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zwei — drei!
(Fortsetzung folgt.)
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„Und ich versichere Dich, daß Monsieur Hamor so liebenswürdig ist, daß —" Hier hielt sich Guenn die Ohren zu und sang so laut sic konnte:
„Ah mon dieu, que la Vie est amere."
„Tu m'ennuies, sag ich Dir! Sei doch endlich still! Kleines Närrchen, wie bist Du noch fo1 dumm, aber ich hab' Dich doch lieb! Komm, laß uns jetzt vernünftig sprechen. Siehst Tu Jeanne, ich habe jetzt genug von Deinem Monsieur Hamor, er hat für mich so viel Bedeutung wie" —: sie blickte suchend umher, um einen Gegenstand zu finden/ der Humors Unbedeutendheit genügend bezeichnen könnte; da fiel ihr Blick auf ihren rechten Fuß, hastig schob sie ihn vor und zeigte verächtlich darauf: „Nun, wie meine alten Holzpantoffeln. Hast Du's gehört, Jeanne?" und mit triumphierendem Lächeln blickte sie auf ihre bestürzte Freundin. Jeanne schlug vor dieser überzeugenden Beweisführung beschämt die Augen nieder, zuckte die Achseln, ließ die Arme sinken und wagte kein weiteres Wort mehr.
„Komm, Jeanne", suchte die gutherzige Guenn die geschlagene Gegnerin wieder zu ermuntern, „wir woleln itttS amüsieren! Dort unten sehe ich Madame Nives in hellem Zorne und Viktoria hat einte neue Coiffe. Also laß uns sehen, wer zuerst dort ist. Vorwärts, Jeanne, <’in8 —।
um die Wette; furchtlos und keck wie ein Knabe, warf sie sich stets mit ganzer Seele auf ihr Geschäft, und war, was sie auch unternahm, tüchtig und an ihrem Platze. In Plou- venec beurteilte man ihr Benehmen, ihren Stolz und ihre lustige Keckheit mit freundlicher Nachsicht, denn, wie wild sie auch war, wie schrankenlos sie sich auch zu jeder Stunde des Tages oder der Nacht unter den rohen Fischern herumtreiben mochte, ihre Unschuld war so fleckenlos wie der Winterschnee auf den Gipfeln der Montagnes Noires.
Wenn Hamor ihr begegnete, wie dies ja häufig genug geschah, so suchte sie niemals auszuweichen, sondern warf ihm einen feindseligen, herausfordernden Blick zu. Sie sah aber so reizend aus mit der zornigen Röte in dem leidenschaftlichen Gesichtchen, den dunkler schimmernden blauen Augen und den verächtlich gekräuselten Lippen, daß Hamor es sich gar nicht anders gewünscht haben würde. Nun aber begann er sich doch zu fragen, wie lange wohl dieses Vorspiel noch dauern sollte. Etwas erzwingen zu wollen, hieße seine Aussichten gänzlich vernichten; es galt also, sich in Geduld zu fassen. „Ich will alles dem Einfluß der Zeit und dem Zufall überlassen", dachte er bei sich, „je gleichgiltiger ich mich stelle, desto zahmer wird mein scheues Vögelchen werden." Einstweilen begnügte er sich damit, ihr möglichst oft zu begegnen und in ihrer Gegenwart allerhand Ätelierangelegenheiten mit Jeanne zu besprechen, die stolz auf ihren Verkehr mit ihm war und beständig von ihm schwärmte.
„Tu glaubst nicht, wie gütig und lieb Monsieur Hamor ist!" sagte sie eines Tages voller Entzücken; „Du bist zu dumm, "daß Tu ihm nicht sitzen willst! Er pfeift und scherzt den ganzen Tag, dabei singt er so hell wie eine Heidelerche."
„Tu m'embetes Jeanne", rief Guenn leidenschaftlich, „mit Deinem ewigen Monsieur Hamor hier, Monsieur Hamor da, Monsieur Hamor überall und nirgends! Was geht er mich denn 'am, wenn er den Kopf auch noch so hoch trägt und mit seinen neugierigen Angen alles zu Land und zu Wasser erspähen möchte, ewig lächelt, einen anschaut, als ob er die innersten Gedanken lesen könnte, und mehr wüßte, als die Engel itn Himmel?"
„Tiens, — ich dachte doch, Tu sähest überhaupt nicht nach ihm hin", warf Jeanne in aller Unschuld ein.
„Warum sollte ich auch? Es giebt Dinge, die man mit geschlossenen Augen sieht, dumme, Heilte Jeanne. Ich sehe doch auch die große Eiche am Weg nach Beuzec, wenn ich nach Trevignan zu schaue! Die Klippe, von der sich die arme Ivonne ins Wasser stürzte und w'o man sie kalt und tot sand, und die Sonne, die auf den Wogen scheint und glitzert, sodaß es einem schier weh tut — sehe ich das nicht auch? Gerade so weh tut mir sein Lächeln, gerade so sehe ich ihn. Ich sehe ihn immer — immer — wo ich auch sein mag — im Fischlager, inmitten all der Weiber — wenn ich durch die Felder nach Hause gehe — an dem Dolmen vorbei, wo es so einsam ist, ganz allein unter dem weiten Sternenhimmel, bei dem großen Menhir, im Walde und am Strand — wenn ich meine Coiffe abnehme und das Haar auflöse, wenn ich mein Gebet sage, wenn ich die Augen schließe, im Wachen und im Traume, immer und überall sehe ich sein Gesicht und seine Augen vor mir! O diese Augen! und dabei lächelt er immer, immer, immer!"
