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Dichter nur, wenn der Wolf vor der Tür heult, malt der Waler nur ums tägliche Brot? Sollen wir beide uns zum Werbrechen treiben lassen, wie Hinz und Kunz von White- chap»l? Du tust mir weh, mein lieber Junge, und Du brauchst darüber nicht zu lachen. Kunst um der Kunst willen ist eine abgedroschene Redensart, aber ich gestehe, daß sie für mich etwas Verlockendes hat. In diesem Falle sind meine Beweggründe vollkommen rein, denn ich bezweifle sehr, ob wir so seltene und auffallende Steine jemals zu Geld machen können. Aber wenn ich nach dem heutigen Abend keinen Versuch mache, sie zu bekommen, kann ich niemals wieder einem anständigen Menschen ins Gesicht sehen."

Seine Augen blinzelten, aber sie funkelten auch.

Es wird ein schweres Stück Arbeit werden", begnügte ich mich, zu antworten.

Glaubst Du etwa, ich hätte mich so darauf verbissen, wenn es das nicht wäre?" rief .Raffles.Mein lieber Junge, ich würde die St. Pauls-Kathedrale stehlen, wenn ich's könnte, aber ich werde mich ebensowenig jemals dazu erniedrigen, eine Ladenkasse zu leeren, wenn der Krämer den Rücken dreht, als ich einem alten Weib ein paar Aepfel aus ihrem Korbe nehmen könnte. Selbst die kleine Ge­schichte vor einem Monat war eigentlich ein schmutziges Geschäft, aber es war notwendig, und die Geschicklichkeit, womit wir's ausgeführt haben, gibt ihm einen besseren Anstrich. Aber sich an Leute zu machen, die behaupten, daß sie vor einem auf der Hut seien, das ist etwas Ehren­haftes und mehr sportmäßig. Die Bank von England wäre zum Beispiel ein ideales Ziel, aber dazu gehörten min--; bestens ein halbes Dutzend von uns und Jahre der Vor­bereitung. Einstweilen ist Ruben Rosenthall ein Stück Wild, das für Dich und mich edel genug ist. Wir wissen, daß er bewaffnet ist, und wie sich Billy auf Boxen versteht. Ein Sonntagnachmittagsvergnügen wird's nicht geben, das räume ich ein, aber was kommt denn darauf an, Bunny was kommt darauf an? Der Mensch soll nach Zielen streben, die zu erreichen einige Mühe kostet, mein Junge, oder wozu, zum Kuckuck, wäre denn der Himmel erschaffen?"

Mir wäre es lieber, wenn wir vorläufig noch nicht nach so hohen Zielen strebten", antwortete ich lachend, denn seine Laune war ansteckend, und der Plan begann mich zu reizen, trotz meiner Bedenken.

Verlaß Dich nur auf mich", antwortete er,ich werde Dir durchhelfen. Ich glaube, es wird sich Herausstellen, daß die Schwierigkeiten bei näherer Prüfung verschwinden werden. Die, Leute trinken beide wie der Satan, und das vereinfacht die Geschichte beträchtlich. Aber wir müssen uns die Zeit nehmen. Wahrscheinlich wird sich die Sache auf ein Dutzend verschiedene Arten ausführen lassen, zwischen denen wir die Wahl haben. Zunächst müssen wir das Haus jedenfalls mindestens eine Woche lang beobachten, und es können sich eine Menge Umstande ergeben, die noch mehr Zeit erfordern. Aber laß mir eine Woche, dann werde ich mich genau aussprechen können das heißt, wenn Du wirklich mittun willst."

Natürlich will ich das", antwortete ich entrüstet.Aber warum soll ich Dir eine Woche lassen? Weshalb können wir das Haus nicht zusammen beobachten?"

Weil zwei Augen ebenso viel sehen als vier und weniger Raum einnehmen. Man soll niemals paarweise jagen, wenn's nicht unbedingt notwendig ist. Du brauchst kein böses Gesicht zu machen, Bunny, es wird genug für Dich zu tun geben, wenn die Zeit da ist; das verspreche ich Dir. Mach' Dir nur keine Sorgen, Deinen Anteil am Spaß sollst Du haben, und einen roten Diamant obendrein wenn alles gut geht."

(Fortsetzung folgt.)

Die Geschichte des Koh-L-noor.

Aus Harpers Monthly Magazine übersetzt.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Schah Zamaun blieb fest eingekerkert in Kabul, bis fein dritter Bruder, Schah Schujah, erfolgreich gegen Mo­hammed kämpfte, ihn absetzte, den Gefangenen, Schah Za­maun,, befreite und den Thron dann felbst einnahm. Den Kvhinoor erlangte er indessen doch noch nicht. Ob-, gleich Schah Zamaun geblendet war, hatte er alle die Jahre daher sein Geheimnis bewahrt in der eiteln Hoffnung, daß er eines Tages seinen Thron wieder erlangen werde, und

nun, befreit wie er war, und mit weniger Aussicht als je, den Thron wieder zu besteigen, weigerte er sich, das Versteck des kostbaren Edelsteines bekannt zu geben. Wie er je in den Besitz des Schah Schujah gelangte denn schließlich bekam er ihn doch wird nie bekannt werden. Ob Zamaun solch brüderlicher Ueberredung wie der Folter und den Daumenschrauben nachgab, oder ob der Edelsteiil zufällig von dem Mullah des Schlosses gefunden wurde ist bis heute unbekannt. Auf alle Fälle bekam Schah Schujah den Edel­stein in seinen Besitz, und durch die Ironie des Schicksals war sein Los schlimmer als das seiner Vorgänger.

