Ausgabe 
21.3.1903
 
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schon besser, machten sich aber nicht bezahlt, und zu persönlichen Mitteilungen und den niedrigeren journalisti- scheu Arbeiten könne und wolle ich mich nicht herablassen.

Abermals nickte Raffles, und diesmal mit einem Lächeln, das nicht wieder auS seinen Augen verschwand, als er sich mich beobachtend, zurücklehnte. Ich wußte, daß er an andere Dinge dachte, als an die, zu denen ich mich herab- aelassen hatte, und ich glaubte auch zu wissen, was er sagen werde. Das hatte er früher schon oft getan, und er würde es ganz bestimmt wieder sagen. Meine Ant­wort war bereit, aber er war offenbar müde, dieselbe Frage zu wiederholen. Seine Augenlider sanken herab^ er nahm die Zeitung wieder auf, die er hatte fallen lassen, und ich ruderte an der alten roten Mauer von hampton Court vorbei, als er wieder sprach.

Also hierfür haben sie Dir nichts bezahlt? Mein lieber Bunny, die Verse sind ausgezeichnet, nicht nur als Verse, sondern auch, weil Du es verstanden hast. Deinen Gegenstand in einer so knappen und abgerundeten Form zu behandeln. Jedenfalls hast Du mir mehr darüber mitgeteilt, als icb vorher wußte. Aber ist sie wirklich sünfzigtausend Pfund wert eine einzige Perle?"

Hunderttausend, glaube ich, aber das paßte mir nicht ins Versmaß."

Hunderttausend Pfund !" sagte Raffles mit geschlossenen Augen. Wieder glaubte ich genau zu wissen, was kommen werde, und wieder hatte ich mich geirrt.Wenn sie so viel Wert ist", rief er endlich,wäre sie gar nicht zu Geld zu machen. Mit Diamanten ist es etwas anderes; die kann man teilen. Aber verzeih, Bunny, ich hatte ver­gessen."

Wir sprachen nicht mehr über das Geschenk des Mo­narchen, denn der Stolz gedeiht am besten bei leeren Taschen, und auch die schwersten Entbehrungen würden mir den Vorschlag nicht entlockt haben, den ich von Raffles gemacht zu sehen wünschte. Meine Erwartung war halb und halb eine Hoffnung gewesen, obgleich ich das erst jetzt fühlte. Aber auch den andern Gegenstand, den Raffles vergessen zu haben behauptete, meineAbtrünnigkeit" odermeinen Rückfall in ein tugendhaftes Leben", wie er es zu nennen beliebte berührten wir nicht wieder. Wir waren beide etwas wortkarg, ein wenig befangen und ein jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Seit Monaten waren wir uns nicht begegnet, und als ich mich an jenem Sonntag abend um elf Uhr von ihm ver­abschiedete, bildete ich mir ein, daß wir uns wieder auf einige Monate trennten.

Allein während wir auf den Zug warteten, sah ich im Lichte der Bahnhofslaternen, daß mich seine klaren Augen prüfend ansahen, und als sich unsere Blicke kreuzten, schüttelte Raffles den Kopf.

Er- scheint Dir nicht gut zu bekommen, Bunny", sagte er.Von, Themsetal habe ich nie viel gehalten, und auch Du bedarfst einer Luftveränderung", schloß er, worauf

Nr. 43.

1903.

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, (Nachdruck verboten.)

Ein Einbrecher aus Passion.

Bon E. W. Hornung.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von F. Mangold.

(Fortsetzung.)

VIII.

Das Geschenk des Monarchen.

Als vor einiger Zeit die Nachricht durch die Presse ^daß ein europäischer Monarch beabsichtige, dem

g eines Kannibalen-Eilands eine überaus kostbare Perle zum Geschenk zu machen, erregte dieser Vorfall namentlich in England beträchtliches Aufsehen.

Ich führte damals ein bescheidenes, aber nicht un­ehrliches Schriftstellerdasein, und der Gegenstand, der das Tagesgespräch bildete, begeisterte mich zu einigen satiri­schen Versen, die eine bessere Aufnahme fanden, als alles, was ich bisher geschrieben hatte. Ich hatte meine Wohn­ung in der Stadt vermietet und unter dem Vorwand einer selbstlosen Leidenschaft für den Wassersport ein paar billige Zimmer in Thames Ditton genommen.

Ausgezeichnet!" rief Raffles (der es sich natürlich nicht hatte verkneifen können, mich dort zu besuchen), indem er sich im Boote zurücklehnte, während ich ruderte und steuerte.Dafür hast Du wohl ein ganz niedliches Sümmchen bekommen?"

Nicht einen roten Heller!"

Unsinn, Bunny! Ich glaubte, so etwas würde ganz gut bezahlt. Aber laß den Leuten nur Zeit, dann wirst Du Deinen Scheck schon erhalten."

Nichts werde ich erhalten", antwortete ich ver­drießlich.Ich muß mich in diesem Falle mit der Ehre begnügen, daß meine Sachen angenommen worden sind; das hat mir der Herausgeber ganz unumwunden erklärt", fügte ich hinzu, wobei ich jedoch den bekannten Namen ves Herrn nannte.

Du willst doch nicht sagen, daß Du schon einmal gegen Bezahlung geschrieben hast?"

Nein, das sagen zu wollen, war mir nicht im ent­ferntesten eingefallen, aber ich hatte es getan, und nun war es heraus, sodaß wettere Verheimlichung keinen Zweck mehr hatte. Ja, ich hätte für Geld geschrieben, weil ich wirklich welches nötig gehabt hatte, und wenn er es denn einmal wissen müsse, so wolle ich zugeben, daß es mir sehr knapp gehe. Raffles nickte, als ob er das schon wisse, und ich wurde wärmer bei meinen Klagen. Es sei keine Kleinigkeit, den Kopk mit der Schriftstellerei über Wasser zu halten, wenn man keine Uebung habe, und ich schriebe, wie ich fürchtete, weder gut, noch schlecht genug, um Erfolg zu haben. Meine Hauptschwierigkeit sei .ein vergebliches Streben nach Stil; Herse gelängen mir