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und ich mehr als unrecht. Ich werde es nie wieder verlangen Gehen Sie, wenn Sie wollen, und kommen Sie gegen Mittag wieder, um das Geld in Empfang zu nehmen. Abgemacht haben wir ja freilich nichts, aber ich werde Ihnen natürlich aus der Klemme helfen — besonders nachdem Sie mir diese Nacht so getreulich beigestanden haben."
Jetzt fuhr ich herum, und das Blut kochte in meinen Adern.
„Ich bin bereit, wieder mitzutun", zischte ich zwischen den zusammengepreßten Zähnen hervor.
„Nein, das sind Sie nicht", antwortete er, den Kopf schüttelnd mit einem schalkhaften Lächeln über meine wahnwitzige Begeisterung.
„Doch, ich will!" schrie ich mit einem Fluch. „Ich will Ihnen helfen, so oft Sie es verlangen! Was kommt denn jetzt noch darauf an? Einmal habe ich dabei geholfen und werde cs wieder tun. Der Teufel hat mich nun einmal in den Klauen; ich kann nicht mehr zurück, selbst wenn ich wollte, und ich will gar nicht. Wenn Sie mich nötig haben, bin ick Ihr Mann!"
So verbanden sich Raffles und ich-in den Iden des März zu verbrecherischem Tun.
II.
Eine Aufführung in Kostüm.
Ganz London sprach damals von einem Menschen, dessen Name schon jetzt nur noch ein Name ist, und weiter nichts. Ruben Rosenthal hatte sich seine Millionen in den Diamant- seldern von Südafrika erworben und war nach Hause zurück- gekehrt, um sie zu genießen — was er eben unter genießen verstand. Wie er dabei zu Werke ging, das werden die Leser der billigen Abendblätter nicht so leicht vergessen, die Blätter, die förmlich schwelgten in endlosen Anekdoten über seine ursprüngliche Armut und seine gegenwärtige Werschwendung, vermischt mit interessanten Schilderungen des wunderbarer! Haushalts, den der Millionär in St. Johns Wood eingerichtet hatte. Dort hielt er sich ein Gefolge von Kaffern, die buchstäblich seine Sklaven waren; und von dort unternahm er seine Ausflüge in die Welt mit ungeheuren Diamanten im Vorh.md und an den Fingern unter Bedeckung eines berüchtigten Preisboxers, der trotzdem noch keineswegs das schlechteste Element in der Rosenrhallschen Menage war. So behauptete der Klatsch, aber die Tatsache war durch mindestens ein polizeiliches Eingreifen fest- gestellt, dem ein gerichtliches Nachspiel gefolgt war, worüber die erwähnten Blätter mit gerechtfertigtem Gusto und fettgedruckten Ueberschriften berichtet hatten. Das war alles, was über Ruben Msenthall bis zu dem Zeitpunkt bekannt geworden war, wo es der Klub der Alten Zigeuner, der unter der schweren Not der Zeit litt, für der Mühe wert hielt, ein großes Festmahl zu Ehren eines so reichen Vertreters der Grundsätze dieses Klubs zu veranstalten. Ich nahnr nicht daran teil, allein eins der Mitglieder führte Rassles Lin, der mir noch an demselben Abend Bericht erstattete.
„Das Tollste, ivas ich je im Leben mitgemacht habe", sagte er. „Was den Menschen selbst betrifft — na, ich war auf etwas Groteskes gefaßt, aber als ich ,den Kerl sah, blieb mir denn doch der Verstand stehen. Zunächst ist er das erstaunlichste Stück Vieh, das man sehen kann, über sechs Fuß groß, mit einer Brust wie eine Tonne, einer gewaltigen krummen Nase und dem rötesten Haar und Bart, die mir je vorgekommen sind. Er soff wie eine Saugspritze, betrank sich aber gerade nur so viel, daß er uns noch eine Rede halten konnte, die ich um keinen Preis versäumt haben möchte. Es tut mir leid, das Du nicht auch dabei warst, meiu alter Bunny."
Das zu bedauern, fing ich selbst an, denn Raffles war nichts weniger als ein erregbarer Mensch, und ich hatte ihn nie so aufgeregt gesehen. Hatte er Rosenthals Beispiel befolgt? Daß er mich um Mitternacht in meiner Wohnung aussuchte, nur um mir von einem Festesessen zu erzählen, war an sich g-enug, einen solchen Verdacht zu begründen, obgleich es allerdings mit dem im Widerspruch stand, was ich von A. I. Rassles wußte.
„Was hat er denn gesagt?" fragte ich mechanisch, denn ich ahnte, daß noch etwas anderes hinter Rassles Besuch stecke, und zerbrach mir den Kops darüber, was das sein möge.