„Aber, mein Gott, hassest Du ihn denn so entsetzlich, Guenn?"
„Ja, ich hasse ihn aus Herzensgrund."
„Nun, ich möchte nur, daß Du mit mir kämst, um zu sehen, wie er eigentlich ist. Ich begreife wirklich nicht, warum Du allemal so unwirsch wirst, wenn ich vom Atelier spreche. Wie komisch redest Du überhaupt von den Männern, und doch hast Du mir einmal gesagt, daß Du stolz seist auf unsere Seeleute, und auch ein Schiffer im Sturm sein möchtest", fuhr Jeanne in vorwurfsvollem Tone fort.
„Gewiß, aber ein Schiffer im Sturm ist auch etwas ganz anderes als ein betrunkener Seemann am Lande — gelt lleine Jeanne? Uebriaens hab' ich das vorige Woche gesagt und gestern ift: nicht heute", lachte Guenn leichtfertig. „Heut hasse ich alle Männer bis auf drei: Thhmert, weil er ein Engel ist; Monsieur Louis, iveil er gut zu ihm ist, und Alain, weil er die Gavotte wie der Wind tanzen kann, leicht wie der Südwestwind!" Sie summte die alte Weise und versuchte einige Takte in fröhlicher Erinnerung zu tanzen.
Plaudereien aus der Kaiferftadt.
(Nachdruck verboten.!
Beobachtungen vom „Jngmdkonzert". — Die „deutsche" Knust- pflege im kommenden Theaterjahr. — Björnsons „Geographie und Liebe".
„Geh' fleißig um mit Deinen Kindern . . ." Mutter Berolina, die auf ihren Straßen zu Zeiten Hunderte von Entgleisten und Mißratenen zu wandeln hat, die sie geboren, scheint das goldene Wort des halb vergessenen Leopold Schäfer in jüngster Zeit immer höherer Beachtung wert zu halten, indem es dic-sonst sich selbst überlassen gewesene Jugend des arbeitenden Volkes hier und da an ein leises Gängelband nimmt, um sie vor schlechter Gesellschaft zu schützen, ihr Geschmack an vernünftigem Sport zu erwecken, und ihre Neigungen für die Kunst zu pflegen und zu veredeln. So hat man ihr für die Freizeit chnd die Ferienwochen die Schulhöfe als Spielplätze eingeräumt, große Spielfeste arrangiert, Aufführungen klassischer Dränten für geringes Eintrittsgeld veranstaltet und nun last not least auch die Institution der „Iu g en d ko nz erte" ins Leben gerufen. Diese Konzerte erfreuen sich eines riesigen Zuspruchs. Schon lange vor dem Beginn (nachmittags 4 Uhr) ist der gewaltige Saal der „Philharmonie" bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und tausend und abertausend frohe, erwartungsvolle Kindergesichter aus allen Bevölkerungsschichten harren einmütig der erlesenen Genüsse, die man ihnen bieten wird. Eine musterhafte Ruhe herrscht dabei im Saale; nirgends ein Streit um einen Platz, kein lautes Gespräch, kein dreister Zuruf. Es ist, als ob der sich so selten zeigende Genius der Dankbarkeit sie heute im Zügel halte und sie hindere, dem Hang zur Lebhaftigkeit, der diesem Alter eigen ist, nachzugeben. Tann die aufsichtführenden Herren und Damen aus dem „Komitee für Kunstpflege in der Schule" können das unmöglich allein fertig bringen, ebensowenig wie die hier und da mit anwesenden Eltern oder erwachsenen Geschwister, die für 50 Pfg. gleichfalls eine Eintrittskarte zu erlangen vermögen, während die Kinderkarte nur 20 Psg. kostet. Endlich beginnen die Vorträge, die durchweg auf einem hohen künstlerischen Niveau stehen. Ter zu wenig beachtete Grundi- satz, daß für die Jugend das Beste gut genug sei, scheint hier oberstes Prinzip zu sein. Unser bester Cellist, .Herr Anton H e k ki n g, erscheint auf dem Podium und spielt dem enthusiastischen "jungen Publikum Bach'sche und Schu- mann'sche Weisen, nachher auch ein Chopin'scheS Notturno und andere zum Herzen sprechende Sachen. Himntel, ist das ein Beifall! Man spurt den Jubel, die Freude, die Ergriffenheit, die diese jungen Seelen durchzittert und fühlt eine leise Wehmut, daß man selbst nicht mehr so auf- nahmesreudig, so selig dankbar, so — jung sein kann! Tann spricht Frau Margarete Pix, ein bewährtes Mitglied! des „Kleinen Theater"-Ensembles, eine Reihe guter Ofen dichte. Ihr schönes, wohllautendes Organ beherrscht den


