Ausgabe 
20.7.1903
 
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feinten Absterbens der stummen Tiere werden verhindert. Aber auch vom gesundheitlichen Standpunkt ans ist das holländische Verfahren dringend zu empfehlen. Das Fleisch der Fische bleibt viel fester, der Geschmack wird viel besser, die Haltbarkeit eine erhöhte, und die Speise viel gesünder.

Vermischter.

* Das ewig Weibliche in der Politik. Die Katastrophe des Hauses Obrenowitsch hat von dem Ein­fluß dieses Elements wieder einen nachdrücklichen Beleg! gegeben; König Alexander ist an seiner Eheschließung und daneben an dem unglücklichen Verhältnis seines Eltern­paares zu Grunde gegangen. In weniger eklatanter Weise, aber doch gleichfalls sehr deutliche hat sich dasselbe bei den beiden französischen Kaiserreichen gezeigt; auf St. Helena liebte Napoleon I., die Scheidung von seiner ersten Gemahlin als den ursprünglichen Grund seines Unglücks anzuführen, und alle Grazie und Liebenswürdigkeit der Kaiserin Eugenie touren nicht imstande, der ersten Damej des zweiten Empire die völlige Anerkennung der übrigen europäischen Monarchengemahlinnen zu verschaffen; zu dynastischer Intimität brachte es Napoleon III. feto ft nach seinen glänzendsten Erfolgen niemals, und diese seine Iso­lierung ist eine MiAr fache seines Sturzes gewesen. Sie? sonders tragikomisch zeigte sich dasselbe Motiv unter deut vorigen dänischen König Friedrich VII., der nach zwei Scheidungen von ebenbürtigen Lebensgefährtinnen die frühere Balletchoristin und dann Putzmacherin Luise Ras­mussen zum Altar geführt hatte; später hat man in Kopen­hagen den Trauungstag, 7. August 1850, als den Ursprung des dänischen Nationalunglücks bezeichnet. Im allgemeinen waren in der verwickelten schleswig-holsteinischen Frage! die Großmächte eher für das dänische Unrecht und gegen das deutsche Recht, schon ivetl sie Deutschland nicht den trefflichen Kieler Hafen gönnten; aber jene Heirat hatte den Kopenhagener Hof gesellschaftlich so geächtet, und das spätere Auftreten der zur Lehnsgräfin Donner erhobenen Königsgemahlin verstärkte noch den nachteiligen Eindruck. Kurz vor der Katastrophe bot sich noch die letzte Möglich­keit einer besseren Wendung. Napoleon III. lud König Friedrich VII. nach Paris ein, um mit ihm über die vor­erwähnte Frage zu verhandeln. Der König wollte nidjit mehr als gern die Reise unternehmen, aber Kaiserin Eugeme verweigerte unbedingt den Empfang der dänischen Königs­gemahlin, und die letztere befahl darauf ihrem schwachen Gemahl einfach die Ablehnung der Einladung. Nach diesem Abschlag war das Interesse Napoleons III. an dem Fort­bestand der dänischen Machtstellung erkaltet, und als Ver­treter des Nationalitätenprinzips begünstigte er zunächst in gewissen Grenzen die preußische Politik gegen Däne­mark. Einige Wochen nach dieser Episode ioar König Friedrich VII. tot, mit ihm das dänische alte Königshaus erloschen und ein Jahr darauf die Verbindung Schleswig- Holsteins mit Dänemark nichts als eine Erinnerung.

N e un zi g h r i g e r H e ir a ts d u r sti g er. Vor der Supreme Court des Staates Newyork fand, wie von dort geschrieben ivird, ei.t Prozeß des Mortimer S. Brown gegen die ziveite Fran seines verstorbenen Vaters, Augusta Andree-Brown, auf Annullierung der Ehe des Verstorbenen mit der Beklagten statt. Die erste Gattin Paul S. Brown's, des Vaters des Klägers, starb, als er bereits 89 Jahre alt ioar, und bald darauf heiratete er die Beklagte, die 30 Jahre alt war, nachdem er ntehrere Wochen lang mit ihr zusammengelebt hatte. Der Kläger machte geltend, daß sein Vater geistesschwach ivar, als er heiratete, weshalb die eingegangene Ehe ungiltig sei. Zum Beweise hierfür wurde dargelegt, daß der alte Mann auf Heiratsanzeigen in den Zeitungen bald nach dem Tode seiner ersten Fran eine umfangreiche Korrespondenz begann und überall Hei­ratsauträge gemacht habe. Die Klage wurde abschlägig beschieden. In der Entscheidung des Gerichts wurde be­merkt, der alte Herr habe, als er nach einer Frau ver­langte, die ihm gefiel, nicht unvernünftig gehandelt, ebenso wenig gehe dies daraus hervor, daß er hastig zu Werke ging, denn in solchem Alter habe mau nicht lange Zeit zu überlegen. Daß der Greis au seinem Lebensabend sich nach weiblicher Pflege sehnte, könne man ihm schließlich auch nicht verargen. Während der Verhandlung wurde das

Tagebuch des Greises der lOeffentlichkeit preisgegeben, worin er in Klagen über seine Vereinsamung und fein Sehnen nach einer Gattin ausbricht. Er bedauert, daß er trotz der künstlichen Zähne, der bemalten Augenbrauen und der gefärbten Haare immer noch nicht so jung aussehe, wie er sich noch fühlt.

