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nachgewiesen hatte, daß er der alleinige Errege« der Lungenschwindsucht sei, hat die Forschung nicht geruht, die Schlupfwinkel und Wege dieses Parasiten bis zu seinem Eindringen in den menschlichen Organismus aufzudecken. Und das geschah nach zwei Richtungen hin, einmal, indem man die schon seit langem bekannte Rindertuberkulose, die Perlsucht, in ihren Beziehungen zur Meuschen- tuberkulose einem eingehenden Studium unterzog und weiterhin, indem man die biologischen Prozesse, unter denen der Tuberkelbazillus sich vermehrte, fortpflanzte und schließlich sein Zerstörungswerk im Körper des Menschen begann, zu erkennen suchte. Der erste Weg führte bekanntlich zu der Erkenntnis, daß durch gewisse Nahrungsmittel, vor allem durcy die Milch, in zweiter Reihe durch Butter, Fleisch usw., die von perlsüchtigen Tieren stammen, Tuberkiilose übertragen werden könne und weiterhin zu dem wissenschaftlichen Verbot des Genusses unabgekochter und dadurch eventuell keimhaltiger Milch. Da kam der Londoner Kongreß vom Jahre 1901 und mit ihm die Aufsehen erregenden Mitteilungen Kochs, daß eine Art- Verschiedenheit zwischen den vom Menschen und den vom Rinde herstammenven Tuberkelbazillen bestände, und daß die Rindertuberkelbazillen für den Menschen unschädlich seien. Diese Behauptungen wären geeignet gewesen, alle unsere bisherigen Auffassungen vom Wesen und der Verbreitung der Tuberkulose über den Haufen zu werfen, wenn sie volle Beweiskraft gehabt hätten. Allein, hatten sich schon sofort nach den Kochschen Mitteilungen gewichtige Stimmen erhoben, die die Schlüsse des berühmten Forschers anzweifelten, und waren ttt der Folge der Zeit durch eingehende Nachprüfungen diese ersten Einwände wissenschaftlich erhärtet worden, so gebührt Behring das Verdienst, durch seine neuesten Untersuchungen wohl end- giltig die Kochschen Thesen widerlegt zu haben. Er stellte sich nun die Aufgabe, vor allem ein Serum zu finden, das das Vieh gegen Tuberkulose immun macht, und fand dies auf der Grundlage des von Koch seinerzeit angegebenen Tuberkulins. Während aber dies letztere ein Präparat darstellt, das keine lebensfähigen Bazillen mehr enthält, sondern nur ein im Wasser lösliches Tuberkulose gift ist, das aus den Bazillenleibern in die Kulturflüssigkeit übergeht, ist der Behrinasche Impfstoff mit lebenden Tuberkelbazillen, wenn auch in äußerst geringer Menge, imprägniert und verdankt nacb seinen Untersuchungen diesem Umstande allein seine antituberkulöse Wirkung. Behring ist mit diesem Gedankengang und seiner praktischen Verwirklichung dem alten Jennerschen Grundsatz der Pockenschutzimpfung wieder nahe getreten. Man hat in früheren Zeiten, vor der Entdeckung Jenners, bei Menschen eine Schutzimpfung gegen Pocken gelegentlich ausgeübt, indem man Gesunde mit Ansteckungsstoss impfte, den man pockenkranken Menschen entnahm. Das Verfahren war nicht ungefährlich, es setzte Gesundheit und Leben des Geimpften aufs Spiel. Das Pockengift wird aber abgeschwächt, wenn es den Körper eines Rindes passiert hat, meit seiner Hilfe kann man alsdann, lote Jenner es tat, ohne nennenswerte Gefahr für das schützende Individuum den Pockenschutz Herstellen. Ebenso kann man Rinder nut Tuberkelbazillen verschiedener Herkunft gegen Tuberkulose immun machen, und dies ist Behring nach jahrelangen Versuchen endgiltig gelungen. Die Verwertung dieser Methode in der landwirtschaftlichen Praxis schreitet in stetig zunehmendem Umfange fort. Wenn man bedenkt, daß nach den in den verschiedensten ■ Ländern angestellten genauen Prüfungen und statistischen Erhebungen in Stallungen mit mehr als 50 Rindern durchschnittlich 60 Prozent tuberkulös sind, so ist damit die ungeheure Bedeutung einer rationellen und zuverlässigen Jmmunisierungsmethode gekennzeichnet. Aber die Rindertuberkulosebekämpfung ist ja nur eine Etappe auf dem Wege gegen die Menschentuberkulose, und dieses Ziel schwebte Behring von Anbeginn feiner Tätigkeit an als erhabenstes vor! Und auch hier sind wir durch ihn um ein gut Stück vorwärts gedrungen und scheinen dem Augenblicke nicht mehr allzu fern zu sein, wo wir Waffen zum Schutz und Trutz gegen diese verderblichste alle« Seuchen erhalten. (Köln. Ztg.)
