Nr. L7.
1903.
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(Nachdruck verboten.)
Ein Einbrecher aus Passion.
Bon E. W. Hornung.
Autorisierte Uebersetzung aus denr Englischen von F. Mangold.
(Fortsetzung.)
So sah ich zu, wie er seine Taschen leerte und wie sich der Tisch mit ihrem funkelnden und glitzernden Inhalt bedeckte: Ringe zu Dutzenden, Diamanten mandelweise, Armbänder, Anhänger, Aigretten, Halsbänder, Perlen, Rubinen, Amethisten, Saphire und Diamanten, immer wieder Diamanten, blitzende Lichtstrahlen, die mich blendeten, verwirrten. Als letzten Gegenstand zog er kein Kleinod, sondern meinen eigenen Revolver aus seiner innern Tasche hervor, und sein Anblick machte einen wunderlichen Eindruck auf mich. Ich glaube, ich sagte etwas, meine Hand griff hastig danach, und noch jetzt steht Raffles vor mir, wie er mich mit seinen klaren Augen anschaute, über denen seine Brauen in hochgcschwungenen Bogen emporgezogen waren, und ich sehe noch, wie er mit seinem ruhigen zynischen Lächeln die Patronen ans den Kammern entfernte, ehe er mir die Waffe zurückgab.
„Vielleicht glauben Sie mir nicht, Bunny, aber ich habe noch nie einen geladenen Revolver bet mir getragen", sagte er, „jedoch will ich nicht bestreite», baß es einem eine gewisse Zuversicht verleihen mag, indessen wäre es doch sehr eklig, wenn etwas schief ginge. Man könnte sich am Ende verleiten lassen, ihn zu gebrauchen, und das liegt gar nicht in meiner Absicht, obgleich mir häufig der Gedanke gekommen ist, daß ein Mörder, der seine Tat eben vollbracht hat, Großartiges empfinden inuß. Machen Sie nicht ein so unglückliches Gesicht, lieber Junge; ich habe diese Empfindungen noch nie gehabt und glaube auch nicht, daß ich sie jemals haben werde."
„Mer das da haben Sie doch schon einmal getan?" fragte ich mit heiserer Stimme.
„Schon einmal? Mein lieber Bunny, Sie beleidigen mich! Sah das wie Anfängerarbeit aus? Natürlich habe ich das schon getan."
„Häufig?"
„Hm — nein! Jedenfalls nicht häufig genug, der Sache ihren Reiz zu nehmen; tatsächlich nie, wenn mich nicht die Not dazu trieb. Haben Sie mal etwas von den Thimblebey-Tiamanten gehört? Das war das letzte Mal — und ein armseliger Haufe falscher Steine war mein Lohn. Tann habe ich das kleine Geschäft auf Dor- mers Hausboot bei Henley im vorigen Jahre gemacht, wobei auch nicht viel herauskam. Einen wirklich großen Zug habe ich noch nicht getan, und sobald mir einer ge- uugt, steckt ich das Geschäft auf."
Ja, dieser beiden Fälle entsann ich mich, aber zu denken, daß Raffles der Täter war.... Das war unglaublich, empörend und unfaßbar! Dann fielen meine Blicke wieder auf den an hundert Stellen glitzernden und funkelnden Tisch, und mein Unglaube war zu Ende.
„Wie sind Sie zuerst dazu gekommen?" fragte ich, als Neugier die Oberhand über mein Staunen gewann und sich das Fesselnde, das sein Lebenslauf für mich hatte, allmählig mit der Anziehungskraft verwob, die er als Mensch auf mich ausübte.
„Ach, das ist eine lange Geschichte", antwortete Raff- les. „Das war in den Kolonien, als ich draußen war, um Criquet zu spielen. Die Geschichte ist zu lang, als daß ich Sie Ihnen jetzt erzählen könnte, aber ich war so ziemlich in derselben Klemme wie Sie heute Abend, und es war ein einziger Ausweg. Mehr als das eine Mal beabsichtigte ich damals nicht, allein ich hatte Blut geleckt, und es war vorbei mit mir. Warum sollte ich denn arbeiten, wenn ich stehlen konnte? Warum ein langweiliges, mir nicht zusagendes Geschäft anfangen, wenn mir Aufregung, Romantik, Gefahr und Wohlleben gleichzeitig geboten wurden? Natürlich ist es ja furchtbar unrecht, aber wir können nicht alle Musterknaben sein, und die Art, wie die Güter verteilt sind, isst von vornherein sehr ungerecht. Außerdem beschäftigt man sich doch auch nicht unausgesetzt damit, und ich bin nur neugierig, ob Ihnen das Leben ebenso gefallen wird, als mir."
„Ob's mir gefallen wird?" rief ich aus. „Nein, nein, das ist kein Leben für mich Einmal und nicht wieder!"
„Sie würden mir also nicht noch einmal helfen?"
„Verlangen Sie es nicht, Raffles, um Gotteswillen verlangen Sie es nicht-"
„Und doch sagten Sie vorhin, Sie würden alles für mich tun; Sie forderten mich auf, mein Verbrechen zu nennen! Allein ich wußte gleich, daß es nicht Ihr Ernst war. Diese Nacht haben Sie mich freilich nicht im Stiche gelassen, und das sollte mich wahrhaftig zufriedenstellen. Ich bin undankbar und unvernünftig, wenn ich mehr verlange, und es wäre am besten, heute einen Strich darunter zu machen, aber, sehen Sie, Bunny, Sie sind der richtige Mann für mich, der — richtige — Mann! Denken Sic nur einmal darüber nach, wie glatt diese Nacht alles gegangen ist! Nicht die geringste Schwierigkeit! Etwas furchtbares ist es also nicht, und wird es nie sein, wenn wir beide zusammen arbeiten."
Während er dies sprach, stand er vor mir und hatte mir die Hände aus die Schultern gelegt, und dabei lächelte er, wie nur er zu lächeln wußte. Ich drehte mich auf dem Absatz um, stemmte die Ellbogen auf den Kamin und verbarg meinen brennenden Kopf in den Händen. Im nächsten Augenblick legte sich seine Hand noch nachdrücklicher auf meinen Rücken.
„Schon gut, mein Junge; Sie haben ganz recht,


