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nur um Fragen. Doch begreifen Sie natürlich, baß wir uns versichern müssen, wahre Antworten zu erhalten."

Nell sah ängstlicher als je aus, sie erhob aber keinen weiteren Nnwand.

Wünschen Sie mich noch, etwas zu fragen?" sagte sie ruhig.

^Vorderhand, nein, Miß. Und ich bin Ihnen sehr ver­bunden für die kurze Unterredung, die Sie mir gewährt haben."

Er verbarg aber nicht vielleicht konnte er's nicht, baß seine Stimmung sich beträchtlich gehoben hatte. Nicht nur war hier das Brandmal auf ihrer Hand, sondern auch noch ein Dutzend Kennzeichen in ihrer Leichtfüßigkeit, ihrer Größe, in der Schlankheit ihrer Gestalt, der Weiche heit ihrer Hand, dem Stocken in ihren Antworten die ihn vollkommen sicher machten, endlich, auf der richtigen Fährte zu sein. Daher er ihr glauben zu machen hatte, baß er sich auf der falschen befände.

Natürlich, Miß", sagte er,geht es nicht an, zu viel zu sagen, wenn man gleichsam nur nachforscht. Doch will ich Ihnen gestehen, daß Sie mir, und "zwar auf eine Weise, wie Sie es sich nicht vorstellen werden, in hohem Grade behilflich gewesen sind, den Dieb ausfindig zu machen, der all diese Verwirrung angerrchtet hat."

Wieder erblaßte das Gesicht des Mädchens mit der zarten, verräterischen Haut und zuckte vor Schrecken zu­sammen.

Und nun kann ich noch, beachten Sie's wohl, im engsten Vertrauen hinzufügen, denn es ist eine Sache, die ich nicht bekannt werden lassen möchte, bevor ich den Burschen wirklich erwischt habe, daß es einer der berüch- tigsten Diebe von East End in London ist, der schon mehr als einmal gesessen hat."

Als er diese Worte mit einem Ausdruck von großer Schlauheit sagte, drückte Nells Gesicht, das so leicht wie ein Buch zu lesen war, zunächst Staunen, dann Erleichter­ung und endlich eine Freude aus, die sie vergeblich zu verbergen suchte. Er konnte erkennen, obschon sie die Augen niedergeschlagen hatte und ihr Mund dicht verschlossen war, daß sie den heftigen Antrieb des Entzückens, der den Qualen seines Verhörs gefolgt war, kaum zurückhalten konnte.

Es entstand eine augenblickliche Pause, ehe sie sich zu sammeln »und in ruhigem Tone zu antworten vermochte.

Nun, ich bin sicher, daß mein Onkel und wir alle sehr froh sein werden, wenn Sie seiner habhaft geworden sind. Wollen Sie diesen Weg nehmen?" Und die innere Tür des Wohnzimmers öffnend, zeigte sie ihm den Weg durch die Schenrstube.

Als der Geheimpolizist, nachdem er sich am Schenktisch erfrischt iu;nd sich bei George Claris, dem er einen ähn­lichen Wink gab, entschuldigt hatte, sich wieder cmf der Straße nach Strvan befand, lächelte er in sich hinein.

Er war ja bis jetzt überaus glücklich gewesen, doch fehlte noch manches Glied in der Kette der Beweise, um Die schöne Nell Claris der im Gasthof begangenen Beraub­ungen zu überführen. Da er nicht beabsichtigte, in sein Hotel zu gehen, bevor er nicht wettere Nachforschungen in Shingle End angestellt hatte, so schlug er, nachdem er eine Lirze Strecke auf der Straße nach Stroan zurückgelegt hatte, den Rückweg über die Felder ein und trieb sich hier zwischen demBlauen Löwen" und dem Hause des Obersten Bostal herum, Vorteil von jeder kleinen Hecke und jedem Baum ziehend, tont sich außerhalb dem Bereiche zufälliger Be­obachter zu halten.

Es dauerte nicht lange, bis er gewahr wurde, daß hier noch jemand anders auf der Hut war. Die Gestalt eines Mannes in einer Jersey und in Seemannsstiefeln mit einem zurückgeschobenen Filzhut auf dem Kopfe und einer Pfeife im Munde, zog bald seine Aufmerksamkeit auf sich Er erkannte in dem Manne Jem Stickels, einen häufigen Gast imBlauen Löwen", eine Persönlichkeit, die in chlechtem Rufe, als ein notorischer Bummlev und Faulenzer land, der nur arbeitete, wenn die Not ihn dazu zwang. Er konnte sich nicht ganz vergewissern, ob Stickels ihn ehe, doch der Fischer spähte nach jemand anderem und )er Detektiv hatte keine Schwierigkeit, zu erraten, daß diese andere Person Nell Claris war.

Tenn Jem Stickels machte in der Tat aus seiner Be­wunderung der jungen Dame ebensowenig ein Hehl, wie aus seinem Entschlüsse,den Stolz der Dirne eines schönen Tages zu Fall zu bringen".

