Ausgabe 
21.2.1903
 
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morgen abend anlangt, so steckt nichts besonders Pfiffiges in meinem Plan. Er besteht einfach darin, daß wir uns ins Haus schleichen, während diese Kerle draußen sind und uns dann stille verhalten, bis sie wieder da sind, und noch ein bischen länger. Wo möglich müssen wir ihren Whisky etwas verbessern. Das würde die ganze Sache sehr vereinfachen, obgleich es eigentlich kein wahrer Sport ist, allein wir dürfen Rosenthalls Revolver nicht ver­gessen, denn wir wollen doch nicht, daß er uns seinen Namen mit Kugeln auf den Leib schreibt. Da die Koffern im Hause sind, würde der Whisky unsere Aussichten jedoch sehr° verbessern, vorausgesetzt, daß wir nicht lange danach zu suchen brauchen. Eine Keilerei mit den Heiden würde alles verderben, wenn nicht zu schlimmerm führen. Außer­dem sind auch noch die Damen da . . ."

Ten Teufel auch, Damen?"

Ja, Damen, und was für welche! Mit Stimmen, die Kain aus dem Grabe erwecken könnten. Ich fürchte, ich fürchte, ihr Geschrei. . . Das könnte verhängnisvoll für uns werden. Au contraire, wenn es uns gelingt, uns unbemerkt zu verstecken, isst die Schlacht halb gewonnen. Kommt Rosenthall betrunken nach Hause, so bedeutet das einen roten Diamanten für jeden von uns; bleibt er nüch­tern und wach, dann können sich die Diamanten in Kugeln verwandeln. Aber wir wollen das Beste hoffen, Bunnch und das Schießen wird nicht nur von einer Seite ausgehen. Das Ganze liegt in der Hand der Götter!"

(Fortsetzung folgt.)

Man wird sich vorstellen können, tote furchtbar eine fiten* nende, mit aller Kraft emporsprudelnde Petroleumquell» wirken muß. Oft geschieht es, daß man einen scharfen, kurzen Knall hört, woraus feurige Flammen zum Himmel empor-- schlagen, aus denen ungeheure Rauchwolken langsam dahin- rollen.

Tie Entdeckung einer neuen ergiebigen Quelle bildet natürlich ein großes Ereignis. Tie große Firma Nobel pachtete vor einiger Zeit ein Stück Land, welches einem armen Fuhrmann gehörte. Er war jedoch klug genug, zur Pachtbediugung zu machen, daß er 25 Prozent von dem Gewinn erhielte, der ans seinem Boden erzielt werde. Tie Bohrarbeiten nahmen ihren Anfang, und kaum einen Monat später schoß eine Petroleumquelle plötzlich hoch in die Luft. Sie lieferte täglich nicht weniger als 10000 Tonnen. Später verminderte sich der Ertrag auf 2000 Tonnen, und darauf hörte er ganz auf. Ter Brunnen wurde jedoch gereinigt und wieder schoß die Quelle empor, dieses Mal täglich 15 000 Tonnen Oel liefernd. Ter Gesamtertrag machte mehr als 1400 Millionen Tonnen aus, und der arme Fuhrmann erhielt als Anteil eine Summe von 1200 000 Mark.

Fitzgerald berichtet noch von einem anderen, nicht minder merkwürdigen Fall. Ein Unternehmer bohrte und bohrte, aber alle Bemühungen waren vergeblich. Schließlich verlor er alle Hoffnung. Eines Tages begegnete er einem gewissen Assadulaeff und erzählte diesem auf die Frage, ob er mit Erfolg gebohrt habe, daß er schon 1400 Fuß tief gegangen sei und noch immer kein Petroleum gefunden habe. Assadulaeff, der einige Terrains in der Nähe besaß, legte Wert darauf, das betreffende Terrain des Unter­nehmers noch zu gewinnen, und kaufte es diesem für 60 000 Mark ab. Ter Unternehmer war ganz zufrieden, das Grund­stück für diesen Preis losWwerden. Tem Käufer aber wurde von einem Ingenieur der Rat gegeben, die Bohrarbett noch weiter fortzusetzen. Und siehe da nach weiteren 70 Fuß traf man auf eine ungeheure Springquelle, welche dem neuen Besitzer in einem Zeitraum von nur zwei Monaten einen Reingewinn von 40 Millionen Mark brachte.

Man muß jetzt überhaupt viel tiefer nach Petroleum bohren, als vor 10 und 20 Jahren, und während in den sechziger und siebziger Jahren Petvoleuin-Sptingquellen schon in einer Tiefe von 140 Fuß gesunden wurden, wird letzt oft 1500 und selbst 2000 Fuß tief gebohrt, bevor man das Petroleum erreicht. Tie durchschnittliche Tiefe einer Petroleumquelle in Baku beträgt jetzt ungefähr 980 § und die Bohrkosten belaufen sich auf 200 Rubel für je

Ungeachtet dieser bedeutenden .Höhe der Kosten wird beständig neues Kapital in Petroleumquellen angelegt. Be­kanntlich sind auch die Rothschilds hier mit großen Summen beteiligt. Im Jahre 1873 kaufte ein Herr Tagiesf em Heine» Petrvleumterrain für 18000 Mark, welches jetzt auf 60 Mil­lionen Mark geschätzt Wird. Tie rastlosen Pettoleumgejell- schaften, an ihrer Spitze Gebrüder Nobel, sind nicht mehr daniit zufrieden, nur auf dem Lande zu bohren. Es bildete ich kürzlich ein Komitee unter Professor Tevi vom rusffschen Bergwerks-Departement, um das Petroleum unter dem kaspischen Meer bei Baku zu erforschen.

