Ausgabe 
21.10.1903
 
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Gefallen und gerade das hygienische Institut von Behring hat sich hier eingenistet und Altes zu Fall gebracht. In neuen, von Licht und Lust durchfluteten Räumen tritt

ver-

die in

Hier stoßen wir auch! au1 Gebäude für Hygiene,

MS Härnor, nach! langen Vorfluoien, zu einem endgil- tigen Entschluß in betreff seines Werkes gelangt war, be­trieb er die Arbeit auf dem schwimmenden Atelier mit Feuereifer. Die Mädchen fanden ihn umgänglich und mit­teilsam, und in Raumes hochstrebendem Herzen schien der Geist der alten bretonischen Barden wieder zu erwachen: Wäre ich am Kap Raz daheim wollt' ich führen etn Boot mit Seelen Seelen Seelen", fang er feierlich.

Das wäre kein schweres Geschäft, Nannte; Seelen smd wohl eine leichte Frucht."

O nein, Monsieur, das sind ste nicht!" rtef Guenn ctftin

Nun, ich weiß über sie freilich; nicht sonderlich Be­scheid", versetzte er lächelnd.

(Fortsetzung folgt.)

erreicht durch die Verbindung zweier Methoden, der Kälte­einwirkung und des luftleeren Raumes, und ihm dienen alle die zahlreichen Apparate und Einrichtungen, die wir hier vertreten finden. Da nimmt uns zuerst eine große Maschinenhalle auf, deren Gasmotoren und Dynamos all die Kräfte erzeugen, die für die vielverschlungenen Prozesse der Bazillenbearbeitung von nölen sind. Hier ist eine Vacnumpumpe in Bewegung, mit deren Hilfe die Kulturen eingetrocknet werden, dort sieht man Schüttelapparate zur Bereitung von Emulsionen, dort wieder andere zur Her­stellung von Preßsaft aus Bazillenmassen, ja man mahlt sogar die schon so überaus feinen Bazillen, um die Gifte tm Innern ihres Leibes kennen zu lernen. Die scharf ge­trockneten Tuberkelbazillen können durch etwa acht Tage lang fortgesetztes Mahlen in schnell rotierenden Kugel­mühlen derartig zerkleinert werden, daß man mikroskopisch nur noch sehr vereinzelte unversehrte Bazillen nachzu- weisen vermag. Auch eine Eismaschine ist in dem Labora­torium vorhanden, die zeitweise dazu gedient hat, durch öfteres Gefrieren- und wieder Auftauenlassen von Tuberkel­bazillen deren Hüllen zu sprengen und auf diese Weise den Inhalt der Bazillen der Untersuchung zugänglich zu machen. Ersetzt soll diese letztere Methode durch einen eben im Entstehen begriffenen Kühlraum werden, dessen Anlage eine stets gleiche Temperatur von Minus 10 Grad gewährleisten soll. Daneben schwirren Zentrifugen, in denen der flüssige Inhalt der Bouillonkulturen von den festen Teilen abgesondert wird, kurzum ein vielgestaltiges Bild technischer Arbeitsleistung, wie es auf bakteriologi­schem Gebiete wohl einzig bisher dasteht. Welch ein Gegen­satz zwischen dem Material und den hier weilenden Kräften: Völlig unsichtbare Zellenleiber, in dem groß­artigen Ausbau der Natur die kleinsten Lebewesen, die nur tausendfache Vergrößerungen dem menschlichen Auge widerspiegeln können, werden in solchen ungeheuren Mengen an dieser Stätte aufgehäuft, daß sie Maschinen von großer Ausdehnung zu füllen vermögen, und daß man mit ihnen operieren kann, wie mit Substanzen von normaler, faß- und sichtbarer Beschaffenheit. Sind doch im Behringschen Institut allein zu Bouillonkulturen mehr als 200 000 Liter verarbeitet worden und von Stufe zu Stufe hat sich ihre Wesenheit und Form geändert, bis aus dem verderben­bringenden Stäbchen, dem Bazillus, eine schier tote Masse, ein Mehlstäubchen, geworden ist. Fürwahr, schon der technische Verwandlungsprozeß, den diese Zellenleiber durchlaufen, bis sie an die letzte Stufe ihres Seins angelangt iinh ift Pin Meisterwerk fdiarffinniaer Ueberlegnng. Er

sind, ist ein Meisterwerk scharfsinniger Ueberlegnng. beginnt mit der Züchtung von Bakterien auf den schiedensten Nährböden, auf erstarrtem Blutserum, auf Kar­toffeln, auf Glyzerin-Fleischextrakt-Bouillon, und vielen andern mehr, und eine eigene Küche beansprucht allein die Herstellung dieser Nährböden. Die mit Kulturen ver­sehenen und mit sterilisierten Wattepfröpfchen reinlichst verschlossenen Glaskölbchen kommen sodann in einen be­sonderen Brutraum und werden, nachdem sie sich hier zur vollen Reife entwickelt, je nacki dem zu erstrebenden End­ergebnis einer der oben genannten Verarbeitungsmethoden unterworfen. Das Schloßlaboratorium, dessen Altane und Fenster überall die lieblichsten Ausblicke auf die Hänge des Vogelsberges, auf das grünende Lahntal und auf