Literarisches.

Das Grundverhältnis zwischen ManU Und Weib ist in einer modernen Frauenzeitschrift naturgemäß eines der wichtigsten und vielbehaudeltsten Probleme. In der neuesten Nummer der Fr au en? Rund sch au rückt die bekannte Frauenrechtlerin Dr. phil. Helene Stöcker diesem diffizilen Thema energisch zu Leibe und wenn auch! ihre Ansichten vielfach auf Widerspruch! stoßen dürften, so sind diese Theorien boch selten in so präzise Form gefaßt worden wie hier. In derselben Nummer behandelt Dr. iur. Frieda D u e u s i n g das Thema der Verletzung der elterlichen Fürsorgepflicht, Lu Märten das der Boden- und Wohnungsreform vom Standpunkt der Frauen aus, wäh­rend Paul Zacherlich eine ergreifende Schilderung desSchau- spielerinnenelendes der Gegenwart gießt. Ganz besonders reichhaltig ist, um von den vielen anderen wichtigen Bei­trägen zu schweigen, der künstlerische Teil ausgefallen. Der- setoe enthält einen wundervollen, die tiefsten künstlerischen Ideen in lichtvoller Weise enttvickelnden Artikel des kürz­lich verstorbenen Schriftstellers Hans Merian unter denk TitelDas Reis aus Eden", während Anna Brunnemann Max Klingers Radierungen vom Schicksal des Weibes einer tiefgründigen Betrachtung unterzieht. Dieses Heft enthält ferner unter anderem als Kunstbeilage die Reproduktion einer Klingers chen Radierung, sowie noch ver­schiedene andere Kunstwerke itt vorzüglicher Wiedergabe. Frauen, denen die Frauen-Rundschau noch nicht bekannt ist, erhalten dieses Heft puf Wunsch gratis und franko von der Geschäftsstelle der Frauen-Runschau, Leipzig-R., Goe- schenstr. 1.

Die Frauen des Orients in der Geschichte, in der Dichtung und im Leben. Bon A. Freih, v. Schwei­ge r - L e r ch e n f e l d. Mit ca. 350 Textabbildungen, 11 far­bigen und 14 schwarzen Vollbildern. In 25 Lieferungen (50 Bogen Quart ä 16 Seiten) ä 1 Mark. A. Hartleben's Verlag, Wien und Leipzig. Die erste Lieferung eines Werkes von seltener Reichhaltigkeit des Inhaltes, ver­schwenderischer Illustrierung und glänzender Ausstattung liegt uns vor. Bisher hat es kein Schriftsteller in irgend welcher Sprache unternommen, die Frauen der alten mor­genländischen Kulturwelt, (Araber, Perser, Inder) in ihrer Gesamtheit, in allen ihren geschichtlichen Phasen, m ihrer wechselnden kulturhistorischen Stellung und bezüglich ihres Einflusses auf die geistigen Enuneiationen dieser Völker zu schildern. Zwar bietet die vorliegende erste Lieferung dieser, auch in Betracht ihres Umfanges bedeutsamen Ar­beit, einen lediglich orientierenden Einblick in den Gesamt- stosf, denn sie ist fast ganz mit derEinführung" aus­gefüllt. Aber die Inhaltsangabe und vielleicht mehr noch, die in den Projekt und auf die Umschlagseiten eingeschalte­ten Abbildungen lassen erraten, wie weit und hoch der orientkundige Verfasser die Grenzen zu seiner verdieiist- lichen Publikation gesteckt hat. Bis in die arabische Vor­zeit, in das graue iranische und indische Altertum reichen die Untersuchungen und Studien. Die vorgefuhrten altmdr- schen und persischen Miniaturen, die prächtigen Photogra­phien, Frauenschmuck aus musealen Sammlungen u. dgl. mehr geben einen Vorgeschmack von dem noch verhüllten Ganzen. Das der ersten Lieferung beigegebene Farbeu- 6i(b eines von dem Dutzend, welche das Buch schmucken werden - führtDie Verstoßung der Hagar" nach dem berühmten Originale des Van der Wer ff in der Dresdener Galerie in mustergiltiger Reproduktion vor. Da der Pro­spekt ausdrücklich versichert, daß sowohl rn textlicher als in illustrativer Beziehung jede Anstößigkeit peinlich ver­mieden ist, erweist sich das schöne Werk in erster Lime aw belehrende und bildende Frauenlektüre. Unter diesen Um­ständen darf man wohl auf die folgenden Lieferungen dieses Prachtwerkes gespannt sein.

Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.:

Liebe ohne Achtung ist nicht dauernd.

Redaktion: August Göd. - Rotationsdruck und Verlag der «riibl'schen Universitäts-Tuch- und Cteindrnclerci. R. Lange, Gießen.