Vermischte».
* Wie ein Philosoph vor Gericht aussagt. Aus Wien berichtet das dortige „Extrablatt": Der Einspännerkutscher Tröstler war vor dem Bezirksgerichte Josef- stadt wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit angeklagt, weil er in der Währingerstraße an eine „Elektrische" angefahren war. Der damalige Fahrgast des Angeklagten, der Professor der praktischen Philosophie an der Wiener Universität, Hoftat Dr. Laurenz Müllner, wurde als Zeuge vernommen und erklärte: „Ich kann meine Aussage nur unter dem Vorbehalt der subjektiven Richtigkeit machen, da ich der Ansicht bin, daß niemand in der Lage ist, einen Vorgang, der sich unvermutet vor ihm abspielt, nach Ab- lauf einiger Zeit mit Sicherheit objektiv richtig darzustellen. Es tritt da eine Reihe psychischer Unterströmungen auf, die es bewirkt, daß nur innerliche Gedankenbilder, logische Schlüsse und subjektive Empfindungen mit dem wirklich Erlebten zu einem neuen Bilde vermengt werden, das dem Vorgänge objektiv keineswegs genau entspricht. Ich kann daher nur angeben, daß vor dem Pferde des Einspänners ein Radfahrer fuhr, daß der Einspänner diesem ausweichen wollte und dabei mit der entgegenkommenden Tramway kollidierte. Ich selbst habe die Kollision vorausgesehen und bereits versucht, die Stoßwirkung abzuschwächen und mein Verhalten so einzurichten, daß ich nicht verletzt werde. Ich hatte den Eindruck, daß der Kutscher rm Tn- lemma, einen Menschen zu überfahren oder an die Tramway zu streifen, von zwei liebeln das geringere gewählt habe." Der Richter sprach aus Grund dieser Aussage den frei.
*'®ie Eheschließungen als sozialer Gradmesser. Es ist bewiesen, daß, sobald die Eheschließungen abnehmen, dies ein Zeichen dafür ist, daß die wirtschaftliche Lage sich zu verschlechtern anfängt. In keinem Jahre in der letzten Zeit ist der Prozentsatz der Eheschließungen in Berlin so gering gewesen, wie im vergangenen. Bei einer Bevölkerung von 1903 808 Seelen fanden, tote die „Nation alztg." schreibt, nur 19138 Eheschließungen statt, das sind 20,11 pro Mille der unverheirateten Frauen über 15 Jahre. Im Jahre 1901 betrug der Prozentsatz noch 20,99 und im Jahre 1900 22,26. Seit 1891 wurde der höchste Prozentsatz im Jahre 1897 erreicht, nämlich 22,30 Es heirateten damals bei einer Bevölkerung von 1 733 525 Personen 19 580. Der Monat, in dem die meisten Ehen geschlossen werden, ist der Oktober. Es war ttt diesem Monat die Zahl der Heiratenden tnt Verhältnis zur Bevölkerung (1000,0) 3,700, es folgt der Monat April Mit 3,337. Im August scheint wenig Neigung zu Eheschließungen zu sein, es heirateten nur 0,910, es folgt der Januar mit 0,933. Bon den Heiratenden gab es doch immer noch Männer, die unter 20, und Frauen, die unter 15 Zähren waren. Tie Heiratsziffer liegt seit 1771 (in fünfzigjährigen Gruppen) vor: da können wir unsere Damenwelt beruhigen: die Heiratszisfer war auch vor hundert Jahren gering, oft noch viel geringer als 1771 betrug die Ziffer nur 12,73 (auf 1000 Einwohner), stieg dann aber nach den Freiheitskriegen von 1816—20 auf 24,12 und erreichte den Höhepunkt nach dem Kriege von.1871. In den Gründer- jähren 1871—75 betrug die Heiratsziffer 27,02. Es hatte ja jeder damals Geld, um sich einen eigenen Hausstand zu gfründen.
Zahlenrätsel.
(Nachdruck verboten.) 1232445675 Teil des Heeres. 2 6 7 5 Musikstück.
3 2 4 5 6 7 5 Vorname.
2 4 4 5 6 Deutscher Fluß.
4 2 3 2 vulkanisches Produkt.
4 5 7 5 6 Musikinstrument.
5 6 4 5 Baum.
6 7 3 7 5 6 2 vielbesuchte Gegend.
7 4 12 ungarischer Vorname.
5 3 2 altbiblischer Name.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.r Beil, Ems, List, Wien, Pike Eile mit Weile.
Redaktion: Auaust Göd. — Rotationsdruck und Lerlag der Brübl'schen UniversttätS-Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Gteßen.


