hause. Der Mond schien nicht, und selbst die Sterne hatten sich zu unfern


