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Die ihm in die Verbannung gefolgt war, auch hier nicht. Da sie es unmöglich fanden, auf geheime Weise mit ihm ?u verkehren, obgleich es ihnen erlaubt war, ihn als Glieder eines Hauses zu bedienen, gelang es ihnen, ihm ihre Pläne unter der Verkleidung eines prosaischen Liebesliedes mit» zuteilen. Dann verbargen sie eine Strickleiter in einem geheimen Gemach, lösten eine eiserne Fensterstange von außen und setzten sie wieder sorgfältig ein. Schah Schujah mußte in der bestimmten Nacht notwendigerweise einige Augenblicke in jenem geheimen Gemache zubringen. Er benutzte die Strickleiter und entkam so aus dem Hause seiner Gefangenschaft. Dann begann eine gefahrvolle Wan­derung in der Verkleidung eines Bauern, bis zuletzt der Setledsch (Nebenfluß des Indus) erreicht wurde.

Die nachfolgende Geschichte dieses Mannes ist ebenso tragisch. Was Rangit Singh für den Kohinoor ver­sprochen hatte, versuchte die britische Regierung aus poli­tischen Gründen. Im Jahre 1839 begleitete ein britisches Heer den Schah Schujah nach Kabul, um ihn auf den Thron von Afghanistan zu setzen, als einen freundschaftlicheren Herrscher als den russisch gesinnten Dost Mohammed. Der Einfall war erfolgreich. Schah Schujah wurde in Kabul eingesetzt, sein Nebenbuhler gefangen genommen und nach Kalkutta transportiert. Aber zwei Jahre später brach eine Empörung aus; das britische, aus etwa 16 000 Mann be­stehende Heer, welches das Land besetzt hatte, mußte sich im tiefen Winter zurüctziehen. Die Schrecken jenes Rück­zuges bilden eine der traurigsten und furchtbarsten Epi­soden in den Annalen der modernen Geschichte. Tie garze Armee wurde vernichtet bis auf einen einzigen Flüchtling, der die freundschaftlichen Mauern von Jellalabad erreichte, um dort den Jammer mid das Unglück seines Heeres zu erzählen.

Und Schah Schujah, die unglückliche Ursache, wurde in Kabul ermordet, als seine Verteidiger fort waren. So kam ein König um, der viel für seinen Thron und das Ver­langen nach dem Kohinoor gesündigt hatte, gegen den aber durch die Eroberung jenes gefährlichen Thrones und den Besitz jenes mystischen Juweles noch weit mehr ge­sündigt worden war.

Unterdessen (1839) war auch Rangit Singh gestorben. Als er auf dem Sterbebette lag, fühlte er den geheimnis­vollen Einfluß des unheilvollen Diamanten, um den er so wacker im Leben gekämpft hatte. Er fühlte, daß sein schrecklicher Fluch auf seinem Hause ruhte, baß das volle Maß davon auf seine Nachkommen fallen werbe. Nur ein Akt der Buße konnte das drohende Geschick abwenden. Sterbend bat er die Umstehenden, mit dem Juwel nach dem Tempel von Püree zu eilen und ihn dem Götzen Jug- gernaut anzubieten.

Unglücklicherweise gab die Königin-Regentin einen Gegenbefehl und behielt den Edelstein für seinen Nach­folger, den jugendlichen Dbuleep Singh. Während ihrer kurzen Regentschaft brach eine Revolution aus, der zwei ungestüme und blutige Kriege gegen die britische Regierung folgten; das Pandschab wurde annektiert, unb der Kohi noor, ber Preis bes Kampfes seit dreißig Jahrhunderten unter Königen und Kaisern, wurde der britischen Krone über­geben.

Ehe er seinen letzten Ruheplatz unter den königlichen Insignien von England fand, machte er einen weiteren Wechsel durch. Er wurde dem Lord (damals Sir John) Lawrence übergeben, der ihn in die Tasche steckte und erst sechs Wochen danach daran dachte, als er aufgefordert wurde, ihn der Königin Viktoria zu übergeben. Erschrocken eilte er nach Hause, um den kostbaren Edelstein zu suchen. Glücklicherweise hatte sein Hindu-Diener ihn gefunden; der gab auf alles acht und hattedas kleine Stück Glas" ausbewahrt, das von seinem vergeßlichen Herrn so achtlos beiseite geworfen worden war. Bis auf die letzte Seite seiner Geschichte befriedigte dieser wunderbare Stein sein Ver­langen nach gefahrvollen Abenteuern.

Als er nach England gebracht wurde, wog er nur 181 Karat. Er wurde (mit zweifelhafter Klugheit) in Amster­dam wieder geschliffen und bis auf 106 Karat verkleinert. Als er zuerst durch die Weltgeschichte bekannt wurde, wog er 787 Karat, oder hatte ungesähr viermal die Größe des zweitgrößten Diamanten in der Welt. An Größe glich er damals einem sehr großen Hühnerei; er war ungefähr 2r/z

Zoll lang und an seinem dickste« Teile beinahe l»/z Zoll breit.