„Was er gesagt hat?" rief Raffles. „Frag' lieber, was er nicht gesagt hat! Er rühmte sich seines Emporkommens,
prahlte mit seinem Reichtum und schimpfte auf die Gesellschaft, die ihm seines Geldes wegen die Arme geöffnet und ihn wieder zurückgestoßen habe, weil er zu reich sei. Auch Namen nannte er mit einer Offenherzigkeit, der es nicht an Reiz fehlte, und schwor, er sei ebenso gut als nur irgend einer im allen Lande. Um das zu beweisen, zeigte er auf einen g,roßen Diamanten in der Mitte seines Vorhemdes mit einem kleinen Finger, der einen ähnlichen Stein trug Welcher von unseren aufgeblasenen Prinzen könne sich denn zweier solcher Steine rühmen? Und ich muß sagen, es schienen wirklich zwei wundervolle Steine zu sein, mit einem eigentümlichen rötlichen Schimmer, der einen ganzen Topf voll Geld wert sein muß. Der alte Rosenthall schwor, sie wären ihm noch nicht für fünfzigtausend Pfund feil, und fragte, wo es denn noch einen Menschen gäbe, der mit fünsundzwanzigtausend Pfund im Vorhemd und noch einmal fünsundzwanzigtausend Pfund am kleinen Finger spazieren gehen könne. Einen solchen Menschen gäbe es einfach nicht, und wenn einer existiere, so würde er nicht den Mut haben, solche Schätze offen zu tragen. Er habe aber den Mut — und er wolle uns auch sagen, warum. Und ehe man drei zählen konnte, hatte er einen riesigen Revolver aus der Tasche gezogen."
„Doch nicht bei Tische?"
„Gewiß, bei Tische und mitten in seiner Rede! Aber das war noch gar nichts gegen das, was weiter kam. Er sagte, er wolle seinen Namen mit Kugeln an die Wand schreiben und uns zeigen, warum er sich nicht fürchte, mit seinen Diamanten umherzulaufen. Das Vieh Purvis, der Preisboxer, der sein bezahlter Grobian ist, mußte seinen Herrn und Gebieter gehörig anranzen, ehe dieser seine Absicht aufgab. Einen Augenblick herrschte vollständige Panik; einer kniete sogar unter dem Tisch und betete, und die Kellner rissen sämtlich aus."
„Das muß ja ein ganz grotesker Auftritt gewesen fein."
„Das will ich meinen, aber ich wollte, sie hätten ihn schießen lassen. Er war ganz darauf versessen, uns zu zeigen, wie er seine roten Diamanten beschützen könne; und, weißt Du, Bunny, ich war ebenso versessen darauf, es zu sehen."
Bei diesen Worten beugte sich Rassles mit einem pfiffigen, leisen Lächeln zu mir herüber, das mir endlich die geheime Bedeutung seines Besuches nur zu klar machte.
„Du hast also Lust, selbst einen Versuch zu machen, an die Diamanten zu kommen?"
„Das ist doch unverkennbar, wie ich zugebe", antwortete er achselzuckend. „Aber ja — ich bin ganz erpicht auf sie! Um ganz offen zu fein, liegen sie mir schon seit einiger Zeit auf dem Gewissen. Man kann doch nicht fortwährend von diesem Manne, seinem Preisboxer und seinen Diamanten reden hören, ohne eine Art von .Verpflichtung zu fühlen, einmal die Finger danach auszustrecken. Wenn es aber so weit kommt, daß der Mensch einem mit dem Revolver vor der Nase herumfuchtelt und sozusagen die ganze Welt herausfordert, dann ist die Geschichte aber nicht mehr zu umgehen. Sie wird einem einfach ausgenötigt. Das Schicksal wollte, daß ich diese Herausforderung hörte, Bunny, und ich bin nicht der Mann, ihr ans dem Wege zu gehen. Das einzige, was ich bedauerte, war, daß ich mich nicht auf die Hinterbeine setzen und es auf dem Flecke sagen konnte."
„Nun", entgegnete ich, „so, wie wir stehen, kann ich zwar die Notwendigkeit nicht einsehen, aber ich bin natürlich dabei."
Vielleicht verriet mein Ton, daß mir die Zustimmung nicht, ganz von Herzen kam, obgleich ich versuchte, meine Abneigung zu verbergen. Seit unserem Unternehmen m Bond Street war kaum ein Monat vergangen, und wir hätten es ganz gut noch eine Weile aushalten können, ohne ein neues Verbrechen zu begehen, denn wir lebten ganz behaglich. Auf Rassles Rat hatte ich einige Kleinigkeiten geschrieben, mich sogar zu einem Artikel über unseren eignen Juwelendiebstahl verstiegen, und für den Augenblick hatte ich genug von dieser Art von Abenteuern. Ich war bet Ansicht, wir sollten zuftieden sein, daß es , uns gut ging, und mir wollte die Notwendigkeit nicht einleuchten, unA neuen Gefahren auszusetzen, ehe wir dazu gezwungen waren. Auf der anderen Seite war mir jedoch auch daran gelegen, zu zeigen, daß ich nicht im geringsten geneigt war, von dem Versprechen zurückzutreten, das ich vor einem Monat gegeben hatte. Allein es war nicht meine unverhohlene Abneigung, wogegen Raffles Einwendung erhob.
„Die Notwendigkeit, mein lieber Bunny? Schreibt der


