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hältuissen des Elternhauses heraus, so wird er am liebsten Beamter oder Soldat.
Betrachten wir die Kulturzustände des Landes, das den Anspruch darauf macht, der Kernpunkt des zukünftigen Südslawenreiches zu werden. „Die erste und schwerste Steuer, welche das Land und die Arbeit zu zahlen haben, sind die Transportkosten. Sie nehmen im geometrischen ärerhält- nisse zu, während die Entfernung vom Markt im arithmetischen wächst," Dieser Ausspruch Careys bewahrheitet sich auch in Serbien. Bis Ende 1896 waren nur 570 Kilometer Eisenbahnen vorhanden. Die Verkehrswege im Innern sind zum Teil ganz mangelhaft, und so ist auch im Gegensatz zu Bulgarien der Innenhandel nur unbedeutend und nicht sehr nutzbringend entwickelt. Die Levante-Donaulinie an der Nordgrenze sowie das Mora- watal mit seinen zwei Ausgängen nach Uesküb-Saloniki und Bulgarien-Konstantinopel beherrschen den ganzen Verkehr Serbiens. Was außerhalb dieser Straßen liegt, kann durchaus als verkehrsfern bezeichnet werden. Außer der kurzen Thimoktalbahn längs der bulgarischen Grenze Haben wir die Bahnstrecke der Orientlinie Belgrad-Msch-Zaribrod mit der Abzweigung Nisch-Wranja und mit ihrer Fortsetzung über die Grenze nach Saloniki sowie zwei kürzere Seitenlinien nach Semendria und Kragujewatz.
Schon aus allen hier gemachten Andeutungen geht hervor, daß ein eigentlicher Bürgerstand in Serbien fehlt. Nur schwache Ansätze zu einem solchen sind vorhanden; ebenso wie das Land nur eine einzige Staot von nennens- iverter Bedeutung hat. Es mögen etwa 54 000 Personen sein, die zusammen die Bevölkerung der serbischen Hauptstadt Belgrad, und zwar eine recht bunt zusammengewürfelte Bevölkerung, ausmachen. Belgrad ist die Festung, die einst der edle Prinz Eugen dem Kaiser wiederbrachte. Seine hohe Bedeutung in alter und neuer Zeit verdankt Belgrad vor allem seiner glücklichen geographischen Lage. Auf und an der Terrasse eines Ausläufers der Audniker Bergkette iind am Zusammenfluß der Donau und Save gelegen, bildete es von seher den schon von der Natur bestimmten Stapelplatz für die unteren Donauländer. Schon ‘tat Beginn dieses Jahrtausends war Belgrad als „Alba graca" eine der wichtigsten Tauschstätten zwischen dem Morgen- und Abendland. Seine bevorzugte Lage gab ihm aber zugleich eine hohe strategische Wichtigkeit. Während der Völkerwanderung bis zur Gründung des Serbenreiches war Belgrad ein steter Zankapfel zwischen Avaren, Bulgaren, Magyaren und Byzantinern, um nach der Eroberung durch die Türken für immer mit dem Schicksal Serbiens verknüpft zu werden. Der Fremde, sagt eilt Beobachter, der nach Belgrad kommt in der Erwartung, hier eine Vereinigung von abendländischen und orientalischen Einrichtungen zu finden, wird arg enttäuscht. An allen Ecken und Endett merkt man das Bemühen, Belgrad modern zu entwickeln. Es verfügt über eine gut angelegte Wasserleitung, es besitzt eine Pferdebahn, es hat in einigen Straßen gute Bürgersteige, es kann sich sogar der Anlage von Boulevards rühmen. Dagegen ist von Bauten und Straßen orientalischen Charakters nichts zu bemerken, und nur in den Vorstädten ziehen sich enge, duinpfe und schmntzige Gassen hin, die mit ihrer Unsauberkeit, ihren verfallenen, kleinert Häuser sowie mit ihren primitiven Verkaufsläden an die unangenehmen Eigenschaften des Orients erinnern.
