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1903. —. Nr. 140
Samstag den 19. September.
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(Nachdruck verboten.)
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Von B. W. Howar d.
(Fortsetzung.)
®aLn™ luar ungefähr eine Woche in Plouvenec, als Letne3^or9en§ beim Frühstück zu seinen Freunden sagte: „Wenn Ihr ellfe halbe Stunde freie Zeit habt, so kommt mit nnr, mein Atelier zu besichtigen."
. . "?ein Atelier? Ich hätte nicht für möglich gehalten, daß m Plouvenec noch em brauchbarer Raunc zu entdecken ser. Uebrrgens habe ich Dich doch aufgefovdert, das meine zu teilen", entgegnete Staunton.
„Konimt nur mit, Ihr werdet ja sehen."
„Aber lieber Schatz, glaubst Du wirklich, uns alten Emgeborenen noch die Honneurs von Plouvenec machen zu können?" ''
„Urteile nicht zu vorschnell, bis Tu siehst, wie glänzend ^^ue Eroberung tft; da sind wir übrigens schon." Damit führte er sie durch ein tunnelartiges, steinernes altes Tor, vorbei an schweren Packtvagen und einem rot und gelb angestrichenen Omnibus. Mit stolzer Siegermiene zoa
alsdann^ einen gewichtigen Schlüssel aus der Tasche, Gattertür, die in einen leeren, sonnenbeschienenen Hof führte und geleitete seine Freunde eine holprige, halsbrecherische Treppe hinauf zum ersten Stockwerk eines großen utt Hintergrund des Hofes stehenden Gebäudes.
„Hier ist mein Königreich", rief Hamor beim Eintreten Mit freudigem Stolz.
K Es war ein Bodenraum von ungewöhnlicher Größe, brer tiefe Fenster gingen auf den Hof hinaus, drei schmale Dachluken boten die Aussicht nach dem Himmel. Ein un- geheuer ausgemauerter Kamin erhob sich am entacaen- gesetzten Ende des Gemachs. Ter Ort mochte sonst wohl zum Nachreifen von Früchten benützt worden sein, wie ein
Obstgeruch bezeugte; ehrwürdige Spinnweben schmück- ten die Fensterhohlen und entzückten das Auge des Malers.
■ j?en fanden auch einige große leere Holzkisten bie Hamor sogleich seinen Gefährten gastfreundlich ging'^bn ^"bot, wobei er ihnen mit gutem Beispiel voran-
icV{»ett guten Fang", rief Staunton vergnügt, und murmelte dann überlegend vor sich hin: dem zerbrochenen Fenstersitns, goldfarbiges
S Lr L b€m draußen, feine Verteilung von Licht und schatten — der reine Rembrandt — im Hintergrund warme, gesättigte Farbentöne." j 8
getne£ntSe.Oiert)er Klangt?" fragte Douglas in seiner
„Nichts einfacher: ich küßte ein Kind, plauderte mit emer Frau, erhielt die Schlüssel und nahm Besitz. Es ging alles mit natürlichen Dingen zu." 8 8
„Du hast wirklich eins dieser Kinder geküßt?" „Auf Ehre!"
or „Mein lieber Hamor, verzeih mir, wenn ich vorhin einen Augenblick an Deinen Triumphen zu zweifeln schien. Ich bTn gewiß nicht fixer Mann, um wahren Heldenmut zu unterschatzen h rief Staunton in komischer Bewunderung. „Nicht um das Heil meiner Seele würde ich solch kleine Ichmutzige Range küssen."
„Sehr freundlich von Dir", lachte Hamor; „übrigens glaube ich daß ich eine ziemlich saubere Stelle erwischt hgb^ Auch gefiel mir das kleine Ding. Ich geriet neulich durch Zufall in die Nahe dieses Hofes und sah ihm von re1' er allerhand Vielversprechendes bergen müsse. Eine Frau schaute mit einem Kinde heraus, ich zog den Hut, sie kam näher und erklärte mir, daß ihr mari und tout le monde ausgegangen sei; wenn ich einen Wagen nach Qmmper wünsche, müsse ich warten, bis jemand zurück- allerdings außerordentlich schmutzige Kinder trotteten hinter ihr drein. Die schwer geplagte l^ine Fran schien eine Passion dafür zu haben, im Sonnenschein am Türpfosten zu lehnen und von Quimper zu träumen." r ö
Douglas gähnte sichtlich gelangweilt.
' . „ÄH sagte ihr, daß es auch mein Herzenswunsch sei, «nrttaU.H'"wzusehen, daß ich vor Erwartung nachts mcht schlafen könne. Mit fieberhafter Hast fragte ich sie, wie bald sie mir ein Fuhrwerk zur Verfügung stellen könne, um dahin zu gelangen", fuhr Hamor lachend fort o^ite ftch an die halb belustigten, halb ärgerlichen Ein- Wen; „dann, nachdem ich die Kinder
Jset!er "Ä l? bte Backen gekniffen hatte, entdeckte ich, daß das hübscheste unter ihnen das getreue Abbild seiner Mutter sei, nahm es auf den Arm, ließ es springen und eS'- /lch^Euch schon sagte, auf eine verhältnismäßig reinliche stelle. An Sonntagen waschen sie sich hier ja wohl auch das Gesicht. Nun, das war am Freitag jedenfalls waren meine Beniühungen von Erfolg begleitet sie hatte das Recht, den Speicher zu vermieten; für die geringe Entschädigung von zwanzig Franken monatlich bin „ §Err rm Hause. Es gehört dem Fischhändler Mo- rot , fuhr Hamor fort und öffnete eine Tür in der dem E^gang gegenüberliegenden Wand, „an jenem Balken dort hat sich Morot senior erhängt. Es sind auch noch ein paar weitere Balken vorhanden, zur gefälligen Benützung für uns drei Ihr seht, ich bin mit allem Komfort der Neu^ett" ausgestaltet, zieht nnr bald mit Sack und Pack
„Gewiß, Hamor, am ersten Regentag rücke ich ein, ich bin Dir ungeheuer verbunden und verzeihe Dir auch Tein Kokettieren mit der kleinen Frau und ihren schmutzigen
Kurz darauf schritten die drei jungen Leute wieder über den Hof, dem Ausgang zu. Das arme Weiblein schaute ihnen vom Fenster aus mit tiefem Seufzer nach.


