Ausgabe 
20.7.1903
 
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1903. Nr. 106

Morrtag den 20. Juli.

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(Nachdruck verboten.)

Schloß Osterno.

Roman von S. Merriman.

(Fortsetzung.)

Ich liebe Sie nicht bloß, und habe Ihnen eine ge- wisse Position zu bieten. diese bitte ich nach ihrem Armseligen Werte abzuschätzen, sondern es gibt andere Umstände, die wir Leide kennen, die Ihrer Aufmerksamkeit würdig sind, Umstände, die Sie vielleicht doch geneigt Machen tverden, sich die Sache noch einmal zu überlegen."

Das vermag nichts"," antwortete sie.Solche Um­stände existieren nicht."

Etta sprach mit Herrn von Chanxville und dachte an Paul Alexis.

Ich möchte gern wissen, seit wann Sie entdeckten, daß Sie mich unter keinen Umständen heiraten können", fuhr Herr von Chauxville fort.Es liegt zwar nichts daran, da es jetzt zu spät ist. Ich werde Ihnen nicht erlauben, sich zurückzuziehen, denn Sie sind zu weit gegangen. Den ganzen Winter erlaubten Sie mir. Ihnen in auffallender Weise den Hof zu machen; Sie erweckten in mir und der Welt den Eindruck, daß ich bloß ein Wort zu sprechen hätte, um Ihre Hand zu erlangen."

Ich bezweifle, ob die Welt im allgemeinen sich für die Sache so lebhaft interessiert, wie Sie sich einzubilden scheinen", antwortete Etta.Es tut mir leid, daß ich zu weit gegangen bin, aber ich behalte mir das Recht vor, mich zurückzuziehen, wann und wo es mir paßt. Es tut Mir leid, daß ich Ihnen oder sonst jemand den Eindruck erweckte, daß Sie uur ein Wort zu sprechen hätten, um meine Hand zu erlangen, und ich kann zum Schlüsse nur hinzufügen, daß Ihre Eitelkeit Sie zu einem Irrtum ver­lockt hat. Ich werde jedoch großmütig genug sein, darüber zu schweigen."

Der Diplomat war einen Augenblick verblüfft.

Mais!" rief er, empört die Armee in die Höhe hebend, und konnte selbst in seiner eigenen Sprache keiü anderes Mort finden.

Es wäre besser, wenn Sie jetzt gingen", sagte Etta ruhig. Sie schritt auf den Kamin zu und drückte auf die elektrische Klingel.

Herr von Chauxville griff nach Hut und Handschuhen.

Natürlich haben Sie Gründe dafür", sagte er kalt mit vor unterdrückter Wut zitternder Stimme.Dahinter steckt ivohl ein anderer. Irgend jemand hat sich ein­gemischt, aber in meine Angelegenheiten mischt man sich nicht straflos ein. Ich werde es mir angelegen sein lasseit, herauszufinden, iver es ist"

Er vollendete nicht, denn der Diener meldete:

Herr Alexis!"

Paul trat in das Zimmer und verbeugte sich vor

dem hinausgehenden Herrn von Chauxville, mit dem et oberflächlich bekannt war.

Ich kam zurück, um Sie zu fragen, welchen Abend Sie in der nächsten Woche frei häblm", sagte er.Ich habe eine Loge zu den .Hugenotten'".

Paul blieb nicht lange. Die Sache war in ein paar Augenblicken geordnet, und als er den Salon verließ, hörte er noch die Räder der Equipage Chauxvilles.

Als die Tür sich hinter den beiden Männern geschlossen hatte, stand Etta einen Augenblick still und blickte auf die Portiere, als folge sie ihnen in Gedanken. Dann brach sie in ein leises Lachen aus, ein wunderliches Lachen, das vielleicht nicht sehr herzlich klang, ©ie zuckte die Achseln und griff nach einer Zeitschrift, mit der sie zu dem Stuhle zurückkehrte, den Claude von Chauxville ihr vor deu Kamin gestellt hatte. Nach ein paar Minuten kam Nelly ins Zimmer. Sie trug ein Bündel Flanell in der Hand.

Die größte Dummheit, zu der ich mich je hinreißen ließ, war, daß ich diesem Vereine beitrat", sagte sie heiter.Bis Dienstag früh müssen zwei Flanellröckchen für die Säuglinge fertig sein. Ich habe die Säuglinge ge­wählt, weil die Röckchen so lächerlich klein sind."

Wenn Du nie etwas Dümmeres tust, so wirst Du nicht viel Schaden leiden", sagte Etta, indem sie ins Feuer blickte.

Möglich aber was hast Du getan? Noch etwas Dümmeres?"

Ja, ich habe mich mit Herrn von Chauxville ge­zankt."

Nelly hielt ein Röckchen am Saume empor und blickte ihre Cousine durch die für die Taille der Säuglinge be­rechnete Oeffnung an.

Wenn man es tun könnte, ohne seiner Würde etwas zu vergeben, so wäre das, glaube ich, das Gescheiteste, was mau mit Herrn von Chauxville anfangen könnte", sagte sie.

Etta hatte wieder nach ihrer Zeitschrift gegriffen und stellte sich eifrig lesend.

Ja, aber er weiß zu viel", sagte sie vor sich hin.

6. Kapitel.

Der T a l l e y r a n d - K l u b.

Ter Talleyrand-Klub ist, wie sein Raine andeutek, ein diplomatischer Klub, aber Botschafter und Minister betreten seine Schwelle nicht. Sie schicken nur ihre Unter­gebenen hin. Einige der letzteren behaupten, daß Loiidon die Radnabe Europas und das Rauchzimmer im Talley- raud-Klub deren Schmierbüchse sei. Aus jeden Fall steht fest, daß Männer wie Claude vou Chauxville, Karl Stein­metz und hundert andere, die politische Maschinisten sind oder ivaren, in den Räumen des Tälleyraud-Klubs zu finden sind.

Karl Steinmetz ivar, wie er versprochen hatte, nach.