Es fehlt Serbien an Bargeld und Unternehmungsgeist, noch mehr aber an Neigung, Fremde und fremdes Geld sich tat Lande an der Erschließung der reichen, aber völlig unentwickelten Hilfsquellen betätigen zu lassen. Es fehlt an Vertrauen auf Serbien im Auslande. Die Leitmtg des vielfach von Parteiungen zerrissenen, überall Spuren starker Korruption anfweisenden Staates ist weit hinter den Ansprüchen zurückgeblieben, die er macht, das Piemont der Südosthalbinsel zu.werden. Die Fortschritte, die der Staat seit Erringung der Freiheit gemacht hat und noch macht, find ja unverkennbar, aber doch sehr langsame. Sie erfcheinen noch langsamer, wenn man sie mit denen Bulgariens in der so kurzen, keineswegs einer ruhigen Ent- wicklung günstigen Zeit seit Abschüttelung des türkischen Joches vergleicht. Schon heute scheint Bulgarien Serbien zu überflügeln, tvährend die Besetzung Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich vorläufig allen hochfliegen- den Plänen der Serben ein unüberwindliches Hindernis entgegensetzt. Es erscheint dies um so verhängnisvoller,
als Serbien mit seinem ganzen wirtschaftlichen Dasein auf Oesterreich-Ungarn angewiesen und von ‘ diesem ob* hängig ist, ferner ein wichtiger Teil der serbischen Nation aus ungarischem Boden wohnt und dort unter deutschem Einfluß eine etwas höhere Kultur angenommen hat. Auf dieser Abhängigkeit, wie auf der auch von ihnen vielfach erfahrenen Undankbarkeit Oesterreichs, d<W Serbien so oft zum Kampfe gegen die Türken aufgerufen, dann aber stets beim Friedensschluß bereit furchtbarer Rache preisgegeben hat, beruht der Haß der Serben gegen Oesterreich, der sie immer wieder Rußland in die Arme treibt.
Literarisches.
Goethes Briefe. Ausgewählt und in chronologi- scher Folge mit Anmerkungen herausgegeben von Eduard von der Hellen. Dritter Band (1788—1797). In Leinwand geb. 1 Mark. (Verlag der I. G Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. in Stuttgart und Berlin.) — Der dritte Band von Goethes Leben in seinen Briefen beweist von neuem, daß in diesem sehr verdienstvollen Unternehmen des Cotta'schen Verlages keine bloße Aneinanderreihung schöner und interessanter Briefe dargeboten wird, sondern eine sorgfältig abgewogene Auswahl, die auf intimster Kenntnis; der persönlichen Entwicklung und der Werke Goethes beruht.
Die Heimkehr aus Italien bedeutete eine schwere Krisis im Leben des Dichters. Fremd kam er zurück in den Kreis, den er vor zwei Jahren verlassen hatte, reich erfüllt von künstlerischen und Lebensidealen, für die eir kein Verständnis fand, und kalt wandte sich vor allen die einst vertrauteste Freundin, Charlotte v. Stein, von ihm ab. Der vorliegende Band seiner Briefe zeigt, wie er diese innere und äußere Vereinsamung überwand, wie er einen Teil der alten Freunde wieder an sich zog, wie er neue gewann, wie er sein häusliches Glück in der Verbindung mit Christiane Vulpius, sein geistiges besonders in der Freundschaft mit Schiller fand, der den fast versiegten Quell seiner Poesie von neuem belebte. Auch äußerlich ist der in diesem Bande dargestellte Tell von Goethes Leben reich an wechselvollen Bildern: Venedig wird besucht und Schlesien, das preußische Heer in das revolutionäre Frankreich begleitet, Mainz zurückerobert, und nach; einigen Jahren ruhiger Arbeit folgt die große Reise durch) die Schweiz und Süddeutschland, von der ihn die Sehnsucht nach Christiane heimtreibt. Bei der unendlichen Mannigfaltigkeit' des Inhalts, der doch immer aus dein einen universalen Geiste geschaut ist, lesen sich diese Briese wie ein bewegter Roman.' Gerade durch die Auswahl wird diese Wirkung erzielt, indem das Bedeutende kräftig hervortritt aus der breiten Masse und die für Goethes Entwicklung wichtigen Momente in llarem Verhältnis zu Einander erscheinen. In dieser Hinsicht ergänzen die reichhaltigen Anmerkungen den Text aufs glücklichste; in selbstständiger Beherrschung des ganzen Stoffes erschließen sie dem Laien das volle Verständnis des gesamten Inhalts und bieten zugleich auch dem Kenner neue, wertvolle Ausschlüsse. _____________
Preisrätsel.*)
Magisches Dreieck.
(Nachdruck verboten.)
A A
A A B
E E E H
I L N N N
R R B. 8 T T
Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart euizutragen, daß die drei Außenseiten wie auch die vier wagrechteu Mittelreihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Europäische Hauptstadt; 2. Speise; 8. Held eines Lessing'jchen Dramas; 4. persönliches Fürwort; 5. Teil der Schiffsausrüstung; 6. etwas Drückendes; 7. weiblicher Borname.
*) Lösung«« sind mit Aufschrift: „Pr«iSrä1s«»-Lösu«g" versehen innerhalb vierzehn Tagen an bte Redaltton der„Gl«»«««» Famili««dlStier" einzusenden.
Redaktion: August Göb. — Rotationsdruck und 8?erlag der $ rrbl'schen Universitäts-Buch- und Cteiudruckcrei ^Pietsch Erben) in Gießen.