In einem Lande, wo es Petroleum-Seen und rauschende Springquellen gibt, welche nicht selten das Land über­schwemmen und die Bewohner zur Flucht treiben, gehört wenig dazu, furchtbare Brände hervorzurufen. Das Löschen derselben ist eine äußerst schwierige Aufgabe; Wasser kann natürlich nicht angewendet werden, da es nur zur Aus­breitung der Brände beitragen und die Gefahren bedeutend steigern würde. Da sich nun die im Betriebe befindlichen Quellen und die Bohrtürme immer näher rücken, so rufen die Brände in Baku von Jahr zu Jahr immer größere Zerstörungen hervor. Im letzten Jahre wurden mefir als 60 Firmen vom Feuer betroffen und ein Besitz im Gesamt- Mert von mehr als drei Millionen Rubel zerstört.

Am 4. F-ebrnar des Jahres 1901 brach die furchtbarste Brandkatastrophe aus, welche Baku je gesehen hat. Das Jener entstand in einem Reservoir der Raffinerien, welches etwa fünf Millionen Pud Petroleiim enthielt; der Aus­bruch des Brandes war ein furchtbarer. Man nimmt an, daß das Feuer von einem entlassenen Arbeiter aus Rache an­gesteckt wurde. Das Petroleum brach über die Reservoire hinaus, zerstörte die schützenden Erddämme und stürzte als breiter, flammender, fünf bis sechs Fuß tiefer Strom den Hügel hinab auf die Häuser zu. Das Feuer ergriff noch

Die feurigen Quellen von Baku.

Bon Arnold Rohde.

(Nachdruck verboten.)

Ueber die russische Petroleum-Industrie von Baku ist schon sehr viel geschrieben worden, und nicht nur Fach­schriften haben das Thema behandelt. Zahlreiche Feuille­tonisten bemächtigten sich des interessanten Stoffes, und die illustrierten Familienblätter haben fiie_ Petroleum­brunnen regelrecht ausgeschöpft. Neue, interessante Einzel­heiten reizen aber immer wieder zur Behandlung des Themas.

Einige neue Mitteilungen verdanke ich dem englischen Schriftsteller George Fitzgerald, welcher inCassels Maga­zine" eine sehr lebendige Schilderung der Petroleumquellen veröffentlicht.

Zn Anfang der siebziger Jahre lag die Petroleum-In­dustrie von Baku in den Händen dreier russischer Kaufleute, welche ein Kapital von 7i/2 Millionen Rubel besaßen. Sie machten jedoch Fiasko. Im Jahre 1874 kam einer der be­kannten Nobels aus Schweden nach Baku, um Nußbaumholz zu kaufen. Tas Petroleum versprach ihm jedoch ungeheure Schätze, und so wandte er sich ohne langes Besinnen dieser Industrie zu und ließ noch zwei seiner Brüder nach Baku kommen. Tie Spekulation nahm bald einen kolossalen Um­fang an, und der Andrang von Unternehmern und Ar­beitern war bald nicht geringer, als hätte man ein er­giebiges Goldfeld entdeckt. Heute sind buchstäblich 20 000 Morgen Land von Petroleumquellen durchlöchert, deren es dort mehr als 3000 gibt.

Wenn nach einer neuen Quelle gebohrt wird, und diese plötzlich emporschießt, so ist die Kraft des Strahles häufig so groß, daß der hohe und kräftig gebaute hölzerne Bohr­turm nebst allen Werkzeugen in die Luft geschleudert wird. Ter starke, mit großer Gewalt emporschießende Petroleum­strahl macht da nicht selten den Eindruck einer dichten, schwarzen Masse, die oben phantastische Formen annimmt und in der Sonne in allen Regenbogenfarben funkelt. Tann endlich ist seine Kraft erschöpft, er fällt zurück, tränkt den Boden und bildet Reservoire und Gräben, welche bis zum Rande mit Petroleum gefüllt werden. Zu den interessanten Sehenswürdigkeiten von Baku wird man neben brennenden Petroleumfontainen auch die ©een von Rohpetroleum rechnen müssen, ans welchen Menschen in Booten vergnügt herumfahren. Bisweilen führt der Strahl eine regelrechte Kanonade ans, denn er wirft nicht nur Petroleum, sondern auch große Massen von Sand und Steinen aus. Tas Roh­petroleum ist bekanntlich eine sehr leicht entzündbares Ge­misch, und häufig genügt das Anprallen eines Steines an die zum Eindämmen des Stromes dienenden Platten, Funken hervorzurufen, welche die ganze Quelle in Brand setzen.