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Auflösung des Tauschrätsels in vor, Nr,r Laute, Laube, Lauge, Laune.
S-edaktwn: Curt Mato, — Rotationsdruck und Bertas der BriihI'jckM UniversitätS-Buch- und Cteindruckerei (Pietsch Erbm) in Gieße«,
vollkommen. Ja, eS war meine schöne Reisegefährtin, die man verhaftet hatte. v
„3a, ich erinnere mich jetzt", entgegnete ich.
„Monsieur erinnern sich auch zweifellos, daß ich in Wilna — angehalten — wie nennen Sie es doch? — verhaftet wurde?" fuhr sie fort.
„Za, ich erinnere mich auch dessen."
„Und Monsieur erinnert sich vielleicht, daß er einschlief, und daß ich seinen Hut in der Hand hielt, als er erwachte?"
„Za, ich erinnere mich. Was hat das mit Ihrem Besuch zn tun?" fragte ich ziemlich ungeduldig, denn ihre Ge-i schwätzigkeit begann mir lästig zu werden.
„Alles", erwiderte sie. „Jener Vorfall mit dem Hut ist die Ursache gewesen, welche all dies Unglück über Monsieur gebracht hat."
„Ich verstehe Sie nicht, Mademoiselle", sagte ich.
„Doch wenn Monsieur Geduld haben und meine Erklärung anhören will, so wird er alles verstehen."
Ich nickte zustimmend, da ich nicht recht wußte, was ich sagen sollte.
„Monsieur denkt ohne Zweifel, daß ich eine Nihilistin bin. Es ist wahr, daß ich ein Mitglied der Verbindung war. Doch ich war es nicht aus freiem Antriebe. Mein Vater zivang mich dazu, als ich noch zu jung war, um zu verstehen, was es bedeutete. Ich war sein Werkzeug, sein blindes, williges Wertzeug zuerst, aber dann — o großer Gott! Wie habe ich gelitten!"
Ich war gerührt. Das Gefühl der Abneigung, welches ich zuerst empfunden hatte, schwand.
„Doch ich bin nicht gekommen, um von mir zu sprechen, sondern von Monsieurs Bruder", fuhr sie nach kurzer Pause fort, ihre Bewegung bezwingend.
„Mein Bruder?" rief ich aus. „Sie wissen etwas von ihm? Großer Gott! Sie wollen doch nicht sagen, daß er Ihrer teuflischen Gesellschaft in die Hände gefallen ist?"
„Ja und nein. Ja auf Ihre erste Frage, nein auf Ihre zweite."
„Damr um Himmels willen erzählen Sie mir, was Sie wissen."
„Monsieurs Bruder befindet sich im St. Peter und Paul- Gefängnis in Petersburg."
Ich starrte meine Besucherin in sprachlosem Staunen an.
„Mein Bruder in einem russischen Gefängnis ?" fragte ich atemlos. „Sicherlich, Mademoiselle, Sie —"
»Ach, nein. Ich irre mich nicht. Hören Sie, dann können Sie selbst urteilen, ob ich mich irre oder nicht. Meine Verhaftung in Vilna, welcher Sie selbst beiwohnten, erfolgte, da ich im Verdacht stand, die Trägerin wichtiger Geheimnisse an die Genossen in Berlin zu sein. In der Tat befanden sich die Papiere in meinem Besitz, als ich Petersburg verließe doch ich hatte eine Art Vorgefühl, daß ich beobachtet würde. Die Folgen fürchtend, steckte ich die Papiere zwischen das seidene Futter Ihres Hutes, während Sie schlummerten. Das erklärt es, daß Sie Ihren Hut in meiner Hand sahen."
„Ja, ja. Bitte, fahren Sie fort."
„Nun, wie Monsieur weiß, wurde ich in Vilna verhaftet und visitiert, und da man nichts bei mir fand, so wurde ich bald wieder freigelassen. Bei meiner Ankunft in Berlin teilte ich den dortigen Genossen mit, was ich in Vilna getan hätte. Da ich Ihren Namen und Ihre Adresse wußte, so schien uns die Wiedererlangung der Papiere eine leichte Sache, doch hierin irrten wir uns. Es'wurde eine Nachricht an die Freunde in London gesandt, und ein Mitglied unserer Gesellschaft, als Geistlicher verkleidet, stattete Ihnen einen Besuch ab. Während er int Vorzimmer wartete, untersuchte er die Innenseite eines Hutes, der, wie er annahm, Ihnen gehörte. Zu seinem Verdruß fand er dre Papiere nicht in demselben."
„Bitte, fahren Sie fort", sagte ich, begierig, den Rest KU erfahren.
