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' „Wie könnte sie bei einem so kurzen Vorsprung das: Weite gewonnen haben?" fragte Hemming ungläubig.
„Ich weiß es zwar nicht. Es ist ihr aber gelungen. Ich gehe jetzt, das Haus zu durchsuchen; darum geben
Haftsbefehl?" „Ja, Sir."
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Die vordere Eingangstür war von dem Obersten offen gelassen worden, den der Sergeant im Speisezimmer sitzend fand, mit dem Kopf über die verglimmenden Kohlen
gbb^Bitte um Verzeihung, Sir, aber ich muß das Haus noch einmal durchsuchen."
Der alte Herr gab nickend seine Zustimmung und der Beamte zog sich wieder zurück. Vom Erdgeschoß zum ersten Stockwerk, vom ersten Stockwerk zum Dach durchsuchte er alle Winkel. Nicht ganz vergeblich. Denn obschon er Miß Bostal nicht fand, so fand er doch hinlängliche Beweise ihrer raubfüchtigen Gewohnheiten, um jeden Gerichtshof wenigstens von ihrer Schuld an den geringeren Verbrechen des Diebstahls zu überzeugen. , ,
Untei den Dielen der Dachstuben, sowie emgenaht •nt der Matratze des eigenen Bettes der Dame, rn Löchern der außer Gebrauch gesetzten Schornsteine der Kamine versteckt fand der Beamte emen Haufen ebenso verschiedenartiger, wie sie des Verbrechens überführender
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„Für wen?"
„Für Miß Bostal."
Und der Polizeibeamte setzte die Durchsuchung
Gartens und Hauses nach der Dame, die in so geheimnisvoller Weise verschwunden war, fort.
„Dann ist es Miß Bostal — nach der George Claris so dringend verlangt?"
Der Gastwirt, der jetzt in eine dumpfe Stille uno Ruhe versunken war, hatte seine Aufmerksamkeit ganz auf die vordere Eingangstür gerichtet.
Es war Hemming, der antwortete: „Ja, Sir. Er ist noch nicht ganz bei fich, aber nicht zu weit davon entfernt, um uns nicht nützlich gewesen zu sein. Wir haben ihn die letzten Tage immer unter den Augen gehabt, und so oft er eine Gelegenheit findet, stürzt er geradezu auf dieses Haus fort und verlangt lärmend nach der Frau, die ihn beraubt hat. So nahmen wir , ÖCT|uJlcuCuu^llti<.«,, .
ihn denn mit, um ihn ihr gegenüberzustellen. Sie gab Gegenstände. Geld in Papier und rn Silber und Gold, uns hierzu keine Gelegenheit, bis wir den Haftsbefehl Schmuck von meist nur geringem Wert und anscherneno hatten." neu aus Läden gestohlen, ein halbes Dutzend Herren-
„Es scheint, daß sie Ihnen selbst jetzt die Gelegen- ut)rat, Bleistifthalter, Börsen, Stucke von Zeug und von heit nicht dazu geben wird", bemerkte Clifford. Spitzen, Visitenkartentäschchen, silberne Löffel und Gabeln
Hemming stellte sich, als ob er ihre Verhaftung nur bildeten einen Teil dessen, was er gefunden hatte
für eine Sache von einigen Minuten hielte, und blieb Das meiste war mit dem Staub von fuhren bedecrr, ruhig auf seinem Posten, um die vordere Eingangstür das Gold und Silber angelaufen und durch Alter uno zu überwachen, während die Polizeibeamten die hinteren ! Feuchtigkeit seiner Farbe beraubt. Im ganzen eine - Räume durchsuchten. Doch sah er keineswegs so ver- I Ueckliche Sammlung, deren Wert sich etwa aus emig trauensvoll ans, als nach seinen Worten zu erwarten hundert Pfund belaufen konnte.
gewesen wäre. I (Schluß folgt.)