Es war die Absicht des Detektivs nach Shingle End zu gehen, um Miß Bostal wegen des Brandmals auf Nells Hand zu befragen. Doch da er überzeugt war, daß Nell versuchen würde, ihn zu überlisten, indem auch sie zu der Dame ginge und sie auf seine Fragen vorbereitete, so glaubte er warten zu sollen, bis sie sich dazu auf den Weg machte, sodaß er bei ihrer Ankunft noch bei Miß Bostal sein könnte.

Seine Erwartungen trafen buchstäblich ein. Er stand wartend hinter einer Gebüschgruppe unweit des Gartens tors von Shingle End, als er des Mädchens zuerst ansichtig wurde, das mit eilfertigem Schritt über die Felder kam. Als sie sich näherte, konnte er ihren keuchenden Atem hören, konnte er in dem bleichen Lichte des Tezembertages sehen, daß sie im Gehen ängstliche Blicke umherwarf.

Als sie nur noch ein paar hundert Schritte von ihm entfernt war, hielt sie mit einem leichten Aufkreischen inne, da Jem Stickels plötzlich an ihrer Seite erschien, aus dem Versteck eines der zahlreichen Gräben hervorspringend, von denen die Marsch nach allen Richtungen durchzogen war.

Der Detektiv hörte des Fischers rohes, höhnendes Lachen. Tann sah er das Mädchen vorwärts stürzen, in der augen­scheinlichen Absicht, sich ihrem unwillkommenen Bewunderer durch die Schnelligkeit ihrer Füße zu entziehen.

Tas ist genau dieselbe Bewegung, mit der sie mir entwischte!" dachte der Detektiv, als er die schlanke Figur sich plötzlich rechts wenden sah, der groben Berührung aus­weichend, die sie bedrohte.

Jem Stickels wußte jedoch, mit wem er zu tun hatte. Die Hände in die Taschen steckend, begnügte er sich, ihr den Weg mit seiner Person zu verlegen, wobei er geschickt jeden ihrer Versuche, an ihm vorüberzukommen, vereitelte. Diese Versuche und die erfolgreichen Bewegungen, durch die Jem sie zu Nichte machte, brachten die beiden jungen Leute nahe genug an den Platz, wo der Geheimpolizist sich ver­steckt hielt, um die Worte hören zu können, die der Fischer jetzt an das Mädchen richtete.

Halt!" schrie er barsch und in keinem unterwürfigen Tone,Sie täten besser, aus das zu hören, was ich zu sagen habe und Ihnen drum sage. Denn, wenn Sie es nicht tun, so werde ich meiner Wege gehen und es dafür jemand am drem sagen."

Das ist gerade das, was ich von Ihnen verlange", antwortete Nell entrüstet.Sie wissen gar wohl, daß rch mit Ihnen weder jetzt noch später, besonders aber letzt zu sprechen wünscho" , , t r . ....

Was meinen Sie mit Ihrembesonders aber jefei , he meine schöne Lady Pfau?" fragte Jem, der augenschem- lich getrunken hatte, obschon er wußte, was er tat.

Statt aller Antwort wendete sich aber das Mädchen plötzlich um und schickte sich an, nach dem Gasthof zurück­zulaufen. Jem, der auf einen solchen Versuch vorberertet war, überholte sie bald; sie waren aber jetzt zu wett weg, als daß der Detektiv hören konnte, was sie sagten, obschon er den Ton ihrer Stimmen wohl unterschied.

Es war sichtbar, daß die allernächsten Worte, die Jem ausstieß, einen großen und furchtbaren Eindruck auf Nell machten. Ihr Gesicht, das erst nur Widerwillen und Ekel aus gedrückt hatte, wurde mit einemmal starr vor Schrecken, als der junge Mann ganz dicht neben ihr stand und mit heiserem Flüsterton ihr etwas in aufgeregter, ernster Wetse zuraunte.

So eifrig bemüht war der Detektiv, das kennen zu lernen, was einen so starken Eindruck auf das Mädchen ausübte, daß er aus seinem Versteck nach dem Ableitungs- graben, der längs der Straße hinlief, und dann in diesem weiter fortkroch, manchmal durch Wasser, manchmal nur durch den Schlamm, bis er dicht genug bei den beiden Sprechenden war, um die meisten ihrer Worte auffangen zu können. Als er stillhielt, schlug das Mädchen gerade ein Begehren des Mannes mit aller Energie des Widerwillens und Abscheues ab.

Natürlich will ich es nicht", sagte sie heftig.Natür­lich wird niemand Ihre Geschichte nur einen Augenblick glauben. Auch halte ich es nicht für möglichj, daß Sie wagen würden, Sie jemand andrem zu erzählen, aus Furcht, für wahnwitzig gehalten zu werden."

Mollen Sie nicht? Nun dann gut!" schnaubte Jem. So werde ich's jenem Hemming erzählen, der seit kurzem hier 'rumspioniert und Ihren Onkel mit seinen Fragen so aufsässig gemacht hat. Soll ich's ihm sagen. Miß, he?"

Der Geheimpolizist konnte das tziesicht des Mädchens