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Redaktion; Angust Götz. — Rotationstruck und Lerlaa der Erübl'Ichen UuiversitüIs'Luch- und Steindruüerei (Tuetsch Erben) in Gießen.
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„Nun fast am Ende des lebens, am Avenv des Tags, Fühl' ich- tote lang mir der Weg,, der rauhe, geworden. Ernst und still, wenn auch nicht klagenden Sinnes Mick ich zurück auf die Zeit, die wie im Fluge entschwunden. Hart war der Kampf um des Lebens geringes Bedürfen, Denn an der Wiege schon sang ja die Sorge ihr Lied- War doch der Vater geschieden, schon eh' ich gekommen, Schlief er doch Monate lang schon im Schoße der Erde; Trauernd und mutlos lebte das Mütterlein weiter, Ms ich dem Lichte des Lebens die Augen erschloß."
Und dann weiter aus demselben Gedicht:
„Niemals habe ich Sehnsucht gefühlt nach der Schule; Wie ein gefangenes Vögelchen fühlt' ich mich dorten Wäre auch sicher entflohen und niemals wieder gekommen Hätt' ich Flügel gehabt wie die glücklichen Segler der Lüfte. Langsam wachsen die geistigen Schwingen dem Menschen, Oftmals werden sie lahm, wenn zu früh sie gebunden, Wenn sie nicht heben sich dürfen und prüfen die Kraft."
Vermiete»,
so viele Mädchen unverheiratet bleibe«?
Sehr - fach: weil sie---„Döring-Seife" gebrauchen.
Prefchsrr Jäger in Stuttgart ist auf dies Geheimnis gekommen. In dem „Magisch-Physiiaiischen Taschenbuch von Ehr. v. E., Ulm, 1789", erzählt Hofrat von Eckartshausen: „Auf gleiche Art vereinigte ich einst zwei Eheleute, die sich lange Zeit nicht mehr ausstehen konnten. Ich wußte, daß sich diese Leute einst liebten, daß keinerseits einige Ursache zur Abneigung gegeben wurde, und war daher sch? s tj, daß natürliche Ursachen hieran schuld sein müßten. Nach ' einer reifen Nachforschung entdeckte ich die Quelle dieses Uebels durch einen Zufall. Man brachte von ungefähr Msam in des Herrn Zimmer und er ward schier ohnmächtig bei dem Geruch desselben. Nun erfuhr ich, daß die Frau sich des Poudre Marechal bediente, welcher aber ost, zwar mit einer sehr geringen Quantität Bisam versetzt ist. Ich sagte es ihr sogleich, sie sollte sich dieses Haarpuders nicht mehr bedienen. Sie unterließ es auch; und bald lebten sie wieder in der besten Harmonie. Auch bezeugte sich hiernach, daü eben vom Gebrauche dieses Haarpuders an die Zeit ihrer Uneinigkeit anfing." — Dazu bemerkte Professor Jäger schon vor Jahren, und ein Aussatz in seinem Organ „Prof. Jägers Mvnatsblatt" bringt es jetzt in Erinnerung: „Wer nicht weiß, was Liebe und was Bisam, Moschus usw. ist, wird in Obigem nichts weiter finden als eine sogenannte Idiosynkrasie; anders der Kundige. Bisam, Moschus und Aehnliches sind tierische Riechstoffe, die bei ihren Erzeugern im Dienste der Geschlechtsliebe stehen, und ihr Träger ist teils ausschließlich wie beim Moschus, teils in hervorragendem Maße wie beim Bisam, das männliche Geschlecht. Nun ist es ein durch die ganze Natur gehendes Gesetz, daß die männlichen Gerüche anziehend auf das weibliche Geschlecht, dagegen
Daß sie ihre Persönlichkeit in der Tat ausbildete und groß und frei wurde, davon legt eine Zuschrift eines ihrer Freunde an uns Zeugnis ab. Dieser schreibt:
„Das Scköne und Fesselnde an ihr war die wundervolle Harmonie, in welcher ihre Gaben und Eigenschaften zu einander standen: die schlichte Frömmigkeit, die warme Begeisterung für alles Edele, nach dem eine Menschenseele strebt, die innige Herzenswärme, der feine Takt, die gänzliche Neidlosigkeit und der unbestechliche Gerechtigkeitssinn.
