Ausgabe 
21.11.1903
 
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Samstag den 21. Uoverrröer.

1903.

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ÄQ8

(Nachdruck verboten.)

Kin WödOenschicklak.

Frei nach dem Ercglischen von A. Wendt.

(Fortsetzung.)

Laß mich Tir alles erzählen; es ist für mich keine vorteilhafte Geschichte, aber Du mußt alles wissen, Du ollst das Schlechte von mir zuerst hören. Als Du mich ragtest, ob ich Deine Frau werden wollte, sagte ich a aus zwei Gründen. Er" hier versagte ihr die Stimme ans einige Sekundener wünschte es; ich hatte das Leben hier recht satt, ermattet von dem steten Kampf gegen die Armut, nahm ich Deinen Antrag willig an. Ich wußte, daß ich Dich nicht liebte, aber ich hatte Dich gern, lieber, viel lieber als jeden anderen Mann, Tu warst reich ich verlangte nach Reichtum.

Er erhob abwehrend die Aand, sie schien es nicht zu bemerken und fuhr mechanisch fort, nach jedem Wort fast eine Pause machend.

In Uateshall lernte ich einen andern jungen Mann kennen welcher reicher als Tu war sein eigener Herr und"

Und ziehst den Reicheren mir vor", rief er mit unendlicher Bitterkeit.

Denkst Du, erwürbe dies annehmen?" rief sie ebenso bitter.Er mochte mich gern für einige Augenblicke war ich so töricht, zu glauben, daß er mich liebte v gütiger Himmel, wie glücklich war ich da! Ich vergaß alles, als er mich in seinen Armen hielt. Ich vergaß mein Tir gegebenes Versprechen, vergaß Deine Güte, Dein Vertrauen, vergaß dann auch seinen Reichtum o Willy, vergib mir!"

Tu hast kein Erbarmen mit mir", sagte er heiser, ohne sie anzusehen.Fahre fort, damit ich weiß, was ich zu vergeben habe."

Mein Glück war sehr kurz, Willy, es dauerte nur wenige Stunden. Ich ließ einen an Dich adressierten Brief fallen, er fragte, wer und ivas Du mir wärest; ich ant­wortete ihm, Du wärest ein Freund von Robert und Mir. "

Er glaubte Dir?" fragte er verächtlich.

Ja, aber meine Lüge war ohne Nutzen. Am nächsten Abend, die Nacht bevor ich Deine Depesche erhielt, waren wir auf einen Ball und Deine Schwester Julia war auch dort. Ich wußte nicht, daß sie in der Nachbarschaft war, hätte ich ein Zusammentreffen ahnen können, ich hätte es vermieden. Aber", fuhr sie leiser fort, sein zorniges Lachen nicht beachtend,sie trafen sich, Julia sagte ihm, daß idj verlobt wäre.--Als er mich darum

befragte, wußte rch, daß eine zweite Lüge ganz unnütz wäre." Ihre Stimme versagte vollständig, die Erinner­ung an die Szene auf der mondbeleuchteten Terrasse in

Brightfield war ihr fürchterlich; ihr Gesicht verzog sich wie im Krampf, ihre Augen schlossen sich, und ihr Kopf sank auf die Brust. Willy hatte sein Gesicht mit beiden Händen bedeckt und lehnte regungslos gegen den Kamin­sims. Dies Schweigen wurde Jane unerträglich, sie fühlte sich so beschämt und erniedrigt, ihre Sinne schienen sie verlassen zn wollen; es verlangte sie danach, Willys Augen zu sehen, seine Stimme zu hören, und doch fürchtete sie sich davor.Willy", flüsterte sie endlich,o Willy, sprich mit mir, sage ein Wort! Willst Du nicht versuchen, mir zu verzeihen?"

Er ließ die Hände finken und wandte ihr sein gutes, aber alltägliches Gesicht zu, auf welchem der tiefe Schmerz deutlich ausgeprägt war.Ich brauche das nicht erst zu versuchen, Jane; wenn ich Dir etwas zu vergebens habe, ist es geschehen. Mcht Du ich verdiene Tadel, ich mußte klarer sehen, Du warst so jung, unerfahren, h Werde glücklich mein Liebling, mit dem Manne, welches Du liebst!" Wehmütig lächelnd streckte er seine Hand hin.

Ein schrilles Lachen ertönte von Jane's Lippen.Mit dem Manne, welchen ich liebe!" entgegnete sie heftig,mit dem Manne, dessen einziger Wunsch es ist, mich nie wieder zu sehen, welcher mir kein Wort der Verzeihung schenken wollte, welcher, toenn ich sterbend zu seinen Füßen läge, sich nicht zu mir beugen würde, um mir die letzten Mi­nuten zu erleichtern! O, Willy, Du hast mir soeben gar zu deutlich gezeigt, daß er mich nie geliebt! Du hast mir verziehen. Du, den ich so tief kränkte! Was ist dagegen mein Unrecht gegen ihn! Willy, wenn Du es willst, so bin ich bereit, mein Versprechen, das ich Dir gab, zu erfüllen."

Cie sprach in vollem Ernst, meinte es in Wahrheit jo und erwartete zitternd seine Antwort. Sie wußte kaum, was sie sprach, wie schrecklich es wäre, wenn Willy sie beim Wort nähme! Einen Mann heiraten, wenn alle Liebe, alles Sehnen und Hoffen einem andern gehört! Es wäre tausendmal leichter, zu sterben aber sie wollte es tun.

Wenn Tu mich haben willst, Willy, will ich Dir eine gute Frau fein. Versuche, zu glauben, daß ich jemand geliebt habe, der nun gestorben ist denn in der Tat, er ist tot für mich."

Tas war für den armen Willy ein harter Kampf, eine schwere Versuchung; denn er liebte sie tief und innig; sie stand allein in der Welt, ohne jeden Schutz, und bedurfte so sehr der Sorgfalt und Treue eines liebenden Gatten. Aber wie die Verhältnisse jetzt lagen, konnte er ihr nicht helfen; wenn er sie heiratete, war sie freilich gegen Armut geschützt, aber damit nahm er ihr jede Hoffnung, jede Aussicht auf Lebensglück.

,Tenkst, Du, Jane, ich kann dies Opfer annehmen? Nein, o nein, icfy liebe Dich viel zu sehr, um Dein Glück zu begraben, um Dir die Hoffnung auf eine glückliche Zu­kunft zu rauben ! Laß mich Dein Bruder sein, arme Kleine,,