Da er bald durch eine Empörung aus seinem Lande vertrieben wurde, streifte er als heimatloser Wanderer in dem Pandschab und in Kaschmir umher. Nur eine kleine treue Schar folgte ihm. Die Gefahren und Beschwerden, die er ertrug, sind ohne Gleichen in der Romantik der modernen Literatur. Seine heldenmütige Königin weigerte sich, ihn zu verlassen; sie folgte ihm auf allen seinen Wanderungen und vermehrte dadurch seine Angst und seine Gefahr.

Endlich glaubte er in Srinugger einen Zufluchtsort gefunden zu haben. Aber sobald der Herrscher von Kvschmir den Edelstein erblickte, erfaßte ihn das Verlangen, den Juwel in seinen Besitz zu bringen; indem er alle Gesetze der Gast­freundschaft und selbst der Freistätte Gesetze, die als von Gott gegeben angesehen und im Osten vor allen anderen beobachtet werden verletzte, kerkerte er seinen Gast ein und bemühte sich, den Schatz zu erlangen.

Sein Vorhaben wurde gerade bei Zeit bereit lt. Rangit Singh, der Siih*) und Herrscher dcs Pandschab t ü tmie noch von einem mächtiger! Reiche. Da er auf der südlichen Seite seines Gebietes von den Briten umgeben war, mit denen er gerade einen Bündnisvertrag abgeschlossen hatte, wandte er seine Waffen nach Norden und fiel in Kaschmir ein. Nach einem erfolgreichen Feldzuge befreite er Schah Schujah aus seiner gefährlichen Lage und bot ihm ein Asyl in Lahore an.

Durch die Ironie des Schicksals befiel dort den Schah Schujah dasselbe Unglück wie in Srinugger. Während er der Gast Rangits war, offenbarte er seinem mächtigen Wirte in einem Augenblicke kindischer Eitelkeit, daß er noch im Besitze des Kohinoor sei; so groß war der gcheimnis- volle Zauber des Edelsteines über die Herzen der Menschen, daß Rangit, der bisher der treueste Freund und der ritter­lichste Wohltäter gewesen war, von einer heftigen und un­bezwingbaren Leidenschaft erfaßt wurde, den Juwel um jeden Preis in seinen Besitz zu bringen.

Er unterwarf seinen nun als Gefangenen angesehenen Gast fortgesetzten Schmähungen und Beschimpfungen, kerkerte ihn innerhalb der vier Mauern seines Hauses ein und versagte ihm sogar die notwendigsten Lebensbedürfnisse. Aber Schah Schujah hing noch mit der Hartnäckigkeit bei Verzweiflung an feinem Edelstein.

Es ist wirklich ein seltsamer Einblick in orientalische Gewohnheiten und in die Macht orientalischen Glaubens, daß, obgleich Rangit sich so weit vergessen konnte, seinen Gast indirekt großer Graufamkeit zu unterwerfen, er seine Person nicht offen berauben konnte. Zuletzt sann er einen scharfsinnigen Plan aus, seine Absicht zu verwirklichen. Et erbot sich, eine mächtige Armee, die von drei napoleonischen Generälen, Court, Allard und Ventura, nach europäischer Art geschult und ausgerüstet worden war, nach Afghanistan zu führen und Schah Schujah auf den Thron von Kabul zu fetzen, wenn letzterer ihm nur den Edelstein abtreteu wolle. Von der Aussicht angelockt, sein verlorenes König reich wieder zu erlangen, was, wie er nicht zweifelte, Raugii wohl imstande sei zu vollbringen, willigte er in den Plan und entsagte dem Besitze des unschätzbaren Kohinoor, indem er sich nur die Uebertragung des unbedingten Eigen tumsrechtes bis zur Wiedererlangung des Thrones vor Kabul vorbehielt.

Ob Rangit je beabsichtigte, sein Wort zu halten, wir! man nie erfahren. Sei es, wie es wolle, er sah die Not­wendigkeit ein, Schah Schujah gefangen zu halten, solang« er nicht imstande war, unbedingtes Eigentumsrecht del Edelsteines zu beanspruchen.

Endlich zur Verzweiflung getrieben, beschloß Schal Schujah, auf britisches Gebiet zu entfliehen. Sein Versuq mißlang wiederholt. Trotzdem verließ ihn die treue Schar

*) Die Sikh sind ein eigenes Volk im Nordwesten vor Vorderindien. Ihre Religion ist ein Gemisch von BrahmaiÄ mus und Islam.