der Ferne her vor tauch end en Bergesrücken des Tau­nus öffnen, gehört entschieden zu dem interessantesten, was moderne Wissenschast in Vereinigung mit vollkommen­ster Technik hervorgebrawt hat, und drückt in seiner Ge- famtanlage wie in jeder einzelnen Anordnung das ziel­bewußte Walten eines erfinderischen Geistes ans. Um das Laboratorium herum ziehen sich Tierställe mit eiugefriede- ten Weideplätzen. Dort tummeln sich Pferde, Rinder, Ziegen, an denen die hauptsächlichsten Versuche angestellt werden und neben ihnen sind Meerschweinchen, Mau,e, Kaninchen und anderes kleines Getiersel in Scharen unter» gebracht. Diese letzteren dienen nur Vorversuchen, die Hauptarbeiten erstrecken sich auf das Großvieh. Bei ihm hat ja auch Behring vorderhand seine glänzendsten Tri­umphe gefeiert, indem es ihm bekanntlich gelungen ist, Rinder gegen Tuberkulose immun zu machen, eine Frage, die nicht nur in landwirtschaftlicher Hinsicht von höchster Wichtigkeit ist, sondern die aud) im Hinblick auf den Milch­verzehr des Menschen von einschneidendster Bedeutung ist.

Seitdem im Jahre 1882 Robert Koch den Tuberkel­bazillus nach langen Versuchen und Mühen entdeckt und

In neuen,.,-------

in Marburg der Student der Medizin seinen Lehrgang an und in technisch-glänzender Vervollkommnung repräsentiert sich bei flüchtigem Durchschreiten Institut aus Institut. Hier stoßen wir auch auf das der Universität angeschlosfene Gebäude für Hygiene, das die erste Wirkungsstätte Beh­rings bei seiner Berufung nach Marburg bildete, heute jedoch fast ausschließlich Unterrichtszwecken dient und in Prof. Bornhosf einen Setter und Lehrer erhalten hat. Nur einige Ställe für Versuchstiere und ein sich daran schlie­ßender Raum für Tierversuche deuten auf die großen Probleme hin, die der Forscher Behring sich gestellt, alles übrige aber gehört dem Unterricht und ift- völlig getrennt von den Arbeitsstätten und dem Wirken des letzteren. Das Institut für experimentelle Therapie, wie Behring sein Arbeitsfeld nennt, beherrscht schon äußer- -lich Stadt und Universität. Auf dem Berggelände am Dam- Mels- und Schloßberg in unmittelbarer Nähe des Schlosses e liegen Laboratorien und Versuchsräume, Ställe und eplätze, liegt das ganze, nahezu 20 Hektar umfassende Gelänoe, das mit tatkräftigster Unterstützung der Höchster Farbwerke Behring seit dem Jähre 1896 zur Verfügung steht. Der experimentelle Forscher der Neuzeit begnügt sich nicht mehr mit Wagen und Retorten, mit Mikroskop und Kamera: Das Getriebe einer ganzen Fabrik ist not­wendig, um den wesentlichen Grundsatz der Behringschen Arbeitsleistung zur Durchführung zu bringen, nämlich große Volumina von Bakterienkulturen in außevordentlich Heine umzuwandeln, um auf diese Weise einmal die wichtigsten und für Jmmnnisiernngszwecke allein in Be­tracht kommenden Substanzen zu ifolieren und um weiterhin den so gewonnenen Impfstoff in denkbar einfachster und haltbarster Form verschicken zu können. Dieser Zweck wird

Jas Ueyriug'sche Institut in Warburg.

Ten Höhepunkt des Naturforschertages bildete Behrings Vortrag über Tuberkulosebekämpfung. Tie neuen Wege, die Behring der Forschung weist und die vor allem eine ent)gütige Absage an Robert Kochs These bedeuten, daß die vom Rinde herrührenden Tuberkelbazillen nichts zu tun hätten mit den Tuberkelbazillen, die von menschlicher Lungenschwindsucht herrühren, sie an Ort und Stelle ihres Entstehens und ihrer wissenschaftlichen Begründung zu studieren. Bot einen eigenen Reiz für alle, die den an den Naturforschertag sich anschließenden Besuch Marburgs und seiner Institute mitmachten. Die kleine Universitäts­stadt an der Lahn hat ihr Aussehen in den letzten Jahr­zehnten wesentlich verändert; zwar gruppieren sich noch Häuser und Straßen der Altstadt um die hochragenden Türme der Elisabethkirche, zwar thront noch hoch droben auf dem Schloßberg die alte Burg der thüringischen Land­grafen und gewährt von ihrem Söller eine entzückende Rundsicht Über das Lahn- und Marbachtal, allein der Romantik Zauber, der noch bis vor kurzer Zeit ungeschmä­lert ausgebreitet lag, ist verflochten mit modernen Schöpf­ungen, Neues ist erstanden allenthalben, im Tal wie auf den Bergeskuppen und drückt dem zeitgenössischen Marburg den Stempel kulturellen Fortschreitens auf. Da begrüßt den Eintretenden ein ganzer, wie aus der Erde gestampfter Stadtteil von wissenschaftlichen Instituten, die Mauer an Mauer gefügt alle Disziplinen der Naturwissenschaften umfassen. Da ist selbst die Umgebung des ehrwürdigen Deutschordensgebäudes dem Zahn der Zeit zum Opfer