„Zuerst fürchtete matt, daß Sie die Papiere heraus- genommen und der Polizei ausgeliefert hätten", fuhr sie L?r^--V'®Q^er Würben Sie sorgfältig beobachtet und alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Doch es wurde ein zweiter Versuch gemacht, vorübergehend in den Besitz Ihres Hutes Knielangen, denn da der vermeintliche Pfarrer bei Ihnen
überrascht worden war, so glaubten wir, er hätte die Pa- vrere vielleicht übersehen. Diesmal wurde bemerkt, daß dre Jmtralen A. M. T. int Innern des Hutes nicht identisch mit den Jhrrgen seien. Das half uns, das Rätsel zu lösen. Wrr kamen auf den Gedanken, daß eine Verwechsel- ung der Hüte stattgefunden haben müsse. Irgend jemand — zweifellos A. M. T. — hatte Ihren Hut aus Versehen statt des semigen aufgesetzt. Es war nun unsere Sache, herauszufinden, wer A. M. T. sei. Wir erfuhren es bald — es ist nicht nötig zu sage«, auf welche Weise — es war? Ihr Bruder. Der dritte Versuch, die Papiere zu erlangen, war erfolgreich."
„Sie sprechen von dem Vorfall in Regents Park?"
„Ja. Nun, etwa einen Monat darauf hörten wir von dem Verschwinden Ihres Herrn Bruders. Jlenski, der Gefährte des Mannes, welcher Ihrem Herrn Bruder den Hut vom Kopfe schlug, verschwand an demselben Tage. Obgleich uns das Zusammentreffen auffällig war, dachten wir <d'och nicht, daß irgend ein wirklicher Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen bestände."
„Und bestand ein solcher?"
»Ja. Jlenski, welchem es kürzlich gelang, zu entfliehen, hat uns soeben die Nachricht überbracht, daß Ihr Bruder an demselben Tage wie er selbst von russischen Spionen entführt wurde."
„Entführt! In London! Unmöglich!" rief ich. „In Rußland mögen solche Dinge vorkommen. Aber hier in England, im 20. Jahrhundert, ist so etwas unmöglich. Niemand tragt —",
„Monsieur kennt die russischen Spione nicht. Sie wagen alles."
„Aber mein Bruder hatte kein Verbrechen begangen — nichts, was sie —"
„Ich habe gehört, daß Monsieur Tollemache in Moskau sich einer Debatten-Gesellschaft anschloß, um sein Russisch zu vervollkommnen", wandte meine Besucherin ein. „Auch sprach er offen seine Sympathie für eine überwachte demokratische Bereinigung aus. Außerdem schien es, als o6i er in freundlichen Beziehungen zu Jlenski stände, das ist vollkommen genug."
„Ich hörte nteittett Bruder niemals jenen Namen nennen."
„Das kann wohl fein. Jlenski traf zufällig zweimal mit Ihrem Herrn Bruder nach jener Hutaffäre zusammen. Das zweite Mal fand die Begegnung in einem der Londoner Parks statt. Der Ort war ziemlich einsam. Dort wurden sie entführt. Die Spione hatten einen Wagen bereit gehalten. Man verlor keine Zeit, sondern brachte Monsieur! Tollemache und Jlenski an Bord eines russischen Schiffes,, welches auf der Themse lag. Ach, es war nicht nötig- daß Jlenski uns erzählte, wie das alles angefangen wurde. Mir kennen ihre Methoden!"
„Großer Gott! Kann das wahr sein?" rief ich, mehr für mich selbst, als zu meiner Besucherin gewendet.
„Es tut mir leid, bah Monsieur an meinen Worten zweifelt, doch es überrascht mich nicht. Doch Sie können ja die Wahrheit meiner Worte feststellen. Sie können durch den britischen Gesandten erfahren, ob Monsieur Albert in dem Gefängnis zu St. Petersburg ist, oder nicht."
Ich beschloß, den Rat des Mädchens zu befolgen. Ich tat sofort die nötigen Schritte, und nach einer beträchtlichen, durch den Bureaukratismus verursachten Verzögerung erfuhr ich, daß mein Briider Mert wirklich in dem berühmten Petersburger Gefängnis festgehalten wurde.
Seine Befreiung zu bewirken, war nun meine höchste Aufgabe. Zum Glück gehörte Lady Agard, die Tochter des Ministers des Auswärtigen Amtes, zu meinen Patienten. Ich war daher der mächtigen Mitwirkung des Ministers sicher.
Als er mir versprach, das Aeußerfte zu tun, wußte ich daß alles geschehen würde, was überhaupt die Diplomaten zu erreichen vermögen.
Ich tvurde nicht enttäuscht. Einen Monat später erhielt ich die freudige Nachricht, daß mein Bruder Mert seine Freiheit wieder erlangt und auf der Heimreise begriffen [ei.