In der Tat hatte er Grund, sich unbehaglich zu I --
fühlen. Er war es gewesen, der zuerst Verdacht gegen ।
Miß Bostal gefaßt batte, und indem er mit der Ortspolizei gemeinschaftlich handelte, hatte es alles Scharfsinns, Hessen er Meister war, bedurft, hinlängliche Beweise gegen sie aufzutreiben, um die Erlassung eines Haftbefehls zu rechtfertigen. Der Anblick einer alten Narbe aus einer ihrer kleinen Hände, bei Gelegenheit eines seiner chingle End, hatte ihn auf den Gedanken könnte vielleicht das Frauenzimmer sein,
werden, lehnte es ab, sich, ehe sie fortging, selbst nur ein Glas Wem oder eine Tasse Tee in bas Studierzimmer bringen zu lassen. Sie war blaß, zitternd, elend. Aber sie fühlte, daß sie des Alleinseins bedürfte, um sich die Augen auszuweinen über die furchtbare Tatsache, endlich doch gezwungen worden zu sein, dem Gerichte Bei- . . , „ „ . ... e
stand zu leisten, dem sie den Verbrecher gern entzogen I Besuche in Shingle End, hatte ihn auf den Gedanken
hätte, wenn es ihr möglich gewesen wäre. Eine Frage gebracht, sie könnte vielleicht das Frauenzimmer sein, hatte sie jedoch ihrerseits an den Friedensrichter zu stellen, dessen Hand er in emem Gasthof mit emem Zündhölzchen
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, Sie werden sie doch für wahnsinnig erklären? natür- Es hatte aber sehr lange gedauert, ehe er darauf lich werden Sie's, nicht?" fragte sie angstvoll, doch eine Klage zu gründen vermochte, bis er endlich aus mit dem Versuch der Bejahung ganz sicher zu scheinen, den Einfall geriet, den fetzt nur noch halb wahnsinnigen
Sir Nevills Antwort war aber nicht eben beruhigend George Claris dabei zu benutzen, den er den Händen und die Miene, mit der er sie begleitete, war es noch der arglosen Nell unter dem treu gehaltenen Versprechen weniqer entrissen hatte, daß sür ihn Sorge getragen und er ihr
Das ist ein Gegenstand, der erst später in Betracht bald wieder zurückgebracht werden sollte. Selbst dann noch zu ziehen ist" I hatten der Polizei große Sebwierigketten im Wege gestanden.
Nell schritt mit schwankenden Füßen der Türe zu. Anfangs war Claris trotzig und verschlossen. Aus keine Miß Theodora eine Mörderin! In Gefahr lebenslang- Frage war von ihm eine klare Antwort hinsichtlich der lich zum Zuchthaus, wenn nicht zum Strange verurteilt Begebenheiten der Nacht zu erlangen gewesen, die ihm zu Weden! den Verstand verrückt hatten. Erst kurz vor dem Nachmittag
Der Gedanke war überwältigend furchtbar. I dieses Tages hatte er Miß Bostal zum ersten Male namens
Nell wankte zu dem Cab und wurde zurück in ihre lich des Diebstahls beschuldigt, und der Polizei hierdurch Wohnung nach Courstairs in einem fast ohnmächtigen genügenden Anhalt für wettere Maßnahmen verschafft. Zustand gebracht, ein paar Minuten, bevor der Polizei- I Clifford hörte m sprachloser Bestürzung zu. sergeant, der sie abgeholt hatte, mit einem Haftbefehl „Weshalb kann sie es dann aber getan haben? Ist sie. für Miß. Bostal nach Shingle End abging. verrückt?" fragte er dann
«o , Hemming zuckte die Achseln.
23. Kapitel. I „Sieht nicht gerade verrückt aus, den Mann er»
Schluß. schossen zu haben, der gegen sie aussagen wollte", sagte
Der Polizeisergeant, der den Verhaftsbefehl für Miß er trocken.
Bostal nach Shingle End gebracht hatte, hatte bis dahin „Gerechter Gott! So denken Sie, daß sie — noch nicht Gelegenheit gefunden, ihn dem Obersten vor- I Es war ihm selbst noch jetzt fast unfaßbar, daß
zuzeigen. Jetzt aber, da die Dame verschwunden und I die spröde, kleine alte Jungfer, die es so anstößig gesunden
es nötig geworden war, den Platz sorgfältiger zu durchs I hatte, ihn Sonntags auf einer Landstraße im Sommersuchen, wendete sich der Sergeant ehrerbietig an den anzug gehen zu sehen, sich der wohlüberlegten Verbrechen
alten Herrn, um ihn zu benachrichtigen, aus wessen Befehl schuldig gemacht haben sollte, die ihr jetzt zur Last ge-
er hier handle. I legt wurden.
Oberst Bostal, der die Absicht des Mannes erriet, I Während der Stille, die seinen Worten folgte, trat fuhr entsetzt zusammen, und, ohne die Erllärung des einer der Polizei von Stroan heran. „Sie ist uns ent- Mannes anzuhören, noch den Verhaftsbefehl zu beachten, wischt", sagte er mit leiser Stimme , „Wir haben den zog er sich hastig in das Haus zurück. I ganzen Platz ab gelaufen. Sie hat auf keine Weise ins Haus
Clifford war jedoch des Papiers in der Hand des zurückkommen können." . . .
Beamten ansichtig geworden und etwas von der Wahr- r"~
heit wurde ihm plötzlich klar. Es traf ihn so unerwartet, daß. ihn der Schreck übel und schwindlig machte. raa bedurfte einiger Augenblicke, ehe er mit heiserer bebender Stimme zu fragen vermochte: „Ist das