Sie war ein zur Nacheiferung anfeuerndes Vorbild; man ging nicht von ihr ohne etwas zum rechten Nachdenken von ihr erhalten zu haben. Lehrhaft war fte nicht, aber lernen konnte man von ihr. Lernen konnte man, wie man durch ehrliche, treue Arbeit an sich selbst den inneren Menschen hebt über das Alltägliche und Gemeine, und sich Gottes schöner Erde freuen kann, auch wenn der Anteil an derselben, wie der ihr zugemessene, ein karger war, und so hat sie das, was sie empfand und innerlich erlebte, in zahlreichen Gedichten ausgesprochen, denn sie — die arme Nähterin, die nur die Volksschule besuchte, — hatte durch eine gütige Fügung einen hellen Blick und die Gabe erhalten, das Gedachte oder E fabrene in schöne poetische Form zu kleiden. Wer sie fei- n lernte — und nicht nur so obenhin — hat < e: si nlichkeit kennen gelernt, eine vornehme
auf das männliche abstoßend wirken, wie dies im obigen Falle klar zu Tage tritt. (Das bestätigt auch Bölsche in dem 3. Band seines Werkes „Das Liebesleben in der Natur".) Wenn man nun gegenwärtig, namentlich seit dem Aufkommen der „famosen" Döring-Seife, auf Schritt und Tritt bei dem weiblichen Geschlecht auf den Moschus-Geruch stößt, ja auf Damen, die eine ganze Wolke dieses Bocksgestankes um sich haben, so findet der Kundige es ganz begreiflich daß in unseren sogenannten gebildeten Ständen die Klagen Über das Sitzenbleiben der Mädchen so überhand nehmen. Angesichts der unbestreitbaren Tatsache, daß beim weiblichen Geschlechte das Verständnis von- der Bedeutung der Riechstoffe als Liebeszauber nicht so abgestorben ist wie bei unserer verschulmeisterten Männerwelt, woher die weite Verbreitung des Parfümgebrauchs beim weiblichen Geschlechte kommt — ist es einem auf den ersten Blick unbegreiflich wie bei ihr dieser „ehemör- derische" Unfug so sehr einreißen konnte. Wenn man aber bedenkt, was Moschus ist, so wundert es einen nicht int geringsten: So abstoßend ein männlicher Geruch auf den Mann wirkt, so anziehend ist er für das weibliche Geschlecht, und gerade deshalb ist dieses auf den Moschus hereingefallen. Für Mädchen, die noch unter die Haube kommen wollen, ist der Moschusgeruch eine Art Selbstmord." — Jetzt wissen wirs also.
Der arme Herr Tiff. „Gibts was neues in der Zeitung?" fragte Fran Tiff ihren Mann, welcher die Abendzeitung mit Beschlag belegt hatte.
„Nein", antwortete Herr Tiff.
„Aber es scheint mir doch, daß Du ziemlich lange dazu brauchst, um nichts zu lesen. Ich denke, Du reichst mir einmal die Zeitung, vielleicht kann ich etwas darin finden."
„Nun, hier ist etwas, das Dich vielleicht interessiert. Ein Mann weigerte sich, die Begräbniskosten für seine Frau zu bezahlen und ließ sich wegen des Geldes verklagen., Der Gerichtshof entschieo, daß ein Mann für das Begräbnis seiner Frau bezahlen muß. Was denkst Du darüber?"
„Ich denke, oer Mensch sollte sich schämen", erklärte Frau Tiff mit Nachdruck.
„Das meine ich auch", pflichtete Herr Tiff bei. „In denken, daß ein Mann das Begräbnis feiner Frau nicht bezahlen will! Ich meine, er sollte entzückt sein —"
„Johann Heinrich Tiff, was sagst Du da?" fragte bie Fran. . „
„So meinte ich es natürlich nicht. Ich meine, er sollte es als seine heiligste Pflicht betrachten, für das angemessene Begräbnis seiner Fran zu sorgen und mit Freuden dasselbe bezahlen."
„Mann, denkst Du wirklich, daß er — daß Du zum Beispiel mit Freuden mein Begräbnis bezahlen würdest?"
„Das wollte ich damit nicht sagen, meine Liebe. Du verstehst nicht, was ich eigentlich meinte."
„Ich verstehe Dick vollkommen. Du sagst mir, Du wünschtest, ich wäre tot, damit Du mit Freuden mein Begräbnis bezahlen könntest, daß Du entzückt sein würdest, hierzu die Gelegenheit zu haben — ja, entzückt, war Dem eigener Ausdruck, Du abscheulicher Mann."
„Aber höre", protestierte Herr Tiss, „Du könntest das, was ich sagte, nicht in dieser Weise auslegen, wenn Du nicht stets so bereit wärest, mit mir zu zanken."
„Versuche doch nicht, Dich zu verteidigen. Was Du sagtest, genügt, um eine Frau zum Selbstmord zu treiben. O warum, warum glaubte ich- einen Elenden wie Drch lieben zu können!"
Bei diesen Worten brach Frau Tisf in Tränen aus. Herr Tiff setzte seinen Hut auf und ging davon.
So geht es, wenn die Zeitung „etwas Neues" Bringt
Kapselrätsel.
(Nachdruck verboten?
Arbeiter, Schalmei, Lemnos, Fallbeil, Andenken, Keiler Midas, Wien, Rosalinde.
Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reibe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Silbcnteilung. (Auflösung m nächster Nummer.)
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 45:
W. Kh5, Dg.3, Tb4, el, Sd4, f4. Schw. Ke5, Te4, Bd7, f5,
1. Dg3—c3, beliebig. 2. Fünffach matt.