Nun entsteht die Frage, w a n n und wie verlor dieser prachtvolle Diamant von 787 Karat beinahe zwei Drittel seiner Größe und wurde bis auf 279 vermindert? Dies ist nicht nur eine bloße Berufsfrage oder eine Frage von akademischem Interesse; es ist eine Frage von der größten Wichtigkeit, an der momentane Erfolge hängen, welche die zukünftige Geschichte beeinflussen oder nachteilig darauf ein» wirken können.

Dies sind die Tatsachen des Falles: Es war ein Dia­mant in den Urkunden des Landes erwähnt als 787 Karat schwer und an Form einem großen Ci ähnlich. An dem Hofe des Schah Jahan wurde er von Tavernier gesehen. Damals wog er nur 279 Karat, war an Größe ungefähr dem Drittel eines großen Eies ähnlich und hatte über seiner Grundfläche eine gerade Spaltung eine Tatsache, die int natürlichen Zustande der Diamanten unbekannt war. Unterdessen war ein geheimnisvoller Edelstein als das Auge eines Gottes in einem Hindu-Tempel aufgetaucht. Er glich auch einem Teile eines Eies dem dünneren Teile und hatte auch an seiner Grundfläche eine gerade Spaltung.

Die Folgerung ist einleuchtend. Edelsteine, die den Götzen geopfert wurden, vielleicht aus den Gründen ihrer geängstigten Besitzer werden häufig in der Geschichte Indiens erwähnt. Das Schicksal dieses Diamanten, der einzig in seiner Art war, glich dem vieler seiner beschei­deneren Vorgänger. Er wurde entzwei geschlagen, ein Teil behalten und das andere dem Götzen als ein Sühnopfer dargeboten.

Und das Auge des Gottes hat auch eine merkwürdige Geschichte, welche die wunderbare Erzählung des Kohi not, seiner anderen Hälfte, ergänzt. Ein tollkühner Ir­länder, der aus Neigung Abenteurer von Beruf geworden war, rühmte sich in einer Londoner Schenke, daß er drei verschiedene, sehr verwegene Heldentaten ausführen wolle, die noch kein Europäer bis jetzt vollbracht habe, ttämlich 1. den Großmogul auf seinem Thron zu sehen, 2. auf einem ungesattelten Elefanten (einem seit den Tagen Han- nibals nicht in Europa gesehenen Tiere) zu reiten und 3. den größten Diamanten in der Welt in seinen Händen zu halten. Wie er nach verschiedenen Abenteuern die beiden ersten Taten ausführte, gehört nicht in den Rahmen dieser Chronik; was aber die dritte betrifft, so wird uns erzählt, daß es diesem verwegenen Abenteurer gelang, auf die Ge­fahr seines Lebens in Verkleidung in den Hindu-Tempel ein­zudringen, wo der Götze mit dem Diamant-Auge stand, und den kostbaren Edelstein zu stehlen. Nach weiteren Aben­teuern erreichte er die Küste, segelte nach Europa und fand seinen Weg nach Rußland. Dort verkaufte er den Diamanten dem Grafen Orloff für eine große Summe, der seinerseits ihn der Kaiserin Katharina für 450 000 Rubel (Lstr. 90 000) bar, eine Leibrente von 4000 Rubel (Lstr. 800) und einen russischen Adelstitel überließ. Er wurde später in Amster­dam in der Form einer Rose geschnitten und auf das russische Szepter gesetzt. Er wiegt jetzt 194,75 Karat und ist deshalb beinahe doppelt so groß als der Kohinoor.

Nun ist die Frage in betreff der beiden Edelsteine, welcher Art ist die Meinung der Hindus über ihre eigenen Anspruchsrechte? Wenn dies wirklich die Hälften des eckften Steines von göttlichem Ursprung sind, ist dann die göttliche Bürgschaft und das Mandat von Indiens Souveränität durch seine Verstümmelung aufgehoben? Mit anderen Worten: Haben die beiden Hälften den Charakter des ur­sprünglichen Ganzen verloren? Oder besitzen sie denselben noch beide und getrennt?«

Geheimschrift.

(Nachdruck verboten.)

Hbdkfrdnspndhlgnsmkt

Vrbdrltkmmrvrbdsltld GltrtwrddshrzmrndblmnwchsndrH Znmkmpfglst gsthtnchdrwltmnsnn.

Vorstehende Buchstabcnreihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einfügung passender Vokale zu sinngemäße» Wörtern bilden lassen» Das Ganze ergibt einen Vers von Scheffel.

(Auflösung in nächster Rümmer.)

Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.: Eifer, Reid, Glied, Bude, List, Mieder, Wand, Feder«, Schwert.

Redaktion: Curt «lat». Ke*etien#6rud mtb Serien der Brühl'scheu UniversitätS-Buch. und Stemdruckerei lAittkch Erben» in Giesten.